BMW 7er und i7 (G70)

BMW 7er und i7 (G70) Luxus mit Klasse

11:35 Min.

Wir fahren den neuen BMW 740 xDrive und den elektrischen i7 60 xDrive.

Seit dem Erscheinen der aktuellen BMW 7er-Generation wird der optische Auftritt der Luxusklasse-Limousine „made in Dingolfing“ kontrovers diskutiert. Während das Design für viele Menschen noch immer neu und anders ist, sieht der Hersteller bereits die Zeit gekommen für ein Facelift. Ein Zeichen dafür, wie gekonnt die Linienführung des 7er auch über einen längeren Zeitraum präsent bleibt.

Neue Design-Klasse

BMW hätte jetzt einfach ein paar LED-Elemente ändern oder, um wieder mehr in Richtung Massengeschmack einzulenken, Nierengrafik und Leuchten verkleinern können. Stattdessen wurde das Design nochmals angeschärft. An der weiterhin stolz im Fahrtwind stehenden Front sind die Hauptscheinwerfer unter den optionalen Kristall-LED für das Tagfahrlicht jetzt in vertikalen Elementen integriert. Das große Auto wirkt damit nochmals wuchtiger und selbstbewusster. Das gilt auch für das Heck mit den jetzt breiteren Leuchten.

Die Retuschen an der 5,39 Meter langen Karosserie waren nicht alles. BMW spricht von der umfangreichsten Überarbeitung, die je ein Modell im Rahmen eines LCI (Lifecycle Impulse), wie die Bayern ihre Facelifts nennen, erhalten hat. Der 7er fährt in die Ära der Neuen Klasse. Dafür wurde der Innenraum umgeräumt. Panoramic iDrive heißt die Cockpit-Architektur, die Konventionen auf den Kopf stellt und gleichzeitig ein neues Level der Ergonomie erreicht. Eine Leiste am unteren Rand der Windschutzscheibe, „Panoramic Vision“ genannt, zeigt nicht nur die für den Fahrer relevanten Informationen an, sondern auch eine teils frei konfigurierbare Sechser-Gruppe von Inhalten. Über das Infotainment-Menü kann man das konfigurieren. Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu den Concept Cars oder ersten Gehversuchen von Mitbewerbern mit ähnlichen Ideen nutzt BMW kein reines Display, sondern die Projektion von Informationen auf eine schwarze Fläche. Der Vorteil: Das menschliche Auge muss sich beim Blick von der Straße auf die Leiste nicht neu fokussieren, ähnlich wie einem Head-up-Display. Auch das gibt es im 7er als zusätzliche Informationsebene.

Auch der BMW 7er kommt mit dem neuen Cockpit-Konzept Panoramic iDrive.

Der schräge Rahmen des 17,9 Zoll großen Infotainment-Displays hat den ergonomischen Vorteil, dass Shortcuts wie der für die Deaktivierung der Verkehrszeichen-Warnfunktion mit der Fingerkuppe steuerbar sind, ohne die Hand vom Lenkrad zu nehmen. Als neue Funktion ist bei unseren Testfahrten eine sehr gute Darstellung des Umfelds bei aktivierter Navigation zu erleben. Vor allem an großen Kreuzungen und vielspurigen Autobahnkreuzen gefällt die klare Anzeige des richtigen Fahrstreifens mit der Information über andere Verkehrsteilnehmer, ohne sich in zu viel Detail-Bling-Bing zu verlieren. Ein weiteres Display vor dem Beifahrer ist im 7er serienmäßig.

Die eigentliche Entertainment-Abteilung ist aber weiterhin im opulenten Fond zu finden. Zumindest dann, wenn man das entsprechende Lounge-Paket mit Business-Class-Liegesitz hinten rechts und dem Theater Screen bestellt hat. Das 8K-Display fährt, aktiviert durch einen der kleinen Touchscreens in der Türverkleidung, ins Blickfeld der Insassen. Dank inkludiertem Datenvolumen kann man Apps wie YouTube direkt nutzen, bei Streaming-Diensten reicht der Log-in mit den eigenen Zugangsdaten. Neu ist eine Kamera, die Zoom-Meetings im Auto ermöglicht. Über einen HDMI-Anschluss in der Mittelkonsole kann man eine Spielekonsole anschließen und im Auto „zocken“.

Da der Theater Screen dem Chauffeur die Sicht nach hinten versperrt, kommt ein digitaler Innenspiegel mit. Hier hat BMW weiter Hand angelegt. Ab dem Produktionszeitraum November 2026 wird eine optimierte Kamera an der Heckscheibe eingebaut, die das Bild auf dem Spiegel-Display natürlicher wirken lassen soll. Unsere ersten Testfahrten bestätigen das. Im Gegensatz zur meist irritierenden Anzeige anderer Systeme wirkt dieser Digital-Spiegel beinahe analog. Das zeigt sich vor allem daran, dass man unterwegs schnell vergisst, dass man nicht einfach auf ein traditionelles Spiegelglas blickt.

Die Neue-Klasse-Ära bringt bei BMW auch eine komplett andere Hardware- und Software-Architektur mit, beispielsweise für die Steuerung der Fahrassistenz. Wer 1.980 Euro Aufpreis bezahlt, kann für vier Jahre den Autobahn-Assistenten für das assistierte Fahren ohne Hände am Lenkrad nutzen. Nach dem Pauschal-Zeitraum wird eine Abo-Gebühr fällig.

Bei einer längeren Fahrt auf der deutschen Autobahn sorgt unser i7-Testwagen, wie andere BMW mit dieser Option zuvor, für Entspannung auf dem Fahrersitz. Obwohl man stets aufmerksam sein muss, ist diese Autonomie-Funktion spürbar entlastend. Wenn das System einen Spurwechsel vorschlägt, genügt ein Blick in den Außenspiegel auf der entsprechenden Seite und der 7er lenkt vollautomatisch ein. Bei dichterem Verkehr auf der A8 kommt das System aber manchmal an seine Grenzen. Einige Male fährt man lange hinter einem Lkw her, obwohl die linke Spur frei ist, in anderen Fällen schlägt der Assistent genau dann einen Spurwechsel vor, wenn der Mensch die Lücke zum nachfolgenden Verkehr als zu gering erachtet. Gut, dass man der Empfehlung nicht folgen muss und stets auch durch Antippen des Blinkerhebels aus eigener Motivation heraus einen Überholvorgang starten kann.

Eine zweite Testfahrt mit dem neuen BMW 7er führt uns über Highways im US-Bundesstaat Kalifornien. Auch hier ist das händefreie Fahren zugelassen. Im Fluss des tempolimitierten Verkehrs ohne große Geschwindigkeitsunterschiede fädelt sich das Auto gekonnt in den Verkehr ein, schon am Ende der Auffahrt signalisieren die beiden grünen LED-Streifen im Lenkrad den aktiven Autobahn-Assistenten. Die serienmäßige Zweiachsen-Luftfederung bügelt, auf beiden Seiten des großen Teichs, Verwerfungen gekonnt glatt und sorgt für sehr hohen Fahrkomfort. An Agilität mangelt es der großen Limousine dennoch nicht, erst recht mit der optionalen Hinterachslenkung.

Was kann der elektrische i7?

Den BMW i7 60 xDrive konnten wir bereits auf Autobahn-Langstrecken testen.

Der 7er zeigt die Technologieoffenheit von BMW. Die elektrischen i7-Varianten kommen mit den neuen Akku-Rundzellen der sechsten Generation und kombinieren diese Batterie-Technologie mit den bekannten Antrieben (Gen 5). Drei Varianten des i7 werden angeboten.

Für erste Testfahrten über mehrere Tage steht uns die goldene Mitte (okay, das Auto ist in Frozen Silver lackiert) in Form des BMW i7 60 xDrive zur Verfügung, Wie zuvor kombiniert diese Ausbaustufe einen 230 kW (313 PS) starken Elektromotor an der Hinterachse mit einer weiteren Maschine hinten, die auf 190 kW (258 kW) kommt. Die Systemleistung von 400 kW (544 PS) und vor allem das Drehmoment von 745 Newtonmetern machen auf Befehl am rechten Pedal kurzen Prozess. Der i7 schnalzt bei Bedarf in Richtung Horizont, ohne dir die Kontrolle zu entziehen. Auch vor Kurven und Kehren hat die schwere Limousine keine Furcht, wirkt stets kompakter als sie ist. Die Werksangabe von 4,8 Sekunden für die Beschleunigung von null auf 100 km/h ist glaubhaft. Bei Tempo 240 fährt der i7 60 xDrive sanft in den Begrenzer.

Der BMW i7 im Video

Die auf 122,4 kWh erhöhte Akku-Kapazität (vorher 101,7 kWh) verspricht eine Reichweite von 590 bis 707 Kilometern nach WLTP-Norm. Im Testalltag kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 21,5 kWh / 100 km. Das ist ein sehr guter Wert, vor allem aufgrund des hohen Autobahn-Anteils. Eilige Fahrten über leere, kurvige Landstraßen heben den Wert in Richtung 24 kWh/100 km, was angesichts der Größe des Autos auch sensationell effizient ist. Rechnerisch sind also knapp 570 Kilometer Reichweite möglich, in der Realität fährt man kurz vorher und damit ohne Nervenkitzel zum Laden.

BMW hat darauf verzichtet, dem elektrischen 7er mit der Überarbeitung eine 800V-Architektur unter das Blechkleid zu spannen. Die Ladeleistung wurde von zuvor 195 auf jetzt bis zu 250 kW erhöht. Am Ionity-Schnelllader kann der i7 im Test das neue Ladeversprechen auch nach Langstrecken-Fahrt mit in der Routenführung eingeplantem Ladestopp und spätsommerlichen Temperaturen leider nicht einhalten. Nach einiger Zeit klettert die Anzeige der Ladekurve kurz über 200 kW, die 250 werden aber nicht erreicht. Eine Momentaufnahme, die wir gerne in einem späteren Alltagstest mit häufigeren Ladestopps an unterschiedlichen Säulen neu beleuchten werden.

Der BMW i7 ist ab 121.400 als 50 xDrive zu haben, der von uns getestete i7 60 xDrive startet bei 140.100 Euro – bevor man der Vielzahl der verführerischen Sonderausstattungen im Konfigurator verfällt.

Der Benziner im Test

Testfahrt mit dem neuen BMW 740 xDrive in Kalifornien.

Neben den drei i7-Varianten gibt es den intern G70 genannten 7er auch als Plug-in Hybrid in zwei Leistungsstufen, als Diesel und – erstmals auch in Deutschland – als Benziner. Bei uns kommt letzterer stets mit Allradantrieb in Form des BMW 740 xDrive. Der famose Reihensechszylinder als 48V-Mildhybrid hat eine Leistung von 294 kW / 400 PS, er stellt ein üppiges Drehmoment von 580 Newtonmetern bereit. 5,1 Sekunden sollen ausreichen, um rund 2,4 Tonnen aus dem Stand auf 100 km/h zu kicken, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h begrenzt. Wir sind etwas langsamer unterwegs, da der 740 xDrive für uns im Großraum Los Angeles für Testfahrten bereitseht. Die Größe der Limousine fällt zwischen all den Pick-up-Trucks und SUV nicht auf, auch die Parkplätze vor den Supermärkten und Burger-Läden sind auf üppige Fahrzeugabmessungen ausgelegt. Selbst die auffällige Individual-Lackierung in „Frozen Purple“ sorgt hier nicht für Aufsehen.

Die Luftfederung des Luxusklasse-BMW kommt auch mit den teils fiesen Fugen auf dem Highway sehr gut zurecht. Der Reihensechszylinder-Benziner mit drei Litern Hubraum grummelt ganz dezent vor sich hin. Wer sich für den Verbrenner entscheidet, dürfte genau dieses Geräuschkonzept lieben. Bei Vollgas hebt der Motor seine Stimme im traditionellen BMW-Sound und schiebt mächtig voran.

Selbstredend beachten wir dabei die streng überwachten Tempolimits. Das hilft beim Verbrauch. Einen Wert von knapp unter neun Litern je 100 Kilometern meldet der Bordcomputer am Ende des Test-Tags, damit liegen wir auf WLTP-Niveau. Mit einem Basispreis von 117.900 Euro ist der BMW 740 xDrive aktuell das Einstiegsmodell ins automobile Oberhaus mit dem weiß-blauen Propeller im Logo.

Der V8 kommt 2027

Zuerst USA und Kanada, dann Europa: 2027 kommt der BMW M760 xDrive mit 571 PS.

Im kommenden Jahr feiert der V8-Benziner im BMW 7er sein Comeback in Europa. Als [760i]() war er bereits in den USA und in Kanada das meistverkaufte Modell der aktuellen Generation. Mit der Überarbeitung bekommt der Achtzylinder einen neuen Charakter. Als „M Performance Automobil“ tritt er optisch dynamisch auf und untermauert diesen Charakter mit einem Leistungszuwachs. Der doppelt aufgeladene 4,4-Liter-Motor kommt auf 420 kW (571 PS). In 3,5 Sekunden beschleunigt der BMW M760 xDrive mit „Rolling Start“ auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h begrenzt.

Der Preis für das künftige Benziner-Topmodell der Baureihe ist noch nicht bekannt. Er dürfte sich auf dem Niveau des M760e xDrive mit 460 kW / 612 PS Systemleistung bewegen. Dieser Plug-in Hybrid hat einen Listenpreis von 159.900 Euro.

Bayerischer Panzerwagen

Dickes Glas und weitere Panzerungen am und im Concept 7 Protection.

Auf Basis des M760e xDrive hat BMW das Concept 7 Protection mit einer leichten Panzerung der Klasse BayB. Im Gegensatz zu den stärker schützenden Panzer-Limousinen sind hier Privatkunden und Unternehmer die Zielgruppe, die sich vor allem gegen Überfälle oder Kidnapping-Versuche schützen wollen. Mit Stahlplatten, Kohlefasermaterial und Panzerglas hält dieser 7er beispielsweise 9-Millimeter-Geschosse und die Munition anderer Waffen ab. Das Gewicht steigt, im Vergleich zum serienmäßigen M760e, um rund 300 Kilogramm. Damit ist die Limousine also noch normal fahrbar. Abgedeckte Dreiecksfenster in den hinteren Türen sorgen für mehr Privatsphäre. Die optionalen Automatik-Türen mit elektrischer Betätigung wird es für den leicht gepanzerten 7er nicht geben. Neben dem Gewicht der Portale ist auch die Sicherheit ein Grund. Insassen oder Personenschützer sollen die Türen aktiv schließen oder öffnen.

Auch für andere 7er-Varianten wird es 2027 die neue Fond-Konsole als Sonderausstattung geben, die BMW mit der seriennahen Studie Concept 7 Protection zeigt. Ein Kühlschrank kann Getränke auf vier Grad Celsius temperieren. Die beiden Gläser sind mit einem magnetischen Fuß ausgestattet, bleiben auf dem aus der Konsole ausklappbaren Tisch also auch dann stehen, wenn man die Fahrdynamik des Autos auskostet. Im Panzer-7er wird der Kühlschrank auch mit einer Stahlplatte versehen, um Geschosse durch das Heck abzuwehren.

Fazit

Luxus mit Klasse, unabhängig vom Antriebskonzept.

Der BMW 7er und sein elektrischer Bruder i7 fahren umfassend überarbeitet in die Neue-Klasse-Ära. Unabhängig vom Antriebskonzept überzeugen Fahrdynamik und Komfort gleichermaßen. Die Anzeigen- und Bedienstruktur des Panoramic iDrive – Cockpits ist im Alltag über jeden Zweifel erhaben.

Schon der Reihensechszylinder-Benziner im BMW 740d xDrive hat Suchtpotenzial. Mehr geht aber immer, 2027 kommt der doppelt aufgeladene V8 mit 571 PS im M760 xDrive auch nach Europa. Nicht minder verführerisch ist der elektrische BMW i7 mit viel Leistung und einem geringen Verbrauch. Am Schnelllader lässt sich der überarbeitete i7 leider arg viel Zeit. Das Versprechen von 250 kW Ladeleistung konnte unser Testwagen nicht einlösen.

Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad