Der neue BMW 3er mit Reihensechszylinder-Benziner im ersten Fahrbericht mit Video-Review.
Der neue BMW 3er kommt doppelt. Parallel zum elektrischen i3, dem wir uns bald in einem Alltagstest mit Informationen zu Verbrauch und Reichweite widmen werden, gibt es den Mittelklasse-Bestseller erneut auch als Verbrenner. Schon die internen Kürzel der beiden Varianten, NA 0 für den i3 und G50 für die Verbrenner, zeigt: Obwohl beide der aktuellen Designlinie folgen und klar erkennbare Vertreter der Neuen Klasse sind, stecken unterschiedliche Konstruktionen unter dem Limousinen-Kleid.
Neue Mittel-Klasse
Der neue BMW 3er mit Verbrennungsmotor nutzt eine stark weiterentwickelte Version der vom Vorgänger bekannten Plattform. Auf dieser Basis wurde die Hard- und Software-Architektur neu aufgesetzt. Der Autobahn- und City-Assistent für hochgradig assistiertes Fahren mit automatisiertem Spurwechsel ist auch hier als Option lieferbar. Auf dem 17,9 Zoll großen Infotainment-Display werden mit dem neuesten Update der Softwareoberfläche auf dem Betriebssystem BMW OS X detaillierte Informationen über die für die aktive Routenführung passenden Fahrspuren und das Umfeld des Autos angezeigt. Wie wir auch in anderen Modellen der Marke wie dem neuen X5 und dem umfangreich überarbeiteten 7er erfahren konnten, hilft diese visuelle Unterstützung an großen Kreuzungen oder Autobahnkreuzen sowie in fremden Umgebungen ungemein.
Der neue 3er im Video
Als Teil der neuen Cockpit-Landschaft mit dem Namen Panoramic iDrive hält auch der 3er die fahrrelevanten Informationen und sechs weitere, teils frei konfigurierbare, Anzeigenfelder auf einem schwarzen Band am unteren Rand bereit. Die „Panoramic Vision“ genannte Projektionsfläche ist kein Display, weshalb das Auge beim Blick auf die Spiegelungen nicht von Nah- auf Fernsicht umschalten muss. Zudem muss der Blick kaum von der Straße abgewandt werden. Das optionale Head-up-Display ist eine gute Ergänzung, aber nicht zwingend nötig – zumal der Rahmen um den Spiegel dieser Option recht dominant auf dem Armaturenbrett sitzt.
Hinter dem Lenkrad fühlt man sich, wie man es von einem BMW 3er erwarten kann, fast perfekt ins Auto integriert. Die M Sportsitze unseres Testwagens bieten optimalen Seitenhalt, auch im Rückenbereich. Die ausziehbare Oberschenkelauflage erhöht den Komfort für große Menschen, die integrierten Kopfstützen sind hoch genug. Auch das Platzangebot in der zweiten Reihe passt für die meisten Staturen, nur sehr große Passagiere tragen hier gefühlt ein Slim-Fit-Sakko. Hinter der geteilt nach vorne umklappbaren Rücksitzlehne schluckt die Limousine bis zu 450 Liter Gepäck.
Was kann der Sechszylinder?
Dieselmotoren werden für den neuen BMW 3er nicht mehr angeboten. Vor dem Start eines Plug-in Hybrids konzentriert sich das Angebot, neben dem i3, auf drei Benziner. Im Basismodell 318 leistet ein Zweiliter-Benziner mit vier Zylindern 115 kW / 156 PS, darüber rangiert eine höhere Leistungsstufe mit 155 kW / 211 PS als BMW 320.
Die langjährige Tradition von Reihensechszylinder-Motoren führt der BMW M350 xDrive fort. Der Dreiliter-Motor leistet 313 kW / 426 PS. Mit dem 13 kW (18 PS) starken Generation (Elektromotor) hat der 48V-Mildhybrid eine Systemleistung von 326 kW / 443 PS. In 4,1 Sekunden beschleunigt die Limousine mit eingebauter Launch Control – Funktion aus dem Stand auf 100 km/h, sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Als M Performance – Automobil kommt der M350 xDrive nicht nur mit angeschärfter Optik, auch ein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern, Sportdifferenzial und eine spezielle Abstimmung der Lenkung gehören zum Paket.
Auf unseren ersten Testfahrten in den Hügeln und Bergen nahe Marseille (Frankreich) ist der Bayer in seinem Element. Der Dreifünfzig lenkt zielgenau ein, willig und kontrollierbar drückt das Hinterteil dank es dezent hecklastig ausgelegten Antriebs in den Scheitelpunkt einer Kurve. Dann öffnest du den Lenkwinkel und trittst auf das Gaspedal. Irgendwo auf der Geraden muss jetzt ein starker Magnet aktiviert worden sein, der den BMW an sich zieht. Gleich werfen wir uns in die nächste Kehre, gefolgt von Kurvengeschlängel. Im Sport-Modus trompetet der Reihensechser seine Fanfare über die vierflutige Abgasanlage motivierend, aber nie nervend, in den Sonnenaufgang. Du könntest mit den Paddels am Lenkrad in die Arbeit der Achtstufen-Automatik eingreifen. Besser als die Steuersoftware der Box bekommt aber kein Mensch die Entscheidung über die richtige Zahnradpaarung und den Zeitpunkt für Schaltvorgänge hin.
Wie der Antrieb erzählt auch das Fahrwerk die Geschichte im Kern der Marke BMW. Auch in komfortorientierter Abstimmung gibt die Feder-Dämpfer-Kombination knackiges Feedback über die Beschaffenheit der Straße. Trotzdem bleibt ein mehr als ausreichender Reisekomfort übrig. Im Sport- oder Sport-Plus-Modus strafft der 3er sein Unterzeug spürbar an, auf welligen Untergründen und bei vielen Querfugen wird es auf Dauer recht hoppelig – vor allem für Passagiere auf der Rücksitzbank. Die breite Spreizung der unterschiedlichen Einstellungen bietet also für jede Lebenslage und verschiedene Gemüter das richtige Set-up.
Im dichten Verkehr auf der Autobahn außerhalb von Marseille schnurrt der Reihensechser tempolimitiert entspannt vor sich hin. Als Fahrer legst du derweil die Hände in den Schoss, da der Autobahn-Assistent (Aufpreis 1.750 Euro für vier Jahre Nutzung, danach im Abo) die Lenkarbeit übernimmt. Wenn das System einen Spurwechsel vorschlägt, genügt ein kurzer Blick in den linken oder rechten Außenspiegel und der BMW setzt erst den Blinker und dann Kurs auf den benachbarten Fahrstreifen. Auch in diesem Modell der Marke funktioniert das gewohnt zuverlässig, wenngleich der hektische französische Verkehr mit teils waghalsigen Überholmanövern und deutlichen Geschwindigkeitsübertretungen die naturgemäß sicherheitsbedachte Auslegung eines Assistenzsystems oftmals zum Zurückstecken zwingt.
BMW verspricht für den M350 xDrive einen Verbrauch von 8,2 l/100 km nach WLTP-Norm. Wer die sportlich ausgelegte Mittelklasse-Limousine auch nur ansatzweise artgerecht bewegt, dürfte deutlich mehr Sprit in den 59 Liter großen Tank nachfüllen. Am Ende unserer Testfahrten durch die Stadt, über kurvige Bergstraßen und mit maximal 100 km/h auf der Autobahn meldet der Bordcomputer 10,6 l/100 km.
Was kostet der neue BMW 3er?
Die Preise steigen mit dem Modellwechsel, der Vorgänger G20 kostete als 318i (noch mit dem Zusatzbuchstaben, der künftig entfällt) ab 47.000 Euro. Der neue BMW 318 startet bei 49.900 Euro, der 320 kostet ab 54.900 Euro. Den BMW M350 xDrive, der als M Performance Automobil zusätzliche Pakete auch für die Optik bis hin zu den gelben Tagfahrlicht-LED mitbringt, kostet 80.900 Euro.
Unser Testwagen, lackiert in der Farbe „Fire Red“ bringt fast alle verfügbaren Sonderausstattungen mit, die der Konfigurator bereithält – bis hin zum M-Technikpaket mit optimierter Ladeluftkühlung und Mischbereifung auf 20-Zoll-Felgen. Der Listenpreis klettert mit der „vollen Hütte“ auf üppige 92.805 Euro. Immerhin: Käufer dieser Limousine sparen sich einen sportlichen Zweitwagen…
Fazit
Der BMW M350 xDrive überzeugt beim Spagat zwischen den Welten. Bei Design, Bedienung und Software fährt er als Teil der Neuen Klasse in die Zukunft. Gleichzeitig stellt er als (vorerst) leistungsstärkstes Benziner-Modell der Baureihe eindrucksvoll unter Beweis, dass die Marke auch weiterhin ihren Kern pflegt und hegt. Der M350 ist ein sehr fahraktives Auto mit optimalem Zusammenspiel aus Antrieb und Fahrwerk, dass dich aber auch unaufgeregt und komfortabel zu weit entfernten Zielen bringen kann. Dafür muss man aber tief in die Tasche greifen. Nicht nur im BMW-Autohaus, sondern auch regelmäßig an der Tankstelle…
Technische Daten
BMW M350 xDrive
- Antriebsart
- Mildhybrid-Benziner
- Antrieb
- Allradantrieb
- Abgasnorm
- Euro 7
- Hubraum
- 2.998 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- Reihensechszylinder
- Maximale Leistung kW / PS
- 313 kW / 426 PS
- Max. Drehmoment
- 540 Nm bei 1.980 - 5.400 U/min
- Getriebe
- Eingang-Reduktionsgetriebe
- Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW
- 13 kW (18 PS)
- Elektromotor vorn: Maximales Drehmoment
- 200 Nm
- Systemleistung: kW / PS
- 326 kW / 443 PS, 580 Nm
- Batterie
- 0,9 kWh
- Tankinhalt
- 59 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 4,1 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 250 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 8,2 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 10,6 Liter (lt. Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 450 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Bridgestone Potenza 245/35 R20 vorne - 275/30 R20 hinten
- Leergewicht
- 1.935 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 1.800 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Dachlast
- 75 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.765 / 1.850 / 1.455 mm
- Basispreis Baureihe
- 49.900 Euro (BMW 318)
- Basispreis Modellvariante
- 80.900 Euro
- Testwagenpreis
- 92.805 Euro