KGM Torres EVX Nomad

KGM Torres EVX Nomad Familien-SUV zum Kleinwagen-Preis

8:34 Min.

Was kann das günstige Sondermodell aus Südkorea? Altags-Test mit Video-Review!

Die südkoreanische Marke KGM (früher als SsangYong bekannt) erweitert ihr Angebot der preiswerten Nomad-Sondermodelle um den elektrischen Torres EVX Nomad. Bei den rund 150 Händlern der Marke ist mit ihm ab sofort ein geräumiges Familien-SUV mit umfangreicher Serienausstattung zu haben, dessen Preis auf dem Niveau vieler Elektro-Kleinwagen liegt. Dazu weiter unten mehr.

Ist der KGM Torres ein gutes Familienauto?

KGM bietet den Torres als Benziner mit Front- oder Allradantrieb, als Hybrid und als vollelektrischen EVX an. Kunden haben also die Wahl, wie sie unterwegs sein wollen. Optisch unterscheidet sich der elektrische Torres mit horizontal angeordneten LED-Elementen an der Front von den Modellbrüdern, was ihn etwas moderner wirken lässt.

Das SUV ist 4,72 Meter lang, 1,89 Meter breit und 1,74 Meter breit und fährt damit in der SUV-Mittelklasse vor. Sein Format und auch das charakteristische Design mit steilen Fensterflächen lassen einen geräumigen Innenraum vermuten. Trotzdem überrascht die Luftigkeit beim Einladen und Einsteigen jedes Mal erneut. Hinter der manuellen Heckklappe steht ein 839 Liter großer Kofferraum bereit. Die Lehne der Rücksitzbank lässt sich geteilt nach vorne umklappen. Dann entsteht ein 1.662 Liter großer Laderaum mit fast ebenem Boden. Sehr praktisch: Das Gepäckraum-Rolle lässt sich klapperfrei unter dem doppelten Ladeboden arretieren. Bei sperriger Ladung muss man also nicht erst einen Platz dafür finden.

Im Fond freut man sich über enorm viel Platz vor den Knien und über dem Kopf. In den Türverkleidungen hält der Torres EVX Nomad ausziehbare Sonnenschutzrollos für die Seitenfenster vor, die äußeren Plätze lassen sich beheizen. Auch vorne bietet der Koreaner generösen Freiraum auf elektrisch verstellbaren Sitzen. Die schwarzen Kunstlederbezüge wirken hochwertig und sind – wie wir im Testzeitraum feststellen konnten – auch bei hohen Temperaturen nicht schweißtreibend. Ausgeprägten Seitenhalt bieten die großen Sitze nicht, sie sind ja aber auch nicht für einen Sportwagen vorgesehen.

Was ist neu im Cockpit?

Neue Mittelkonsole: Klimafunktionen, auch für die Sitze, lassen sich jetzt über separate Bedienelemente steuern.

Als erstes Modell der Torres-Baureihe und des eng verwandten KGM Actyon bringt der Torres EVX Nomad ein überarbeitetes Cockpit mit. Im unteren Bereich der Mittelkonsole freut man sich nicht nur über induktives Laden für zwei Smartphones, sondern über eine aus dem zentralen Touchscreen ausgelagerte Klima-Bedienung. Die Zweizonen-Automatik erlaubt die Temperatureinstellung mit soliden Drehreglern um kleine Displays. Sitzheizung und Sitzlüftung werden über gut erreichbare Druckfelder aktiviert, ebenso die Heiz-Funktion über die serienmäßige Wärmepumpe.

Das erleichtert die Bedienung im Alltag vor allem dann, wenn man das eigene Smartphone integriert und dessen Inhalte nutzt. Apple CarPlay und Android Auto benötigen dafür keine Kabelverbindung mehr. Das werkseitig installierte TomTom-Navigationssystem dürfte Routenführungs-Apps wie Google Maps oder Apple Karten unterlegen sein. Leider fehlt auch nach der Überarbeitung ein Drehregler für die Audio-Lautstärke. Wenn man von oben nach unten über den Bildschirm wischt, öffnet sich – auch bei aktiver Smartphone Integration – eine Auswahl von teils programmierbaren Shortcuts. Hier lassen sich die markentypisch lauten Warntöne der Verkehrszeichenerkennung oder der Fahrerüberwachung mit jeweils einem Klick deaktivieren. In manchen Fällen wird dennoch akustisch gewarnt – auch wenn man gar nicht weiß, wovor oder warum.

Bietet der Torres EVX guten Fahrkomfort?

Ein Sportwagen ist das Elektro-SUV nicht. Auf der Langstrecke passt der Fahrkomfort sehr gut.

Die Vorderräder des KGM Torres EVX werden von einem Elektromotor mit bis zu 152 kW (207 PS) angetrieben. Die Maschine entwickelt ein Drehmoment von 339 Newtonmetern. Diese Kraft treibt den unter zwei Tonnen schweren Fünfsitzer ausreichend kräftig voran. Zumindest auf trockenem Asphalt haben die Hankook-Reifen auch beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven keine unüberwindbaren Herausforderungen bei der Traktion.

Bei niedrigeren Geschwindigkeiten in der Stadt, beispielsweise in Tempo-30-Zonen mit Ausbesserungen oder Wurzelaufbrüchen in der Straßenoberfläche, reicht das eher straffe Fahrwerk Anregungen manchmal arg trocken nach innen weiter. Auf der Hauptstraße, aber spätestens am Ortsausgang, bessert sich der Fahrkomfort deutlich. Auf längeren Strecken assistiert die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, die sich über logisch gruppierte Schalter im Lenkrad einstellen lässt.

Wie schnell kann geladen werden?

Am Schnelllader sorgte der Torres wiederholt für eine Überraschung.

Energie für den Elektromotor hält ein 80,6 kWh großer LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), den BYD zuliefert, vor. Nach WLTP-Norm soll der Torres EVX damit eine Reichweite von 503 Kilometern erzielen. Der Norm-Verbrauch liegt bei 19,3 kWh/100 km.

Wir haben im Testalltag, bestehend aus typischen Pendlerstrecken über Landstraßen und tempolimitierte Autobahnen sowie rund 20 Prozent Stadt-Anteil, einen realen Verbrauch von 18,5 kWh/100 km erzielt. Dabei sind wir entspannt, aber normal gefahren und haben häufig die per Schaltwippen am Lenkrad mehrstufig einstellbare Energie-Rekuperation genutzt. Nachdem man im Alltag meist nicht erst mit ganz leerem Akku einen Ladepunkt aufsucht, ging es stets nach rund 450 Kilometern an die Redaktions-Wallbox oder an eine öffentliche Ladesäule.

Hier sorgt der KGM Torres für eine Überraschung. Obwohl der Prospekt eine Ladeleistung von 120 kW über den CCS-Anschluss verspricht, geht es stets auf 150 kW und mehr nach oben, bevor sich die Ladeleistung bis etwa 55 Prozent SoC (State of Charge, Ladestand) bei Werten von 120 bis 125 kW einpendelt. Dann sinkt die Linie auf etwa 100 kW, bevor sie bei 80 Prozent Füllstand stark abfällt. Dann sollte man abstecken und weiterfahren. Den Hub von auf 80 Prozent kann man in knapp über 30 Minuten erledigen.

Welche Ausstattung ist serienmäßig?

Der Nomad ist keineswegs ein nacktes Basismodell.

Beim KGM Torres EVX Nomad handelt es sich keineswegs um ein karges Einstiegsmodell, das eher der Preislisten-Kosmetik dient. Der abgedroschene Spruch „mehr Auto braucht kein Mensch“ passt hier wunderbar. Zur Serienausstattung gehören die elektrisch verstellbaren Vordersitze mit Heizung und Lüftung vorne, Sitzheizung auf den Außenplätzen im Fond, die Wärmepumpe, zwei Smartphone-Ablagen mit induktiver Ladefunktion, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, Navigationssystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Sonnenschutzrollos im Fond und schlüsselloser Zugang. Auch 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und eine Metalliclackierung sind mit dabei. Da stört es nicht, dass die Kofferraumklappe manuell geöffnet und geschlossen werden muss.

Ein ungewöhnlicher Schritt seitens des Importeurs: Beim Sondermodell Nomad sind sogar die Überführungskosten zum ausliefernden Händler im Listenpreis enthalten, sie werden dem Kunden also nicht extra in Rechnung gestellt.

Was kostet der KGM Torres EVX Nomad?

Viel Platz im Fond. In den Türen stecken Sonnenrollos.

Das genannte Ausstattungspaket gibt es zum Preis von 34.990 Euro. Ein Betrag, den andere Hersteller für Elektro-Kleinwagen mit ordentlicher Ausstattung aufrufen. Wer das nicht glaubt, sollte einfach mal einen VW ID. Polo oder Cupra Raval konfigurieren, gerne auch einen Renault 4. Als einziges Extra ab Werk lässt sich für den KGM Torres EVX Nomad ein großes Panorama-Glasschiebedach mit Öffnungsfunktion bestellen, das 1.300 Euro Aufpreis kostet. Im Zubehör gibt es eine Anhängerkupplung, die Anhängelast des Elektro-SUV liegt bei 1.500 Kilogramm.

Bei Leasing und Finanzierung arbeitet KGM Europe mit dem Dienstleister Creditplus zusammen. Hier dürfte man gerne den Bleistift für die Kalkulation von Zinsen und Monatsraten weiter spitzen. Wie unsere Stichproben ergaben, liegen die Raten bei Privatleasing über 36 Monate mit über 500 Euro auf einem – im Verhältnis zum Kaufpreis – sehr hohen Niveau.

Für wen eignet sich der KGM Torres EVX Nomad?

Das günstige Elektro-SUV-Sondermodell aus Südkorea erfüllt fast alle Ansprüche, die man an ein Familienauto mit Elektroantrieb stellt. Wer nicht jeden Tag zwei Akku-Ladungen auf der Autobahn leerfährt und daher 800V-Modelle mit hoher Ladeleistung im Fokus hat, kommt mit dem Elektro-KGM sehr gut zurecht, die reale Reichweite reicht im Alltag zwischen Kinderbetreuung, Supermarkt und Arbeitsstelle locker für die Werktage einer Woche aus. Wer zuhause laden kann, denkt über die Energieversorgung des Elektroautos gewiss kaum nach.

Mit dem Preis von 34.990 Euro liegt der KGM deutlich unter den Mitbewerbern, erst recht denen in seiner Klasse. Das Sonderangebot sieht man dem Fahrzeug mit seinem selbstbewussten optischen Auftritt aber nicht an. Wer lieber least oder finanziert, der sollte – alternativ zum Angebot des Händlers – auch mal Angebote bei seiner Hausbank einholen.

Fazit

Nicht nur wegen des Preises ist der KGM Torres ein gutes Auto. Beim Nomad für 34.990 Euro gehen die Gegenargumente aus.

Elektroautos sind teuer, haben keine alltagstaugliche Reichweite und sind unpraktisch. Nicht nur für diese drei Aussagen ist der KGM Torres EVX Nomad das schlagende Gegenargument. Das geräumige SUV aus Südkorea bietet guten Fahrkomfort und eine üppige Ausstattung zum Preis von nur 34.990 Euro. Mit dem überarbeiteten Cockpit wird die Bedienung von Klimafunktionen während der Fahrt deutlich vereinfacht. Eine Neuerung, die in Kürze gerne auch auf den Rest der Torres-Baureihe und den KGM Actyon ausgerollt werden darf.

Technische Daten
KGM Torres EVX Nomad

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Frontantrieb
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW
152 kW (207 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
339 Nm
Batterie
80,6 kWh
Batterie: Typ
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
120 kW
Ladeleistung Gleichstrom (DC) im Test
151 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
11 kW (dreiphasig)
Ladeleistung Wechselstrom (AC) im Test
10,8 kW
Beschleunigung 0-100 km/h
8,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
175 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
19,3 kWh
Reichweite nach Norm
503 Kilometer
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
18,3 kWh
Kofferraumvolumen
839 - 1.662 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
Hankook Ventus S1 evo2 SUV 225/60 R18
Leergewicht
1.925 kg
Anhängelast (gebremst)
1.500 kg
Länge / Breite / Höhe
4.715 / 1.890 / 1.735 mm
Basispreis Modellvariante
34.990 Euro
Testwagenpreis
36.290 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad