Der Renault 4 mit großem Faltdach im ersten Fahrbericht.
Geduld kann sich auszahlen. Wer bei der Premiere des elektrischen Renault 4 nicht gleich zugegriffen hat, der bekommt jetzt endlich das schon zur Vorstellung angekündigte, elektrische Faltdach. Plein Sud („in Richtung Süden“) nennt Renault diese Option, die in Preislist und Konfigurator zur eigenen Modellvariante hochstilisiert wird. Immerhin: In der jahrzehntelangen Geschichte des klassischen Renault 4 gab es unterschiedliche Topless-Varianten, die Neuauflage setzt also eine lange Tradition fort.
Wie luftig wird der R4?
Der deutsche Zulieferer Webasto hat das Stoffverdeck und die elektrische Betätitgung entwickelt. Zwei Langen sollen für guten Geräusch- und Klimakomfort sorgen, die 80 Zentimeter breite und 92 Zentimeter lange Öffnung Cabrio-Feeling in das kompakte Elektroauto zaubern. Kann das gelingen? Um das herauszufinden, sind wir in Barcelona auf ersten Testfahrten mit dem Renault 4 Plein Sud unterwegs.
Das Wetter passt perfekt zum Fahrzeug, die Sonne scheint und die Anzeige im Thermometer klettern schon morgens in den sommerlichen Bereich. Mit einem gut erreichbaren Zug- und Druck-Taster über dem Innenspiegel gleitet das Stoffverdeck nach hinten und legt sich in drei Falten zusammen. Am vorderen Ende klappt ein Luftleitelement nach oben, das kennt man von vielen Schiebedächern.
Der Renault 4 Plein Sud im Video
Wir sind innerorts, auf Landstraßen und auch der Autobahn mit Limit 120 km/h unterwegs. In allen drei Szenarien zerrt der Fahrwind nicht am offenen Aufbau. Außer einem leisen Zischen hört man nichts, genießt stattdessen Sonne und frische Luft. Das Gewicht des Renault 4 nimmt in der Plein-Sud-Ausführung um 19 Kilogramm zu, der Schwerpunkt verschiebt sich minimal nach oben. Von beiden Änderungen ist unterwegs nichts zu spüren, der R4 ist gewohnt agil und komfortabel – sofern die beim Beschleunigen in Kurven schwache Traktion an den Vorderrädern nicht störend zum Vorschein kommt.
Schnell zeigt sich: Das Stoffverdeck gibt dem Renault 4 einen neuen, charmanteren Charakter. Jetzt lässt sich vielleicht etwas wohlwollender über das nach wie vor zu knappe Platzangebot im Fond hinwegsehen. Hier spürt man auch mehr Druck von oben, die Dachkonstruktion raubt in der zweiten Reihe vier Zentimeter Kopffreiheit. Vorne dagegen wächst sie um zwei Zentimeter. Fahrer und Beifahrer können es sich auf den breiten und weichen Sitzen gemütlich machen, die Flauschigkeit vor Seitenhalt stellen. Der in der Ausstattungslinie Techno verwendete Denim-Stoff für Sitze und Dekore ist griffsympathisch und optisch ansprechend. Wie in jedem aktuellen Renault weist Google Maps den Weg, bei einprogrammiertem Ladestopp als Teil der Routenführung wird auch der Akku vorkonditioniert.
AUTONOTIZEN-Leser dürften sich an den letzten Alltagstest des Renault 4 im Winter erinnern. Bei kalten Temperaturen machte uns der Franzose mit unzureichenden Ladeleistungen von 30 bis 40 kW über CCS, hohen Verbrauch und entsprechend geringe Reichweiten das Leben schwer. In dieser Hinsicht, so verspricht es ein Sprecher der Marke, wurde ordentlich nachgebessert, die Updates flossen in die Serienproduktion ein. Nachprüfen können wir das am Test-Tag in Spanien nicht, vertrauen also dem Bordcomputer. Die Anzeige hinter dem Lenkrad meldet einen Wert von 16,1 kWh / 100 km, was – trotz ganztags offenem Dach – nur knapp über der WLTP-Normangabe von 15,9 kWh / 100 km liegt.
Die Reichweite des oben offenen R4 geben die Franzosen mit 392 Kilometern an, etwas weniger als beim leichterten (und aerodynamisch besseren) Blechdach-Bruders. Strom kommt aus einem 52 kWh großen Akku. Der Renault 4 Plein Sud ist ausschließlich mit dieser Batterie und dem stärkeren 110-kW-Antrieb konfigurierbar.
Das kostet der R4 mit Faltdach
Das Faltdach kostet 1.800 Euro Aufpreis. In der Ausstattungslinie Techno ist der Renault 4 Plein Sud also für 36.300 Euro zu haben, der Iconic kostet 38.300 Euro. Unser Testwagen, ein R4 Techno, ist in „Karmesinrot“ lackiert. Diese Metalliclackierung war bisher gratis zu haben. Jetzt rückt „Terracotta Braun“ an die Stelle der Serienfarbe. Zusammen mit dem Extended-Grip-Paket, das Fahrmodi für leichtes Offroad-Fahren und Ganzjahresreifen beinhaltet, einer erweiterten Fahrassistenz, elektrischer Heckklappe mit Fußsensor und Soundsystem summiert sich der Preis auf 40.600 Euro.
Update beim Basis-Akku
In den kommenden Monaten ist ein weiteres Update für den Renault 4 geplant, auch der R5 wird von der Neuerung profitieren. Im Basismodell mit dem Namen Urban Range, das aktuell 40 kWh Speicherkapazität bereithält, soll künftig ein neuer LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) zum Einsatz kommen. Die Batterie soll für mehr Effizienz sorgen, was die Reichweite vergrößert und vor allem deutlich günstiger sein. Den Preisvorteil will Renault auch an die Kunden weitergeben. In Zukunft dürfte der Einstieg in das R4-Programm also bei weniger als 29.500 Euro möglich sein.
Fazit
Weit mehr als nur ein Panorama-Dach: Als Plein Sud fährt der Renault 4 mit viel Luft und Licht im Innenraum vor, dürfte damit auch einige Cabrio-Fans abholen. Der fast lautlose Elektroantrieb und die komfortable Fahrwerksabstimmung passen sehr gut zu entspannten Ausflügen mit offenem Faltdach. Der Aufpreis hält sich mit 1.800 Euro in vertretbaren Grenzen, meist dürfte dieser Betrag eh ein Teil der Leasingraten-Kalkulation des Händlers sein.
Technische Daten
Renault 4 150 Comfort Range plein sud
- Antriebsart
- Elektro
- Antrieb
- Frontantrieb
- Getriebe
- Eingang-Reduktionsgetriebe
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 110 kW (150 PS)
- Elektromotor: Nennleistung KW
- 78 kW (106 PS)
- Batterie
- 52 kWh
- Batterie: Typ
- Lithium-Ionen
- Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
- 100 kW
- Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
- 11 kW (dreiphasig)
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 8,2 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 150 km/h
- Reichweite nach Norm
- 392 Kilometer
- Kofferraumvolumen
- 420 - 1.405 Liter
- Leergewicht
- 1.537 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 750 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Dachlast
- 80 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.144 / 1.552 / 1.808 mm
- Basispreis Baureihe
- 29.500 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 36.300 Euro
- Testwagenpreis
- 40.600 Euro