Zeekr 001

Zeekr 001 Chinese statt A6 e-tron und i5?

6:21 Min.

Ein guter Firmenwagen für User Chooser? Der Zeekr 001 im Alltags-Test.

Das weit verzweigte Markenportfolio des chinesischen Geely-Konzerns ist mittlerweile auch in Europa angekommen. Volvo, Polestar und Lotus sind bekannt, Lynk & Co. positioniert sich gerade neu. Dazu kommt das Joint Venture Smart mit Mercedes-Benz und die Marke Zeekr. Wie Volvo und Polestar soll auch dieses Label im Premium-Markt Kunden ansprechen. Nach dem Start in einzelnen Märkten ist jetzt auch Deutschland an der Reihe. Ein Anlass für uns, nach ersten Fahrberichten vor rund drei Jahren, einen Zeekr im Alltagstest auszuprobieren. Die Wahl fiel dabei auf den 001.

Auch innen schick

Auf eine Länge von 4,96 Metern streckt sich die (inklusive Außenspiegel) zwei Meter breite und 1,56 Meter hohe Karosserie des elektrisch angetriebenen Shooting Brake. Mit vertikalen LED-Elementen über den Scheinwerfern an der Front und der Betonung von Kanten und Bügelfalten im Blechkleid ist der 001 ein Solist im Zeekr-Modellprogramm. Das liegt nicht nur daran, dass er – wie es die Modellbezeichnung schon vermuten lässt – als erster Zeekr entstand. Sondern auch an der Tatsache, dass die Marke wohl am Reißbrett entstand, als das Auto schon fertig und für Lynk & Co. vorgesehen war.

Der 001 basiert auf der konzernweit eingesetzten, flexiblen SEA-Plattform, die auch als Basis für kleinere Modelle wie Volvo EX30 und Smart #1 bzw. #3 dient. Im Umgang mit dem Chinesen fühlt er sich aber deswegen keineswegs aufgeblasen an. Im Gegenteil: Alles wirkt wie aus den Vollen geschnitzt und dürfte auch Menschen gefallen, die in modernen Audis und Mercedes-Modellen nicht mehr das „Willkommen zuhause“ – Gefühl haben.

Der Zeekr 001 im Video

Vor dem 539 Liter großen Kofferraum bietet der 001 im Fond zwar viel Knieraum, verlangt von großen Menschen jedoch zu stark angewinkelte Beine. Ohne hohe SUV-Karosserie kann eben keine aufrechte Sitzposition über dem Akkupaket eines Elektroautos realisiert werden. Vorne gibt es keinen Grund zur Klage. Die bequemen Sitzmöbel bieten tollen Langstreckenkomfort, guten Seitenhalt und Komfortfunktionen wie Lüftung und Massage in unterschiedlichen Programmen und Intensitäten.

Graues Mikrofasermaterial spannt sich in der Ausstattungslinie Privilege über Sitze und Verkleidungen. Die Verarbeitungsqualität liegt auf sehr hohem Niveau, auch die Materialgüte gefällt. Akzente im Farbton eines Rosé-Champagners setzen einen unaufdringlichen Kontrast. Hinter dem Lenkrad blickt der Fahrer auf ein Display für die Instrumente, zudem gibt es eine große Head-up-Projektion auf der Windschutzscheibe. Auf der Mittelkonsole steht ein 14,6 Zoll großer Touchscreen-Monitor als zentrales Interaktionselement. Menüführung und Grafiken entsprechen denen in gefühlt fast allen aktuellen Autos aus China. Dad gilt auch für teils unnötig komplizierte Bedienschritte wie die Einstellung der Außenspiegel über das Multifunktionslenkrad nach Aktivierung auf dem Display oder die Änderung der Stufe zur Energie-Rekuperation.

Jeder Zeekr 001 trägt einen NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt) mit 100 kWh Speicherkapazität unter dem Blechkleid. Beim Antrieb hat man die Wahl aus der Einmotoren-Version mit 200 kW (272 PS) starker Maschine an der Hinterachse oder dem Allrad-Modell. Hier kommt ein weiterer 200-kW-Motor vorne mit dazu, die Gesamtleistung addieren die Chinesen auf 400 kW (544 PS). Trotz der zusätzlichen Technik unter der vorderen Haube bleibt auch hier Platz für einen Frunk (Front Trunk, vorderes Staufach) mit 31 Litern Volumen.

Fahren und Laden

Die maxmale Ladeleistung von 200 kW wird schnell erreicht, dann fällt die Kurve wieder leicht ab.

Insbesondere nach Aktivierung des sportlichsten Fahrmodus schnalzt der immerhin über 2,4 Tonnen schwere 001 dank seiner 686 Newtonmetern Drehmoment nach vorne, als ob dir jemand den Asphalt unter den 22-Zöllern weggerissen hätte. Die Werksangabe von 3,8 Sekunden für die Beschleunigung von null auf 100 km/h erscheint glaubhaft. Nicht nur der Spurt ist beeindruckend, auch der Durchzug – beispielsweise beim Überholen auf der Landstraße oder auf der Autobahn. Hier fährt der Zeekr bei 200 km/h sanft in den Begrenzer.

Das serienmäßige Luftfahrwerk bietet in jeder Fahrsituation sehr guten Komfort. Gleichzeitig bekommst du als Fahrer aber stets Rückmeldung von der Straße und fühlst dich mit der Oberfläche verbunden. Auch diese feinsinnige Abstimmung trägt zum „Alles aus einem Guss“-Gefühl bei. Die Fahrassistenz regelt Tempo und Abstand ohne Hektik, manchmal ist aber zu eckige Lenkbewegungen der Spurführung spürbar. Auf der Landstraße macht sich erneut die gute Arbeit der Chassis-Entwickler bemerkbar. Eilige Kurvenfahrten würde das Fahrwerk auch locker mitmachen, bei schnellen Richtungswechseln steht sich das Auto aber mit seinem hohen Leergewicht und dem ausladenden Format selbst im Weg.

585 Kilometer Reichweite soll der Zeekr 001 Privilege AWD mit einem WLTP-Normverbrauch von 18,5 kWh/100 km erzielen. Im Testalltag pendelt sich der Stromhunger bei 22,3 kWh/100 km ein, Reichweiten von rund 400 Kilometern zwischen zwei Ladestopps sind also möglich. An einer entsprechend starken Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule wird Strom mit 22 kWh gezogen. Am Schnelllader sind 200 kW das höchste der Gefühle, die in der Realität auch erreicht werden. Hier zeigt sich aber, dass die Modelle Zeekr 7X und 7GT mit ihrer 800V-Technologie die moderneren Elektroautos sind.

Preise, Händler, Garantie

Der 001 Privilege AWD steht auf mächtigen 22-Zoll-Rädern.

Das passt weniger gut zur markeninternen Hierarchie, die den 001 als Topmodell von Zeekr in Europa definiert. Die Preise starten bei 59.990 Euro für die Basisvariante. Nur als Allrad-Variante gibt es die von uns getestete Privilege-Ausstattung, die dann das aktive Luftfahrwerk, 22-Zoll-Räder, Massagesitze mit Lüftung für die erste Reihe und weitere Extras mitbringt. Der Listenpreis: 70.990 Euro.

Um im Markt der Firmenwagen mitzureden, sollte Zeekr aber möglichst bald interessante Finanzierungs- und Leasingangebote kommunizieren. Auch das Vertriebsmodell ist noch ausbaufähig. Unverständlich, warum die Marke nach einer derart langen Vorbereitungszeit in Deutschland zuerst mit Direktvertrieb und Service über eine Werkstattkette ihr Geschäft aufbauen wollte. Mittlerweile bemüht man sich auch bei Zeekr um den Aufbau eines eigenen Netzwerks. Die Neuwagengarantie gilt für den Zeitraum von fünf Jahren bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern. Bei regelmäßiger Wartung in einer der autorisierten Werkstätten lässt sich die Garantie auf insgesamt zehn Jahr bis 200.000 Kilometer verlängern.

Fazit

Der Shooting Brake ist fast fünf Meter lang.

Der Zeekr 001 ist ein komfortabler Langstrecken-Elektro-Gleiter mit sehr gut abgestimmtem Luftfahrwerk. Leistung und Kraft sind stets mehr als ausreichend vorhanden. Als Kurvenräuber eignet sich das große und schwere Auto aber, wie zu erwarten ist, nicht. Materialqualität und Verarbeitung passen zum Premium-Anspruch der Marke. Jetzt muss nur noch das Vertriebs- und Servicenetz nachziehen. Ob der neuere Kombi Zeekr 7GT den guten Eindruck des 001 im Testalltag noch toppen kann, muss sich zeigen. Wir nehmen es uns auf jeden Fall fest vor…

Technische Daten
Zeekr 001 Privilege AWD

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Allradantrieb
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW
200 kW (272 PS)
Elektromotor vorn: Maximales Drehmoment
343 Nm
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW
200 kW (272 PS)
Elektromotor hinten: Maximales Drehmoment
343 Nm
Systemleistung: kW / PS
400 kW (544 PS), 686 Nm
Batterie
100 kWh
Batterie: Typ
NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
200 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
22 kW (dreiphasig)
Beschleunigung 0-100 km/h
3,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
200 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
18,5 kWh
Reichweite nach Norm
585 km
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
22,3 kWh
Reichweite im Alltag
ca. 450 km
Kofferraumvolumen
539 Liter + Frunk 31 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
265/40 R22
Leergewicht
2.410 kg
Anhängelast (gebremst)
2.000 kg
Länge / Breite / Höhe
4.955 / 1.999 / 1.560 mm
Basispreis Baureihe
59.990 Euro
Basispreis Modellvariante
70.990 Euro
Testwagenpreis
72.290 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad