Geely E5

Geely E5 Geräumig und günstig - aber auch gut?

9:32 Min.

Neu in Deutschland: Der Geely E5 im ersten Fahrbericht mit Video-Review.

Seit 1997 baut das chinesische Unternehmen Geely Autos. In weniger als 30 Jahren seit dem Start der Produktion ist ein großer Konzern gewachsen, der über Zukäufe und Beteiligungen ein großes Marken-Portfolio unter seinen Fittichen hat. 2010 hat die Zhejiang Geely Holding Group Co. Ltd, so der offizielle Name, den schwedischen Hersteller Volvo übernommen. Außerdem gehören Polestar, Lynk & Co., Zeekr und Lotus zum Geely-Reich, ebenso die 50% von Smart als Teil des entsprechenden Joint Ventures mit Mercedes-Benz. Am Stuttgarter „Erfinder des Automobils“ ist Geely-Gründer Li Shufu zudem über ein Aktienpaket mit zehn Prozent beteiligt. Gemeinsam mit Renault baut Geely im Joint Venture Horse Powertrain Benzinmotoren und Hybridantriebe.

Wachsendes Händlernetz

Nach langer Vorbereitungszeit geht Geely jetzt auch in Deutschland mit der eigenen Kernmarke an den Start. Die Importzentrale ist im hessischen Raunheim nahe des Frankfurter Flughafens angesiedelt, wo der Konzern seit vielen Jahren auch sein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum unterhält. Das aktuelle Händlernetz mit zehn Standorten soll bis Ende 2026 auf 50 Betriebe wachsen, ein Jahr später sollen es bereits 150 sein.

Zwei SUV-Modelle bilden das Start-Duo. Neben dem Plug-in Hybriden Starray EM-I ist der Geely E5 das Angebot für Kunden, die ein Elektroauto auf ihrer Wunschliste haben. Das Design der 4,62 Meter langen, 1,90 Meter breiten und 1,67 Meter hohen Karosserie wirkt modern, setzt aber keine starken eigenen Akzente. Man sieht, dass der E5 Kunden auf der ganzen Welt gefallen will und muss. Die Proportionen erinnern an den Ford Kuga, die Heck-Gestaltung an den MGS6 EV. Beides keine schlechten Design-Vorbilder. Wichtiger ist aber, was unter dem Blechkleid steckt.

Der Geely E5 im Video

Den fehlenden Frunk (Front Trunk, vorderes Staufach) überkompensiert der Geely E5 mit einem 108 Liter fassenden, sehr tiefen Kellerabteil unter dem doppelten Ladeboden des 461 Liter großen Kofferraums. Dessen Volumen lässt sich nach dem Vorklappen der, im Verhältnis 40:60 geteilten, Rückenlehne auf 1.877 Liter erweitern. Außerdem gibt es eine große Schublade (14 Liter) mittig unter der Rücksitzbank.

Auf ihr sitzt man bequem, zumindest auf den Außenplätzen. Für Knie, Füße und Kopf bietet die zweite Reihe im E5 üppige Platzverhältnisse. Die Isofix-Bügel zur Arretierung von Kindersitzen stecken, gut erreichbar, hinter soliden Klappen. Auch auf dem Beifahrersitz kann man den Nachwuchs mittels Isofix sicher platzieren. Eine Höhenverstellung gibt es vorne leider nur für den Fahrer, trotz der serienmäßigen elektrischen Einstellmöglichkeit für beide Möbelstücke.

In der aktuellen Preisliste werden auch für das Basismodell E5 Pro Sitzheizung und -lüftung aufgeführt, beides fehlt unserem Testwagen jedoch. Das von uns gefahrene Exemplar ist vermutlich ein Fahrzeug, das noch nicht der deutschen Verkaufs-Spezifikation entspricht. Der Rest ist auf dem Stand, den auch die Kunden sehen werden, auch bei der Infotainment-Ausstattung. Auf dem 15,4 Zoll großen Touchscreen-Display lassen sich Smartphone-Inhalte via Apple CarPlay und Android Auto nutzen. Die Verbindung funktioniert kabellos und auch nach dem Aus- und Einsteigen beim Neustart des Autos schnell und zuverlässig. Auch ein werksseitiges Navigationssystem ist Teil der Serienausstattung. Bei längeren Routen werden Ladestopps mit einberechnet, auch bei der Kalkulation der Ankunftszeit am Ziel.

Es ist mittlerweile Standard in fast allen chinesischen Autos, das man auf der linken Seite des Displays durch eine Liste der einzelnen Menüpunkte scrollt. Unter dem Reiter „Fahren“ kann man die Energie-Rekuperation mehrstufig konfigurieren. Leider fehlen für einen spontanen Eingriff in diese Funktion durch den Fahrer entsprechende Wippen am Lenkrad. Auch die Steuerung der Fahrassistenz, darunter die Stummschaltung der Tempolimit-Warnung, erfolgt hier.

Unnötig kompliziert ist die Scheinwerfer-Steuerung gelöst. Auch dafür musst du das entsprechende Menü auswählen, auf die gewünschte Funktion klicken (beispielsweise das Abblendlicht) und sie dann mit einem virtuellen Schieberegler bestätigen. Schade, dass man das nicht auch über den linken Lenkstockhebel erledigen kann. Für die Justierung der Außenspiegel hält der E5 neben Tasten einen praktischen Hebel in der Fahrertürverkleidung bereit, hier zeigt er also Gespür für eine intuitive Bedienstruktur.

Akku und Reichweite

Den Geely E5 gibt es wahlweise mit 60,2 oder mit 68,4 kWh großem LFP-Akku.

Zwei Akku-Varianten werden angeboten. Die „Short Blade Battery“, deren kürzere Module auch bei starker Beanspruchung weniger heiß werden, nutzt Zellen vom Zulieferer CATL. Die Akku-Montage erfolgt bei Geely, wo man einen möglichst großen Teil der Wertschöpfungskette im eigenen Haus wissen will.

Die Versionen Geely E5 Pro+ und Max+ kommen mit 68,4 kWh Speicherkapazität für eine Reichweite von 450 Kilometern. Geladen wird im rechten vorderen Kotflügel mit 11 kW (dreiphasig) an einer Wallbox oder einer urbanen Ladesäule, über CCS am Schnelllader sind maximal 135 kW zu erreichen. In 20 Minuten soll dort der Ladestand des Akkus von 30 auf 80 Prozent gehoben werden können. Keine rekordverdächtigen Werte. Im Umkehrschluss will Geely aber die Langlebigkeit des Stromspeichers betonen, der auf über 3.500 Ladezyklen und mehr als eine Million Kilometer Fahrstrecke ausgelegt sein soll.

Der Fahreindruck

Der Geely E5 wird von einem 160 kW starken Elektromotor über die Vorderräder angetrieben.

Unter der vorderen Haube des Geely E5 steckt in jeder Variante ein Elektromotor mit 160 kW (218 PS). Das Drehmoment von 320 Newtonmetern bringt das SUV ausreichend zügig voran. In engen Kurven nähert man sich bei vollem Leistungsabruf am rechten Fuß der Haftungsgrenze der Giti-Reifen auch auf trockener Straße. Wie sich der Frontantrieb bei nasser Straße und rutschigem Untergrund verhält und wie geflissentlich die Traktionskontrolle dann arbeitet, konnten wir im Rahmen der ersten Testfahrten noch nicht ausprobieren.

Federn und Dämpfer bilden ein gutes Team. Querfugen und Kanten im Asphalt sind zwar kurz spürbar, werden aber gut geschluckt und der Aufbau federt trotz der ausreichend weichen Abstimmung nicht nach. Das gefällt vor allem Passagieren auf der Rücksitzbank, insbesondere auf längeren Strecken. Auf der Autobahn erreicht der E5 bei Bedarf ohne langen Anlauf seine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h, wenngleich dann naturgemäß der Strombedarf stark ansteigt.

Die „intelligente Geschwindigkeitsregelanlage“, die Tempo- und Abstandssteuerung mit der Spurführungsassistenz kombiniert, ist über einen Tastendruck auf der linken Lenkrad-Speiche aktivierbar. Das System funktioniert nicht über den gesamten Geschwindigkeitsbereich, sondern nur bis 135 km/h. Das dürfte auch der Leistungsfähigkeit der verbauten Sensoren geschuldet sein. Man kann es aber auch entspannt sehen und argumentieren: Beim Mitschwimmen im Verkehr bis in den Bereich der Richtgeschwindigkeit fährt man mit Unterstützung der Fahrassistenz, im schnelleren Tempobereich hat man selbst die volle Kontrolle.

Die Spurführung arbeitet gewissenhaft und ohne zu kantige Eingriffe in die Lenkung. In Baustellen folgt der E5 den gelben Markierungen auch dann, wenn die ursprüngliche, weiße Linierung in eine andere Richtung zeigt. Auch die Abstandsregelung gefällt. Bei einem langsameren Verkehrsteilnehmer voraus wird entspannt verzögert. Das System reagiert aber auch auf hastige Spurwechsel voraus und nutzt dann einen entsprechend stärkeren Bremsdruck.

Am Ende des Test-Tags meldet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 15,9 kWh / 100 km, also liegen wir (zumindest der Anzeige nach) nur 0,1 kWh über dem WLTP-Normwert des Basismodells mit 18-Zoll-Rädern.

Preise und Ausstattung

Apple CarPlay und Android Auto sind stets mit an Bord.

Der Geely E5 wird zu Preisen ab 37.990 Euro angeboten. Zu diesen Tarif gibt es das Basismodell namens Pro mit 60,2 kWh großem Akku in der Farbe „Schneeweiß“. Diese Konfiguration entspricht unserem Testwagen, der hier auf den Fotos und im Video-Review gezeigt wird. Zur Serienausstattung zählen elektrisch einstellbare Vordersitze mit Heizung und Belüftung, Einzonen-Klimaautomatik, Wärmepumpe, die Fahrassistenz mit adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage, Totwinkelüberwachung und Querverkehrswarner, das Infotainment-System mit Apple CarPlay und Android Auto, induktives Laden für ein Smartphone und Einparksensoren am Heck.

Das Upgrade zum 68,4 kWh großen Akku im E5 Pro+ gibt es für 39.990 Euro. Mit der gleichen Batteriegröße rollt das Topmodell Geely E5 Max+ auf 19-Zoll-Felgen zum Preis von 42.990 Euro an. Hier gibt es dann ein Panorama-Glasschiebedach, die elektrische Heckklappe, Sitzheizung auch im Fond und eine Lenkradheizung, Massage für Fahrer und Beifahrer, einen PTC-Zuheizer zusätzlich zur Wärmepumpe und ein Soundsystem mit 16 Lautsprechern (zwei davon in den vorderen Kopfstützen).

Zum Start wird es Finanzierungsangebote mit einem effektiven Jahreszins von 0,99% geben, auch Leasingangebote dürften bald folgen. Das Vertrauen der Kunden will Geely mit einer Neuwagengarantie für den Zeitraum von acht Jahren bis zu einer Laufleistung von 200.000 Kilometern gewinnen, ebenso mit einem 5-Sterne-Ergebnis beim Euro-NCAP-Crashtest.

China-Konkurrenz im Preis-Vergleich

Der Geely E5 kommt parallel zum Starray EM-I mit Hybridantrieb auf den Markt.

Auch der MGS5 EV kostet, wie der Geely E5, ab 37.990 Euro. Die Akku-Kapazität liegt mit 49 kWh unter der des E5, ebenso Reichweite (340 Kilometer nach WLTP-Norm) und die Motorleistung von 125 kW (170 PS). Der MGS5 EV Comfort Long Range bringt einen 64 kWh großen LFP-Akku für 480 Kilometer Norm-Reichweite und einen 170 kW (231 PS) starken Motor mit, sein Listenpreis liegt bei 42.990 Euro.

Der BYD Seal U ist nicht mehr als Neuwagen konfigurierbar. Die Website des Herstellers listet ein Abverkaufs-Angebot mit Preisen ab 34.990 Euro auf, sofern noch Lagerwagen bei den Händlern verfügbar sind. Wir erwarten die baldige Vorstellung eines modellgepflegten Seal U mit Elektroantrieb und als Plug-in Hybrid.

Fazit

Kamerafrau Hannah bei der Sitzprobe im Kellerabteil des Kofferraums.

Der chinesische Geely-Konzern, Eigentümer u.a. von Volvo, Polestar und Lotus stellt sich jetzt auch mit der eigenen Kernmarke in Deutschland auf. Zwei SUV werden über ein Händlernetz vertrieben, das bis Ende 2027 auf 150 Standorte wachsen soll. Der vollelektrische Geely E5 gefällt mit einer komfortablen Abstimmung, guter Verarbeitung und viel Platz im Innenraum.

Wie effizient der Antrieb arbeitet und ob die recht überschaubare Ladeleistung im Alltag mit einem stabilen Plateau der Ladekurve kompensiert wird, kann erst ein späterer Test klären. Die Preise beginnen mit 37.990 Euro auf einem, im Wettbewerbsumfeld, niedrigen Niveau. Dazu bringt der E5 eine Neuwagengarantie von acht Jahren mit, beim Crashtest von Euro-NACP hat er die Maximalwertung von fünf Sternen erreicht.

Technische Daten
Geely E5 Pro

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Frontantrieb
Maximale Leistung kW / PS
160 kW (218 PS)
Max. Drehmoment
320 Nm
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Batterie
60,2 kWh
Batterie: Typ
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
120 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
11 kW (dreiphasig)
Beschleunigung 0-100 km/h
6,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
175 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
15,8 kWh
Reichweite nach Norm
430 Kilometer
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
15,9 kWh (lt. Bordcomputer)
Kofferraumvolumen
461 - 1.877 Liter (+108 Liter unter Ladeboden)
Reifenmarke und –format des Testwagens
Giti 225/55 R18
Leergewicht
1.715 kg
Länge / Breite / Höhe
4.615 / 1.901 / 1.670 mm
Basispreis Baureihe
37.990 Euro
Testwagenpreis
37.990 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Hannah Richter, Bernd Conrad