Fiat Qubo L

Fiat Qubo L Der (gar nicht mal so) neue Familien-Fiat

7:09 Min.

Sieben Sitze, Diesel mit 130 PS und Automatik: Der Fiat Qubo L im Fahrbericht.

Wer in Europa an die Marke Fiat denkt, hat Kleinwagen vor Augen. Die Marke hat sich in den vergangenen Jahren vor allem auf 500 und Panda konzentriert, in Entwicklungspartnerschaft mit anderen Stellantis-Marken wurden zudem der Fiat 600 und jüngst der Grande Panda auf den Markt gebracht. Mit dem Ende des Tipo hat sich Fiat aus der Kompaktklasse verabschiedet. Ein klassischer Vollsortimenter, also ein Hersteller mit breitem Modellprogramm für unterschiedliche Kundengruppen, ist die Marke nicht mehr. Das soll sich, zumindest teilweise, ändern. Stolz verkünden die Italiener, dass sie künftig wieder ein Familienauto anbieten.

Konzern-Van

Der Name für die neue Baureihe ist bekannt, 2008 kam der erste Fiat Qubo als PKW-Version des Kleintransporters Fiorino auf den Markt. Auch der Qubo im Jahr 2026 nutzt ein kompaktes Nutzfahrzeug als Basis, und zwar den Fiat Doblò. Er ist also kein wirklich neues Auto. Von den Stellantis-Konzernschwestern stehen der Citroën Berlingo und der Peugeot Rifter in den Autohäusern, bei Kooperationspartner Toyota der Proace City Verso. Mit einer eigenständigen Front, die in einer Leiste über dem großen Markenschriftzug vier diagonale Linien als Zitat eines ehemaligen Fiat-Logos trägt, setzt der Qubo L an der Front optisch eigenständige Akzente.

Zwei Karosserielängen werden angeboten. Der Fünfsitzer hat einen 4,41 Meter langen Aufbau und bietet, hinter den drei Einzelsitzen in der zweiten Reihe, 1.355 Liter Kofferraumvolumen. Wenn man die Rücksitzlehnen nach vorne klappt, senkt sich das Gestühl leicht ab. Dadurch entsteht zwar keine ebene Ladefläche, aber immerhin gibt es ein Raumplus mit bis zu drei Kubikmetern (3.000 Litern). Um 35 Zentimeter auf insgesamt 4,76 Meter streckt sich die Karosserie beim Fiat Qubo mit sieben Sitzen (der dann eigentlich Qubo XL heißen müsste, oder?). Bei ihm stehen zwei Einzelplätze im Laderaum, die auch Erwachsenen ordentliche Verhältnisse bieten. Nur der Einstieg über die heruntergeklappte Lehne der zweiten Reihe ist etwas mühsam. Praktisch, nicht nur im Alltag als Familien-Taxi: Die beiden großen Schiebetüren für den Zugang in den Fond.

XXL-Laderaum

Die beiden Einzelsitze in der dritten Reihe sind ausbaubar.

Wenn man die zusätzlichen Sitzgelegenheiten nicht ständig benötigt, empfiehlt sich ein Lagerplatz in der Garage oder im Kellern. Das Gestühl lässt sich herausnehmen. Dafür muss man den entsprechenden Sitz erst nach vorn klappen, um dann an einer Schlaufe zu ziehen und gleichzeitig den Sitz anzuheben. Da kommt einiges an Gewicht zusammen, dass man mit einer Hand halten bzw. heben muss. Die Belohnung ist dann ein mit 1.900 Litern mehr als üppiger Kofferraum, als Zweisitzer schluckt der lange Qubo L 3.500 Liter. Leider fehlt eine Netztrennwand.

Fahrer und Beifahrer können es sich mit einer aufrechten Sitzposition bequem machen und genießen eine gute Rundumsicht. Große Menschen stoßen mit dem Knie jedoch oft an der breiten Mittelkonsole an. Das Cockpit mit den digitalen Instrumenten und dem leicht nach links geneigten Infotainment-Touchscreen ist, wie auch die Software mit ihrer Bedien- und Anzeigenstruktur, von anderen Modellen aus dem Stellantis-Konzern bekannt. Die Transporter-Abstammung zeigt der Fiat Qubo L auch mit seinen vielen Ablagen, die man gewiss auch im Familien-Alltag zu schätzen weiß. Dazu Flaschenhalter an beiden Seiten des Cockpits. Vor dem Beifahrer bietet der Qubo L gleich zwei Handschuhfächer.

Diesel im Fahrbericht

Der 130 PS starke Diesel mit Automatikgetriebe passt gut zum großen Hochdach-Kombi.

Fiat bietet den Qubo L mit 100 kW (136 PS) starkem Elektroantrieb und netto 50 kWh großem Akku für eine Normreichweite von 340 Kilometern (nur als Fünfsitzer) an, außerdem als Benziner mit 110 PS und als Diesel. Der Selbstzünder ist ein Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum, der in Verbindung mit manuellem Sechsganggetriebe 102 PS leistet, im Topmodell mit 130 PS ist er an eine Achtstufen-Automatik gekoppelt.

In dieser Konfiguration steht der Fiat Qubo L als Testwagen bereit. Nach dem Druck auf den Startknopf, der konzern-typisch lange gehalten werden muss, fällt der Vierzylinder in einen dezent hörbaren Leerlauf. Mit 300 Newtonmetern Drehmoment, die ab 1.750 U/min anliegen, ist der Hochdachkombi bei normalen Alltagsfahrten angemessen motorisiert. Zumindest in unserer Test-Besetzung mit zwei Personen und leichtem Reisegepäck. Die maximale Zuladung von üppigen 725 Kilogramm nutzen wir also nicht aus. Dann dürfte der Diesel angestrengter arbeiten. Beim Ausdrehen in hohe Drehzahlregionen wird sein Arbeitsprinzip deutlich hörbar, bevor die teils gemütlich agierende Automatik die Übersetzung wechselt. Der Geräuschkomfort geht in Ordnung, wenngleich der neue Fiat seine Nutzfahrzeug-Abstammung in dieser Disziplin nicht immer versteckt.

5,7 l/100 km meldet der Hersteller als WLTP-Normverbrauch. Am Tag unserer Testfahrten können wir aus Zeitgründen nur der Anzeige im Bordcomputer vertrauen, sie meldet einen Durchschnitt von 7,1 l/100 km nach vielen entspannten Kilometern über Landstraßen und Ortsdurchfahrten ohne innerstädtischen Stopp-and-go-Verkehr. Ein Grund für den Mehrverbrauch dürfte in der harten Arbeit der Klimaautomatik liegen. Bei Außentemperaturen um 38 Grad muss sie spürbar kämpfen, um den großen Innenraum des Qubo L einigermaßen abzukühlen. Zwei Lüftungsdüsen vor der zweiten Sitzreihe bringen auch hier Frischluft, zudem kann man die Intensität des Luftstroms einstellen.

Das kostet der Fiat Qubo L

Klimaautomatik und Navigationssystem sind beim Qubo L La Prima serienmäßig.

Fiat bietet den Qubo L in drei Ausstattungslinien mit den Namen Pop, Icon und La Prima an. Der Fünfsitzer startet als Benziner bei 24.490 Euro, das Upgrade mit sieben Sitzen und längerer Karosserie kostet 1.500 Euro (Grundpreis Benziner 7-Sitzer 25.990 Euro).
Die Diesel-Varianten gibt es mit 102 PS ab 25.490 Euro, mit 130 PS und Automatikgetriebe ab 27.490 Euro. Deutlich teurer ist der elektrische Fiat Qubo L, den man zu Preisen ab 35.490 Euro bestellen kann.

Unser Testwagen in der höchsten Ausstattungslinie La Prima bringt u.a. 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein separat zu öffnendes Heckfenster, Lenkradheizung, Navigationssystem und eine Smartphone-Ablage mit induktiver Ladefunktion mit. Er kostet als langer 130-PS-Diesel 33.990 Euro. Die Metalliclackierung in „Foresta Grün“ erhöht den Listenpreis auf 34.690 Euro. Ein ähnlich ausgestatteter Citroën Berlingo hat einen fast identischen Preis, das gilt auch für Peugeot Rifter und Toyota Proace City Verso. Wer keine Markenpräferenz hat, der sollte also die Ausstattungslisten ganz genau studieren und zudem die Rabattpolitik der einzelnen Marken im Auge haben.

Fazit

Die hinteren Schiebetüren erleichtern den Familien-Alltag.

Nach längerer Abstinenz im Segment der Familienautos bekommt jetzt auch Fiat ein Derivat des aktuellen Stellantis-Hochdachkombis. Der Fiat Qubo L, eng verwandt mit Citroën Berlingo und Peugeot Rifter, bietet vor allem in der 4,76 Meter langen Siebensitzer-Version bei Bedarf einen Laderaum im Format einer Turnhalle. Er hier öfter viel einlädt oder mit mehreren Personen auf Tour geht, der sollte den 130 PS starken Diesel mit Automatikgetriebe wählen. Verhältnismäßig günstige Preise passen besser zum durchschnittlichen Familien-Budget als die Tarife für Großraum-Vans wie VW Multivan und Co., zudem ist der Hochdachkombi immer noch kompakt genug für die Normgarage, das Carport oder die innerstädtische Parklücke.

Technische Daten
Fiat Qubo L Siebensitzer 1.5 Diesel

Antriebsart
Diesel
Antrieb
Frontantrieb
Hubraum
1.499 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
96 kW / 130 PS
Max. Drehmoment
300 Nm bei 1.750 U/min
Getriebe
Achtgang-Automatik
Tankinhalt
50 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
11,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
186 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
5,7 Liter
Verbrauch real auf 100km
7,1 Liter (lt. Bordcomputer)
Kofferraumvolumen
1.900 (5 Sitze) bis 3.500 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
Bridgestone Turanza 205/55 R17
Leergewicht
1.575 kg
Anhängelast (gebremst)
1.100 kg
Länge / Breite / Höhe
4.756 / 1.921 / 1.787 mm
Basispreis Baureihe
24.490 Euro
Basispreis Modellvariante
33.990 Euro
Testwagenpreis
34.690 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad