Der neue Ora 5 im ersten Fahrbericht -gleich doppelt, als Hybrid und als Benziner.
Die chinesische Marke GWM (Great Wall Motor) steht vor einer Produktoffensive auf dem deutschen Markt. Neben den SUV von Haval wird auch die Submarke Ora neu definiert. Die elektrischen Modellreihen 03 und 07 sind ausgelaufen. Im gleichen Rund-Design startet jetzt der Ora 5 als Benziner und Hybrid, 2027 folgt eine Elektro-Version.
Mit einer Länge von 4,47 Metern, einer Breite von 1,83 Metern und einer Höhe von 1,64 Metern will der Ora 5 in der Klasse der Kompakt-SUV punkten. Zum breiten Feld der Mitbewerber zählen beispielsweise der MG ZS, Renault Symbioz und sein Zwilling Mitsubishi Grandis und auch der VW T-Roc.
Hybrid und Benziner
Den Ora 5 gibt es zum Marktstart in zwei Antriebsvarianten. Als Hybrid ohne Stecker kombiniert er einen 110 kW / 150 PS starken 1,5-Liter-Benziner und einem Elektromotor mit 140 kW (190 PS). Ein Zweigang-Getriebe verwaltet das Duo und die Kraftübertragung an die Vorderräder, die Systemleistung wird mit 164 kW / 223 PS angegeben.
Der Vollhybrid hat einen 1,09 kWh großen NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt) an Bord, der während der Fahrt beim Bremsen und durch die Rekuperation von Energie aufgeladen wird.
Außerdem gibt es eine reine Benziner-Variante ohne Elektrifizierung. Hier leistet der Vierzylinder-Benziner 118 kW / 160 PS. Sein Drehmoment von 270 Newtonmetern wird an ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Vorwärtsgängen geschickt. Das Einlegen der Fahrstufe erfolgt über den rechten Lenkstockhebel, manuelle Schaltvorgänge sind nicht vorgesehen.
Innenraum und Platzangebot
Bei der Inneneinrichtung haben schon die Ora-Erstaufschläge in Form des 03 und des 07 punkten können. Auch der neue Ora 5 gefällt mit einer soliden Verarbeitung und gut ausgesuchten Materialien. Die Ambiente-Beleuchtung, Teil der Serienausstattung in der höheren Luxury-Linie, ist als indirekte Illumination in Cockpit und Türverkleidungen integriert. Vor der Mittelkonsole mit induktiver Ladeablage für ein Smartphone (Luxury) lassen sich Klimafunktionen mit soliden Kippschaltern bedienen.
Wer tiefer ins Klima-Menü einsteigen will, der drückt auf dem großen Touchscreen herum. Das Display reagiert schnell auf Befehle der Fingerkuppe und bietet eine gute Auflösung. Vor allem das Bild der 360-Grad-Kamera-Rundumsicht dürfte viele Konkurrenten neidisch machen. An der mehrschichtigen und damit teils aufwendigen Klickerei durch Menüs kann das jedoch nichts ändern. Wichtige Funktionen, beispielsweise die Deaktivierung der Verkehrszeichen- Warnung, lassen sich aber über einen Shortcut (mit dem Finger von oben nach unten über das Display streichen) erreichen.
Die in den früheren Ora-Modellen arg penetrante Auslegung der Fahrassistenz inklusive der Aufmerksamkeitswarnung (Wir erinnern uns: „Seien Sie nicht geistesabwesend!“) ist Geschichte. Die Systeme erledigen ihren Job auf dezente Art und Weise, hier haben die Chinesen auf die Kritik von Medien und Kunden gehört.
Vorne sitzt man bequem auf großzügig dimensioniertem Mobiliar, das sich in der Luxuy-Variante auch belüften lässt. Alle fahrrelevanten Informationen werden auf einem 10,25 Zoll großen Display hinter dem Zweispeichen-Lenkrad gut sichtbar dargestellt. Der relativ niedrige Armaturenträger hilft bei der Aus- und Rundumsicht. Das Platzangebot im Fond liegt, im Vergleich zu Klassenkameraden, auf durchschnittlichem Niveau, große Menschen müssen wegen der niedrigen Sitzfläche die Beine über Gebühr stark anwinkeln. Eltern keiner Kinder freuen sich im Alltag gewiss über gut erreichbare Verankerungen für Kindersitze mit Isofix-System. In der Mittelkonsole sorgt eine Lüftungsdüse für Frischluft im Fond, außerdem gibt es hier immerhin einen USB-C-Steckplatz zur Stromversorgung.
Kofferraum und Variabilität
Im Kofferraum lässt sich der doppelte Ladeboden in zwei Höhen einlegen, um die innere Ladekante zu minimieren. Auch dieses Bauteil zeigt den Ehrgeiz der Ora-Entwickler. Der klappbare Boden wird mit ausklappbaren Halterungen zusätzlich gesichert. Das Ergebnis: Er kann bis immerhin 100 Kilogramm belastet werden, viele Mitbewerber bieten hier 60 oder 75 Kilogramm mögliches Gewicht.
Die Größe des Kellerabteils variiert ja nach Antriebsvariante, da der Hybrid mehr Bauraum benötigt. Ablesen lässt sich der Unterschied im Datenblatt: 390 Liter fasst der Kofferraum im Hybrid, 422 Liter der des Benziners. Nach dem Umklappen der geteilten Rücksitzlehne entsteht ein fast ebener Boden, das Volumen steigt auf 1.088 bis 1.120 Liter.
Unverständlicherweise wurden zwei kleine Schnüre eingespart. Die Kofferraumabdeckung schwingt beim Öffnen der Klappe nicht mir nach oben, man muss sie händisch aufstellen. Beim Schließen ist die im Weg, die elektrische Heckklappe des Ora 5 Luxury erkennt das Hindernis und schließt nicht. Hier sollte dringend nachgerüstet werden.
So fährt der Hybrid
Nach dem Anlassen stromert der Hybrid lokal emissionsfrei los, dabei ist auch im Innenraum ein künstlich erzeugtes Elektro-Geräusch zu hören. Je nach Füllstand des Akkus und dem Gefühl im rechten Fahrer-Fuß kann man innerorts auch ganze Straßenzüge im Elektro-Modus durchqueren. Nach einiger Zeit, oder bei höherem Leistungsabruf, schaltet sich der Vierzylinder-Benziner zu. Das Zusammenspiel der beiden Antriebe im Hybrid-System ist gut organisiert. Rucke oder Vibrationen sind nicht zu spüren, das Zweigang-Getriebe arbeitet ebenfalls unbemerkt. Freunde einer Liveübertragung per Energieflussanzeige kommen leider nicht auf ihre Kosten, die Zuarbeit des Verbrennungsmotors ist aber dezent hörbar.
Logischerweise ist der Ora 5 Hybrid trotz der üppigen Werte von 223 PS Systemleistung und 476 Newtonmetern System-Drehmoment kein verkappter Sportwagen. Bei Bedarf lässt sich das SUV aber durchaus zügig bewegen. Mit den kurvigen Landstraßen bei teils starker Steigung im Odenwald hat der Chinese kein Problem. Auf der Autobahn wird der Hybrid bis zu 185 km/h schnell.
Das Fahrwerk schluckt Verwerfungen und Ausbesserungen im Asphalt auch bei niedrigem Tempo mit Bravour. Gerade der Langsamfahrkomfort gefällt – wichtig im urbanen Alltag. Über das teils arg verschachtelte Menü auf dem großen Zentral-Touchscreen lässt sich das Ansprechverhalten der Lenkung in drei Stufen variieren. Die Spreizung zwischen den unterschiedlichen Modi fällt nicht sonderlich groß aus, auch bei der Arbeit am Volant merkt man, dass der Ora 5 kein Sportler sein soll.
5,1 l/100 km genehmigt sich der Hybrid laut WLTP-Norm. Am Tag unserer ersten Testfahrten waren wir einigermaßen zügig unterwegs und haben die dreistufig einstellbare Energie-Rekuperation nicht allzu fleißig genutzt (auch deswegen, weil man auch dafür auf dem großen Display herumdrücken muss). Der Bordcomputer meldet am Ende einen Wert von 6,1 l/100 km – im Hybrid-Alltag sollte das locker zu unterbieten sein.
So fährt der Benziner
Umstieg in den Ora 5 als Benziner. Hier leistet der 1,5 Liter große Vierzylinder 118 kW / 160 PS. Das maximale Drehmoment von 270 Newtonmetern wird von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verwaltet. Wer es eilig hat, der bemerkt beim hastigen Anfahren eine leichte Anfahrschwäche – ein typisches Merkmal von Autos mit dieser Art von Getriebe. Immerhin kann damit in den meisten Fällen der ungeordnete Überfall des Drehmoments auf die Vorderräder vereitelt werden. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven scharren die Kumho-Reifen auch auf trockener Straße kurz über den Asphalt, bevor die Traktionskontrolle beflissen eingreift.
Das liest sich jetzt dramatischer, als es ist. Der typische Kompakt-SUV-Kunde tritt gewiss weniger arg auf Gaspedal wie wir bei den Testfahrten. Der aufgeladene Benziner gefällt über das gesamte Drehzahlband mit guten Manieren, er läuft ruhig und vibrationsfrei. Mit 1.560 Kilogramm Leergewicht ist der Ora 5 Benziner 100 Kilogramm leichter als der Hybrid. Ein Unterschied, denn man auf öffentlichen Straßen nicht bemerkt. Auch die Variante ohne Elektrifizierung federt manierlich und lenkt ausreichend direkt.
Der Verbrauch wird mit 6,9 l/100 km angegeben, er liegt also um 1,8 Liter höher als beim Hybrid. Auf den identischen Strecken und gleichem Fahrprofil können wir mit der Bordcomputer-Angabe von etwas knapp unter acht Litern diesen Unterschied schon einmal subjektiv bestätigen, ohne beide Werte in einem Alltags-Test ermitteln zu können.
Ausstattung und Preise
Den Ora 5 gibt es in zwei Ausstattungslinien, die bei der Marke GWM wie gewohnt Premium und Luxury heißen. Das Premium-Modell fährt mit 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Einparksensoren am Heck, 360-Grad-Kamera, Alarmanlage, adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage mit Stauassistenz, Zweikonen-Klimaautomatik, Sitzheizung vorne, Navigationssystem und Alarmanlage vor. Smartphone-Inhalte via Apple CarPlay oder Android Auto lassen sich ohne Kabelverbindung nutzen.
Als Benziner kostet der Ora 5 Premium ab 26.990 Euro, als Hybrid ab 28.990 Euro. Bis Ende 2026 wird das SUV mit einer „Go with more“-Prämie beworben, die den Listenpreis um 2.000 Euro senkt, es geht also bei günstigen 24.990 Euro los.
Der Ora 5 Luxury hat u.a. Kunstlederbezüge anstelle der Stoffausstattung im Grundmodell, getönte Scheiben im Fond, die einstellbare Ambiente-Beleuchtung, eine Memory-Funktion für den elektrisch einstellbaren Beifahrersitz und zusätzlich auch eine elektrische Verstellmöglichkeit für den Beifahrer (ohne Höheneinstellung), die elektrische Heckklappe, Sitzlüftung vorne, eine induktive Ladefunktion für das Smartphone und ein besseres Soundsystem mit neun statt sechs Lautsprechern.
Die Mehrausstattung in Form der höheren Linie kostet 2.500 Euro, die Listenpreise für den Ora 5 Luxury liegen also bei 29.490 (Benziner) bzw. 31.490 Euro (Hybrid). Auch hier sorgt die Rabattaktion für einen Nachlass um 2.000 Euro. Unabhängig von der Ausstattung bringt der Ora 5 eine Neuwagengarantie über den Zeitraum von sieben Jahren bis 160.000 Kilometer Laufleistung mit. Die Garantie auf die Hochvolt-Komponenten des Hybridsystems gilt für acht Jahre bis 160.000 Kilometer.
Elektro und Kombi
Die Marke GWM spricht bei Ihrer Strategie vom Anspruch „All Scenarios, all Powertrains“. Die Chinesen wollen also für möglichst viele Kunden das passende Angebot bereithalten.
Anfang 2027 startet der Ora 5, zusätzlich zu Benziner und Hybrid, auch als reines Elektroauto. Technische Daten für diese Variante sind noch nicht bekannt. Außerdem folgen weitere Karosserievarianten auf der gleichen Basis. Das kompakte SUV macht den Anfang, davon abgeleitet werden ein fünftüriger Kompakter (Hatchback) und ein Kombi.
Fazit
Der Ora 5 gefällt mit seinen kompakten Abmessungen und dem penibel verarbeiteten Innenraum. Die Assistenzsystem funktionieren zuverlässig, ohne den Fahrer mit zu harscher Reaktion oder Warntönen zu nerven. Von den beiden Antriebsvarianten, die zum Marktstart angeboten werden, ist der Hybrid nicht nur wegen des niedrigeren Verbrauchs zu empfehlen. Die elektrifizierte Version fährt sich entspannter und wirkt ausgefeilter. Ein vollelektrischer Ora 5 folgt 2027, außerdem weitere Karosserieversionen in Form eines kompakten Fünftürers und eines Kombis.
Mit Preisen ab 24.990 Euro (inklusive 2.000 Rabatt zum Marktstart) unterbietet der GWM Ora 5 viele Mitbewerber um mehrere tausend Euro, auch als Hybrid (aktuell ab 26.990 Euro) ist der rundliche Chinese ein echtes Schnäppchen.
Technische Daten
GWM Ora 5
- Antriebsart
- Hybrid
- Antrieb
- Frontantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e-bis
- Hubraum
- 1.499 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 110 kW / 150 PS
- Max. Drehmoment
- 240 Nm
- Getriebe
- 2-Gang-Getriebe
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 140 kW (190 PS)
- Elektromotor: Nennleistung KW
- 57 kW (77 PS)
- Elektromotor: Maximales Drehmoment
- 236 Nm
- Systemleistung: kW / PS
- 164 kW / 223 PS | 476 Nm
- Batterie
- 1,09 kWh
- Batterie: Typ
- NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)
- Tankinhalt
- 55 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 7,7 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 185 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 5,1 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 6,1 Liter (lt. Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 390 - 1.088 Liter
- Leergewicht
- 1.660 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 750 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Dachlast
- 50 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.471 / 1.833 / 1.641 mm
- Basispreis Baureihe
- 26.990 Euro / aktuell 24.990 Euro (Benziner Premium)
- Basispreis Modellvariante
- 31.490 Euro / aktuell 29.490 Euro (Hybrid Luxury)