2027 startet Chery in Deutschland. Vor allem der kleine Tiggo 4 Hybrid wird ein Schnäppchen.
Was ist hier denn los? Wir haben heute ein Auto im ersten Fahrbericht, das es so in Deutschland 2027 zu kaufen geben wird – aber auch wieder nicht. Trotzdem haben Fahrzeug und Berichterstattung Relevanz für Interessenten und Kunden. Wie das gemeint ist, erklären wir in den folgenden Zeilen.
Der chinesische Chery-Konzern startet im ersten Halbjahr 2027 unter eigener Marke mit SUV-Modellen der Linie Tiggo in Deutschland, zusätzlich zu den etwas höher positionierten Baureihen der eigenständigen Konzernmarken Jaecoo und Omoda. Eine Vermischung der Händler- und Servicenetze soll es dabei nicht geben, die einzelnen Konzernmarken werden aber bei Aktivitäten wie der Ersatzteillogistik oder der Pannenhilfe zusammenarbeiten. Das kennt man beispielsweise von den Marken des Volkswagen-Konzerns.
Kleines Hybrid-SUV
30 Chery-Händler sollen bis Ende 2026 unter Vertrag sein, um den Marktstart zu begleiten. Ein Jahr später wollen die Strategen mit 100 Standorten zwischen Flensburg und Füssen die Mehrheit der deutschen Autokäufer erreichen. Die können sich aus vier SUV-Baureihen (was sonst) ihr Wunschmodell aussuchen. Chery setzt dabei auf Hybride mit und ohne Stecker, bereitet parallel aber auch den Start von reinen Elektroautos vor. Das Einstiegsmodell ist der Chery Tiggo 4. Das kleine SUV ist 4,32 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,65 Meter hoch. Mit diesem Format zielt es vor allem auf den Dacia Duster. Das Budget-SUV der rumänischen Renault-Tochter dürfte der erklärte Gegner des Tiggo 4 sein.
Hinter der manuellen Klappe des Chinesen kann man 430 Liter Gepäck einladen, nach dem Vorklappen der geteilten Rücksitzlehne entsteht ein Laderaum mit bis zu 1.190 Litern Volumen und ansteigendem Boden. Die auf der Lehne stehenden Kopfstützen müssen zudem erst demontiert werden, wenn die Vordersitze weit nach hinten gefahren wurden, sonst lässt sich die Lehne nicht ganz vorklappen. Immer im Weg ist die Beule im Kofferraumboden. Da bei der Transformation vom reinen Verbrenner zum Hybriden die 12-Volt-Batterie ins Heck gewandert ist, steht sie hier teilweise im Weg herum. In fünfsitziger Konfiguration bietet der Chery Tiggo 4 verhältnismäßig üppige Platzverhältnisse in der zweiten Reihe. Auch der 1,92 Meter große Autor kann es hier nicht nur auf Kurzstrecken aushalten. Eltern freuen sich über gut gelöste Klappen vor den Isofix-Bügeln für Kindersitze. Sie öffnen nach innen. Man kann sie also mit dem Sitz in der Hand in einem Zug öffnen und das System verankern. Für Reisekomfort sorgen Haltegriffe an den Außenplätzen (auch für den Beifahrer), ein Luftausströmer in der Mittelkonsole und immerhin ein USB-Anschluss zur Stromversorgung von Geräten wie Smartphones. Warum die Chinesen hier noch den veralteten USB-A-Standard (eckiger Stecker) verwenden, bleibt aber ein Geheimnis.
Beide Vordersitze sind auch in der Höhe verstellbar, den Fahrersitz kann man in alle Richtungen elektrisch justieren. Ob dies in Deutschland einer höheren Ausstattungslinie vorbehalten bleibt oder grundsätzlich zur Serienausstattung gehören wird, ist noch nicht bekannt. Sitzkomfort und Rundumsicht passen gut, vor den Insassen spannen sich zwei jeweils 12,3 Zoll große Displays über das Armaturenbrett. Alle fahrrelevanten Informationen versammeln sich auf der Anzeige hinter dem (arg großen) Lenkrad, der zentrale Monitor ist ein Touchscreen. Hier lassen sich auch die Anzeigen der kabellosen Smartphone-Integration anzeigen, Apple CarPlay und Android Auto sind ab Werk an Bord. Auch ein Navigationssystem wird es 2027 ohne Aufpreis geben. Wer mag, kann über eine feststehende Leiste am unteren Display-Rand die Innenraumtemperatur der Zweizonen-Klimaautomatik steuern. Alternativ steht ein separates Klima-Bedienteil weiter unten in der Mittelkonsole parat. Die Felder zur Änderung der Temperatur scheint der Zulieferer aus demselben Regal genommen zu haben wie die für kleine VW-Modelle. Auch die zweistufige Sitzheizung ist hier im Souterrain des Cockpits direkt ansteuerbar. Darüber präsentiert sich eine Kippschalter-Leiste für wichtige Bedienpunkte und die Rückkehr ins Hauptmenü des Infotainment-Systems.
Die Verarbeitung der Dekore und der Kunstleder-Bezüge an Sitzen, Cockpit und Türverkleidungen wirkt sehr ordentlich. Bis auf das Klima-Element gibt es keine hochglänzend-schwarzen Flächen.
Die Testfahrt
Der Chery Tiggo 4 wird in Märkten wie Österreich und Polen als Vollhybrid mit einer Systemleistung von 120 kW / 163 PS angeboten. Dieser Antrieb steckt auch in unserem Testwagen. Er kombiniert einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-Sauger mit 70 kW / 95 PS und einen 150 kW (204 PS) starken Elektromotor. Strom kommt aus einem 1,83 kWh großen NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt), der während der Fahrt beim Bremsen und durch Rekuperation geladen wird. Ein Stecker zur externen Energieversorgung ist nicht an Bord, hierbei spricht man von einem „Vollhybrid“.
Im Stadtverkehr und auch im urbanen Speckgürtel legt der Tiggo 4 kurze Strecken rein elektrisch zurück. Vom Zuschalten des Verbrenners ist kaum etwas zu hören und nichts zu spüren. Meist läuft der Benziner als Kraftwerk an Bord, er treibt im seriellen Hybridmodus also nicht direkt die Räder an. Je nach Leistungsabruf wird eine Kraftübertragung von beiden Motoren an die Vorderräder aktiviert, dann fährt der Tiggo 4 im parallelen Hybrid-Modus. Die am Testwagen montierten Sailun-Reifen kommen spätestens dann bei der Kombination aus starker Beschleunigung und engem Kurvenradius an ihre Grip-Grenze.
Eine entspannte Fahrweise passt auch bei diesem Hybrid besser zum Charakter des Fahrzeugs, was zudem mit einem niedrigen Benzinverbrauch belohnt wird. Nach WLTP-Norm verbraucht der Tiggo 4 HEV mit 120 kW / 163 PS 5,3l /100km. Das Fahrwerk des gefällt mit ausreichend langen Federwegen und einigermaßen festen Dämpfern. Bodenwellen sind nur leicht zu spüren, auch Querfugen und Ausbesserungen im Asphalt brettert das SUV stoßen den Insassen nicht unangenehm auf. Die Lenkung ist, vor allem um die Mittellage, arg gefühllos – ein Gefühl, das mit dem großen Lenkrad nochmals verstärkt wird.
Der Fahreindruck fällt kurz aus, und das hat einen Grund. In Deutschland wird es den beschriebenen Antrieb mit Saugmotor nicht geben. Bei uns startet der Chery Tiggo 4 mit 143 PS starkem Turbo-Benziner, der Elektromotor mit 150 kW bleibt unverändert. Die Systemleistung steigt auf üppige 165 kW / 224 PS, das System-Drehmoment auf 295 Newtonmeter. Neben dem kleinen Vierer wird diese Konfiguration auch im 4,55 Meter langen Chery Tiggo 7 eingesetzt. Weil wir uns ja stets der bestmöglichen Erkenntnisgewinnung verschreiben, starten wir also zum zweiten Fahrbericht, um den Turbo-Hybrid kennenzulernen.
Fahreindruck Tiggo 7 HEV
Umstieg in den Chery Tiggo 7 HEV CSH. Der komplizierte Name beinhaltet die Abkürzung für das Selbstbewusstsein des „Chery Super Hybrid“-Systems. Den mit 4,55 Metern Länge etwas größeren Tiggo 7 gibt es auch als Plug-in Hybrid mit 18,4 kWh großem Akku für 90 Kilometer Elektro-Reichweite. Wir kümmern uns jetzt aber um den Hybrid ohne Kabelanschluss.
Im EV-Modus und beim Fahren im urbanen Raum, wenn der Hybrid seriell geschaltet ist, fährt der Tiggo 7 ebenso ruhig und entspannt wie der kleinere Bruder mit Saugmotor. Das um 35 Newtonmeter höhere System-Drehmoment und die Mehrleistung werden beim Wunsch nach eiliger Fortbewegung deutlich erlebbar. Mit rund 1,7 Tonnen ist der Tiggo 7 rund 150 Kilogramm schwerer als der Tiggo 4. Dieses Mehrgewicht wird durch den stärkeren Antrieb aber nicht nur egalisiert, das SUV fährt sich bei Bedarf auch dynamischer – ohne aber ein Sportwagen zu sein. Die Dämpfer sind recht straff abgestimmt. In Kombination mit kurzen Federwegen kommt auf kurzen Wellen und Querfugen manchmal eine leichte Unruhe ins Auto, ein Nachschwingen des Hinterwagens bleibt aber aus.
Der Bordcomputer meldet nach unserer Testfahrt mit dem Tiggo 7 einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 l/100 km – ein halber Liter unter der WLTP-Normangabe. Auch hier gilt: Genaue Aussagen über den Durst lassen sich erst in einem ausführlichen Alltagstest treffen.
Marktstart, Händler, Garantie
Die deutsche Chery-Organisation mit Sitz in Frankfurt am Main hat ihre Arbeit aufgenommen, aktuell werden die ersten Händlerverträge verhandelt. Im ersten Halbjahr 2027 stehen die vier SUV-Baureihen als Hybride mit und ohne Stecker bei den ersten Händlern. Wie oben beschrieben sollen bis Ende 2027 in Deutschland 100 Standorte das Chery-Logo tragen.
Die Neuwagengarantie gilt für sieben Jahre ab Erstzulassung bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Durch eine Kooperation mit dem Logistik-Konzern Kühne + Nagel will Chery eine reibungslose Ersatzteil-Logistik sicherstellen. In europäischen Märkten außerhalb Deutschlands ist die Marke bereits aktiv, die entsprechende Infrastruktur und Lager müssen also nicht erst aufgebaut werden.
In Spanien baut Chery bereits Autos, die Tiggo-SUV kommen dort unter dem Label der früheren lokalen Nutzfahrzeugmarke Ebro auf die Straße. Autos für den Verkauf in Deutschland werden aus China zu uns importiert. Als globale Werbefigur wurde Fußball-Profi Robert Lewandowski unter Vertrag genommen. Diese Kooperation ist auch auf dem hier gezeigten Tiggo4-Testwagen erkennbar, dessen Flanken mit dem Konterfei des Sportlers beklebt sind.
Was kosten Cherry Tiggo 4 und 7?
In Österreich kostet der Chery Tiggo 4 als Hybrid mit 120 kW / 163 PS Systemleistung ab 23.490 Euro. Um das auf den deutschen Markt zu adaptieren, muss man nicht nur die mit 20% in Österreich etwas höhere Mehrwertsteuer berücksichtigen, sondern auch die zusätzliche Steuer in Form der „Normverbrauchsabgabe“, kurz NoVa. Mit der aktuellen Antriebskonfiguration könnte das Einstiegsmodell von Chery bei uns ab 21.900 Euro kosten. Wir rechnen mit einem Grundpreis von 22.900 Euro für den Tiggo 4 mit dem stärkeren Antrieb in der unteren von mutmaßlich zwei Ausstattungslinien. Damit wäre der Chinese deutlich günstiger als der wohl stärkste Widersacher, der Dacia Duster. Ihn gibt es als Vollhybrid mit 158 PS Systemleistung aktuell (Stand August 2026) ab 25.690 Euro.
Der Tiggo 7 soll, so die Prognose von Chery Deutschland, als Hybrid ab rund 29.000 Euro kosten, als Plug-in Hybrid ab rund 33.000 Euro. Wenn die Qualität der Autos auch jenseits erster Fahrtermine passt und die Marke ihr Service-Netzwerk wie geplant aufbaut, können sich Kunden ohne Marken-Präferenz auf echte Schnäppchen freuen.
Fazit
Der Chery Tiggo 4 fährt als 4,32 Meter langes SUV im B-Segment als neue Konkurrenz für den Dacia Duster ab 2027 auch in Deutschland vor. Zum Markstart bei uns wird der Antrieb überarbeitet, der Saugmotor wird durch einen Turbo-Vierzylinder mit 143 PS ersetzt. Die Systemleistung steigt auf üppige 165 kW / 224 PS. Damit zieht das Chery-Einstiegsmodell mit dem größeren Tiggo 7 gleich, in dem wir den potenteren Hybrid-Strang bereits erfahren konnten.
Die Qualität der Autos in Sachen Verarbeitung und Antriebskomfort liegt auf hohem Niveau, was nicht für die Preise gelten soll. Der Blick ins Ausland, wo man die SUV aus China bereits kaufen kann, lässt auch für deutsche Kunden neue Schnäppchen erwarten. Das Händler- und Servicenetz soll zügig aufgebaut werden, eine lange Garantie über sieben Jahre soll das Vetrauen in die Marke und ihre Produkte stärken.
Technische Daten
Chery Tiggo 4 Hybrid (vorläufige Daten)
- Antriebsart
- Hybrid
- Antrieb
- Frontantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e-b
- Hubraum
- 1.498 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 105 kW / 143 PS
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 150 kW (204 PS)
- Systemleistung: kW / PS
- 165 kW / 224 PS | 295 Nm
- Batterie
- 1,83 kWh
- Batterie: Typ
- NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)
- Tankinhalt
- 51 Liter
- Kofferraumvolumen
- 430 - 1.190 Liter
- Länge / Breite / Höhe
- 4.320 / 1.831 / 1.653 mm
- Grundpreis
- ca, 23.000 Euro (geschätzt)