Start im ersten Halbjahr 2027

Start im ersten Halbjahr 2027 Noch mehr SUV? Chery sagt Ja!

5:24 Min.

Der chinesische Chery-Konzern bringt 2027 auch die Tiggo-SUV-Familie unter eigener Flagge nach Deutschland.

Der chinesische Autohersteller Chery ist mit einem Marken Omoda und Jaecoo frisch auf dem deutschen Markt. Noch bevor das entsprechende Händlernetz vollständig ausgebaut ist, wird schon der Start weiterer Baureihen unter der eigenen Marke Chery angekündigt.

Chery soll in Deutschland unabhängig von Omoda und Jaecoo aufgebaut und geführt werden. Die Gründung einer eigenen Niederlassung wurde jetzt bekanntgegeben, im ersten Halbjahr 2027 soll der Verkauf beginnen. Aktuell werden erste Gespräche mit potenziellen Händlern geführt, die auch den Service übernehmen werden.

Tiggo-SUV als Hybride

Der Fokus liegt auf SUV-Modellen der Produktlinie Tiggo. Geplant sind elektrifizierte Verbrenner als Vollhybride (ohne Stecker) und als Plug-in Hybride. Der Start in Deutschland folgt auf Erfahrungen der Chinesen im Vertrieb ihrer Fahrzeuge in anderen europäischen Ländern wie Polen, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn. In Spanien produziert der Konzern auch Autos in einem ehemaligen Nissan-Werk. Die Tiggo-SUV werden dort unter der früheren spanischen Nutzfahrzeugmarke Ebro verkauft, auch Omoda und Jaecoo werden auf der iberischen Halbinsel vertrieben. In Großbritannien ist Chery, eigenen Angaben zufolge, einer der größten Anbieter. Der Jaecoo 7 war dort im März 2026 in der Tat das meistverkaufte Auto, die Marke Chery startete mit Tiggo in diesem Frühjahr.

„Die Markteinführung in Deutschland ist ein strategischer Meilenstein für Chery“, erklärt Eric Zheng, Geschäftsführer von Chery Automotive Germany und Vizepräsident der europäischen Region für den Hersteller. „Im Juli 2026 werden wir offiziell mit der Händlerakquise beginnen und damit den Grundstein für ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz in einem der wichtigsten Automobilmärkte Europas legen. Wir errichten eine lokale Niederlassung, bauen ein starkes Händlernetz auf und erweitern unser Team um erfahrene lokale Fachkräfte. Unterstützt durch die Design- und Entwicklungskompetenzen der CHERY Group in unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Raunheim passen wir unsere Produkte an die Erwartungen europäischer und deutscher Familienkunden in Bezug auf Raumangebot, Sicherheit, Qualität und anwenderorientierte Technologien an. Wir wollen diese lokalen Kompetenzen und Partnerschaften weiter stärken, um ein nachhaltiges langfristiges Wachstum zu fördern.“

Die potenziellen neuen Mitarbeiter müssen bei einem möglichen Wechsel des Arbeitgebers nicht umziehen. In der Rhein-Main-Region haben sich eine Vielzahl von Autoherstellern und Importeuren angesiedelt. Die Hyundai Motor Group unterhält in der Region ihr Forschungs- und Entwicklungszentrum, ebenso der chinesische Konkurrenz Geely. Er sitzt mit seiner Niederlassung sogar im gleichen Ort wie Chery.

Im Jahr 1997 wurde die Chery Group gegründet. Zur Einordnung: Im gleichen Jahr feierte VW die Premiere des Golf IV. Mittlerweile sind die Chinesen zu einem Konzern gewachsen, der 2025 über 2,8 Millionen Autos absetzte, wovon 1,34 Millionen Exemplare exportiert wurden. Das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) zählt für den Zeitraum Januar bis einschließlich Mai 2026 in Deutschland 223 Neuzulassungen des Jaecoo 7 und 33 für die Marke Omoda, von denen 27 Einheiten auf den kompakten Omoda 5 mit Elektroantrieb und neun Stück auf den Plug-in Hybriden Omoda 9 entfallen. Dabei dürfte es sich im Presse-Testwagen handeln, der Verkauf sollte mit dem im Aufbau befindlichen Händlernetz deutlich anziehen.

Wer macht das Rennen?

Der große Tiggo 9 nutzt die gleiche Basis wie der Omoda 9, ein Modell der konzerninternen Tochtermarke.

Nicht nur Chery bereitet aktuell seinen Marktstart in Deutschland vor. Wenn die Tiggo-SUV 2027 in die Verkaufsräume der Händler rollen, ist der Konkurrent Geely schon da. Zwei Modelle, eines mit Elektroantrieb (Geely E5) und ein Plug-in Hybrid (Starray EM-I) werden aktuell eingeführt, auch hier ist das Verkaufs- und Servicenetz im Aufbau. MG und BYD sind bereits fest im Markt etabliert. Der BYD Seal U DM-I, vor allem als Plug-in Hybrid europaweit und auch in Deutschland sehr erfolgreich, bekommt wohl noch im Laufe dieses Jahres eine umfangreiche Modellpfleg mit Technik-Update.
Für Händler dürfte es schwierig werden, zu entscheiden, in welche Marke investiert werden soll. Die Hersteller treten gegeneinander in einen Wettbewerb, in dessen Rahmen am Ende auch ein günstiger Preis für den Kaufimpuls entscheidend sein wird. Kunden können sich also auf interessante Angebote freuen – oder müssen bei Rabattaktionen (wie zuletzt bei BYD) darauf achten, im richtigen Moment zuzuschlagen.

Fazit

Chery bezeichnet sein Antriebssystem als Super Hybrid.

Die EU verhängt Zölle auf Elektroautos? Schnurstracks exportieren chinesische Konzerne Plug-in Hybride. Auch die laufen künftig Gefahr, mit höheren Einfuhrgebühren belegt zu werden? Elektrifizierte Verbrenner als Vollhybride ohne Stecker aus China stehen in den Startlöchern.

Nach dem Erfolg von MG und BYD stehen zwei weitere China-Marken in Deutschland bereit. Geely, die Konzernmutter von Volvo, Polestar, Lotus und anderen Labels, bringt aktuell zwei SUV zu uns. 2027 plant Chery die Einführung von SUV der Linie Tiggo als Hybride mit und ohne Stecker. Der Konzern läuft sich bei uns gerade mit seinen Marken Jaecoo und Omoda warm, die ebenfalls SUV in gleichen und ähnlichen Größen im Programm haben. Sehen wir bei der wachsenden Zahl von Marken und Modellen auch hierzulande bald einen Preiskampf der SUV-Anbieter?

Im Video: Jaecoo 7 Plug-in Hybrid

Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller, Bernd Conrad (1)