Was kann der BAW 212 auf der Autobahn und was nicht? Und wie funktioniert Apple CarPlay? Wir haben den Test, auch auch Video!
Der BAW 212 ist ein moderner Geländewagen alter Schule. Mit stabilem Leiterrahmen, zuschaltbarem Allradantrieb und Sperren an beiden Achsen punktet der Chinese vor allem bei Kunden, die ein echtes Arbeitsgerät für Einsätze abseits der Straße suchen. Unter der Haube steckt ein 166 PS starker Dieselmotor mit vier Zylindern, auf die ein Hubraum von zwei Litern verteilt wird.
Was kann der 212?
Wir konnten den 212 hier bei AUTONOTIZEN bereits ausführlich vorstellen und ihn auch im (leichten!) Gelände bewegen. Unser Anspruch einer vollumfänglichen Erkenntnisgewinnung stellt aber eine weitere Frage: Fühlt man sich im China-Offroader auch auf der Langstrecke wohl? Ganz artfremd ist dieses Szenario nicht. Sei es, weil man zu einem weit entfernten Arbeitseinsatz unterwegs ist oder mit der Familie in den Urlaub fährt, auch hier sollte das Auto funktionieren.
Seilwinde, Suchscheinwerfer und Allradantrieb haben heute frei. Im Morgengrauen rollt der 212 in Richtung Autobahnauffahrt. An Kreuzungen und beim Anfahren an einer roten Ampel fällt erneut die deutlich Anfahrverzögerung auf, während der Dieselmotor sein Drehmoment aufbaut und die ZF-Automatik ihre Zahnradpaarungen sortiert. Einmal in Fahrt beschleunigt die Fuhre wie erwartet und durchaus zügig, beispielsweise auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn.
Der BAW 212 Autobahn-Test im Video
Die erste Frage beantwortet der 212 nach wenigen Momenten. In Internet-Foren bemängeln Fahrer des Models oft einen Warnton, der ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h einsetzt, dem in China geltenden Tempolimit. Unser Testwagen, der das bei den Händlern aufspielbare aktuelle Software-Update hat, bleibt in dieser Hinsicht ruhig. Wir sortieren uns als bei Richtgeschwindigkeit in den Verkehr ein und sammeln Kilometer.
Das Fahrwerk ist natürlich nicht mit dem eines Zweikammer-luftgefederten Luxus-SUV vergleichbar, überrascht aber positiv mit seinem hohen Komfort. Auch Querfugen an Brücken oder kurze Wellen auf schlechtem Asphalt vermiesen die Laune der Menschen an Bord nicht. Andere Leiterrahmen-Geländewagen, die teils deutlich teurer sind bzw. waren (der Markt dünnt aus), fühlen sich hier rumpeliger an. Du sinnierst also über den Fahrkomfort, setzt den Blinker links und denkst, dass man das schiefe Lenkrad doch mal gerade aufstecken sollte (die Spur des Autos ist nicht verstellt) und wunderst Dich: Auf der Anzeige des Tacho-Displays steht eine Geschwindigkeit von 160 km/h, dann fährt der 212 bei 164/165 an sein Limit. Auch bei Vmax läuft er gut geradeaus. Auch jetzt plärrt dich der Diesel nicht an. Solange man nicht stark beschleunigt, bleibt der Selbstzünder akustisch erstaunlich dezent. Bei hohem Tempo kann man das von den Windgeräuschen nicht behaupten, die ab rund 120 km/h deutlich zunehmen. Kein Wunder, wenn man mit einer fahrenden Schrankwand samt steiler Scheiben und großer Außenspiegel durch die Atmosphäre pfeilt.
Auch nach mehreren Stunden im Auto geben die Sitze kaum Anlass zur Kritik. Klar, Seitenhalt stand nicht im Lastenheft bei der Entwicklung, die Polsterung von Sitzfläche und Rückenlehne gefällt aber auch auf der Langstrecke. Die Sitzheizung grillt Dich auch in der untersten Stufe innerhalb von Minuten durch, hier wäre eine bessere Abgrenzung wünschenswert. Irritierend ist der Menüpunkt „Seat Massage“ im englischsprachigen Infotainment-Display. Wer hier klickt, öffnet die Auswahl zur Sitzheizung und auch zur Belüftung des Mobiliars in der ersten Reihe.
Was verbraucht der 212?
Im typischen Pendler- und Alltagsverkehr mit Fahrten über Landstraßen, durch Vororte und die Stadt sowie über Feld- und Waldwege (immerhin!) pendelt sich der Verbrauch des 212 bei 8,9 l/100 km. Der Dieseldurst liegt somit nur leicht über dem WLTP-Wert von 8,5 l/100 km. Bei unserer Langstreckenfahrt haben wir den Autobahn-Verbrauch isoliert errechnet und betrachtet. Ohne Staus waren wir meist mit 130 – 140 km/h unterwegs, aber auch mal längere Etappen mit der genannten Höchstgeschwindigkeit. 10,6 l/100 km Diesel hat sich der Vierzylinder gegönnt. Angesichts des Formats und der Form des Autos ein guter Wert. Auf dem Rückweg ging es etwas langsamer voran, verkehrsbedingt meist im Geschwindigkeitsbereich von 100 bis 120 km/h. Mit diesem Autobahn-Profil meldet der Taschenrechner an der Zapfsäule einen Durchschnittsverbrauch von 9,4 l/100 km.
Geht Apple CarPlay im 212?
Ein Navigationssystem hat der 212 nicht an Bord. Für unsere Reise nutzen wir Routenführungs-Apps auf dem Smartphone. Dessen Inhalte, in unserem Fall Apple CarPlay, kommen zum Beispiel mit dem Car-Kit Dongle einfach auf das Display im Auto (Affiliate Link: Wer über diesen Link (auch andere Produkte) bei Amazon einkauft, zahlt keinen Cent mehr, unterstützt dabei aber AUTONOTIZEN. Vielen Dank!).
Der unscheinbare schwarze Kasten wird in den USB-Anschluss im Auto eingesteckt, am iPhone (oder einem Android-Telefon) anschließend die Bluetooth-Verbindung einmalig hergestellt. Dann genügt der einmalige Klick auf die Kachel der Carbit-App im autoeigenen Infotainment-System und die Apple CarPlay-Verbindung wird hergestellt. Nachdem das Telefon und der Dongle miteinander gekoppelt worden sind, funktioniert die Verbindung nach jedem Fahrzeugstart innerhalb von Sekunden. Dann läuft beispielsweise die über Spotify oder andere Apps gestreamte Lieblingsmusik im Auto. Dabei gefällt die Lautsprecheranlage im BAW mit gutem Bass. Ein wenig Einstellerei im Equalizer genügt und man hat guten Klang im Auto.
Bei der Navigation über diese Art der Smartphone-Integration ist zu beachten, dass die Stimmausgabe der Routenführung nur bei laufender Musik aus dem Smartphone an die Lautsprecher kommt (und das auch nicht immer, aber immerhin meistens). Dem Grund für diesen Fehler, bei dem die Stimmansage dann ganz leise direkt aus dem Lautsprecher des Telefons kommt, konnten wir noch nicht nachgehen.
Was kostet der 212?
Der BAW 212 ist ein großer Erfolg für den Hersteller auf internationalen Märkten, auch in Deutschland. Die hohen Verkaufszahlen waren wohl die Motivation für eine leichte Preiserhöhung, rund ein halbes Jahr nach Marktstart. Bisher kostete der Geländewagen 39.995 Euro, jetzt kann man ihn für 41.850 Euro kaufen .
Auch damit ist der 212 noch ein echtes Schnäppchen, nicht nur angesichts der umfangreichen Serienausstattung. Sogar Seilwinde und Suchscheinwerfer (der während der Fahrt auf öffentlichen Straßen zwingend ausgeschaltet und abgedeckt sein muss) sind ohne Aufpreis dabei. Außerdem gewähren der Importeur und seine Händler eine Neuwagengarantie für den Zeitraum von drei Jahren bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern.
Was kommt noch?
Im Herbst kommt, zusätzlich zum hier beschriebenen Modell, der BAW 212 Pick-up mit Doppelkabine zu uns. Bei ihm arbeitet ein 190 PS starker 2,3-Liter-Dieselmotor unter der hohen Haube. Hier gibt es einen ersten kurzen Fahrbericht zum 212 Pick-up . Der Lademeister wird außerdem im Rahmen der Veranstaltung AUTONOTIZEN Live am 6. September 2026 in München erstmals in Europa vor Publikum präsentiert. Wer die Premiere miterleben will, kommt gerne vorbei!
Wohl im Frühjahr 2027 dürften wir auch den kürzeren Dreitürer in Deutschland erwarten können. Diese Variante wurde, zusammen mit dem Pick-up, im April auf der Messe Auto China in Peking erstmals gezeigt.
Fazit
Der BAW 212 macht es einem nicht leicht, ihn nicht zu mögen. Optik, Verarbeitung, Ausstattung und Preis passen (auch nach der aktuellen Preiserhöhung). Andere Geländewagen im ähnlichen Format sind teils doppelt so teuer wie der Chinese. Auch bei unserem Langstreckentest mit 1.000 Kilometern Autobahnfahrt (wovon knapp 500 im Video zu diesem Bericht festgehalten und beschrieben werden) macht der 212 eine gute Figur. Man kann zügig fahren, ohne dabei Komforteinbußen in Kauf nehmen zu müssen und kommt auch nach einigen Stunden hinter dem Steuer entspannt an.
Technische Daten
BAW 212 T01
- Antriebsart
- Diesel
- Antrieb
- Hinterrad- mit zuschaltbarem Allradantrieb
- Hubraum
- 1.968 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 122 kW / 166 PS
- Max. Drehmoment
- 410 Nm
- Getriebe
- Achtstufen-Automatik
- Tankinhalt
- 80 Liter
- Höchstgeschwindigkeit
- 160 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 8,5 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 8,9 Liter Alltag / 9,4 - 10,6 Liter Autobahn
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Chaoyang Radial SL369 A/T 265/70 R17
- Leergewicht
- 2.310 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 2.500 kg
- Stützlast
- 100 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.705 / 1.895 / 1.936 mm
- Grundpreis
- 41.850 Euro
- Testwagenpreis
- 41.850 Euro