Neues Set-up, mehr Leistung und ein geschärfter Charakter: Der Ferrari Amalfi Spider im Fahrbericht.
Rund drei Stunden Autofahrt in Richtung Süden von Rom entfernt liegt der italienische Küstenort Amalfi. Also nicht ums Eck von der Hauptstadt, aber nah genug für ein langes Wochenende. Eine Distanz, mit der sich die Evolution des Einstiegs-Ferrari nicht erklären lässt. Rund sechs Jahre nach der Premiere des Ferrari Roma gibt es nicht nur einen neuen Namen, sondern eine umfassende Überarbeitung, die weit mehr als ein Facelift ist.
Neue Optik, neues Cockpit
Äußerlich sind Ferrari Amalfi Coupé und der jetzt nachgereichte Spider an der neuen Front zu erkennen. Der Lufteinlass wurde dezenter in den Stoßfänger integriert als bei der früheren Gitter-Optik, außerdem wurden die Scheinwerfer umgestaltet. Komplett neu präsentiert sich das Cockpit. Auch Ferrari hat die Kunden erhört und bringt physische Bedienelemente am Multifunktionslenkrad zurück. Dahinter blickt man auf ein 15,6 Zoll großes Display für alle fahrrelevanten Funktionen. Das Hochkant-Mitteldisplay des Roma ist einer dezenteren Ausführung im Querformat gewichen, die mit einer Bildschirmdiagonale von 10,25 Zoll weiter unten im Armaturenbrett sitzt. Hier lassen sich auch die Inhalte der Smartphone-Integration ablesen, ein Werks-Navi gibt es weiterhin nicht. Optional erlaubt ein 8,8 Zoll großes Display vor dem Beifahrer den Abruf von Leistungsdaten und die Steuerung der Entertainment-Funktionen. Unbestreitbar ist das bestmögliche Unterhaltungsprogramm jedoch das Auto an sich. Deswegen halten wir uns gar nicht lange mit theoretischen Abhandlungen auf, sondern starten direkt zur Ausfahrt mit dem neuen Ferrari Amalfi Spider.
Der Fahreindruck
Wir treffen in Griechenland auf den Ferrari Amalfi Spider. Das Olymp-Gebirge türmt sich zwar nicht direkt vor uns auf, mit dem springenden Pferd im Logo sind wir aber den Göttern im Sportwagenbau schon sehr nahe. Statt Weihwasser steckt hochoktaniges im Tank, wir sind ebenso bereit wie das Auto. Nach Druck auf den wieder herrlich analogen Startknopf am Lenkrad erwacht der doppelt aufgeladene 3,9-Liter-V8 zum Leben. Aktuelle Vorschriften haben auch bei Ferrari für eine, im Vergleich zu frühen Roma-Modellen, deutlich gesenkte Lautstärke gesorgt. Die Sounddesigner in Maranello schafften es aber auch dieses Mal, für akustischen Genuss zu sorgen.
Das elektrische Stoffverdeck faltet sich in 13,5 Sekunden elektrisch in den Raum hinter den Notsitzen der zweiten Reihe. Oben ohne starten wir unsere erste Testfahrt unter griechischer Sommer-Sonne. Nicht nur auf der Autobahn hält das ausklappbare Windschott, dass in horizontaler Position hinter Fahrer und Beifahrer für weniger Luftverwirbelungen sorgt, Geräusche und Fahrtwind gekonnt draußen. Mit aktivierter Fahrassistenz hält der Amalfi Spider bei Tempolimit 130 souverän die Geschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann und die Fahrspur. Seine GT-Qualitäten auf der langen Strecke stellt der offene Italiener nicht nur mit den Fahrhilfen, sondern auch mit dem neu abgestimmten Adaptiv-Fahrwerk unter Beweis. Im zeitlichen Fernvergleich zum Vorgänger Roma Spider fällt der deutlich gestiegene Fahrkomfort auf.
Der Ferrari Amalfi Spider im Video
Aber keine Sorge, auch damit bleibt der Einstiegs-Ferrari ein waschechter Sportwagen. Mittlerweile haben wir die Autobahn verlassen und schrauben und über einsame, kurvige Bergstraßen in Richtung Himmel hinauf. Über den Dreh am Manettino, den Schalter zur Änderung der Fahrmodi rechts am Lenkrad, straffen sich die Dämpfer spürbar. Die neue Brake-by-Wire-Bremsanlage, die Ferrari auch schon im 296 und im 12Cilindri einbaut, nimmt Dir beim ersten Bremspunkt jeglichen Zweifel an der Dosierbarkeit des elektronischen Systems. Die Rückmeldung am Fahrpedal wirkt authentisch, Weg und Druckpunkt passen haargenau mit der Reaktion des Autos überein. Ein sanftes Ploppen aus der vierflutigen Abgasanlage meldet den Gangwechsel, am Scheitelpunkt der Kehre drängt der Amalfi Spider mit gut dosierbarem Druck am Heck wieder auf die Gerade. Die neu abgemischten Goodyear-Reifen verzahnen ihr Profil auch auf dem rutschigen griechischen Asphalt mit dem Untergrund, los geht es zur nächsten Kurve. Puristen können mit den sichelförmigen, fest an der Lenksäule montierten, Wippen in die Arbeit des Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes eingreifen. Wirklich nötig ist das, zumindest im öffentlichen Straßenverkehr, jedoch nicht. Die bis zu 760 Newtonmeter Drehmoment, die auf einem breiten Plateau zwischen 3.000 und 5.7050 U/min anliegen, werden von der Automatik höchst kompetent verwaltet.
52 Prozent des Leergewichts von 1.556 kg (trocken) lasten auf der Vorderachse, 48 Prozent hinten. Zu dieser ausgewogenen Verteilung trägt die Einbaulage des V8 teil, der als Font-Mittelmotor hinter den vorderen Rädern steckt. Zwei parallel geschaltete Turbolader sorgen für Druck, einer je Zylinderbank. Die Schaufelräder drehen sich mit bis zu 171.000 U/min, 6.000 mehr als beim Vorgänger. Eine aufwendige Steuerung steuert die Drehzahlen beider Lader individuell nach Bedarf. Die Leistung des V8 stieg um 20 Pferdestärken auf 470 kW / 640 PS. In 3,3 Sekunden geht es bei Bedarf aus dem Stand auf 100 km/h, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Spider bei 320 km/h. Dann ist der elektrisch verstellbare Heckspoiler ganz ausgefahren. Schon bei 250 Sachen erhöht er den Anpressdruck um 110 Kilogramm.
Keiner wie der andere
Wie gewohnt spricht man bei Ferrari nicht detailliert über Preise und Konditionen. Der Grundpreis des Amalfi Spider liegt bei rund 260.000 Euro. Im Falle des Testwagens kommt eine ganze Reihe von Sonderausstattungen bis hin zu Warmluft-Düsen in den Kopfstützen und Soft-Close-Türen hinzu, die traditionell auf einer Plakette in der Verkleidung der Kofferraumklappe aufgeführt sind. Außerdem lässt sich auch der Amalfi mit einer Vielzahl von Lackierungen, Innenraumwelten und Felgen individuell gestalten. Auch beim „günstigsten“ Modell der Palette dürften die Käufer dieses Angebot gerne annehmen.
Fazit
Schon der neue Name zeigt, dass der Ferrari Amalfi Spider weit mehr als ein Facelift des Vorgängers Roma verkörpert. Das überarbeitete Fahrwerk, die neue Reifenmischung und die geänderte Abstimmung der Fahrmodi rücken den GT-Charakter der Modellreihe deutlicher in den Vordergrund. Das macht den Amalfi, vor allem als Spider, im doppelten Sinne zur Zwei-in-Eins-Lösung. Das fünflagige Stoffverdeck bringt Coupé-Komfort und holt bei Bedarf Licht und Luft ins Auto. Je nach Fahrmodus und Fahrer-Befehlen wird aus dem Gran Turismo außerdem auch in Neuauflage ein waschechter Sportwagen.
Technische Daten
Ferrari Amalfi Spider
- Antriebsart
- Benziner
- Antrieb
- Hinterradantrieb
- Hubraum
- 3.855 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- V8
- Maximale Leistung kW / PS
- 470 kW / 640 PS bei 7.500 U/min
- Max. Drehmoment
- 750 Nm bei 3.000 - 5.750 U/min
- Getriebe
- Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 3,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 320 km/h
- Kofferraumvolumen
- 255 Liter (bei geschlossenem Verdeck)
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Goodyear Eagle F1 245/35 R20 vorne, 285/35 R20 hinten
- Leergewicht
- 1.556 kg (trocken)
- Länge / Breite / Höhe
- 4.660 / 1.974 / 1.305 mm
- Grundpreis
- ca. 260.000 Euro