Hyundai Bayon (2021) Was kann der neue Bayon?

Der neue Hyundai Bayon mit 48V-Mildhhybrid im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Ja und nein. Wie jetzt? Wir müssen mit diesem Gegensatz beginnen, wenn wir uns dem neuen Hyundai Bayon nähern. Ja: Als kleines Crossover-Modell auf Kleinwagenbasis will er es, ganz dem aktuellen Trend entsprechend, vielen Kunden recht machen. Nein: Er pfeift auf ein Allerweltsdesign, will und wird anecken. Und es damit dann eben nicht allen recht machen.

Im Modellprogramm der südkoreanischen Marke parkt der neue Bayon über dem i20, aber nur ganz knapp unter dem Bestseller Kona ein. Der Neuling streckt sich auf 4,18 Meter, überragt damit den i20 um 14 Zentimeter und ist nur deren zwei kürzer als der Kona.

Der Bayon im Video

Technisch bleibt der Hyundai Bayon nicht nur eng an der Basis, er entspricht im Unterbau nahezu komplett dem i20. Das bedeutet auch: Allradantrieb wird es für das SUV-Crossovermodell nicht geben. Der ist auch nicht nötig, dürfte der Haupteinsatzzweck des kompakten Fünftürers doch im Bereich des Kinder- oder Elternshuttlefahrzeugs zwischen Einkaufen und anderen Alltagserledigungen liegen.

Zur ersten Testfahrt, die wir deutlich vor der Markteinführung mit einem Vorserienexemplar unternehmen durften, trat der neue Bayon mit der stärksten Motorisierung an. Der 1.0 T-GDI-Dreizylinderbenziner leistet 88 kW / 120 PS. Er ist ein Mildhybrid mit 48-Volt-Bordnetz. Ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) ist optional erhältlich. Wir waren mit dem iMT genannten Schaltgetriebe mit elektronisch gesteuerter Kupplung unterwegs.

Munterer Dreizylinder

Hyundai Bayon 2021 Test Video Review Vergleich

Auch damit kann der Bayon im Schubbetrieb „segeln“, sofern der Eco-Modus aktiviert ist. Der Motor wird dabei nicht nur vom Getriebe abgekoppelt, sondern auch ausgeschaltet. Schon im i20-Alltagstest hat das hervorragend funktioniert, wie jetzt auch im eng verwandten Bayon.
Der Bordcomputer zeigte nach den Testfahrten Verbrauchswerte knapp unter sieben Liter je 100 Kilometer an. Damit liegt er etwa 0,5 Liter über dem flacheren und leichteren i20.

Ein bißchen N-Feeling

172 Newtonmeter maximales Drehmoment reichen aus, den Bayon 1.0 T-GDI munter voranzutreiben. Die Schaltwege des Getriebes sind kurz und auch an den etwas diffusen (weil ja nicht vorhandenen) Druckpunkt der Kupplung hat man sich fix gewöhnt. Ausreichendes Dämmmaterial sorgt dafür, dass der Dreizylinder ohne übermäßige Geräuschbelästigung seine Arbeit verrichtet. Nach „Segelphasen“ schaltet ihn die Software ruckfrei wieder zu.
Der Fahrmodusschalter lässt auch den Wechsel in das Normal- und Sportprogramm zu. Dort weht ein Hauch der sportlichen N-Modelle in den Bayon. Dann gibt der brave Crossover beim Herunterschalten Zwischengas, elektronisch geregelt von der Rev-Match-Funktion.

Fahrer und Beifahrer sitzen auf großen und bequemen Sesseln. Deren Polsterung unterstützt das schluckfreudige Fahrwerk beim Glattbügeln des Untergrunds. Wo der i20 manchmal bewusst straff über Querfugen oder Wurzelaufbrüche rumpelt, bleibt es im Bayon schön ruhig. Der stärkere Fokus auf den Komfort dürfte für manche Kunden kaufentscheidend sein.

Cockpit aus dem i20

Hyundai Bayon 2021 Test Video Review Vergleich

Das Cockpit entspricht dem des i20. Leider gilt das auch für den flächendeckenden Einsatz von harten Kunststoffen, denen teilweise auch nicht mal eine Narbung gegönnt wurde.

Ein acht Zoll großes Infotainmentdisplay ist serienmäßig. Mit der enthaltenen Smartphoneintegration via Apple CarPlay und Android Auto lassen sich auch Routenführungs-Apps auf dem Monitor nutzen. Optional gibt es ein werkseitiges Navigationssystem. Diese Investition macht Hyundai seinen Käufern (oder Leasingnehmern) mit einem größeren 10,25-Zoll-Display und einem gut klingenden BOSE-Soundsystem im gleichen Ausstattungspaket schmackhaft.

Geräumiger Innenraum

Hyundai Bayon 2021 Test Video Review Vergleich

Ungedrängt geht es im Fond zu. Vor allem die Kopffreiheit profitiert vom höheren Aufbau. Das Platzangebot in der zweiten Reihe des Bayon stellt auch manchen Kompakten in seinen Schatten. Das gilt erst recht für den Kofferraum. Der fasst – bei Fahrzeugen ohne Mildhybridsystem und die Lithium-Ionen-Batterie im Boden – 411 Liter. In den i20 passt mit 352 Litern deutlich weniger. Auch der Gepäckraum des Kona (374 Liter) ist kleiner.

Als nutzwertorientiertes Auto soll der Hyundai Bayon auch Kunden ansprechen, die bislang den kleinen Van ix20 fuhren. Dessen in der Länge verschiebbare Rücksitzbank hat es aber leider nicht in die Jetztzeit geschafft.

Das kostet der Bayon

Hyundai Bayon 2021 Test Video Review Vergleich

Die Preisliste für den neuen Bayon beginnt mit dem Basismodell Pure und einem 84 PS starken 1,2-Liter-Benziner bei 16.790 Euro. Der Testwagen stellt das andere Ende der Preisliste dar: In der Ausstattungslinie Prime mit dem 120 PS-Dreizylinder wird er dort mit 25.090 geführt.
Diese Tarife sind, trotz guter Ausstattung, wenig kleinwagenhaft. Womit sie dem Auftritt und den inneren Werten des Bayon nacheifern. Ein vergleichbarer Hyundai i20 ist 2.000 Euro günstiger.

Kurios: Ein ebenfalls mit 120 PS motorisierter Kona Prime, der dann auch mit Head-up-Display vorfährt, kostet 27.300 Euro. Stattet man den Bayon ähnlich gut aus, müssen das Navigationspaket mit Soundsystem und Fahrassistenten dazugebucht werden. Plötzlich ist der Bayon 20 Euro teurer als der entsprechende Kona (mit dem erwähnten Head-up-Display).

Fazit

Hyundai Bayon 2021 Test Video Review Vergleich

Der Hyundai Bayon passt als SUV-Crossover auf Kleinwagenbasis in die Zeit. Der bietet viel Platz und einen hohen Fahrkomfort. Im Vergleich zum Hyundai i20 ist der Aufpreis aber recht happig, womit der Bayon auch dem etablierten Kona ins Gehege kommt. Die ähnlichen Preislagen beider kleinen SUV dürfte manche Kaufentscheidung in die Länge ziehen.

Technische Daten

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI

Hubraum 998 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 3 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 88 kW / 120 PS bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 172 Nm bei 1.500 - 4.000 U/min
Getriebe Sechsgang-Schaltgetriebe
Grundpreis 25.090 Euro (Prime)
Teile das!
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad