VW Touran 2026

VW Touran 2026 Heute graue Maus, morgen Klassiker?

8:30 Min.

Viel Platz und eine menge guter Ideen: Der VW Touran im Alltagstest.

Wann hast du das letzte Mal einen Kompakt-Van gesehen? Auch wenn jeder nach SUV schielt und diese Fahrzeuge auch die mediale Berichterstattung dominieren, dürfte das gar nicht allzu lange her sein. Zumindest, wenn man mal durch ein Neubaugebiet oder einen typischen Großstadt-Vorort geschlendert ist. Denn wenn Praktikabilität und Platz für die Familie im Fokus stehen und der Platz unter dem Reihenhaus-Carport auch für Rasenmäher und Fahrräder herhalten muss, dann spielt ein kompaktes Raumwunder noch immer eine wichtige automobile Rolle.

Das Angebot in diesem Segment wurde von den Herstellern aber massiv ausgedünnt. Der Renault Scenic, einst Wegbereiter für die kompakten Raumwunder, wurde schon als Verbrenner und erst recht in der aktuellen Elektro-Generation zum schlecht definierbaren Crossover. Der Opel Zafira ist mittlerweile einer der vielen Stellantis-Busse. Ford hat den C-Max komplett eingestellt. Da bleibt nur noch der chinesische DFM Forthing 4 U-Tour übrig – und der VW Touran. Die Tage der eierlegenden Wollmilchsau im Volkswagen-Programm sind zwar auch gezählt (Produktionsende noch in diesem Jahr), aktuell kann der Van aber noch frei konfiguriert und bestellt werden. Ob es sich lohnt, klären wir im Alltagstest.

Solider Pragmatiker

Seit 2015 fährt der Touran in aktueller Generation. Am Ende seines Lebens war er also elf Jahre auf den Markt und kann damit den Vorgänger nicht toppen. Den gab es, jedoch mit zwei Facelifts, von 2003 bis 2015, also über einen Zeitraum von 12 Jahren. Als der aktuelle Touran auf den Markt kam, gab es noch keinen VW T-Roc. Der Golf 8 war noch vier Jahre entfernt. Das hilft bei der Einordnung der Erkenntnis: Der Van ist der letzte VW alter Schule, wie man sie früher kannte. Materialauswahl und Verarbeitung liegen auf hohem Niveau, das ganze Auto ist voller ingeniöser Ideen und erleichtert den Alltag. Charme und Charakter wird dabei aber in homöopathischen Dosen versprüht.

Die technische Basis stellt die MQB-Architektur (Modularer Querbaukasten). Darüber sitzt eine 4,53 Meter lange, 1,83 Meter breite und 1,67 Meter hohe Karosserie mit geraden Seitenwänden und steilem Heck. Schon auf den ersten Blick ruft der Touran damit die Lehre der maximalen Raumausnutzung aus. Und der Innenraum-Check zeigt, wie gut das gelingt. 834 Liter fasst der Kofferraum bei fünfsitziger Bestuhlung. Die zweite Reihe, bestehend aus drei Einzelsitzen, lässt sich flach im Boden versenken. Dann entsteht eine 1,87 Meter lange und 1,05 Meter breite Ladefläche mit bis zu 1.980 Litern Volumen. Eine Überraschung bringt der Blick mit Klick im Konfigurator (Preislisten gibt es bei VW nicht mehr): Die dritte Sitzreihe, die den Touran zum Siebensitzer macht, gibt es als kostenlose Option. Wenn man die zusätzlichen Plätze nicht benötigt, falten sie sich in den Kofferraumboden. Eine stabile Matte ebnet die Fläche bis hinter die Vordersitze ein. Das hilft beim Einladen langer Gegenstände, die dann nirgends anecken. Damit nicht genug: Auch die Beifahrersitzlehne lässt dich nach vorne falten. Spätestens jetzt verliert jeder Möbelhaus-Besuch seinen Schrecken.

Held der Familie

Für Erwachsene ist die aufpreisfreie dritte Reihe arg eng - aber der Touran bietet damit fünf Isofix-Plätze.

Der VW Touran kann aber noch mit einem weiteren Superlativ aufwarten: Als Siebensitzer bietet er fünf Plätze mit Isofix-Arretierungen für Kindersitze. Da müssen selbst viele große Vans und Busse mit der Schulter zucken. Kinder kommen also gut unter. Für Erwachsene ist die dritte Reihe aber zu eng, auch der Ein- und Ausstieg erfordert Gelenkigkeit. Immerhin passt das hier hinten besser als in Siebensitzer-SUV wie VW Tayron oder Skoda Kodiaq. Große Menschen sitzen in der zweiten Touran-Reihe schön aufrecht, aber trotzdem nicht wirklich bequem. Die Kehrseite der drei Einzelsitze: Alle Plätze sind recht schmal, zudem sind die äußeren Passagiere zu nah an der Türverkleidung platziert. Die Karosserie drückt also ständig an die Schulter. Vorne gibt einen Grund zur Klage. In Verbindung mit dem ErgoActive-Sitz kann sich der Fahrer auch massieren lassen. Auch hier ist der Touran ein VW alter Schule: Die Massagefunktion beschränkt sich auf ein Standard-Programm mit auf- und abfahrendem Luftpolster der Lendenwirbelstütze.

Das ins Cockpit integrierte Display des Infotainmentsystems, in der maximalen Ausbaustufe ohne Lautstärken-Drehregler, bietet eine sehr gute Auflösung und kräftige Farben. Hinter dem Lenkrad blickt man auf das bekannte Instrumenten-Display mit einstellbaren Layouts. Beim Multifunktionslenkrad ist der Touran alte und neue Schule gleichermaßen. Er hat den Trend zu Touch-Feldern schlicht überlebt. VW kehrt ja aktuell zurück zu Tasten im Lenkrad, der Touran hat sie immer noch.

Unser Testwagen ist mit dem optionalen Dynaudio-Soundsystem ausgerüstet. Damit dröhnt und scheppert es schon bei Zimmerlautstärke und Bass auf Position „0“ in den Türverkleidungen. Auch das kennt man aus früheren Konzern-Modellen. Die Serien-Audioanlage sollte es auch tun. Vor allem, weil man schon für die Smartphone-Integration extra bezahlen muss (225 Euro). Im Konfigurator zeigt der Touran die klassische Kleinlichkeit der Marke bei den Optionen.

So fährt sich der 1.5 TSI

Den VW Touran gibt es als Benziner und als Diesel.

Die Motorenauswahl beschränkt sich mittlerweile auf den 1.5 TSI mit 150 PS und den TDI mit zwei Litern Hubraum, den es als Handschalter mit 122 PS und in Verbindung mit DSG (Doppelkupplungsgetriebe) mit 150 PS gibt. Der gleich starke Benziner steht mit beiden Getriebe-Varianten zur Wahl. Fast 4.000 Euro trennen den 150 PS starken TDI beim Listenpreis vom TSI. Auch Freunde des höheren Drehmoments dürften da lange rechnen, da sich diese Mehrkosten, verbunden mit höheren Ausgaben für Kfz-Steuer und Versicherung, kaum durch den Minderverbrauch des TDI wieder hereinfahren lassen dürften.

Wer also nicht 12 Stunden täglich mit dem Touran Autobahn-Kilometer reißt, der dürfte sich für den 1.5 TSI entscheiden, für mehr Komfort (trotz bekannter Anfahrschwäche) mit 7-Gang-DSG. Das gilt auch für uns und die Wahl des Testwagens. 250 Newtonmeter Drehmoment liegen ab frühen 1.500 U/min an. Der knapp über 1,5 Tonnen schwere Wagen ist damit ausreichend motorisiert. Ohne zu langen Anlauf beschleunigt er auf der Autobahn bis zur Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h, in 8,9 Sekunden beschleunigt er aus dem Stand auf Tempo 100. Bei hohen Drehzahlen wird der Vierzylinder deutlich hörbar, ansonsten bleibt er akustisch im Hintergrund.

Entspanntes Mitschwimmen im Verkehr passt aber besser zum Kompakt-Van. Das optionale DCC-Fahrwerk bietet in der „Normal“-Stufe eine optimale Abstimmung mit viel Fahrkomfort. Die adaptiven Dämpfer scheinen, zumindest in Verbindung mit 17-Zoll-Rädern, eine verzichtbare Option zu sein. Die Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl, große Fenster und eine niedrige Gürtellinie sorgen für viel Rundumsicht.

Spritsparende Elektrifizierung ist für den Antriebsstrang im VW Touran ein Fremdwort. Das zeigt sich auch beim WLTP-Normverbrauch, der mit 6,3 bis 7,0 l/100 km angegeben wird (TDI 150 PS: 5,3 – 5,8 l/100 km). In unserem Testalltag, der meist typische Pendlerstrecken mit Landstraßen und tempolimitierten Autobahnen beinhaltet, genehmigt sich der VW Touran 8,5 l/100 km. Der Diesel dürfte sich trotzdem, siehe oben, nur für absolute Vielfahrer rechnen.

Das kostet der Touran

Solide Verarbeitung im klassischen Cockpit. Das größte Infotainment-System verzichtet auf einen Audio-Drehregler.

Ein günstiges Vergnügen ist der VW Touran nicht. Das Basismodell Comfortline startet mit 122 PS bei 41.995 Euro. Der Touran Highline 1.5 TSI mit 150 PS und DSG startet bei 48.995 Euro. Unser Testwagen hat, wie so oft, fast alle Optionen an Bord. Darunter auch Verzichtbares wie die Metalliclackierung in „Delfingrau Metallic“, die der Serienfarbe „Uranograu“ zum Verwechseln ähnlichsieht. Die ausklappbare Kupplung am Heck hilft nicht nur beim Ziehen von bis zu 1.500 kg schweren Anhängern, sondern schultert auch einen Fahrradträger. Auch moderne Optionen sind zu haben und beim Testwagen eingebaut, wie die LED-Scheinwerfer mit dynamischem Fernlichtassistenten und Kurvenlicht. Der Listenpreis des hier und im Video gezeigten Exemplars klettert auf heftige 60.246 Euro (inklusive 18-Zoll-Felgen, hier zu sehen mit Winterrädern im 17-Zoll-Format).

Bei der Konfiguration des neuen Familienautos hilft auch der Check des aktuellen Sondermodells Touran Energy, den man sich dann mit Optionen bis hin zur Standheizung individuell nach eigenen Ansprüchen konfigurieren kann.

Fazit

Pragmatiker mit vielen Vorzügen: Der VW Touran ist ein kompetenter Alltagsbegleiter.

Schon gewusst: 2025 wurden in Deutschland noch immer 14.236 Exemplare in den Verkehr gebracht – mehr als Dacia Bigster (der aber erst im Frühjahr ausgeliefert wurde). SUV wie Tiguan und Tayron sind aber mittlerweile bei vielen Menschen mit Platzbedarf deutlich beliebter als der Van, der wohl im Sommer auslaufen wird.

Wer auffällig unauffällig unterwegs sein will und vor allem Wert auf die maximal mögliche Variabilität und das enorme Raumangebot im kompakten Kasten legt, der bekommt mit dem VW Touran ein ausgereiftes, solides Auto mit vielen Vorzügen. Ein Klassiker von morgen? Das wissen wir nicht – aber die Möglichkeit besteht.

Technische Daten
VW Touran 1.5 TSI Highline

Antriebsart
Benziner
Antrieb
Frontantrieb
Abgasnorm
Euro 6 EB
Hubraum
1.498 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
110 kW / 150 PS
Max. Drehmoment
250 Nm bei 1.500 - 3.500 U/min
Getriebe
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Tankinhalt
58 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
8,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
209 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
6,3 - 7,0 Liter
Verbrauch real auf 100km
8,5 Liter
Kofferraumvolumen
834 - 1.980 Liter (Fünfsitzer)
Reifenmarke und –format des Testwagens
Pirelli Sottozero 3 Winter 215/55 R17
Leergewicht
1.533 kg
Anhängelast (gebremst)
1.500 kg
Stützlast
80 kg
Länge / Breite / Höhe
4.527 / 1.829 / 1.668 mm
Basispreis Baureihe
41.995 Euro (Comfortline 1.5 TSI)
Basispreis Modellvariante
48.885 Euro
Testwagenpreis
60.246 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad