Wir feiern 50 Jahre VW Golf GTI - mit dem Fahrbericht des Sondermodells Edition 50, auch als Video-Review.
5.000 Exemplare hätten es werden sollen. Das war der Plan für eine limitierte Serie des VW Golf GTI im Jahr 1976. Ingenieure der Marke sowie ihre Kollegen aus Marketing- und Presseabteilung in Wolfsburg haben den Sport-Golf in Eigenregie entwickelt und konnten mit dem fast fertigen Produkt den damaligen Entwicklungsvorstand Ernst Fiala überzeugen, dem GTI grünes Licht zu geben.
Die GTI-Generationen
Mit 110 PS, roter Dekorleiste im Kühlergrill, Stoffsitzbezügen im bis heute populären Karo-Muster und Golfball auf dem Schaltknauf feierte der Golf GTI auf der IAA 1975 Premiere, wurde ab Frühjahr 1976 ausgeliefert. Nach 461.700 GTI, nach dem Facelift mit größeren Rückleuchten dann 112 PS stark (1,8 statt zu Beginn 1,6 Liter Hubraum), kam der Modellwechsel zum VW Golf II.
Der Nachfolger ab 1983 kam mit dem gleichen 1,8-Liter-Sauger mit 112 PS, später mit Katalysator 107 PS stark. Mit dem zweiten GTI zog die Farbe „Tornadorot“ ein, außerdem der 139 bzw. 129 PS (ohne / mit Katalysator) leistende GTI 16 V und erstmals auch ABS als Sonderausstattung. Kurz vor dem Modellwechsel klettert die Leistung beim Golf GTI G60 mit G-Lader auf 160 PS. Ihn gab es als ersten und einzigen GTI optional auch mit Allradantrieb, ansonsten folgt der dynamische Kompakte bis heute der Lehre aus ordentlicher Leistung und angetriebenen Vorderrädern. 628.000 Golf GTI der zweiten Generation wurden bis 1991 produziert, womit die Millionen-Marke gerissen wurde. Heute sehr gesucht sind auch die wenigen überlebenden (und unverbastelten!) Exemplare des Sondermodells Golf GTI Fire & Ice.
Mit breiten Scheinwerfern und 115 PS starkem Zweiliter-Vierzylinder folgte 1991 der dritte GTI, ab 1993 auch wieder als GTI 16V mit 150 PS. Im Jahr 1996 feiert die Marke den 20. Geburtstag des GTI mit dem Sondermodell Edition 20. Im gleichen Jahr kam, über dem damals auch populären Golf GTD positioniert, der erste Golf GTI TDI mit 110 PS starkem Selbstzünder. 327.000-mal wurde die dritte GTI-Generation gebaut.
Der VW Golf GTI Edition 50 im Video
Der VW Golf IV ab 1991 verschob in Sachen Qualität und Technik die Grenzen der Kompaktklassen nach oben. Bei allem Perfektionismus wurde der Charme des GTI von den Ingenieuren und Strategen unter VW-Chef Ferdinand Piëch aber zu stark heruntergeschraubt. Salopp gesagt: Das Sport-Label wurde zur Ausstattungslinie. Man konnte zwischen dem 150 PS starken 1,8-Liter-Turbo und einem Fünfzylinder-Sauger mit 2,3 Litern Hubraum und gleicher Leistung wählen, dazu gab es über die Laufzeit TDI-Diesel mit 110, 130 und 150 PS. Ein typischer GTI wurde aus dem Golf IV erst die Sonderserie Edition 25 im Jahr 2001 mit 180 PS und BBS-Felgen. Nicht nur beim Anspruch, auch bei den Produktionszahlen hinkte diese Generation hinterher: Von 1997 bis 2003 wurden 164.900 GTI ausgeliefert.
2004 meldet sich der Golf GTI auf Basis der fünften Generation eindrucksvoll zurück. Eine schwarze Maske an der Front, der charakteristische rote Streifen am Grill, Karo-Sitzbezüge und die bis heute schicken Options-Felgen „Detroit“ im 18-Zoll-Format sorgen für einen guten Auftritt. Unter der Haube steckte der 2.0 TSI mit 200 PS, später im Jubiläums-Modell Edition 30 mit 230 PS. 181.000 GTI dieser Baureihe wurden produziert, bevor schon 2009 der Nachfolger antrat.
Ihn ab es mit 210 bis 235 PS (Edition 35) und erstmals mit einer neu konstruierten Abgasanlage, die links und rechts jeweils ein Endrohr unter der Karosserie hervorgucken ließ. Erstmals gab es den Golf VI GTI ab 2011 auch als Cabrio mit Stoffverdeck. 199.900 Einheiten dieser GTI-Generation hat VW gebaut.
2013 folgte die siebte Inkarnation, von der über die Laufzeit 390.000 Autos das Werk verließen. Den GTI gab es anfangs mit 220 PS, als GTI Performance mit 230 PS, später stieg die Leistung auf 230 bzw. 245 PS. Neu im Programm: Der angeschärfte GTI Clubsport mit 290 PS per Boost-Funktion. Der auf 400 Exemplare limitierte Cubsport S kam sogar auf 310 PS und Fahrmodus-Setup für Fahrten auf dem Nürburgring. Den Tourenwagen-Sporteinsatz zelebrierte VW mit dem Sondermodell GTI TCR.
Seit 2020 fährt der VW Golf GTI in der aktuellen, achten Baureihe. Anfangs mit 245 PS, seit dem Facelift im Jahr 2024 mit 265 PS. Der GTI Clubsport kommt auf eine Leistung von 300 Pferdestärken. In diesem Jahr jährt sich die Markteinführung der drei sportlichen Buchstaben zum fünfzigste Mal. Zum runden Geburtstag legen die Wolfsburger die Sonderserie Golf GTI Edition 50 auf. Mit einer Leistung von 239 kW / 325 PS aus dem Zweiliter-Turbobenziner fährt der stärkste GTI aller Zeiten vor. Werksfahrer Benny Leuchter hat damit auf der Nürburgring-Nordschleife eine Rundenzeit von 7:46:125 Minuten in den Asphalt genagelt – schneller war kein Serienmodell der Marke zuvor.
So fährt der stärkste GTI
Wir wollen mitfeiern, machen das mit dem VW Golf GTI Edition 50 aber, um die Möglichkeiten des Hot Hatch im normalen Leben abzubilden, auf Probefahrten im öffentlichen Raum. Schon auf den ersten Kilometern stellt sich das typische GTI-Gefühl ein: Auch in seiner bisher stärksten Ausführung ist der Wolfsburger vor allem ein voll alltagstauglicher Kompakter, der sie tägliche Strecke zum Arbeitsplatz ohne Zickerei erledigt – wie auch die eilige Kurvenhatz an einem frühen Sonntagmorgen.
Nach Druck auf den Startknopf in der Mittelkonsole meldet sich der Zweiliter-Benziner mit dem internen Kürzel EA888 zum Dienst. Wer mag, kann sich dabei für den „Emotions-Start“ entscheiden. Das funktioniert so: Du drückst den Startknopf für 1,5 Sekunden, erst dann wird das Bremspedal getreten. Jetzt hebt der TSI beim Anlassen zweimal kurz die Stimme mit Drehzahlsprüngen. Wie man im Video zu diesem Fahrbericht sehen und hören kann, ist er aber auch dabei wenig vorlaut. Das passt zum Wesen des GTI. Aber Fans der klassischen Verbindung „Sportliches Auto – viel Klang“ dürften enttäuscht sein.
Nicht nur beim Start, auch unterwegs bleibt die Klangschleppe der optionalen Akrapovic-Abgasanlage, die man als Teil des optionalen Performance-Pakets bestellen kann, eher kurz. Mit einem Sound-Modulator kann man die Geräuschkulisse im Innenraum leicht variieren, aber auch dann bleibt der GTI eher dezent. Der Vergleich mit dem aktuellen AUTONOTIZEN-Dauertestwagen, einem Cupra Formentor VZ mit 265 PS (2.0 TSI EA888) zeigt: Die Spanier dürfen mehr Resonanz in der Abgasanlage erzeugen – was im Formentor auf langen Reisen aber etwas nerven kann.
Zurück zum GTI Edition 50. Er spult entspannt Kilometer auf der tempolimitierten spanischen Autobahn außerhalb der Stadt Barcelona ab. Einmal mehr beweist der „Travel Assist“ seine hohe Kompetenz. Die Fahrassistenz hält auch im dichten und teils wuseligen Verkehr stets das Tempo und den Abstand zum Vordermann, ohne sich von der Hektik anstecken zu lassen. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden zügig erkannt und dann übernommen, beim Überholen wird das Tempo schon während des Spurwechsels auf den eingestellten Wert beschleunigt. Das beim Sondermodell serienmäßige DCC schluckt Querfugen und Wellen weg, im Bereich zwischen „Normal“ und „Comfort“ mimt der Golf den fast perfekten Reisewagen.
Runter von der Autobahn, rauf auf den Berg mit Wechsel in den Sport-Fahrmodus. Im Rahmen der geltenden Regelungen geben wir dem Kompakten auf den Kurven- und Serpentinenstrecken im Montserrat-Gebirge die Sporen. Enge Kehren und ein zwar trockener, aber leicht rutschiger Asphalt verlieren im fahraktiven Fronttriebler ihren Schrecken. Auch mit den Semislicks des Performance-Pakets (Bridgestone Potenza Race) kündigt der Golf mögliches Untersteuern früh an. Man muss aber schon penetrant auf dem Gas stehen bleiben, um nicht am Scheitelpunkt der Kurve die Karosserie zum Eindrehen zu überzeugen, damit man zentimetergenau der Ideallinie folgen kann. Auch beim Lastwechsel bleibt der Aufbau da, wo er sein soll. Die serienmäßige Progressivlenkung erfreut mit dem stets perfekten Winkel und sehr guter Rückmeldung.
Mit dem Performance-Paket liegt der Golf nochmals um fünf Millimeter tiefer, was mit steiferen Federn die Aufbaubewegungen reduziert. Dazu kommen modifizierte Schwenklager mit geändertem Sturz an der Vorderachse und angepasste Fahrwerkslager für ein optimiertes Ansprechverhalten. Mit den 19-Zoll-Schmiedrädern sinkt das Gewicht des GTI mit dem Performance-Paket um 25 Kilogramm. Die Entwicklungs- und Abstimmungsarbeit der Ingenieure ist vor allem auf dieser Strecke mit vielen Richtungswechseln spürbar. Die Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheiben vorne verliert auch nach unzähligen harten Verzögerungen nichts von ihrer Standfestigkeit, der Druckpunkt auf dem Pedal ist stets sauber definiert.
Der auf 325 PS leistungsgesteigerte TSI stellt im Golf GT Edition 50 bereits ab 2.000 U/min (und über ein breites Plateau bis 5.400 U/min) 420 Newtonmeter Drehmoment bereit. Immerhin 50 mehr als im Basis-GTI, auch gegenüber dem Clubsport liegt das Plus bei immer noch üppigen 30 Newtonmetern. Die Mehrleistung bringt also nicht nur beim Vollgasfahren auf der Geraden (Höchstgeschwindigkeit 270 km/h statt der Limitierung auf Tempo 250) oder bei einer Runde Autoquartett am Stammtisch ihre Vorteile, sondern auch im fahraktiven Alltag. Dazu kommt der gewohnt gute Seitenhalt der Sportsitze, bei denen aber die zu tiefe und arg weit nach vorn gebeugte Kopfstütze stört. Optional kann man das Lenkrad mit einem Mikrofaser-Kranz (ArtVelours) bestellen. Gut investierte 230 Extra-Euro für optimierten Grip der Hände am Volant.
Am Ende des Test-Tags meldet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 10,8 l/100 km. Damit liegt der GTI drei Liter über dem arg optimistischen WLTP-Normwert, angesichts der abgerufenen Fahrdynamik aber auch einem durchaus akzeptablen Niveau.
Preis und Ausstattung
Der VW Golf GTI Edition 50 kostet 54.540 Euro. Er liegt damit nur 1.000 Euro unter dem Golf R mit Allradantrieb und 333 PS. Ein Vergleich dieser beiden Varianten wäre aber nicht angebracht, da es sich um verschiedene Charaktere handelt. Der R ist ein starker Bodybuilder, der GTI mehr der agile Athlet.
Im Vergleich zu den regulären GTI-Modellen ist das Sondermodell deutlich teurer. Vom GTI mit 265 PS (ab 46.250 Euro) trennen ihn 8.290 Euro, vom 300 PS starken GTI Clubsport (49.820 Euro) noch 4.720 Euro. Die Edition 50 bringt mit dem DCC-Fahrwerk (adaptive Dämpfer), 19-Zoll-Felgen, Matrix-LED-Scheinwerfern (IQ. Light) und stärker getönten Scheiben im Fond eine umfangreichere Serienausstattung. Der Mehrpreis reduziert sich somit auf 1.350 Euro. Dafür bekommt man die Leistungssteigerung und die Sondermodell-Optik mit Dekoren und Schriftzügen. Dabei wirken die Sticker auf den Innenseiten der Außenspiegel-Kappen und an den Flanken des Dachkantenspoilers aber eher wie die Fleißarbeit am Ende des Aufbaus eines Lego-Sets. Innen gibt es die roten Auflagen auf den Pedalen, ebenfalls rote Sicherheitsgurte und spezielle Sitzbezüge.
Nur für den Golf GTI Edition 50 gibt es die wiederbelebte Lackierung vom klassischen „Tornado-Rot“. Sie kostet 600 Euro Aufpreis, ein Dach in schwarzer Kontrastfarbe ist stets Serie. Unser Testwagen bringt außerdem das mehrfach erwähnte Performance-Paket für üppige 4.200 Euro mit, das an die Semislick-Reifen für weitere 1.000 Euro Aufpreis gekoppelt ist. Zusammen mit weiteren Optionen klettert der Listenpreis des hier auf den Fotos und im Video gezeigten Testwagens auf 64.205 Euro.
Fazit
Zum Jubiläum des Hot Hatch legt VW den Golf GTI Edition 50 auf. Er folgt der Tradition von Geburtstags-Sondermodellen des sportlichen Kompakten und tritt mit 325 PS als stärkster Serien-GTI aller Zeiten auf. Zur Leistungssteigerung gibt es eigene optische Akzente und mehr Ausstattung und ein optionales Performance-Paket mit Modifikationen am Fahrwerk.
Auf unserer Testfahrt bereitet der sündhaft teure Party-GTI sehr viel Fahrspaß, bleibt dabei stets sicher beherrschbar und wird nie zickig. Einmal mehr wird deutlich, warum der Golf GTI seit Jahrzehnten – und auch heute noch – die Benchmark für sportliche Kompakte ist.
Technische Daten
VW Golf GTI Edition 50
- Antriebsart
- Benziner
- Antrieb
- Frontantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6 EB
- Hubraum
- 1.984 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 239 kW / 325 PS
- Max. Drehmoment
- 420 Nm bei 2.000 - 5.400 U/min
- Getriebe
- 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
- Tankinhalt
- 50 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 5,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 270 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 7,6 - 7,9 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 10,8 Liter (lt. Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 374 - 1.230 Liter
- Leergewicht
- 1.470 kg
- Dachlast
- 75 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.292 / 1.789 / 1.463 mm
- Basispreis Modellvariante
- 54.540 Euro
- Testwagenpreis
- 64.205 Euro