Dacia Spring Electric 100 (2026)

Dacia Spring Electric 100 (2026) ...und plötzlich macht er Laune!

5:28 Min.

Wird er zum heißen Zwerg? Der Dacia Spring mit 75 kW im ersten Fahrbericht.

Seit dem Marktstart im Jahr 2021 spaltet der Dacia Spring die Gemüter. Der Kleinstwagen, der in China von Kooperationspartner Dongfeng für Dacia gebaut wird, gilt für viele als ideale Mobilitätslösung im Kurz- und Mittelstreckenverkehr zu günstigen Kosten bei Kauf und Unterhalt. Andere bemängeln das geringe Platzangebot und die doch eher überschaubare Leistung des Elektroantriebs. In der Tat: Mit anfangs 33 kW (45 PS) ging es gemächlich voran, außerhalb von Stadtgrenzen gar zäh. Etwas Abhilfe kam mit dem 48 kW (65 PS) starken Spring Extreme. Jetzt legen Dongfeng und Dacia nach. Zum Modelljahr 2026 wird der Spring technisch umfassend überarbeitet.

Neuer Antrieb, neuer Akku

Das Blechkleid des 3,70 Meter langen Kleinstwagens im sogenannten „A-Segment“ bleibt unverändert. Der neue Jahrgang entspricht dem umfassenden Facelift, das 2024 eingeführt wurde. Seitdem folgt der Spring mit LED-Tagfahrlicht und schmalerem Grill der aktuellen Dacia-Designsprache.

Was man nicht sieht: Antriebsstrang und Akku wurden komplett umgekrempelt. Der NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt) wich einer LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat). Das Cell-to-Pack-Verfahren, bei dem die Akkuzellen ohne Aufteilung in einzelne Module direkt in das Gehäuse montiert werden, minimiert den Raumbedarf. Die nominelle Speicherkapazität sank mit dem Wechsel von 27,4 auf jetzt 24,3 kWh. Das macht der Dacia Spring mit mehr Effizienz durch neue Elektromotoren und eine verbesserte Aerodynamik wett. Änderungen am Unterboden und ein neuer Dachspoiler sorgen für weniger Luftwiderstand.

Die Vorderräder treibt der Dacia Spring jetzt in den Ausstattungslinien Essential und Expression mit einer 52 kW (70 PS) starken Maschine an. Im Spring Extreme stehen sogar waghalsige 75 kW (102 PS) bereit. Schon der Blick in die technischen Daten lässt einen dynamischen Quantensprung erkennen. Den Durchzug von 80 auf 120 km/h erledigt der starke Kleinstwagen jetzt in 6,9 Sekunden. Zur Einordnung: Die ehemalige Basisversion mit 33 kW (45 PS) ließ sich für diese Übung satte 26,2 Sekunden Zeit. Nullhundert wird jetzt in 9,6 Sekunden vollzogen, die Höchstgeschwindigkeit bleibt mit 125 km/h unverändert.

Mau ist nach wie vor die Ladeleistung über den Typ-2-Stecker, der zentral in der Frontmaske eingesteckt wird. Hier wird einphasig mit 3,7 kW und damit am besten über Nacht genuckelt. Ein CCS-Anschluss kostet, im Paket mit V2L (Vehicle-to-Load), 600 Euro Aufpreis. Mit ihm wird, im Vergleich zum bisherigen Modell, die maximal mögliche Leistung von 30 auf 40 kW erhöht. Der Hub von 20 auf 80 Prozent soll, unter idealen Bedingungen, in 29 Minuten erledigt sein. Die meisten Kunden dürften ihren Spring, der wohl oft als Zweitwagen in Familien oder als Firmenfahrzeug im urbanen Raum genutzt wird, abends an der Wallbox oder eine Starkstrom-Dose anschließen. Das Kabel kann zwischen den Ladestopps unter der vorderen Haube mitfahren. Im Zubehör gibt es eine fest verschraubte Kunststoffwanne, mit der ein „Funk“ (Front Trunk, vorderer Kofferraum) einzieht.

So fährt sich der Spring 100

Zumindest auf trockener Straße kann man mit dem erstarkten Dacia Spring jetzt auch Kurven räubern.

Zeit, um (trotz der überschaubaren Reichweite) den Akku leerzufahren und nachzuladen haben wir beim ersten Kennenlernen mit dem Dacia Spring Extreme nicht. Nach dem Dreh des klassischen Zündschlüssels schälen wir uns aus dem dichten Verkehr von Nizza. Ein paarmal richtig abbiegen und schon schlängeln sich verlassene Nebenstrecken die Berge hinauf. Der rechte Fuß wird schwer und HOPPLA! 137Newtonmeter reichen aus, um den nur rund eine Tonne schweren Dacia vom Fleck zu katapultieren. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven wimmern die montierten Linlong Eco Master schon bei Trockenheit um Gnade und lassen einen Teil ihres 165 Millimeter breiten Profils zurück. Gefährlich wird das aber nicht, die Stabilitätskontrolle greift spürbar und nicht zu spät ein.

Auf den hoch montierten Sitzen rutscht man mangels jeglicher Form des Seitenhalts bei dieser Übung wild herum. Der schmale Innenraum hält Fahrer und Beifahrer trotzdem fast auf Position, man berührt sich halt dann etwas fester an den Schultern. Ja, wir wissen, dass der Dacia Spring auch mit dreistelliger Pferdestärken-Zahl kein Sportwagen sein kann und soll. Aber es ist schön, zu erkennen: Wenn es mal darauf ankommt, dass ist man schnell vom Fleck. Das erleichtert auch Überholvorgänge im Pendleralltag. Den Dacia Spring 70 konnten wir beim Fahrtermin leider nicht probieren. Er dürfte mutmaßlich auch ausreichende Reserven bieten. Somit sollte also eher die Wahl der Ausstattungslinie die Entscheidung beeinflussen.

Ist der Dacia Spring zu teuer?

Mit dem optipnalen City-Paket ist auch ein Werks-Navi an Bord.

16.900 Euro kostet der Dacia Spring Essential mit 52 kW. Vor allem in Zeiten einer neuen Elektro-Prämie ist das noch immer günstigste Elektroauto in Deutschland (gemäß Listenpreisen) eine interessante Überlegung. Aktuell ist der Leapmotor T03 der stärkste Widersacher, später auch der Konzernbruder Renault Twingo (dieses Jahr) und das Serienmodell der Studie VW ID. Every1 (wohl 2027).

Der 75 kW starke Dacia Spring Extreme, der zur üppigeren Leistung auch eine erweiterte Serienausstattung mitbringt, kostet 19.700 Euro. Unser Testwagen kommt mit Metalliclackierung, Power-Paket (CCS-Anschluss, Vehicle-to-Load) und City-Paket (Navi, Einparksensoren vorne) auf 21.500 Euro. Für sich genommen ist der Dacia Spring auch in Topausstattung noch ein günstiges Auto. Aufgrund vielfältiger Rabattaktionen und spezieller Leasingangebote verschiedener Hersteller könnte man aber für den gleichen Kurs oder nur wenig mehr Geld anderswo auch mehr Auto bekommen.

Fazit

Gemessen am Basis-Listenpreis ist der Dacia Spring auch 2026 noch das billigste Elektroauto auf dem deutschen Markt.

Das man das noch mal sagen darf: Mit dem neuen Top-Motor bietet der kleine Elektro-Dacia jetzt Fahrspaß! Der Spring 100 räubert durch Kurven und Kehren, bis die Reifen wimmern und das ESP eingreift. Ob im Alltag die Reichweite von 225 Kilometern realistisch erreicht werden kann, ist beim ersten Fahrtermin aus Zeitgründen noch nicht nachprüfbar.

Auch das Topmodell Spring Extreme mit 75 kW (102 PS) bleibt noch unter 20.000 Euro, es steht für 19.700 Euro in Konfigurator und Preisliste. Mit ein paar Extras reißt der Kleinstwagen jedoch schnell diese wichtige Grenze.

Technische Daten
Dacia Spring Electric 100 Extreme

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Frontantrieb
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW
75 kW (102 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
137 Nm
Batterie
24,3 kWh
Batterie: Typ
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
40 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
3,7 kW
Beschleunigung 0-100 km/h
9,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
125 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
12,4 kWh
Reichweite nach Norm
225 Kilometer
Kofferraumvolumen
308 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
Linglong Eco Master 165/65 R15
Leergewicht
1.013 kg
Länge / Breite / Höhe
3.701 / 1.583 / 1.489 mm
Basispreis Baureihe
16.900 Euro
Basispreis Modellvariante
19.700 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Hannah Richter, Bernd Conrad