Lexus RX500h

Lexus RX500h Luxus-Gleiter mit Turbo-Hybrid

8:39 Min.

Der Lexus RX500h mit 371 PS Systemleistung und Allradantrieb im Alltags-Test.

Der Lexus RX, das SUV-Flaggschiff der japanischen Premiummarke in Deutschland, ist ein seltener Gast auf unseren Straßen. Für das Jahr 2025 meldet das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) 682 Neuzulassungen. Die meisten davon waren Plug-in Hybride. 74% der Kunden wählten den Plug-in Hybriden RX450h+. Jeweils 13 Prozent der Verkäufe entfielen auf einen der beiden Vollhybride ohne Stecker zum externen Aufladen der Batterie. Eine Besonderheit steckt unter der Haube des Topmodells RX500h. Hier kombinieren die Techniker die bewährte Hybrid-Technologie mit einem per Turbo aufgeladenen Benziner.

Zahlen sind nicht alles

Der Vierzylinder mit 2,4 Litern Hubraum hat eine Leistung von 200 kW / 272 PS und liefert bis zu 460 Newtonmeter Drehmoment. Außerdem sind zwei Elektromotoren an Bord, einer je Achse. Vorne werden 64 kW (87 PS) und 292 Newtonmeter bereitgestellt, hinten 76 kW (103 PS) und 169 Newtonmeter. Die Systemleistung liegt bei 273 kW / 371 PS. Im Zeitalter der inflationären Leistungswerte von Elektroautos, aber auch im Vergleich zum Umfeld starker Verbrenner-SUV der Premiummarken, wirft der große Lexus also nicht mit Pferdestärken um sich. Wirkt das Topmodell also schwachbrüstig?

Mitnichten, wie er in unserem Alltagstest beweist. Obwohl man es von Lexus-Mutter Toyota nicht anders erwartet, sei es nochmal erwähnt: Das Zusammenspiel der einzelnen Elemente des Hybridantriebs ist präzise abgestimmt. Die E-Maschinen setzen den Wunsch nach Beschleunigung ohne Verzögerung in Drehmoment um, geben damit dem Verbrenner Zeit zum Luftholen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten kann man, einen sensiblen rechten Fuß vorausgesetzt, einige hundert Meter rein elektrisch und damit lokal emissionsfrei zurücklegen.

Auf der Landstraße sammelt der RX entspannt Kilometer, Fahrer und Passagiere genießen auf bequemen Sitzen die Ruhe im Innenraum. Neben üppigen Mengen Dämmmaterial kümmert sich auch ein Noise Cancelling System um die Minimierung von Abroll-, Wind- und Abrollgeräuschen. Das soll auch Raum schaffen für die „Active Sound Control“ des 500h. Hinter diesem Begriff versteckt sich ein künstlich erzeugter Motorsound bei starker Beschleunigung. Im Rahmen des ansonsten zurückhaltenden Wesens von Marke und Modell eine beinahe verrückte Spielerei, die aber wohlkomponiert ist. Das über die Lautsprecher übertragene Geräusch klingt nicht zu aufdringlich und auch nicht mal künstlich. Zumindest, wenn man – wie die meisten Mitfahrer – einen Sechszylinder-Benziner unter der Motorhaube wähnt.

Die Sechsgang-Automatik, die eine im Ölbad laufende Kupplung anstelle eines Drehmomentwandlers besitzt, sorgt stets für die optimale Zahnradpaarung, reagiert auch auf Kick-Down-Anforderungen ohne Gedenksekunden. Auf der Autobahn wird das SUV bei Bedarf bis zu 210 km/h schnell, fährt dann sanft in den Begrenzer.

Teils wirre Bedienlogik

Finger-Befehle am Multifunktionslenkrad werden im Kombiinstrument angezeigt, manchmal muss man doppelt klicken.

Die Fahrassistenz mit adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage hält Tempo, Abstand und Fahrspur mit hoher Zuverlässigkeit. Die Aktivierung und Anpassung ist, wie auch die Bedienung der Audio-Funktionen über die Touchfelder auf dem Multifunktionslenkrad aber wenig intuitiv. Da die Funktionen doppelt belegt sind, muss man erst auf die aufpoppende Anzeige im digitalen Kombiinstrument warten und dann nochmal klicken – auch beim Vorspulen eines Musikstücks.

Kritik verdient auch das Fahrwerk, zumindest teilweise. Bei Stadttempo wirkt der Lexus RX500h beim Überfahren von Querfugen und Aufbrüchen im Asphalt teils arg straff, trotz adaptiver Dämpferregelung. Diesen Malus macht er bei höherem Tempo wieder wett. Auch ohne Einstellmöglichkeiten der Abstimmung durch den Fahrer hält die Software stets eine passende Dämpfung bereit. Die ebenfalls serienmäßige Hinterachslenkung, die beim Rangieren mit gegenläufig eingeschlagenen Rändern die für bestmögliche Wendigkeit sorgt, sorgt in Kurven und auch beim Wechsel des Fahrstreifens auf der Autobahn, für eine hohe Spurtreue.

Während der Lexus RX500h zum Test in der Redaktion war, kam es zu einem heftigen Wintereinbruch mit üppigem Schneefall. Dumm nur, dass genau am nächsten Morgen ein unaufschiebbarer Termin vorgesehen war, und zwar an einem nur über ungeräumte Feldwege zugänglichen Ort. Kein Problem für den Japaner. Das Allradsystem verteilt die Kraft je nach Traktionsbedarf stufenlos von 100:0 (vorne:hinten) bis 20:80. Das Elektro-Drehmoment sorgt für ansatzloses Vorankommen, der RX wühlt sich tatkräftig durch den tiefen Schnee und hilft auch, den Weg für nachfolgende Autos zu spuren.

Bisher gab es also viel Lob für den 4,89 Meter langen, 1,92 Meter breiten und 1,70 Meter hohen Edel-Japaner. Er muss jedoch auch Kritik einstecken. Während man im Fond sehr bequem reist, sind die Vordersitze für große Menschen im oberen Rückenbereich eindeutig zu schmal geschnitten. Außerdem überrascht, dass das Soundsystem von Mark Levinson einen eher dünnen Bass liefert und auch der Raumklang zu wünschen übriglässt. Die Anlage bietet zudem kaum Einstellmöglichkeiten. Mitteltöne, Höhen und Bass kann man variieren, fertig. Und das nicht mit Erfolg. Wenn man die niedrigen Frequenzen auf dem virtuellen Regler am Touchscreen-Display aufbläht, dann scheppert es schnell in den Verkleidungen der vorderen Türen.

Es ist erstaunlich, dass es der Lexus RX 500h trotzdem schafft, einen audiophilen Nutzer dennoch zu entspannen. Das unaufgeregte Wesen, die solide Kraftentfaltung des Antriebs und das Zusammenspiel aus Kunst-Motorsound und Ruhe komponiert eine spezielle Wohlfühlatmosphäre. Der Japaner ist also ein Gentleman, dem man aber auch mal ein Schlückchen gönnen sollte.

Der Aufwand der Hybridisierung wird im RX-Topmodell nicht in einen wirklich niedrigen Verbrauch umgesetzt. 9,1 Liter Testverbrauch sind, auch angesichts der Leistung, nur Durchschnitt. Mit sanfter Fahrweise kommt man auf rund 8,5 l/100 km, knapp über dem WLTP-Normwert von 8,2 Litern – obwohl das Kuchendiagramm im Cockpit nach längeren Fahrten im Stadtverkehr einen Elektro-Streckenanteil von 40 Prozent oder mehr ausgibt.

Das kostet der Lexus RX500h

Dank elektrischem Allradantrieb kommt der Lexus RX500h auch im Schnee voran.

Während RX350h und RX450h+ in unterschiedlichen Ausstattungslinien angeboten werden, serviert der Verkaufsberater im Lexus Forum den RX500h stets im dynamischen „F Sport +“-Trimmlevel. Der Listenpreis liegt bei üppigen 103.850 Euro. Im Fall des hier gezeigten Testwagens kommen die Metalliclackierung in „Obsidiangrau“ und das Panorama-Glasschiebedach hinzu, der Preis klettert auf 106.900 Euro.

Sehr viel Geld für ein Auto, dass Kenner mit Wohlwollen wahrnehmen. Aber auch nur die. Wer in der Anwohnerstraße oder am Arbeitsplatz mit seinem Premium-SUV protzen will, der greift wohl eher zu BMW X5 oder Audi Q7. Der Lexus RX empfiehlt also auch seinem Fahrer einen unaufgeregten Charakter, der dem des Autos entspricht.

Fazit

Eine individuelle Autowahl für Kenner und Freunde der gepflegten Fortbewegung.

Das SUV-Topmodell von Lexus bietet viel High-Tech, von der Allradlenkung über adaptive Dämpfer bis hin zum Allrad-Hybridantrieb mit insgesamt drei Motoren. All das packen die Japaner in eine dezente SUV-Fließheck-Karosserie. Kritik verdienen das eher maue Soundsystem mit nur geringen Einstellmöglichkeiten, die zu schmalen Lehnen der Vordersitze und die insgesamt wenig intuitive Bedienung vieler Funktionen.

Als Vollhybrid ohne Stecker bietet der Lexus RX500h keinen Steuervorteil für Firmenwagenfahrer, die greifen wohl eher zum Plug-in 450h+. Dieser Umstand und der hohe Preis von über 100.000 Euro machen den Turbo-Hybrid zur Wahl für automobile Feinschmecker, bei denen das Budget größer ist als der Geltungsdrang.

Technische Daten
Lexus RX500h F Sport+

Antriebsart
Hybrid
Antrieb
permanenter Allradantrieb
Abgasnorm
Euro 6 EB
Hubraum
2.393 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
200 kW / 272 PS
Max. Drehmoment
460 Nm bei 6.000 U/min
Getriebe
Sechsstufen-Automatik
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW
64 kW (87 PS)
Elektromotor vorn: Maximales Drehmoment
292 Nm
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW
76 kW (103 PS)
Elektromotor hinten: Maximales Drehmoment
169 Nm
Systemleistung: kW / PS
273 kW / 371 PS
Batterie: Typ
Nickel-Metallhybrid
Tankinhalt
65 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
6,2 Liter
Höchstgeschwindigkeit
210 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
8,1 - 8,2 Liter
Verbrauch real auf 100km
9,2 Liter
Kofferraumvolumen
461 - 1.678 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
Nokian Snowproof 2 SUV 235/50 R21
Leergewicht
2.265 kg
Anhängelast (gebremst)
2.000 kg
Dachlast
80 kg
Länge / Breite / Höhe
4.890 / 1.920 / 1.695 mm
Basispreis Baureihe
73.850 Euro (Lexus RX350h Comfort)
Basispreis Modellvariante
103.850 Euro
Testwagenpreis
106.900 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad