Citroën C5 Aircross Hybrid 145

Citroën C5 Aircross Hybrid 145 Der Familien-Versteher

5:51 Min.

Das komfortable SUV aus Frankreich mit Basis-Mildhybrid im Alltagstest, auch im Video-Review.

Die Zeiten ändern sich. Früher waren große Limousinen mit schrägem Heck als Topmodell der französischen Marke Citroën gesetzt. Spätestens der überschaubare Erfolg des (hemmungslos unterschätzte) C5X zeigt, dass sich der Fokus der Kunden verschoben hat. Praktisch für die Kostenrechner im Stellantis-Konzern, die die zweite Generation des C5 Aircross noch näher an die Pendants von Opel (Grandland) und Peugeot (3008 / 5008) rücken. Weil das SUV mit dem Modellwechsel damit spürbar gewachsen ist, übernimmt es spielerisch die Rolle des großen Franzosen für Familien und Menschen mit Platzbedarf.

Erfüllt der Citroën C5 Aircross auch die traditionellen hohen Ansprüche der Kunden an den Fahrkomfort? Und wie effizient lässt er sich als Mildhybrid mit 145 PS Systemleistung im Alltag bewegen? Das konnten wir im Alltagstest herausfinden.

Mehr Manieren, bitte!

Der mild hybridisierte Dreizylinder-Benziner ist im weit verzweigten Modellprogramm des Stellantis-Konzerns allgegenwärtig. Er treibt Kleine und Kompakte ebenso an wie die aktuellen SUV-Topmodelle der einzelnen Marken, namentlich neben Peugeot 3008 / 5008 und Opel Grandland eben auch den Citroën C5 Aircross.

Der 15,6 kW starke Elektromotor steck im Gehäuse des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes mit sechs Vorwärtsgängen. Bei sachter Fahrweise durchs Wohngebiet rollt der Franzose rein elektrisch und damit lokal emissionsfrei durchs Wohngebiet, aber leider nicht lautlos. Aus dem E-Antrieb ist, auch wenn er später im Team mit dem Benziner arbeitet, stets ein hochfrequentes Sirren zu hören. Der Dreizylinder ist auch kein Leisetretet. Mit knurrigem Unterton macht er auf die ungerade Zahl seiner Brennräume aufmerksam, beim Ausdrehen in höhere Drehzahlregionen wird er auch laut. Hektik ist auch für das Doppelkupplungsgetriebe ein Fremdwort. Teilweise stark verzögerte Schaltvorgänge bei abruptem Lastwechsel erziehen zur gemächlichen Fahrweise.

Diesen Anspruch strahlt der C5 Aircross sowieso aus jeder Pore aus, was Citroën zur aktuell am klarsten positionierten Mainstream-Marke im Konzern macht. Komfort vor Dynamik! Das Advanced-Comfort-Fahrwerk mit hydraulischen Anschlägen an den Stoßdämpfern (sowohl an der Zug-, als auch an der Druckstufe) und die dick gepolsterten Sitze laden zum Verweilen ein. Richtgeschwindigkeit statt „Blinker links“ auf der Autobahn und entspannte Überlandtouren sind das Metier des SUV.

Ein Fahrstil, der einem Mildhybrid entgegenkommt. Mit 6,3 l/100 km ist der Verbrauch auf niedrigem Niveau, wenngleich man nicht jedes Mal beim Blick auf die Anzeige des Bordcomputers oder beim Tanken ob der Askese des Autos in Verzückung gerät. Das Werk gibt den WLTP-Normwert mit 5,4 – 5,6 l/100 km an.

Schöner Wohnen

Bequeme Sitze in beiden Reihen und ein adrettes Cockpit gefallen im Innenraum.

Unterwegs freut mich sich nicht nur über die bequemen Polster, sondern auch über das großzügige Raumangebot in beiden Reihen. Die Lehne der Rücksitzbank ist zweistufig in der Neigung variierbar. Steht sie aufrecht, 565 Liter Gepäck hinter die steile Klappe. Ein optimales Reise-SUV für die Familie ist der C5 Aircross mit dem optional lieferbaren Sicherheitsnetz zum Schutz der Insassen. Leider ist es nur als Teil eines Winterpakets mit erweiterter Traktionskontrolle für rutschige Untergründe, Windschutzscheiben-Heizung (mit sichtbaren Drähten im Glas) und Allwetter-Reifen zu haben.

Bei den teils harten Kunststoffen in den Türverkleidungen zeigt der Innenraum im C5 Aircross, dass die Marke Citroën preislich das untere Ende der Mittelklasse abdecken soll, ohne dass das Ambiente billig wirkt. Beim Blick nach vorne gefällt der Textilbezug auf dem Armaturenbrett und der eigene Stil des Cockpits. Anstelle des ewig gleichen Stellantis-Breit-Touchscreens setzt der Aircross auf ein hochkant angeordnetes Display mit 13 Zoll Bildschirmdiagonale. Apple CarPlay und Android Auto können ohne Kabelverbindung genutzt werden, die Sprachsteuerung setzt auf Unterstützung der KI von ChatGPT. In den höchsten Ausstattungslinien Max und Team D ist auch ein Head-up-Display serienmäßig, das fahrrelevante Informationen direkt auf die Windschutzscheibe spiegelt.

Das kostet der C5 Aircross

Die Metallic-Lackierung im Farbton Rubi Red ist gratis.

Die Marke Citroën stellt, im Dreigestirn mit den beiden anderen Mainstream-Vollsortimentern im Konzern, Opel und Peugeot, das finanziell erreichbare(re) Einsteigerangebot an. Interessanterweise trauen sich die Konzern-Verantwortlichen trotzdem nicht, den Doppelwinkel offensiv als Alternative zur Budget-Marke Dacia der Renault Group zu positionieren.

Den C5 Aircross Hybrid 145 gibt es in der Basis-Ausstattung You (u.a. Klimaautomatik, höhenverstellbare Vordersitze, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Einparksensoren am Heck, Smartphone-Integration) ab 33.990 Euro. Die Konzern-Schwestermodelle Opel Grandland und Peugeot 3008 liegen, auch ausstattungsbereinigt, deutlich darüber. Unser Testwagen fährt im höchsten Ausstattungsniveau Max vor, bringt dann zusätzlich u.a. einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Sitzheizung vorne, elektrische Heckklappe, Head-up-Display, Matrix-LED-Scheinwerfer und eine erweiterte Assistenzausstattung mit. Der Listenpreis liegt bei 39.990 Euro. Die Metalliclackierung in „Rubi Rot“ ist gratis. 1.250 Euro kostet das Panorama-Glasschiebedach, 300 Euro das Winterpaket. Die Summe: Immer noch - relativ - günstige 41.540 Euro.

Fazit

Der Citroën C5 Aircross ist ein Familien-Versteher. Das SUV bietet viel Platz und stellt Fahrkomfort vor fehlplatzierte Dynamik, die Preise sind – im Vergleich zu den meisten Wettbewerbern – noch im Rahmen. Leider vermiest der rumpelige Dreizylinder in Kombination mit dem ebenfalls schlecht erzogenen Elektromotor den täglichen Umgang mit der Mildhybrid-Basis. Für nur 3.000 Euro mehr fährt der C5 Aircross als Plug-in Hybrid mit 1,6 Liter großem Vierzylinder-Verbrenner vor – aus Komfortgesichtspunkten wohl die bessere Wahl (eine Mutmaßung basieren auf Höhensagen, da der Autor persönlich den PHEV im großen Citroën noch nicht gefahren ist).

Technische Daten
Citroën C5 Aircross Hybrid 145 Max

Antriebsart
Mildhybrid-Benziner
Antrieb
Frontantrieb
Hubraum
1.199 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
3 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
100 kW / 136 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment
230 Nm bei 1.750 U/min
Getriebe
Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW
15,6 kW (21 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
51 Nm
Systemleistung: kW / PS
107 kW / 145 PS
Batterie
0,88 kWh brutto / 0,43 kWh netto nutzbar
Tankinhalt
55 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
11,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
201 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
5,4 - 5,6 Liter
Verbrauch real auf 100km
6,3 Liter
Kofferraumvolumen
565 - 1.668 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
Michelin e-Primacy 225/55 R19
Leergewicht
1.772 kg
Anhängelast (gebremst)
1.000 kg
Stützlast
82 kg
Länge / Breite / Höhe
4.650 / 1.870 / 1.695 mm
Basispreis Baureihe
33.990 Euro
Basispreis Modellvariante
39.990 Euro
Testwagenpreis
41.540 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad