Fahrbericht VW Passat GTE Der Lade-Meister

Als Plug-in Hybrid lädt der Passat neben Gepäck auch Strom.

Und dann hört man plötzlich die Hinterachse. Abrollgeräusche und schmatzende Stoßdämpfer drängen sich vorlaut ans Ohr. Ungewohnt, vor allem in einem penibel durchkonstruierten Auto wie dem aktuellen VW Passat Variant. Oder eben genau deswegen. Denn wir sind im Moment flüsterleise durch Vororte unterwegs. Elektrisch angetrieben, im VW Passat GTE.

Fahrbericht VW Passat GTE

Der schiebt seine dominanten LED-Tagfahrlichtbögen bis zu 50 Kilometer (genormt) lautlos über die Straßen. Fast lautlos eben. Und zeigt damit, dass wir uns eben doch langsamer umgewöhnen als gedacht. Was wiederrum die staunende Freude an elektrischen Antrieben aufrecht erhält.

Im E-Mode verkneift sich der große Kombi den Einsatz des Benzinmotors, läuft bis zu 130 km/h rein elektrisch. Dann sind die Akkus natürlich schnurstracks leergenuckelt. Auftritt TSI. Der aber ganz dezent auf die Bühne schleicht. Die Zuschaltung des 1,4 Liter-Vierzylinders mit 115 kW / 156 PS erfolgt sehr sanft und oder merkbare Ruckelei oder Vibrationen.

Fahrbericht VW Passat GTE

Das gelingt mit einem technischen Kniff. Das Sechsgang-DSG, das übrigens dem Elektromotor in seinem Gehäuse Asyl gewährt, schaltet auch im E-Modus – wenn es also nicht gebraucht wird – heimlich mit, um den per verlängertem Wärmekreislauf vorgewärmten Verbrenner mit der passenden Drehzahl aufzuwecken.

Wenn man es wissen will und dem Passat im per Taste aktivierbaren GTW-Modus einen ordentlichen Tritt auf das rechte Pedal verpasst, ist der Benzinmotor auch drehfreudig zur Stelle. Zusammen mit dem Elektromotor boostet er die Fuhre ordentlich nach vorne, während die Vorderreifen mühsam Halt suchen. Trotzdem wird der Passat GTE sportliche Fahrer nicht wirklich zufriedenstellen. Hier notiere ich gleich mal die Kombination des Elektroantriebes mit dem größeren 2,0 TSI auf den Wunschzettel.

Nach ein paar Kilometern und der Flipperei durch E- und GTE-Modus sowie dem intuitiven Erlernen der Schaltwippennutzung zur Justierung der Rekuperation fällt eines auf: Das nichts mehr auffällt. Die Ruhe der elektrischen Fortbewegung, der zurückhaltende Verbrenner – der Passat GTE beruhigt im wahrsten Sinne des Wortes.

Fahrbericht VW Passat GTE

Zeit, sich im Auto einzufinden. Ein Passat wie jeder andere auch. Das heißt: Mehr als ausreichend Platz für Menschen jeglicher Statur, sowohl vorne wie auch im großzügigen Fond. Einzig der Kofferraum büßt durch die Batteriepacks Bauhöhe und damit Ladevolumen ein, bietet nun 402 Liter Minimalvolumen (Passat Variant TDI: 650 Liter). Vom Fahrersitz auch blickt man auf das gewohnte Passat-Armaturenbrett, deren durchlaufende Lamellen der Lüftungsdüsen mir bis heute nicht gefallen. Und die ich nicht abstauben möchte.

Eine wahre Augenweide ist dagegen mal wieder das Active Info Display des Testwagens. Die digitalen Instrumente gefallen mit einer hochauflösenden Grafik und schneller Reaktionszeit. So wird z.B. im GTE-Modus dezent, aber dennoch gut sichtbar, ein Drehzahlmesser in einen Teil der Energieanzeige eingeblendet.

Fahrbericht VW Passat GTE

Ganz wichtig bei einem Plug-in Hybriden sind neben dem Fahrerlebnis auch die Standzeiten. Der Passat füllt sich die Stromspeicher an der Haushaltssteckdose in 4:15 Stunden wieder auf. Mit der optional erhältlichen Wallbox ist das in 2:30 Stunden zu schaffen. Und – wir kommen wieder in den rollenden Bereich – falls man während einer langen Strecke in den Urlaub oder zu einem Geschäftstermin die Akkus laden möchte, um zum Beispiel am Zielort emissionsfrei vorzufahren, genügen dem VW im Charge-Modus je nach Fahrweise 30 bis 60 Kilometer, um sich denen Lithium-Ionen-Batteriemagen vollzuhauen.

Von den 1,7 Liter Benzinverbrauch laut Norm ist man in der Realität natürlich immer noch weit entfernt. 6,7 Liter spuckt der Bordcomputer als Wert nach den Testfahrten aus. Was auf jeden Fall zu hoch ist, auch für den Passat GTE. Denn der Kunde, der sich bewusst für dieses Auto entscheidet, wird nicht den Durchzug und den GTE-Modus mit der Vehemenz benutzen, wie ich auf einer Testfahrt. Werte um vier Liter Super und sieben bis 8 kWh Strom auf 100 Kilometer sollten ein realitätsnaher Straßenwert sein.

Fahrbericht VW Passat GTE

Was auch der gut durchdachte und penibel ausgeführte VW Passat GTE nicht schafft: Der kann dem Plug-in Hybrid die Vergänglichkeit nicht austreiben. Mit der Kombination aus Verbrenner und Elektromotor fährt man schon einen Haufen komplexe Technik herum, die noch dazu auch einiges wiegt. Wenn sich die Batterietechnologie in Sachen Reichweite und Schnellladungen weiterhin rasant entwickelt, wird sich zeigen, ob die Brückentechnologie Plug-in Hybrid nur eine kurze Episode der Automobilgeschichte erzählt. Eine Episode, die aber durchaus Freude bereiten kann.

Technische Daten

VW Passat Variant GTE

Hubraum 1.395 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 115 / 156 bei 5.000 - 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 - 3.500 U/min
Getriebe Sechsgang-DSG
Elektromotor: Maximale Leistung kW 85
Systemleistung: kW / PS 160 kW / 218 PS
Batterie Lithium-Ionen, 9,9 kWh
Beschleuningung 0-100 km/h 7,6
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 130 km/h
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 12,4 - 12,9
Norm-Verbrauch auf 100km 1,6 - 1,7
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 13,2
Verbrauch real auf 100km 6,7
Reifenmarke und –format des Testwagens Hankook Ventus Prime2 235/45R18 94W
Leergewicht 1.722 kg
Länge / Breite / Höhe 4.767 / 1.832 / 1.516
Grundpreis 45.250 Euro
Testwagenpreis 58.960 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad