McLaren 720S Spider Ein Fest der Sinne

Der McLaren 720S Spider im Fahrbericht mit Video-Review.



Anruf von McLaren. Ein 720S Spider stünde bereit, den kann man gerne testen. Klar, dass da nicht lange überlegt wird. Selbstverständlich! Vor allem, weil wir doch neulich so mit dem Ferrari Roma herumstanden, die Sportwagen Revue passieren ließen, die bislang zum Fahrbericht oder Test antraten und die Bemerkung fiel: „Ein McLaren fehlt noch“.

Die Dörr Group, ein leidenschaftlicher Sportwagenhändler mit mehreren Standorten in Deutschland, hat frisch ihr Quartier in der neueröffneten Motorworld München bezogen. Dort soll bald ein Showroom der Marke Bugatti eröffnen, mit McLaren München ist man schon vor Ort.

Der 720S Spider im Video

Vor dem Ausstellungsraum, der in einer breiten Vielfalt die komplette Modellpalette des britischen Sportwagenherstellers darstellt, wartet der in „Flux Silver“ (eine Spezialfarbe der hauseigenen MSO-Abteilung für mal eben 9.750 Euro) lackierte Mittelmotor-Zweisitzer.

Die Türen schwingen nach oben, der Einstieg gelingt ebenso leicht wie das Sitzen im geräumigen Innenraum des Zweisitzers. Fahrer und Beifahrer sind vom Kohlefaser-Chassis umfassend geschützt, außerdem soll diese aus dem Rennsport übernommene Bauweise die Steifigkeit erhöhen. Heute wollen wir nur Letzteres ausprobieren.

Hinter dem Lenkrad blickt man auf ein digitales Display mit allen fahrrelevanten Informationen. Auf Knopfdruck klappt sich der Bildschirm ein und zeigt in seinem Rahmen (aus Karbon) nur die absolut notwendigen Daten: Getriebestellung, Drehzahl und Tempo.

Ein acht Zoll großes Touchscreen-Display, hochkant in der Mittelkonsole, hält ein Navigationssystem sowie die Bedienung für das Audiosystem mit Bluetooth-Schnittstelle und die Klimafunktionen bereit. Beides heute nicht relevant.

341 km/h Höchstgeschwindigkeit

Auf Knopfdruck klappt das feste Dach des Spiders zurück. Der Druck auf den Startknopf weckt den doppelt aufgeladenen Vierliter-V8. Der meldet sich nicht mit einem sonst so geläufigen ersten Gebrüll zu Wort, sondern mit einem zwar präsenten Klang, weckt aber nicht die Nachbarschaft.

Wir schälen uns aus der Stadt und erreichen Landstraßen im Umland. Die schiere Leistung des McLaren 720 S Spider, dessen Name auch die PS-Zahl des Motors in sich trägt, lässt sich im öffentlichen Straßenverkehr nicht auskosten. In 2,9 Sekunden soll er auf 100 km/h beschleunigen und erst bei 341 m/h die Höchstgeschwindigkeit erreichen.

Ebenso beeindruckend wie die nackten Zahlen ist das Fahrgefühl. Vor dem V8-Mittelmotor sitzt man gefühlt im Scheitelpunkt der Kurve. Die Lenkung bietet ein hervorragendes Feedback. Mit ihr und dem Gasfuß, der das zum Kurvenaußenrand schiebende Heck dirigiert, findet man schnell seine persönliche Ideallinie. Dazu passt der kernige Soundtrack aus den beiden armdicken Endrohren.

Supersportwagen mit GT-Qualitäten

McLaren 720S Spider Fahrbericht Test Video Review 2021

Schon die ersten Kilometer zeigen also, dass die Marke McLaren aus dem Rennsport kommt. Gleichwohl wurde der Alltagsnutzen nicht vergessen. Damit ist nicht nur der überraschend große Gepäckraum vorne (150 Liter, zusätzlich 58 im Heck) gemeint, sondern der Fahrkomfort.

Die adaptiven Dämpfer des McLaren 720S Spider lassen sich, wie auch die Antriebscharakteristik, über Drehregler im Cockpit einstellen. Damit federt der Brite auch auf schlechten Straßen sehr manierlich und lässt nicht bei jeder Querfuge sein „ich-gehöre-eigentlich-auf-eine-Rennstrecke“ heraushängen. Ein bisschen GT steckt also im Spider. Aber das wäre ja nochmal eine andere Story, mit einem anderen McLaren…

Das kostet der McLaren 720S Spider

McLaren 720S Spider Fahrbericht Test Video Review 2021

Ein Mittemotorsportwagen mit Karbon-Chassis, 720 PS und atemberaubenden Fahrleistungen wird meist von Menschen gekauft, die nicht aufs Geld schauen. Aber auch diese Kunden müssen natürlich wissen, welche Zahlen sie im Online-Banking eintippen (lassen) sollen: 285.500 Euro kostet der McLaren 720S Spider. Dazu serviert man in Woking eine Vielzahl feiner Optionen beim Design, Infotainment und Fahrassistenten.

Der Testwagen verkörpert einen Listenpreis von 338.940 Euro. Unnützes Wissen für den Auto-Stammtisch: Die günstigste Option ist der Feuerlöscher für 190 Euro, teuerstes Extra die eingangs erwähnte Farbe.

Fazit

McLaren 720S Spider Fahrbericht Test Video Review 2021

Auch nach unzähligen Testwagen wird man noch überrascht. Während man vor einem Termin mit speziellen Autos oftmals immer noch ein wenig Aufregung verspürt, ist es beim McLaren 720S Spider genau andersherum.

Er spielt nicht so sehr mit Emotionen und Markenhistorie wie seine vornehmlich südeuropäischen Kollegen. Er spricht dich an, lädt dich ein. Bettet dich bequem. Und dann nimmt er dich mit auf einen Ritt, den du so schnell nicht vergisst. Beim Schreiben dieses Textes parkt der McLaren Spider 720S Spider schon wieder 27 Stunden und zehn Minuten in der Motorworld München. Die Härchen am Unterarm stehen aber immer noch stramm, die Sinne hören nicht auf, eine wilde Party zu feiern.

Technische Daten

McLaren 720S Spider

Hubraum 3.944 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder V8
Maximale Leistung kW / PS 530 kW / 720 PS bei 7.500 U/min
Max. Drehmoment 770 Nm bei 5.500 U/min
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung
Beschleuningung 0-100 km/h 2,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 341 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 10,7 Liter
Verbrauch real auf 100km 18,5 Liter (lt. Bordcomputer)
Reifenmarke und –format des Testwagens Pirelli P Zero 245/35 R19 v. / 305/30 R20 h.
Leergewicht 1.468 kg
Länge / Breite / Höhe 4.544 / 1.930 / 1.194 mm
Grundpreis 285.500 Euro
Testwagenpreis 338.940 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad