Toyota RAV4 Hybrid 2026

Toyota RAV4 Hybrid 2026 Wird günstiger und fährt besser

10:15 Min.

Der neue Toyota RAV4 im ersten Fahrbericht mit Video-Review.

Seit der Toyota RAV4 im Jahr 1993 das Kompakt-SUV begründet hat, wurden weltweit über 15 Millionen Exemplare verkauft, davon 2,5 Millionen in Europa. Im vergangenen Jahr war die fünfte Generation sogar das weltweit meistverkaufte Auto. Da würde man erwarten, dass der Hersteller beim Modellwechsel behutsam vorgeht, um das Erfolgsrezept nicht zu riskieren.

Toyota sieht das anders. RAV4 Nummer sechs folgt der neuen Designsprache mit schmalen LED-Streifen und spitzer Nase an der Front. Im Profil sind nochmals mehr Kanten zu finden, am Heck erinnern Form und Proportionen der Rückleuchten leicht an den Nissan X-Trail. Unter der völlig neu designten Hülle nutzt der neue RAV4 die gleiche technische Architektur wie sein Vorgänger, wobei viele Baugruppen und Teile massiv überarbeitet wurden.

Shades of Grey

4,60 Meter lang ist die fünftürige SUV-Karosserie, der Japaner ist also nicht gewachsen. Dem Platzangebot schadet das nicht. Vor dem 514 Liter großen Kofferraum freuen sich die Insassen in beiden Reihen über Luftigkeit in alle Richtungen und bequeme Sitzgelegenheiten. Etwas trist wirkt auf den ersten Blick die Farbwelt des Innenraums mit Grautönen unterschiedlicher Ausprägung. Wenn man im Auto unterwegs ist, stört das aber keineswegs. Stattdessen freut man sich, neben der durchdachten Ergonomie von Türgriffen, Fensterhebern und Co., über die gute Verarbeitung und teils haptisch angenehme Dekore. Eine schlecht entgratete Leiste unter der Windschutzscheibe (und damit im Sichtbereich) passt jedoch nicht dazu.

Das 12,3 Zoll große Display hinter dem Lenkrad hält alle für den Fahrer relevante Daten auf schwarzem Untergrund vor. Die matte Ausführung lässt die Anzeige arg trist wirken, hier stand ein Schutz vor spiegelndem Sonnenlicht wohl weiter oben im Lastenheft der Entwickler. Etwas fummelig ist die Konfiguration der Anzeigen und des optionalen Head-up-Displays über Befehle am an sich ergonomisch guten Multifunktionslenkrad. Hierfür wäre ein Menüpunkt auf dem Touchscreen des Infotainmentsystem die bessere Lösung gewesen.

„Arene“ heißt die neue Software-Plattform, die Toyota beim RAV4 erstmals einsetzt. Das serienmäßige Navigationssystem berechnet Routen schnell, der Bildschirm gefällt mit einer hohen Auflösung. Ein feststehendes Icon am oberen Rand des Bildschirms ermöglicht die Deaktivierung der akustischen Tempowarnung mit einem Klick, unten kann man auf einer feststehenden Leiste direkt auf wichtige Klimafunktionen zugreifen. Außerdem gibt es physische Drehregler für Audio-Lautstärke und Kartenmaßstab. Inhalte des eigenen Smartphones lassen sich kabellos per Apple CarPlay oder Android Auto anzeigen. Ab der zweiten Ausstattungslinie Style ist induktives Laden möglich, im RAV4 Lounge können auf diese Weise zwei Smartphones nebeneinander mit Strom versorgt werden.

Zwei Elektrifizierungs-Stufen

Auch den neuen RAV4 gibt es wieder als Hybrid mit und ohne Stecker.

Toyota bietet auch den neuen RAV4 als Hybrid mit selbstladendem Akku und als Plug-in Hybrid an. Die Stecker-Variante kommt mit einem auf 22,7 kWh gewachsenen Akku für bis zu 137 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP-Norm. Dieser Wert gilt für den neuen PHEV mit Frontantrieb, der einen 2,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 143 PS und einen 151 kW (206 PS) starken Elektromotor kombiniert. Beim Allrad-Plug-in kommen 40 kW (54 PS) an der Hinterachse dazu, die Systemleistung steigt von 272 auf 309 PS. Geladen wird die Lithium-Ionen-Batterie dreiphasig mit 11 kW oder mit einer Leistung von bis zu 50 kW über CCS am Schnelllader.

Der Plug-in Hybrid soll, den Planungen der deutschen Vertriebsstrategen zufolge, einen Anteil von 50% am RAV4-Absatz erreichen. Die andere Hälfte wird also auf den marken- und modellprägenden Hybrid ohne Stecker entfallen. Auch er ist mit zwei oder vier angetriebenen Rädern zu haben. Der Verbrenner hat identische Leistungswerte zum PHEV, ebenso der Elektromotor im Heck beim Allradmodell. Die größere E-Maschine vorne kommt auf bis zu 100 kW (136 PS), die Systemleistung des RAV4 Hybrid mit Frontantrieb liegt mit 136 kW / 185 PS unter der des Vorgängers (218 PS). Das dürften Hybrid-Fahrer im Alltag verschmerzen können. In acht Sekunden beschleunigt das SUV aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h erreicht.

Der Fahreindruck

Fahrwerk und Lenkung im neuen Japan-SUV sind sehr präzise abgestimmt worden.

Den Hybrid mit Frontantrieb bewegen wir im Rahmen erster Testfahrten auf Landstraßen und Autobahnen im Süden Spaniens. Wir sind auf dem Weg in die Berge über Malaga. Auf der tempolimitierten Autobahn bietet sich Gelegenheit, die Fahrassistenz ausprobieren. Auf Tastendruck hält der RAV4 Tempo und Abstand zum Vordermann, der Spurführungsassistent folgt auch kurvigen Streckenverläufen ohne Ping Pong zwischen den Begrenzungslinien. Beim Spurwechsel unterstüzt das System den Fahrer mit Lenkeingriff, sofern die Totwinkelüberwachung ihr Okay gegeben hat.

Arbeitsgeräusche des Vierzylinder-Benziners sind hinter der guten Dämmung kaum wahrnehmbar, auch beim Bergauf-Beschleunigen bleibt der Klang einigermaßen entspannt. Präsenter wird der Verbrenner erst, als auf kurvigen Landstraßen in den Sportmodus für eine dynamischere Antriebs-Charakteristik gewechselt wird.

Der Toyoty RAV4 im Video

Eine Kurve folgt der anderen, nach engen Kehren geht es oft steil bergauf. Zwar eine gute Strecke, um ein Auto zu testen, aber keine Spielwiese für ein effizientes Hybrid-SUV? Dachten wir auch, wurden aber eines Besseren belehrt. Die recht feste Lenkung bietet vor allem jetzt eine hervorragende Rückmeldung, hilft beim Anvisieren der Ideallinie. Federn und Dämpfer sorgen nicht nur für einen guten Fahrkomfort. Trotz ausreichend langer Federwege, die den RAV4 auch bei niedrigem Tempo nicht über Kanten im Asphalt rumpeln lassen, liegt der Japaner auch in Kurven hervorragend auf der Straße. Beim Anbremsen vor einer Kurve taucht der Vorderwagen nicht zu stark ein, damit wirkt der Toyota weniger frontlastig als erwartet. Als Fahrer musst du dich also nicht lang mit fahrdynamischen Reaktionen des Autos aufhalten, kannst dich voll auf die Strecke konzentrieren. Das entspannt, auch in normalen Alltagssituationen. Die komfortablen Sitze mit angenehmer Polsterung, die auf der Autobahn für guten Komfort sorgen, bieten auch bei der Kurvenhatz einen ausreichenden Seitenhalt – im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Beim Bergabfahren und auch in der Stadt hilft die B-Stufe mit erhöhter Energie-Rekuperation beim effizienten Umgang mit Sprit aus dem 55-Liter-Tank. Ihn konnten wir beim Fahrtermin aus Zeitgründen nicht leerfahren. Am Ende unserer Testfahrten über rund 250 Kilometer glauben wir also dem Bordcomputer, der einen Wert von 5,3 l/100 km anzeigt. Das liegt nur leicht über der WLTP-Normangabe von 4,9 – 5,2 l/100 km und erfreut vor allem deshalb, weil wir es (siehe oben) nicht auf eine besondern sparsame Fahrweise angelegt haben.

Das kostet der RAV4

Proportionen und Form der Rückleuchten erinnern an den Nissan X-Trail.

Das bisherige Basismodell wird nicht mehr angeboten, Preisliste und Konfigurator starten bei der Ausstattungslinie Teamplayer mit 43.990 Euro. Die Überraschung: Im Vergleich zum Vorgänger wurde der RAV4 2.600 Euro günstiger. Eine elektrische Heckklappe, Heizung für Vordersitze und Lenkradkranz, Zweizonen-Klimaautomatik, Navigationssystem mit Cloud-Anbindung und eine Rückfahrkamera gehören zur Serienausstattung. Adaptive Funktionen für die LED-Scheinwerfer anstelle des statischen Fernlichtassistenten gibt es erst nur in der noblen Linie namens Lounge.

Unser Testwagen ist ein Toyota RAV4 Style, der zum Listenpreis von 47.990 Euro zusätzlich 18 statt 20 Zoll große Leichtmetallfelgen, eine beheizbare Windschutzscheibe, Memory-Funktion für den Fahrersitz und zusätzlich auch einen elektrisch verstellbaren Beifahrersitz, Lüftung für beide Plätze in der ersten Reihe und perforiere Mikrofaser-Bezüge mitbringt. Die Metalliclackierung und das Komfort-Paket (u.a. Head-up-Display, Spurwechselassistent und 360-Grad-Rundumsicht) erhöhen den Preis für das hier auf den Fotos und im Video gezeigte Fahrzeug auf 50.280 Euro.

Der Allradantrieb beim Vollhybrid ist für 3.000 Euro mehr zu haben, der Plug-in Hybrid mit gleicher Ausstattung ist 7.000 (Frontantrieb) bzw. 10.000 Euro (Allrad) teurer als das Grundmodell.

Preis-Vergleich mit der Konkurrenz

Der Toyota RAV4 hat u.a. Mitsubishi Outlander und Nissan X-Trail im Visier.

Zur Einordnung der Preise des neuen Toyota RAV4 ziehen wir für den Hybrid und den Plug-in Hybrid jeweils einen Mitbewerber, ebenfalls von einer japanischen Marke, heran. Jetzt wird deutlich, mit welcher Intention die Vertriebsstrategen bei Toyota die Preise mit dem Modellwechsel nach unten korrigiert haben.

Der RAV4 Teamplayer Hybrid mit Frontantrieb kostet, wie oben geschrieben, 43.990 Euro. Zum Vergleich ziehen wir den Nissan X-Trail e-Power heran. Der serielle Hybrid, bei dem der 1,5 Liter große Benziner als Kraftwerk an Bord arbeitet und ausschließlich der 140 kW (190 PS) starke Elektromotor für den Antrieb der Vorderräder zuständig ist, steht in der zweiten Ausstattungslinie N-Connecta mit 43.940 Euro in der Preisliste. Diese Variante ist mit Navigationssystem, Sitz- und Lenkradheizung und elektrischer Heckklappe mit dem Einsteigs-RAV4 vergleichbar. Der X-Trail bringt jedoch eine leicht bessere Serienausstattung, u.a. mit Sitzheizung auch im Fond und einer Dreizonen-Klimaautomatik, mit. Aktuell dürften Auslaufmodelle beim Nissan-Händler mit hohen Nachlässen angeboten werden, da im Laufe des Jahres ein optisches Facelift mit Infotainment-Update an den Start rollt.

Unser zweites Szenario betrachtet die Wahl eines Kunden, der einen umfangreichen Plug-in Hybrid fahren möchte. Bei Toyota steht der RAV4 Lounge als Plug-in Hybrid mit Allradantrieb und 309 PS zum Listenpreis von 62.790 Euro im Verkaufsraum. Bei Mitsubishi wird der Outlander Plug-in Hybrid mit 306 PS Systemleistung in der Linie Diamant Top für 59.990 Euro offeriert, inklusive einem Panorama-Glasschiebedach, das bei Toyota 1.400 Euro Aufpreis kostet. Einen Vorteil hat der RAV4 beim Laden. Wechselstrom fließt, an der heimischen Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule, dreiphasig mit 11 kW statt 3,7 kW beim Outlander. Außerdem bringt der Toyota einen CCS-Stecker für den Anschluss an einem Schnelllader mit (50 kW Leistung), Mitsubishi setzt weiterhin auf den CHAdeMO-Standard. Aktuell (Stand April 2026) bietet Mitsubishi den Outlander PHEV zum Aktionspreis an, der auch im Konfigurator des Importeurs zu sehen ist. Mit einem Nachlass um 5.000 Euro sinkt der Preis für den Diamant Top auf 54.990 Euro.

Fazit

Noch vor dem Sommer steht der neue Toyota RAV4 bei den Händlern.

Der Toyota RAV4 dürfte auch in sechster Generation die Erfolgsgeschichte der Baureihe fortschreiben. Das 4,60 Meter lange SUV bietet einen geräumigen Innenraum mit durchdachter Ergonomie und einen sparsamen Hybrid-Antrieb. Fahrkomfort und Agilität haben mit der Überarbeitung beim Modellwechsel deutlich gewonnen, ohne den Charakter des Modells unnötig in Richtung Fahrdynamik zu drehen. Im Vergleich zum Vorgänger wurde der RAV etwas günstiger. Das ist erfreulich, wenngleich er mit Preisen ab 43.990 Euro dennoch eine hohe Belastung für die Familienkasse darstellt.

Technische Daten
Toyota RAV4 Style Hybrid Frontantrieb

Antriebsart
Hybrid
Antrieb
Frontantrieb
Abgasnorm
Euro 6e
Hubraum
2.487 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
105 kW / 143 PS
Max. Drehmoment
221 Nm
Getriebe
stufenloses (Planeten-) Getriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW
100 kW (136 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
208 Nm
Systemleistung: kW / PS
136 kW / 185 PS
Tankinhalt
55 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
8,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
180 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
4,9 - 5,2 Liter
Verbrauch real auf 100km
5,3 Liter (lt. Bordcomputer)
Kofferraumvolumen
514 - 1.706 Liter
Leergewicht
1.655 - 1.735 kg
Anhängelast (gebremst)
800 kg
Dachlast
80 kg
Länge / Breite / Höhe
4.600 / 1.880 / 1.680 mm
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad