Einer mit allem: Der neue BMW X5 im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video-Review.
Die Mischung macht´s: BMW setzt bei der fünften Generation des X5, die das interne Entwicklungskürzel G65 trägt, auf ein maximal differenziertes Antriebs-Portfolio. Die SUV-Neuauflage kommt als Benziner und Diesel mit Mildhybrid-Modul, als Plug-in Hybrid und als vollelektrischer iX5. Außerdem startet zeitversetzt der iX5 Hydrogen mit Wasserstoff-Brennstoffzelle.
Fünf verschiedene Konzepte erfordern auch bei der technischen Grundlage Flexibilität. BMW baut den X5 auf einer Multi-Energy-Plattform. Er übernimmt dabei wesentliche Elemente der Neuen Klasse, darunter das zentrale Fahrdynamik-Steuergerät „Heart of Joy“. Die erste X5-Generation legte 1999 den Grundstein für die Fertigung von großen SUV der Marke BMW im US-amerikanischen Spartanburg. Auch der neue X5 läuft dort vom Band.
Finnen als Türgriffe
Der neue X5 ist nur knapp unter fünf Meter lang, zwei Meter breit und 1,75 Meter hoch. Die Achsen stehen 3,04 Meter auseinander, was Platz im Innenraum und auch für die Akkus des iX5 schafft. Das Design folgt der neuen Formensprache der Marke, wie der iX3 zeigt der X5 eine schmale Nierengrafik. Die Signatur des Tagfahrlichts lässt sich beim größeren Modell umschalten. Eine X-Form und vertikale Linien als modernes Zitat der früheren vier Rundscheinwerfer können über das Infotainment-System ausgewählt werden. In der Profilansicht fallen nicht nur die markanten Knicke im Blech über den Radhäusern für bis zu 23 Zoll große Felgen auf, sondern auch die scheinbar fehlenden Türgriffe. Wie Volvo beim jüngst präsentierten XC60 setzen sich auch die Bayern auf kleine Finnen an der Gürtellinie. Auf deren Rückseite ist ein Sensor für die Entriegelung und Türöffnung, alternativ kann man auch die Außenfläche berühren. Als Option gibt es beim neuen BMW X5 auch elektrische Türen vorne und hinten. Wie sie sich im Alltag bewähren, kann erst ein späterer Test klären.
Anstelle der Klarglas-Optik beim iX3 setzt der BMW X5 der neuen Generation auf rote Elemente in den Rückleuchten, deren LED die Form einer Herzschlag-Kurve zitieren. Die Heckklappe ist, anders als bei den bisherigen X5-Generationen, nicht mehr zweigeteilt. Sie öffnet am Stück nach oben. Dahinter steht ein 650 Liter großer Kofferraum bereit, das nach dem Vorklappen der Rücksitzlehne auf 1.850 Liter Volumen erweitert werden kann (Plug-in Hybride: 525 bis 1.680 Liter). Der elektrische iX5 bringt ein zusätzliches Staufach unter der vorderen Haube (Frunk, Front Trunk) mit.
Die Sitzprobe
In beiden Sitzreihen kann man es sich auch als großer Mensch bequem machen. Die Ausbuchtungen der Kunststoffschalen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen vergrößern den Knieraum im Fond. Leider gibt es auch in diesem Modell der Marke keine Ablagetaschen oder -netze an den Sitzlehnen.
Panoramic iDrive heißt die neue Cockpit-Generation von BMW, die auch in den X5 einzieht. Über dem 17,9 Zoll großen Touchscreen-Display zieht sich ein Anzeigenfeld am unteren Rand der Windschutzscheibe über die gesamte Innenbreite. Die Informationen werden hier nicht auf Displays dargestellt, sondern mithilfe aufwendiger Spiegelungen. Schon im kleineren iX3 konnten wir im Test feststellen, dass diese Technik das Auge des Fahrers auch auf längeren Strecken nicht ermüdet. Auch ein Head-up-Display ist konfigurierbar. Wie der überarbeitete 7er bringt auch der BMW X5 ein zusätzliches Beifahrer-Display mit. Konsequenterweise gibt es auch im neuen großen SUV ein Lenkrad mit vertikalen Speichen. Wer sich damit partout nicht anfreunden kann, bekommt das M-Sportlenkrad in Zweispeichenausführung. Die Ergonomie des Lenkradkranzes mit den eingebetteten Daumenauflagen ist in beiden Varianten sehr gelungen.
Der elektrische iX5
Erstmals fährt der BMW X5 auch mit batterieelektrischem Antrieb vor, das Modell heißt in diesem Fall iX5 60 xDrive. Der Allradler bietet eine Systemleistung von 425 kW (578 PS) und 805 Newtonmeter Drehmoment. Der Elektromotor an der Hinterachse kommt auf 242 kW (329 PS), der vordere auf 183 kW (249 PS). Üppig fällt die Batterie-Kapazität aus. 140 kWh Strom stellt der Akku maximal zur Verfügung, genug für eine Reichweite von bis zu 845 Kilometern. Das 800-Volt-System erlaubt eine Ladeleistung von 460 kW über den CCS-Anschluss, Wechselstrom fließt über drei Phasen mit 22 kW. In 4,6 Sekunden beschleunigt der iX5 auf 100 km/h, der Vortrieb wird bei Tempo 210 eingefangen.
Der BMW X5 im Video
Das Leergewicht des Elektro-X5 mit seinem großen Batteriepaket liegt bei üppigen 2,9 Tonnen. Mit voller Zuladung klopft er an der (für viele Menschen führerscheinrelevanten) Grenze von 3,5 Tonnen an – bleibt aber noch knapp darunter. Die Anhängelast wird mit 2,7 Tonnen angegeben, die Stützlast mit ebenfalls üppigen 110 Kilogramm. Der BMW iX5 60 xDrive kann ab Anfang Oktober bestellt werden, die ersten Exemplare dürften Anfang 2027 zu den Händlern und Kunden kommen. Der Preis: 102.800 Euro.
Die Plug-in Hybride
Zwei elektrifizierte Verbrenner mit Stecker werden offeriert. 360 kW / 489 PS Systemleistung und 700 Newtonmeter Drehmoment bietet der BMW X5 50e xDrive. Er hat einen 230 kW / 313 PS starken Dreiliter-Reihensechszylinder unter der Haube, dessen Teamkollege ein Elektromotor mit 145 kW (197 PS) ist. 26,5 kWh netto nutzbare Speicherkapazität hält der Akku bereit, je nach Ausstattung reichen sie für eine elektrische Reichweite von 86 bis 102 Kilometern. Geladen wird über den Typ-2-Anschluss mit 11 kW, einen CCS-Stecker gibt es nicht.
In 5,0 Sekunden beschleunigt der BMW X5 50e xDrive auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Rein elektrisch kann der X5 maximal 140 km/h schnell fahren.
Als M Performance Automobil fährt der BMW X5 M60e xDrive vor. Hier leistet der Reihensechszylinder-Benziner 313 kW / 426 PS, der Elektromotor entspricht dem im 50er-Modell. Die Systemleistung: 450 kW / 612 PS, das Drehmoment gipfelt in 800 Newtonmetern. Landstraßentempo ist nach 4,5 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt auch beim stärkeren PHEV bei 250 km/h bzw. bei 140 km/h im rein elektrischen Modus.
Als M Performance Automobil macht der stärkere Stecker-Benziner mit gelben Tagfahrlicht-Signaturen, 22-Zoll-Felgen und einer Abgasanlage mit vier Endrohren optisch auf sich aufmerksam. Beide Plug-in Hybride haben eine Anhängelast von 3,3 Tonnen und 140 Kilogramm Stützlast, das Leergewicht liegt bei jeweils rund 2,7 Tonnen.
Mit 102.800 Euro Listenpreis liegt der BMW X5 50e xDrive exakt auf dem Niveau des iX5 60 xDrive, der X5 M60e xDrive kostet 125.000 Euro. Beide Plug-in Hybride sind, wie das vollelektrische Pendant, ab Anfang Oktober bestellbar.
Diesel und Benziner
Ab sofort können Kunden im BMW-Autohaus die Kaufabsicht eines Mildhybrid-X5 mit Reihensechszylindermotor einloggen. Beide haben einen Verbrenner mit drei Litern Hubraum unter der Haube. Der Benziner BMW X5 40 xDrive kommt auf 294 kW / 400 PS Leistung (Elektro-Unterstützung 13 kW) und 580 Newtonmeter Drehmoment. Der Verbrauch nach WLTP-Norm liegt bei 9,1 l/100 km. Nullhundert sind in 5,3 Sekunden absolviert, auch hier wird die Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h begrenzt.
Der BMW X5 40 xDrive kostet ab 98.800 Euro, der Diesel 40d startet bei 94.800 Euro. Sein Mildhybrid-System mit Sechszylinder-Selbstzünder soll auf 100 Kilometern mit 7,3 Litern Sprit auskommen. 230 kW / 313 PS Systemleistung werden geboten, dazu ein maximales Drehmoment von 670 Newtonmetern. Der Vortrieb wird bei Tempo 230 begrenzt, 100 km/h sind nach 6,1 Sekunden erreicht. Beide Mildhybrid-X5 haben eine Anhängelast von 3.000 Kilogramm und eine Stützlast von 140 Kilogramm.
iX5 Hydrogen
Im Jahr 2028 folgt der BMW iX5 Hydrogen mit Elektroantrieb und Wasserstoff-Brennstoffzelle in einer Kleinserie. Bei dieser Technologie kooperieren die Bayern mit Toyota. Die neuen Wasserstoff-Flachspeicher sollen in der Architektur des X5 ohne Platzeinbußen für den Innenraum untergebracht werden und somit auch mit der Gen6-Hochvoltbatterie kompatibel sein. Die sieben miteinander verbundenen Tanks, in denen der Wasserstoff mit einem Druck von 700 Bar gespeichert wird, haben ein zentrales Hauptventil. BMW hat für dieses Derivat der Baureihe mehrere Patente angemeldet. Die Reichweite vor dem nächsten Tankvorgang an einer der seltenen H2-Tankstellen soll bei 750 Kilometern liegen. Der X5 Hydrogen wird auf der gleichen Produktionslinie gebaut wie die anderen Motor- und Antriebsvarianten der Baureihe.
Nach oben offen
In jedem neuen BMW X5 wird ein Panorama-Glasschiebedach mit Öffnungsfunktion ab Werk eingebaut, auch ein Fahrwerk mit adaptiver Dämpfersteuerung ist serienmäßig. Optional wird es eine Luftfederung mit Hinterachslenkung geben, bei den Plug-in Hybriden und beim elektrischen iX5 dann inklusive Wankstabilisierung. Für das Interieur wird es erstmals Dekore aus Schiefer geben, die im Video zu diesem Beitrag zu sehen sind.
Die Fahrassistenz bringt den Highway Assist als Option ins Auto, der ein automatisiertes Fahren bis 130 km/h erlaubt. Bis zu diesem Tempo, das der Gesetzgeber für die Zulassung des Systems in Deutschland festgelegt hat, kann man als Fahrer die Hände dauerhaft vom Lenkrad nehmen. Nach einem Vorschlag der Sensoren und dem Blick in den entsprechenden Außenspiegel als Signal des Fahrers an die Technik wechselt der X5 dann auch selbsttätig die Fahrspur. Das System konnten wir in einem Langstrecken-Test des iX3 bereits ausprobieren und im Video festhalten.
Fazit
Der neue BMW X5 tritt selbstbewusst als Vertreter der Neuen Klasse auf, kombiniert dabei Design und Technologien mit einer technischen Architektur für mehrere Antriebsarten. Mehr Vielfalt bietet dabei kein anderes Auto. Benziner, Diesel, Plug-in Hybrid, Batterie-Elektroauto und Wasserstoff-Brennstoffzelle: Fünf verschiedene Konzepte werden ab 2028 zur Verfügung stehen, wenn der iX5 Hydrogen die Familie komplettieren wird.
Die Preisliste für die Neuauflage beginnt bei 94.800 Euro für den Diesel als 48V-Mildhybrid, der elektrische iX5 60 xDrive kostet ab 102.800 Euro. Ob die Kunden (und die Berichterstatter) mit den neuen Türgriffen des X5 klarkommen werden, muss sich zeigen. Die gelungene Ergonomie des neuen Cockpit-Konzepts hat der kleinere iX3 bereits unter Beweis gestellt.