Cupra Born 170 kW Elektro-Kompakter mit Boost

Der Cupra Born mit 170-kW-Boost und größerem Akku im Fahrbericht mit Video-Review.



Kann der „Hot Hatch“-Gedanke auch bei Elektroautos funktionieren? Eine Frage, die sich die Strategen bei Cupra bestimmt gestellt haben, als der Modellfahrplan erstellt wurde. E-Autos sind bauartbedingt antrittsstärker als Verbrenner, was viele Kunden freut.

Der Cupra Born im Video

Der Cupra Born, das erste Elektroauto der Spanier, läuft gemeinsam mit dem VW ID.3 in Zwickau vom Band. Um die Produktion nicht zu kompliziert und damit teuer werden zu lassen, teilen sich beide die meisten Blechteile der Karossiere. Der Unterschied im Design ist vor allem an der Front zu finden. Der Cupra Born wirkt weniger rundgelutscht als der VW, die spitzen Scheinwerfer und die kantigere Front mit dem Schriftzug wirken angriffslustiger. Auch Seitenschweller und Diffusor am Heck lassen den Born dynamischer auftreten.

170 kW gibt es nicht im ID.3

In Sachen Antriebstechnik hat sich der Cupra Born aber bisher nicht vom VW ID.3 unterschieden, beide MEB-Kompakte haben einen 150 kW (204 PS) starken Elektromotor, der an der Hinterachse sitzt und dort die Räder antreibt. Wem das, zumindest für den Stammtisch, nicht genug ist, bekommt bei Cupra jetzt einen Nachschlag. Der Born ist ab sofort in einer zusätzlichen Variante mit bis zu 170 kW (231 PS) zu haben. Für dieses Ergebnis reichen im Zeitalter der Elektromobilität Bits und Bytes.

Die Zusatzleistung liegt für einen Zeitraum von maximal 30 Sekunden abrufbar. Dafür drückt man entweder den Cupra-Knopf am Lenkrad oder drückt das Fahrpedal ganz durch (Kickdown). Am Drehmoment von 310 Newtonmetern ändert sich nichts, auch die Höchstgeschwindigkeit bleibt mit abgeregelten 160 km/h unverändert. Die Werksangabe für die Beschleunigung von null auf 100 km/h verändert sich mit dem 58 kWh (brutto 62 kWh) großen Akku um 0,7 auf 6,3 Sekunden.

Der Mehrpreis für die kurzeitige Leistungsspritze liegt bei 1.380 Euro, der 170 kW-Born ist ab 38.600 Euro zu haben. Die Serienausstattung wird im Vergleich zum Grundmodell um 19 statt 18 Zoll große Leichtmetallfelgen, größere Bremsscheiben und das Sportlenkrad mit Cupra-Taste erweitert.

Wird der Cupra Born damit also zum elektrischen Hot Hatch? Eher nicht, aber immerhin positioniert sich die Marke damit klar als die sportlichere Alternative zum ID.3 – zumindest den Zahlen nach.

Mehr Reichweite mit 77-kWh-Akku

Cupra Born 170 kW 77 kWh Akku Test Fahrt Video Review 2022

Interessanter für Elektroauto-Fahrer wird die zusätzliche Akku-Option. In Verbindung mit dem 170-kW-Boost gibt es jetzt auch den Cupra Born mit großer Batterie. Sie hat eine Speicherkapazität von 82 kWh, wovon netto 77 kWh nutzbar sind. Beim VW ID.3 gibt heißt dieses Modell Pro S in Verbindung mit 150 kW (204 PS).

Die Testfahrten mit dem Cupra Born fanden im alpinen Winterwetter statt, morgens zeigte das Thermometer deutliche Minuswerte an. Keine idealen Bedingungen für ein Elektroauto! Aber ein guter Vergleich zum Born mit 58 kWh-Akku, der neulich im AUTONOTIZEN-Wintertest fuhr. Mehr als 238 Kilometer Reichweite waren da nicht möglich.

Der komplett volle Akku des Testwagens für diesen Fahrbericht ermöglicht laut Bordcomputer eine Reichweite von 320 Kilometern. Von den „bis zu 548 Kilometern“ nach WLTP-Norm ist das weit entfernt, aber realistisch. Das zeigen die Verbrauchsangaben. An zwei Tagen wurde der Born sowohl über eine längere Autobahnstrecke (mit 110 bis 160 km/h) als auch über Landstraßen, Bergstrecken und durch Ortschaften bewegt. Nach insgesamt 180 Kilometern spuckt der Bordcomputer einen Wert von 24,4 kWh je 100 Kilometer aus. Damit liegt er knapp über dem Testwert der 58-kWh-Version von 23,0 kWh. Der Mehrverbrauch liegt zum einen an nochmals kälteren Temperaturen und auch am höheren Autobahnanteil. Auch das Mehrgewicht dürfte eine kleine Rolle spielen. Der größere Energiespeicher macht den Cupra Born um 122 Kilogramm (gesamt 1.946 kg) schwerer. Das erhöht auch den Wert für "Nullhundert" auf 7,0 Sekunden.

Mehr Leistung als der VW ID.3 hat der Born übrigens doch. Zwar nicht „am Rad“, sondern an der Ladesäule. Während der Wolfsburger mit aktueller Software maximal 120 kW möglich macht, sind es bei Cupra 135 kW. Das konnten wir im Rahmen dieses ersten Fahrberichts noch nicht nachprüfen, holen es aber nach.

Neue Infotainment-Software 3.0

Cupra Born 170 kW 77 kWh Akku Test Fahrt Video Review 2022

Aktuelle Software zeigt der Testwagen auch im Cockpit. Die Version „3.0“ bringt u.a. eine detaillierte Navigationsfunktion. Vor einem Autobahnkreuz oder großen Kreuzungen werden in der Karte auf dem 12 Zoll großen Mitteldisplay und auch im kleinen Bildschirm hinter dem Lenkrad klare Fahrspurempfehlungen angezeigt.

Das Head-up-Display mit Augmented Reality verzichtet aber darauf. Erneut fällt auf, dass die frei schwebenden Pfeile oder die Zielmarkierung vor allem bei Sonnenschein mit ihren hellen Darstellungen nur schwer zu erkennen sind.

Unser Testwagen steht auf optionalen 20-Zoll-Rädern „Hurricane Black/Silver“. Ohne kupferfarbene Elemente (außer am Logo) passen sie sehr gut zur aufpreisfreien Lackierung in „Vapor Grey“. Mit dem im Vergleich zum VW ID.3 vorne um 15, hinten um zehn Millimeter tiefergelegten Fahrwerk bietet der Born auch damit ausreichend Komfort. Unterstützt wird er vom optionalen DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern.

Größter Pluspunkt des Born gegenüber dem ID.3 sind, neben den sympathischeren Materialien im Innenraum, die Sportsitze. Sie bieten guten Seitenhalt für Gesäß und Rücken, die integrierten Kopfstützen sind hoch genug. Wie gewohnt bieten Fond und Kofferraum (385 Liter) mehr als ausreichende Platzverhältnisse.

Das kostet der Born mit 77 kWh

Cupra Born 170 kW 77 kWh Akku Test Fahrt Video Review 2022

Der Aufpreis für das große Batteriepaket beträgt bei Cupra 5.700 Euro. Der Born mit 170 kW Boost-Leistung und 77 kWh-Akku kostet also mindestens 44.300 Euro. Der umfangreich ausgestattete Testwagen legt da noch deutlich was drauf, er hat einen Listenpreis von 53.050 Euro.

Auch hier schielen wir zum Vergleich in den VW-Konfigurator: Für den ID.3 Pro S mit 150 kW verlangt VW 42.620 Euro. Auch hier sind schon 19-Zoll-Felgen Teil der Serienausstattung, man sitzt aber etwas weniger abgestützt hinter dem Lenkrad. Während die Basismodelle in etwa preisgleich sind, zeigt sich beim 77-kWh-Modell, wie man Cupra im Konzerngeflecht positioniert. Der Born ist etwas teurer als der VW, was mit der kleinen Leistungsspritze gerechtfertigt wird.

Fazit

Cupra Born 170 kW 77 kWh Akku Test Fahrt Video Review 2022

Der Cupra Born ist Elektroauto, das vor allem – aber nicht nur – wegen seinem Design Begehrlichkeiten weckt. Mit den besseren Materialien innen und den Sportsitzen ist er für viele Kunden die bessere Alternative zum VW ID.3. Wie diesen gibt es jetzt auch den Born mit größerem Akku, er die Alltagstauglichkeit erhöht. Ein echter Hot Hatch will aber auch er nicht sein.

Welche Reichweiten sich bei wärmeren Temperaturen wirklich erzielen lassen, muss ein späterer Test klären. Wenn es so weit ist, dürfte auch der VW bei der Ladeleistung von 135 kW nachgezogen haben.

Technische Daten

Cupra Born 170 kW, 77 kWh

Antrieb Heckantrieb
Maximale Leistung kW / PS 150 kW (204 PS), bei Boost 170 kW (231 PS) für 30 Sekunden
Max. Drehmoment 310 Nm
Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Batterie 77 kWh (82 kWh brutto), Lithium-Ionen
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC) 11 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 135 kW
Beschleuningung 0-100 km/h 7,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 15,8 - 17,6 kWh (Reichweite bis 548 km)
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 24,4 kWh (lt. Bordcomputer)
Leergewicht 1.946 kg
Anhängelast (gebremst) n/a
Länge / Breite / Höhe 4.322 / 1.809 / 1.540 mm
Grundpreis 44.300 Euro
Testwagenpreis 53.050 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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