Fiat 500 (Elektro) 2021 Das kann doch nicht wahr sein!

Erste Fahrt im neuen Fiat 500 Cabrio. Die Neuauflage der Stilikone kommt ausschließlich mit Elektroantrieb.



2007 kam der Fiat 500 der Neuzeit auf den Markt. 13 Jahre lang konnten sich die Kunden am gelungenen Design kaum sattsehen, ihm reichte ein minimales Facelift. 13 Jahre lang haben wir uns an die viel zu hohen Sitze und die leicht gebückte Oberkörperposition hinter dem kaum verstellbaren Lenkrad gewöhnt. Und mit einem mediterranen Lächeln die rumpelig-kleinwagenhafte Fahrwerksabstimmung ertragen. Außerdem bei Sonneneinstrahlung, vor allem im Cabrio, auf das viel zu kleine, verspiegelte Infotainmentdisplay gelinst. Weniger in den, beim Cabrio mit offenem Verdeck, überflüssigen Innenspiegel.

Der Fiat 500 im Video-Review

13 Jahre hatten sie bei Fiat in Italien also Zeit, sich über einen Nachfolger der City-Car-Ikone Gedanken zu machen. Mit zittriger Hand müssen die ersten Striche in der Designabteilung zu Papier gebracht worden sein. Nur nichts falsch machen. Unzählige Espressorunden in den Meetings der Ingenieure. Was soll der Neue anders machen? Muss er alles besser machen? Brauchen wir überhaupt einen Nachfolger?

Und dann fährt plötzlich ein neuer Fiat 500 vor. Elektrisch. Ohne großes Tamtam um den Namen. „500e“, wie viele berichten, heißt er nämlich nicht. Schlicht und einfach Fiat 500. Und den meinen die ernst? Aber wie! Und das zurecht!

Typisches 500-Design, neu interpretiert

Fiat 500 Elektro Cabrio 2021 Test Fahrbericht Video Review

Selten gelang die Fortführung einer Designlinie unter völlig neuen Umständen mit einer solchen Stilsicherheit. Der neue Fiat 500 trägt die Zahl statt des Markennamens stolz an der geschlossenen Frontmaske, feiert sich damit selbst. Die runden Scheinwerferaugen hat er behalten, blickt mit der durch die Haubenfuge unterbrochenen Line aber entschlossener in die Welt. Kein wirklich „böser Blick“, denn der lächelnde Kühlluftgrill im Stoßfänger fängt das ab.

Länge und Breite des Fiat 500 wuchsen mit der Neuauflage um jeweils sechs Zentimeter. Das nimmt ihm vielleicht die Lockerheit in engen Altstadtgassen, mit 3,63 Metern von Front bis Heck bleibt er aber Parkplatzkönig von Neapel bis Kopenhagen.

Eine komplett neue Plattform trägt den 500, speziell für Elektroantrieb ausgelegt. Damit ist klar, dass es bei der Neuauflage keine Verbrenner geben wird. Weswegen wir hier auch (noch) nicht von einem Modellwechsel sprechen. Den bisherigen Fiat 500 mit Mildhybrid und LPG-Antrieb bauen sie weiter, ebenso die Abarth-Versionen.

Schon direkt nach dem Einsteigen zeigt der Fiat 500, dass er neue Seiten aufziehen will. Die kutschbockartige Sitzposition ist Vergangenheit. Große Sessel sorgen für bequemen Halt und jetzt ist endlich das Lenkrad nicht nur ausreichend weit in der Höhe, sondern auch in der Weite einstellbar.

Digitales Cockpit

Dahinter blickt man auf ein digitales Kombiinstrument mit hoher Auflösung und klarer Darstellung aller relevanter Informationen. Weiter rechts thront, ab der Ausstattungslinie Icon serienmäßig, ein 10,25 Zoll großer Touchscreen für das neue Uconnect-System.

Die einzelnen Bedienfelder auf dem Display sind teilweise arg klein geraten. Da muss man schon genau zielen, um beispielsweise die Sitzheizung zu aktivieren. Für viele Funktionen hört die Sprachsteuerung mit „Hey, Fiat“ aufs Wort. Gut gelöst: Für die Klimafunktionen gibt es eine Tastenleiste, die Audiolautstärke lässt sich über eine Walze in der Mittelkonsole bedienen. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos nutzen, das Smartphone lädt derweil in einer (optionalen) induktiven Schale auf.

Den neuen Fiat 500 bieten die Italiener in zwei Leistungsstufen des Elektromotors an, der stets die Vorderräder antreibt. Das Basismodell stellt maximal 70 kW (95 PS) bereit, in allen anderen Ausführungen leistet die Maschine bis zu 87 kW (118 PS). Nach dem Druck auf die Starttaste beschleunigt der Kleinwagen mit seinen 220 Newtonmetern Drehmoment recht fix. Der berüchtigte Tritt ins Kreuz fällt aber aus. Das ist gut so, denn wer will das Fahrpedal bei einem stadttauglichen Alltagsauto schon ständig wie ein rohes Ei behandeln, um nicht zum unfreiwilligen Ampelracer zu werden?

So fährt sich der Fiat 500

Fiat 500 Elektro Cabrio 2021 Test Fahrbericht Video Review

Auch mit dieser gelungenen Abstimmung ist der neue 500 längsdynamisch aber meilenweit vom 500 Hybrid mit Verbrenner entfernt. Das gilt auch für das Handling. Sechs Zentimeter mehr Breite und eine rückmeldungsfreudige Lenkung sorgen für Stabilität und Fahrspaß. Trotz der 17-Zoll-Felgen des Testwagens überrascht der Federungskomfort schon auf den ersten Metern. Während der Vorgänger teils unbeeindruckt über Frost- oder Wurzelaufbrüche im Asphalt rumpelt, federt das neue Modell Verwerfungen von Straßenbau und Natur lässig weg.

Auf der Autobahn hält der Elektro-Cinquecento gut mit, trotz der bei 150 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit. Wer 1.500 Euro zusätzlich investiert, kann das Co-Driver genannte Assistenzsystem mit adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage, aktiver Spurführung und Totwinkelwarner nutzen. Wird ein Tempolimit erkannt, erfolgt ein entsprechender Hinweis an den Fahrer, der das neue Tempo auf Knopfdruck bestätigen kann. Eine automatische Anpassung erfolgt aber nicht.

One-Pedal-Feeling

Fiat 500 Elektro Cabrio 2021 Test Fahrbericht Video Review

Über einen Schalter in der Mittelkonsole lassen sich die Fahrmodi auswählen. Im „Range“-Modus wirkt der 500 nur leicht zugeschnürter, rekuperiert die Energie dann aber wesentlich stärker. So lässt sich der Fiat mit einem „One-Pedal-Feeling“ bis zum Stillstand bringen und wieder anfahren. Eher als Notlösung dient der „Sherpa“-Modus. Dann ist die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h beschränkt, die Klimaanlage legt sich schlafen.
Fiat gibt den Normverbrauch für das 500 Cabrio mit 14,7 bis 14,8 kWh je 100 Kilometer an. Während des ersten Testtages konnten wir das noch nicht valide überprüfen, der Bordcomputer zeigte einen Wert von 16,5 kWh an. Die Norm-Reichweite von über 300 Kilometern wurde laut Berechnung der Fahrzeugsoftware vor Antritt der Fahrten auf realistische 250 Kilometer verkürzt.

Die 42 kWh große Batterie stellt netto 37,8 kWh Kapazität zur Verfügung. Am Schnelllader lässt sich über CCS Strom mit bis zu 85 kW Leistung laden. Wechselstrom fließt mithilfe des in jeder Ausstattungslinie serienmäßigen Dreiphasen-Laders mit bis zu 11 kW.

Ab 23.560 Euro kostet der elektrische Fiat 500, dafür steht das nur als Limousine erhältliche Basismodell Action mit 23,7 kWh-Akku in der Preisliste. Nach Abzug der Umweltprämie bleiben noch 13.990 Euro übrig, womit das neue Modell genauso viel kostet wie der 500 Hybrid Pop (mit 19 Prozent Mehrwertsteuer ab 13.990 Euro).

Die höheren Linien mit größerem Akku sind für 2.000 Euro Aufpreis als 3+1 mit zusätzlicher Tür auf der Beifahrerseite oder für 3.000 Euro mehr als Cabrio mit elektrischem Faltdach lieferbar. Dazu gibt es eine Vielzahl von Verlockungen für Styling, Komfort und Technik. Wie schon den Vorgänger kann man auch den neuen Fiat 500 preislich in premiöse Regionen bringen. Der Testwagen als Fiat 500 Icon mit Cabriodach und weiteren Optionen stellt einen Listenpreis von 37.210 Euro dar.

Preis-Vergleich mit Honda e und Mini SE

Fiat 500 Elektro Cabrio 2021 Test Fahrbericht Video Review

Der reine Preisvergleich mit dem Honda e (ab 33.850 Euro mit 19 Prozent Mehrwertsteuer) zeigt, dass beide Elektro-Kleinwagen auf einem ähnlich selbstbewussten Niveau liegen. Der Japaner ist als Fünftürer etwas variabler, hat aber eine kleinere Batterie als die 42 kWh-Varianten des Fiat und etwas weniger Reichweite. Das wird ein spannendes Rennen, auch mit dem Mini Cooper SE (ab 32.500 Euro).

Fazit

Fiat 500 Elektro Cabrio 2021 Test Fahrbericht Video Review

Fiat beweist mit dem neuen 500 erneut ein großartiges Gespür für tolles Design bis ins Detail. Dieses Mal machen die Ingenieure aber keinerlei Abstriche bei grundsätzlichen Komfort- und Ergonomieparametern. Der neue Italiener sitzt wie angegossen. Der Elektroantrieb wirkt schlüssig, Fahrwerk und Lenkung sorgen für weitere Momente mit positiver Überraschung.

Mit drei Karosserievarianten und vier Ausstattungslinien will der neue Fiat 500 zudem fast alle Ansprüche erfüllen. Und wer dann doch lieber auf das klassische Modell setzt, bekommt es auch weiterhin.

Technische Daten

Fiat 500 Icon Cabrio

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 87 kW (118 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 220 Nm
Batterie 42 kWh (37,8 kWh netto), Lithium Ionen
Beschleuningung 0-100 km/h 9,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 14,7 - 14,7 kWh
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 16,5 kWh (lt. Bordcomputer)
Reifenmarke und –format des Testwagens GoodYear, 205/45 R17
Leergewicht 1.405 kg
Anhängelast (gebremst) n/a
Länge / Breite / Höhe 3.632 / 1.638 / 1.527 mm
Grundpreis 32.560 Euro
Testwagenpreis 37.210 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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