Der MG4 EV wurde umfassend modernisiert. Wir haben den ersten Fahrbericht!
Zugegeben, ein kompaktes Elektroauto ist nicht die erste Wahl für Menschen mit einem gesteigerten Geltungsbedürfnis. Vor allem dann nicht, wenn der Hersteller sein Modell umfassend überarbeitet, ohne dass man es äußerlich sieht. Aus Gründen wie „oh, sieh mal! Herr Meyer hat schon den ganz Neuen“ wird man sich den MG4 des Modelljahres 2026 nicht an die heimische Wallbox stellen. Die Wahl dürfte ganz andere Beweggründe haben, die wir im Rahmen unseres Fahrberichts erörtern.
Update im Modelljahr 2026
Ende 2022 kam der fünftürige Chinese mit der betont sitzen Front und Abrisskante am Heck bei uns auf den Markt, 2023 folgten erste Updates in Form eines Heckscheibenwischers und die sportliche Allrad-Version XPower. Nicht nur mit dem Format der 4,29 Meter langen Karosserie, sondern auch beim technischen Set-Up trat und tritt der MG4 direkt gegen die deutsch-spanische Konkurrenz in Form von VW ID.3 und Cupra Born an. Die MSP-Architektur (Modular Scalable Platform) von MG ist, diesseits des Allradler mit zusätzlicher Maschine an der Vorderachse, für Heckantrieb ausgelegt.
Die Neuerungen beim Exterieur beschränken sich, neben zwei frisch angerührten Lackoptionen namens „Picadilly Blue“ und „Ealing Green“ (am Testwagen zu sehen) auf eine aktive Jalousie im vorderen Lufteinlass zur Verbesserung der Aerodynamik und einen geänderten Dachspoiler am Heck, der Luftverwirbelungen reduzieren soll. Alle Varianten stehen und rollen ab sofort auf 18-Zoll-Felgen.
Komplett neues Cockpit
Vor dem 388 Liter großen Kofferraum bietet der MG4 gewohnt gute Platzverhältnisse in beiden Reihen und bequeme Sitzgelegenheiten. Das aktuelle Update bringt jetzt mehr Wohnlichkeit ins Auto. Aus dem SUV-Bruder MGS5 zieht das neue Cockpit mit größeren Displays und einer geänderten Mittelkonsole in den MG4 ein. Vor dem bekannten Multifunktionslenkrad versammeln sich alle fahrrelevanten Informationen auf einer Bildschirmdiagonale von 10,25 Zoll unter einer Hutze im Cockpit. Das Kombiinstrument mit hellen Elementen auf dunklem Hintergrund dürfte aber gerne besser entspiegelt sein, vor allem bei Sonneneinfall.
Auf der Mittelkonsole steht ein 12,8 Zoll großer Touchscreen zur Steuerung aller Fahrzeug- und Infotainment-Funktionen. Die Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto ohne Kabelverbindung ist serienmäßig, ebenso die induktive Ladefläche in der mit Mikrofaser-Material bezogenen Mittelkonsole. Die Bedienung wird im überarbeiteten MG4 durch Drehregler und Knöpfe für Audio und Klimafunktionen erleichtert. Oft genutzte Funktionen kann sich, nach entsprechender Konfiguration, über zwei Favoriten-Tasten im Multifunktionslenkrad direkt ansteuern. Leider fehlen Schaltwippen am Lenkrad zur Steuerung der mehrstufigen Energie-Rekuperation, deren One-Pedal-Funktion nur über ein Untermenü erreichbar ist. Außerdem steht eine Taste zur direkten Stummschaltung der akustischen Tempo-Warnung weiterhin auf dem Wunschzettel der MG4-Fahrer. Keinen Anlass zur Klage bieten Materialauswahl und Verarbeitung. Alle Verkleidungen sind routiniert eingepasst, die Abstimmung unterschiedlicher Grautöne bei den Dekoren wirkt durchdacht.
LFP-Akku für die Basis
Die Neuerungen beim Cockpit sind nicht die einzigen Änderungen des MG4 unter dem Blech. Das Antriebs-Programm wurde neu sortiert, dazu gibt es einen neuen LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit 64 kWh Speicherkapazität, von denen 61,7 kWh netto nutzbar sind.
Der Motor im Heck leistet jetzt 140 kW / 190 PS und damit zehn Kilowatt weniger als bisher. Dafür steigt das Drehmoment auf 350 Newtonmeter. In 7,5 Sekunden beschleunigt der Kompakte aus dem Stand auf 100 km/h und wird maximal 180 km/h schnell. Den WLTP-Normverbrauch gibt MG mit 17,6 kWh / 100 km an, 452 Kilometer Reichweite sind drin. Geladen wird über den Typ-2-Stecker mit 11 kW über drei Phasen, am Schnelllader sollen, unter idealen Bedingungen, bis zu 154 kW möglich sein. Der Hub von zehn auf 80 Prozent der maximalen Akku-Kapazität ist in 25 Minuten erledigt. Auch wenn die Ladeleistung in Verbindung mit dem LFP-Akku erhöht wurde, bleibt der MG4 in dieser Disziplin nur im Mittelfeld.
Außerdem gibt es den MG4 weiterhin mit 77 kWh großer Batterie (netto nutzbar 74,4 kWh), die Peak-Leistung des Elektromotors liegt hier bei 180 kW (245 PS) – mit ebenfalls 350 Newtonmeter Drehmoment. Die NMC-Zellchemie sorgt für eine reduzierte CCS-Ladeleistung von 144 kW. In Kombination mit der nominell größeren Strommenge steigt die Dauer für den 10-80-Hub auf 40 Minuten. Immerhin muss man weniger oft raus, die Reichweite dieser Variante liegt bei 545 Kilometern, der WLTP-Normverbrauch bei 16,1 kWh / 100 km.
Dritter im MG4-Bunde und einziger Allradler ist der MG4 XPower, wie gewohnt mit 320 kW (435 PS) und 600 Newtonmetern Drehmoment. Während die beiden zivileren Versionen eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h erreichen ist bei ihm erst bei Tempo 200 Schluss. Auch er hat 64 kWh (netto 61,7 kWh) Speicherkapazität, aber jetzt wird es kompliziert: Im Xpower-Modell steckt der alte Akku, was die Leistung am Schnelllader auf 140 kW limitiert. Der Verbrauch wird mit 19,0 kWh / 100 km angegeben, die Reichweite mit 405 Kilometern. Optisch unterscheidet sich der Xpower durch Felgen ohne Aero-Blenden, lackierte Bremssättel und Dekore von seinen Modellbrüdern, innen sitzen Fahrer und Beifahrer auf Sportsitzen mit mehr Seitenhalt.
Wie fährt sich der MG4?
Wir starten in der Konfiguration mit dem größten Neuheiten-Wert zur ersten Ausfahrt. Wer hat oben aufgepasst? Richtig, unser Testwagen hat den LFP-Akku in der Bodenstruktur und den 140 kW starken Motor im Heck. Die Leistung reicht in jeder Lebenslage aus, zumal das (gestiegene) Drehmoment ja die wichtigere Größe im täglichen Umgang mit einem Auto ist.
Auf kurvigen Landstraßen entlang der portugiesischen Atlantikküste spielt der MG4 die Vorteile seines Antriebskonzepts aus. Der E-Motor drückt sanft von hinten, in der ausreichend direkten Lenkung sind keine Antriebseinflüsse zu bemerken. So kommt Fahrfreude auf, garniert mit einer gelungenen Fahrwerksabstimmung. Federn und Dämpfer liefern stets gute Rückmeldung vom Untergrund, gleichzeitig freut man sich über hohen Federungskomfort ohne starke Aufbau-Bewegungen. Beim Fahrverhalten ist sich der MG4 im neuen Modelljahr also treu geblieben.
Auf der tempolimitierten Autobahn bietet sich Gelegenheit, die Fahrassistenz auszuprobieren. Per Tastendruck am Lenkrad wird die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage scharf gestellt, die Wippe daneben erlaubt Änderungen beim eingestellten Tempo und dem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Dieses System funktioniert, wie der Spurhalteassistent, zuverlässig und ohne hektische Lenk- oder Bremsmanöver. Wenn man auf einen langsameren Verkehrsteilnehmer aufschließt und zum Überholen ansetzt, wird schon im Lauf des Spurwechsels (den der Fahrer weiterhin aus eigener Kraft vollzieht) wieder beschleunigt. Somit wird man für den nachfolgenden Verkehr auf dem Fahrstreifen weiter links nicht zum Hindernis.
Am Ende des Testtages meldet der Bordcomputer einen Stromverbrauch von knapp über 15 kWh / 100 km, also ein Wert unter der WLTP-Werksangabe. Wie so oft bleibt beim ersten Fahrtermin zu wenig Zeit, um den Akku leerzufahren und nachzuladen, was valide Informationen zu Ladezeit und tatsächlichem Verbrauch geben würde.
Warum so teuer?
Beim Blick in Preisliste und Konfigurator dürfte der MG4-Interessent erschrecken. Nach dem Modelljahres-Wechsel kostet der Kompakte ab 42.990 Euro, vorher war er zu Preisen ab 34.990 Euro zu haben. Was ist hier los?
Künftig gibt es nur noch eine, gehobene Ausstattungslinie mit dem Namen Premium. Neben Wärmepumpe, Klimaautomatik und der erwähnten Fahrassistenz sind auch die kabellose Smartphone-Integration, induktive Ladeschale und der elektrisch verstellbare Fahrersitz serienmäßig. Optionen gibt es, bis auf eine andere Farbe als das gratis aufgesprühte „Dynamic Red“ keine. Ein vergleichbarer MG4 Luxury mit 64 kWh aus dem vorherigen Modelljahr war mit 41.990 Euro etwas günstiger. Wer den 77 kWh großen Akku haben möchte, zahlt 44.990 Euro, der MG4 XPower kostet 46.990 Euro. Wie gewohnt gibt es stets eine Neuwagengarantie für den Zeitraum von sieben Jahren bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern dazu.
Wirklich günstig ist der überarbeite MG4 also nicht, ein annähernd vergleichbarer VW ID.3 ist etwas günstiger konfigurierbar. Das lässt vermuten, dass auch MG die Listenpreise höher ansetzt, um Kunden im Autohaus (oder auf der Website des Leasing-Vermittlers) dann mit günstigen Raten und Rabatten zu locken.
Außerdem wird die Baureihe aus modellpolitischen Gründen höher positioniert. MG leistet sich den Luxus, in der Elektro-Kompaktklasse künftig doppelt vertreten zu sein. Parallel startet im Laufe des Jahres der MG4 Urban . Obwohl die Modellbezeichnung etwas anderes vermuten lässt, ist der mit 4,40 Metern etwas länger als der hier gezeigte MG4. Die Technik ist grundlegend anders, der Urban nutzt eine neue Plattform mit Frontantrieb. Er dürfte preislich deutlich unter dem MG4 EV angesiedelt werden, auch bedingt durch kleinere Akkus und eine deutlich reduzierte Ladeleistung. Ob diese Strategie der chinesischen Marke aufgeht, mit der man sich wohl auch gegen den bald startenden Leapmotor B05 positionieren möchte, wird sich zeigen. Wir hoffen, die Unterschiede beider „4er“ baldmöglichst herausarbeiten und vorstellen zu können.
Fazit
![MG4 EV Electric Modelljahr 2026 Fahrbericht Test Video(mg4-electric-2026-ealing-green-front-bernd-tuergriff___1773253482338.jpg "Der MG4 EV ist und bleibt ein gutes Auto, die hohen Listenpreise könnten Käufer jedoch verschrecken.")
(Beinahe) gleiche Optik, aber mit deutlichem Update unter dem Blechkleid. Der MG4 EV wirkt mit neuem Cockpit hochwertiger und wohnlicher. Die Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung bleibt im neuen Modelljahr auf gewohnt hohem Niveau. Beim Grundmodell zieht ein neuer LFP-Akku mit 64 kWh ein, der die Ladeleistung auf 154 kW erhöht – immerhin ein guter Durchschnittswert.
Das Modellprogramm konzentriert sich, neben den beiden Akku-Größen für die regulären Varianten diesseits des sportlicheren MG4 XPower, künftig auf eine umfangreiche Ausstattungslinie mit dem Namen Premium. Das sorgt für Listenpreise ab 42.990 Euro. Interessenten dürften und sollten Leasing- und Finanzierungsraten im Auge behalten. Zudem startet mit dem MG4 Urban bald ein zweites, etwas günstigeres Modell.
Technische Daten
MG4 EV
- Antriebsart
- Elektro
- Antrieb
- Heckantrieb
- Maximale Leistung kW / PS
- 140 kW (190 PS)
- Max. Drehmoment
- 350 Nm
- Getriebe
- Eingang-Reduktionsgetriebe
- Elektromotor: Maximales Drehmoment
- 350 Nm
- Batterie
- 64 kWh (netto nutzbar 61,7 kWh)
- Batterie: Typ
- LFP (Lithium-Eisenphosphat)
- Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
- 154 kW
- Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
- 11 kW (dreiphasig)
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 7,5 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 180 km/h
- Norm-Verbrauch kWh / 100 km
- 17,6 kWh
- Reichweite nach Norm
- 452 Kilomter
- Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
- 15,2 kWh (laut Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 388 - 1.165 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- 235/45 R18
- Anhängelast (gebremst)
- 500 kg
- Stützlast
- 50 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.287 / 1.836 / 1.516 mm
- Basispreis Baureihe
- 42.990 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 42.990 Euro
- Testwagenpreis
- 43.640 Euro