Mitsubishi in Deutschland Wohin geht die Reise?

Mitsubishi plant mit neuen Modellen eine Zukunft in Europa. Und bis dahin? Ein Dreier-Fahrbericht zu Space Star, Eclipse Cross Plug-in Hybrid und L200.



Acht Jahre sind eine lange Lebensdauer für ein Automodell. Spätestens dann kümmert sich ein Hersteller um den Nachfolger, um wieder mehr Kunden ins Autohaus zu locken. Der kleine Mitsubishi Space Star bleibt davon scheinbar unbeeindruckt.

Seit 2013 wird der 3,85 Meter lange Kleinwagen, der übrigens in Thailand gebaut wird, bei uns angeboten. Altersmüdigkeit kennt er im Vertrieb aber scheinbar nicht. Mit einem sehr hohen Privatkundenanteil fuhr er im Oktober 2021 sogar in die Top-10 der Neuzulassungen auf dem deutschen Markt, nachdem er im August bereits die Krone des meistverkauften asiatischen Autos tragen durfte.

Video mit Interview: Mitsubishi in Deutschland

Auch die jüngsten Meldungen vom möglichen Rückzug der Marke Mitsubishi aus Europa perlen am Space Star ab. Auch seinem Erfolg dürfte s wohl zu verdanken sein, dass sie Konzernzentrale in Japan wieder umgelenkt hat.

In Zusammenarbeit mit den Allianzpartnern Renault und Nissan entstehen neue Modelle. Ab 2023 sollen in Frankreich zwei Mitsubishis auf Basis von Renault Clio und Captur gebaut werden. Gut möglich, dass dafür die bekannten Modellbezeichnungen Colt und ASX wieder hervorgeholt werden.
Auch der neue Outlander Plug-in Hybrid, der in Nordamerika und anderen Märkten als Plattformbruder des Nissan Rogue / X-Trail Premiere feierte, hat Chancen, doch wieder nach Europa zu kommen. Bis dahin verkaufen die etwa 500 Mitsubishi-Händler in Deutschland den Vorgänger aus Beständen weiter.

Eclipse Cross Plug-in Hybrid

Neben ihm und dem Space Star besteht das Modellprogramm der Marke aus dem Pick-up L200 und dem 2021 mit einem Facelift erneuerten Eclipse Cross. Das kompakte SUV bekam eine neue Front sowie ein geglättetes Heck ohne geteilte Scheibe. Unter dem Blechkleid steckt ausnahmslos ein Plug-in-Hybridantrieb.

Zwei Elektromotoren (vorne mit 60 kW, hinten mit 70 kW) und ein 2,4 Liter großer Benziner mit 72 kW / 98 PS sorgen mit elektrifiziertem Allradantrieb für einen Systemleistung von 138 kW / 188 PS. Nach dem Start fährt der Mitsubishi Eclipse Cross elektrisch los. Je nach Füllstand des 13,8 kWh großen Akkus und Leistungsabruf schaltet sich bei Bedarf der Verbrenner hinzu, der dann aber als Stromgenerator nicht direkt die Räder antreibt. Dabei spricht man von einem seriellen Hybrid.

Bis 135 km/h elektrisch

Mitsubishi Space Star Eclipse Cross L200 Outlander Colt ASX 2021 2022 2023 Video Review Test Fahrbericht

Erst bei Geschwindigkeiten über 64 km/h wechselt das System in den parallelen Hybridmodus, dann teilen sich Benziner und Elektromotoren die Arbeit an den Rädern. Bis zu 135 km/h kann man aber auch im EV-Modus fahren. Lässt man es gemütlicher angehen, soll der Japaner bis zu 61 Kilometer rein elektrisch fahren können. Das Nachladen an der Wallbox oder Ladesäule dauert dann aber, denn hier kann nur eine Ladeleistung von 3,7 kW realisiert werden. Beim Schnellladen setzt Mitsubishi weiterhin auf den bei uns wenig populären CHAdeMO-Satandard.

Der Wechsel zwischen den Antriebsarten gelingt ohne großes Aufsehen. Ruckeln ist nicht festzustellen. Der Verbrennungsmotor wird nur bei „Vollgas“ laut. Das erinnert an ein CVT-Getriebe, das im Eclipse Cross aber nicht an Bord ist. Die Auslegung des Hybridsystem ermöglicht ein Eingang-Getriebe, wie man es auch von Elektroautos kennt.

Ein günstiges Vergnügen ist der Eclipse Cross mit elektrifiziertem Antriebsstrang nicht mehr. Los geht es, vor Abzug der Förderung, bei 38.890 Euro, der Testwagen im Video-Review hat einen Listenpreis von 48.500 Euro.

L200

Mitsubishi Space Star Eclipse Cross L200 Outlander Colt ASX 2021 2022 2023 Video Review Test Fahrbericht

Von ganz anderem Schlag ist der Pick-up L200, der wie der kleine Space Star ebenfalls aus Thailand kommt. Hinter dem silbernen Kühlergrill mit dem Drei-Diamanten-Logo steckt ein 2,3 Liter großer Vierzylinder-Diesel mit 110 kW / 150 PS. Ab 1.750 U/min stehen hier 400 Newtonmeter maximales Drehmoment an. Genug, um mit dem Allradler selbst schweres Gelände unter die Reifen zu nehmen oder um 3,1 Tonnen schwere Anhänger zu ziehen.

Als Alternative zum Reise-SUV taugt so ein Nutzfahrzeug natürlich nur bedingt. Das Fahrwerk mit Blattfedern an der Hinterachse hält den Aufbau bei Landstraßentempo stets minimal in Bewegung. Die indirekte Lenkung hilft im Gelände bei vielen Manövern, erfordert im Straßenverkehr aber stets Nachkorrekturen und viel Aufmerksamkeit.

Als Club Cab mit zwei Sitzplätzen kostet der L200 ab 32.190 Euro, die viersitzige Doppelkabine-Ausführung steht ab 33.990 Euro in Preisliste und Konfigurator.

Space Star

Mitsubishi Space Star Eclipse Cross L200 Outlander Colt ASX 2021 2022 2023 Video Review Test Fahrbericht

Während sich der L200 also lieber als Arbeitstier auf Baustellen, in Kiesgruben und Wäldern austobt, steigen wir für den Alltagsverkehr im urbanen Großraum wieder in den kleinen Space Star.

Einziger Motor für den Kleinwagen ist ein 1,2 Liter großer Dreizylinder-Benziner mit 52 kW / 71 PS. Überschaubare 102 Newtonmeter Drehmoment werden vom einem manuellen Fünfgang-Schaltgetriebe verwaltet, optional gibt es den Fünftürer auch mit CVT-Automatik.

Schaltgetriebe als gute Wahl

Mitsubishi Space Star Eclipse Cross L200 Outlander Colt ASX 2021 2022 2023 Video Review Test Fahrbericht

Auf unseren Testfahrten gefiel der Handschalter mit kurzen Wegen und präziser Führung des Hebels in den Gassen. Die 1.100 Euro Aufpreis für das CVT sollten also wohlüberlegt investiert werden. Da hilft aber auch schon die Wahl der Ausstattungslinie weiter, denn es ist nur für die beiden höchsten Versionen lieferbar.

Das Fahrwerk des Space Star zeigt sich auch bei Querfugen schluckfreudig, zusammen mit den gut gepolsterten Vordersitzen kann der Komfort im Stadtauto durchaus überzeugen. Dass es im Fond kneift und das Kofferraumvolumen bei 235 Litern (209 Liter mit Staubox unter dem variablen Boden) gering ausfällt, liegt in der Natur der Sache Kleinwagen.

Das konstruktive Alter des Mitsubishi Space Star bemerkt man an der Sicherheitsausstattung. Ein Spurhalteassistent ist nur für das Modell Top lieferbar. Aber auch hier hilft er nur bedingt, denn die Warnung beschränkt sich auf ein zu leises Geräusch. Immerhin sind Seitenairbags vorne und Kopfairbags serienmäßig.

Die Verarbeitung wirkt routiniert, zudem werten Stoffeinlagen in den Türverkleidungen das Ambiente auf. Auch das Karomuster auf den Sitzbezügen im Mitsubishi Space Star Top gefällt. Wie sehr der Eindruck im günstigen Basismodell ausfällt, muss eine spätere Gegenüberstellung zeigen.
Denn richtig günstig ist der Space Star mit voller Hütte nicht mehr. 18.340 Euro Listenpreis nennt das Datenblatt des Testwagens mit Metalliclackierung. Das Basismodell startet bei 10.990 Euro, verzichtet dann aber selbst auf eine Klimaanlage.

Preisbewusste Kunden greifen zum Sondermodell Space Star Select. Hier sind zusätzlich beispielsweise die manuelle Klimaanlage, ein Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und die Zentralverriegelung mit Fernbedienung serienmäßig. Der Listenpreis von 12.190 Euro ist nur die halbe Wahrheit, da der Importeur den Space Star Select mit 2.000 Rabatt, also ab 10.190 Euro anbietet. Bis 31.12.2021 legt das Basismodell aber nochmal nach: Hier kann man für 7.990 Euro einen Neuwagen fahren.

Fazit

Mitsubishi Space Star Eclipse Cross L200 Outlander Colt ASX 2021 2022 2023 Video Review Test Fahrbericht

Die aktuelle Modellpalette von Mitsubishi besteht aus unaufgeregten Autos, die Technikfreaks kaum begeistern dürften. Der L200 hat als nutzwertiger Pick-up eine Sonderstellung im Markt, der Eclipse Cross ist als Plug-in Hybrid ein bequemes SUV. Nach dem Facelift und mit dem elektrifizierten Antrieb wurde er aber deutlich teurer. Überraschend vielseitig zeigt sich der kleine Space Star, der einen Großteil der Mitsubishi-Zulassungen bei uns ausmacht.

Der mögliche Start des neuen Outlander Plug-in Hybrid dürfte den Händlern viele ehemalige und neue Kunden in die Showrooms spülen. Ob das ab 2023 auch mit den neuen Modellen auf Renault-Basis gelingen kann, wird sich zeigen.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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