Skoda Enyaq Coupé RS iV Ein echter Skoda?

Das Skoda Enyaq Coupé RS iV im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Die Marke Skoda positioniert sich vor allem mit praktischen Autos, die in Sachen Raumfülle und Details oft mehr bieten als die Konkurrenz. Auch die aus dem Konzern. Wie passt da ein SUV-Coupé ins Konzept? Mit dem elektrischen Skoda Enyaq gibt es jetzt den ersten Fließheck-Hochsitz von Skoda in Europa (in China gibt es auch den Skoda Kodiaq GT).

Das Video zum Enyaq Coupé RS iV

Das Skoda Enyaq Coupé unterscheidet sich vom etablierten Steilheckbruder vornehmlich oben herum. Die Dachpartie ist komplett neu. Der Bogen ist sogar zwei Millimeter höher als die Blechhaube des Modellbruders. Damit trotz der abfallenden Dachlinie nicht zu viel Kopffreiheit im Fond verloren geht, stattet Skoda das Enyaq Coupé mit seinem serienmäßigen Glasdach aus. Der Sonnenschutz dafür steckt bei Nichtgebrauch unter der Hutablage. Da erkennt man schon beim Lesen: Das Gitter ist recht sperrig in der Handhabung, ein elektrisches Rollo gibt es leider nicht.

Das Volumen des Kofferraums unter der elektrischen Heckklappe sink um 15 auf 570 Liter. Bei umgeklappten Lehnen der Rücksitzbank fasst das Enyaq Coupé bis zu 1.610 Liter. Heutzutage eine Besonderheit auf dem Kofferraumdeckel: Für die große Heckscheibe wird es optional einen Wischer geben.
Unabhängig von der Ausstattung tragen alle Enyaq Coupé Varianten sportlich designte Stoßfänger, was die Außenlänge um vier Millimeter wachsen lässt. Beim Topmodell RS wird die Optik durch eine zusätzliche Lamelle vorne und ein Reflektorband am Heck weiter angeschärft.

Zuerst kommt der RS

Diese Variante ist der Erstling. Zum Listenpreis von 57.700 Euro ist das Skoda Enyaq Coupé RS iV ab sofort bestellbar, die günstigeren Varianten folgen in einigen Monaten. Wann genau mit den Auslieferungen begonnen werden kann, ist aktuell noch unklar.

Zur ersten Ausfahrt mit dem Coupé schnappen wir uns den RS im entspannten Farbton Brillant-Silber. Die optionalen 21-Zoll-Felgen mit Aero-Kappen passen gut zum Auto. Die WLTP-Reichweite von 504 Kilometern lässt sich aber eher mit der 20 Zoll großen Serienbereifung erreichen.

Zwei Elektromotoren stecken unter der wuchtigen Karosserie. Der Primärantrieb ist ein 150 kW (204 PS) starker E-Motor, der an der Hinterachse sitzt und dort die Räder antreibt. Sein Kollege auf Abruf kümmert sich bei Bedarf um die Vorderräder, er leistet maximal 80 kW (109 PS). Mit einer Systemleistung von 220 kW (299 PS) ist der Enyaq RS übrigens der stärkste Serien-Skoda aller Zeiten.

Aber nicht der schnellste, das verhindern schon über 2,2 Tonnen Leergewicht. In 6,5 Sekunden spurtet das SUV aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h elektronisch begrenzt.

Auf unseren Testfahrten, bei denen wir vornehmlich kurvige Land- und Bergstraßen in der Toskana unter die Räder nahmen, lässt sich der Enyaq RS ordentlich die Sporen geben. Das optionale DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern erlaubt die Einstellung eines passenden Setups. Trotz des stets direkt anliegenden Drehmoments ist das große Format des Autos aber jederzeit spürbar. Vor allem in engen Kehren wird jedes Mal klar, dass der große Enyaq auch als RS kein Sportwagen sein kann.

22,2 kWh auf 100 km

Skoda Enyaq Coupe RS iV Test Fahrbericht Video Review 2022

In der Ebene und auf der Autobahn gefallen der ruhige Antrieb und die gute Isolation des Innenraums, es sind kaum Wind- oder Abrollgeräusche zu hören. Der leicht tiefergelegte RS bietet stets hohen Fahrkomfort, wirkt nie zu hart. Mit der neuesten Software 3.0 an Bord kann der Travel Assist auch Schwarmdaten für die Fahrassistenz nutzen und hilft beim assistierten Spurwechsel.

Nach 230 Testkilometern spuckt der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 22,2 kWh je 100 Kilometer aus. Mit den netto nutzbaren 77 kWh Speicherkapazität des Lithium-Ionen-Akkus (brutto 82 kWh) wären also theoretisch knapp 347 Kilometer möglich. In der Realität kommen andere Werte heraus, da man wohl nie mit null Prozent State-of-Charge an der Ladesäule steht, aber auch weil die Rekuperation im Fahrbetrieb für Zusatzkilometer sorgt.

Am Schnelllader könnte der Tscheche in 36 Minuten von fünf auf 80 Prozent Ladezustand gebracht werden. Die Modelle mit großem Akku, als Enyaq 80 / 80x und RS, schaffen eine maximale Ladeleistung von 135 kW.

Der Innenraum mit dem großen 13-Zoll-Display im Cockpit entspricht dem bekannten Steilheck-Enyaq. Dazu gehört auch die gute Verarbeitung und die hochwertige Materialqualität, mit der sich der Skoda ungeniert über den VW ID-Modellen, aber auch über dem Audi Q3 e-tron positioniert.
Die Sportsitze des RS bieten guten Seitenhalt und sind trotz integrierter Kopfstützen hoch genug. Der 1,92 Meter große Autor spürt lediglich im Fond einen kleinen Coupé-Nachteil. Denn hier stößt die Frisur ans Dach, wenn man aufrecht sitzt. Für Personen bis zu einer Größe von 1,85 Metern dürfte es hier aber keine Probleme geben.

Skoda teurer als VW

Skoda Enyaq Coupe RS iV Test Fahrbericht Video Review 2022

Das Skoda Enyaq Coupé RS iV ist nicht nur der stärkste, sondern auch der teuerste Skoda. Aber nicht nur das: Mit dem genannten Listenpreis von 57.700 Euro liegt er sogar deutlich über dem engsten Konzernverwandten, dem 53.615 Euro teuren VW ID.5 GTX.

Noch deutlicher wird der kuriose Preisnachteil bei der Konfiguration des vollausgestatteten Testwagens. Der Skoda kostet stolze 64.910 Euro. Ein ähnlich ausgestatteter VW ID.4 GTX verlangt, ohne Lederausstattung, nach knapp 58.000 Euro. Deutlich teurer ist der MEB-Kollege Audi Q4 Sportback e-tron, mit ähnlicher Ausstattung über 70.000 Euro teuer.

Skoda Enyaq Coupe RS iV Test Fahrbericht Video Review 2022

Einen Preis-Vergleich zum Skoda Enyaq mit steilem Heckabschluss kann man noch nicht ziehen. Der ist aktuell nicht als RS konfigurierbar, die Coupé-Varianten mit den Zahlen 60 und 80 in der Modellbezeichnung folgen erst später. Es darf aber von einem Grundpreis in Höhe von rund 44.000 Euro ausgegangen werden. Der günstigste Enyaq 60 kostet aktuell ab 39.650 Euro. Zum Coupé-Aufpreis von etwa 1.500 Euro kommen dann gewiss noch die imaginären, aber verpflichtenden Mehrkosten für das Glasdach.

Fazit

Skoda Enyaq Coupe RS iV Test Fahrbericht Video Review 2022

Das Enyaq Coupé ist vor allem ein Designerstück, aber dabei nicht unpraktisch. Also doch ein echter Skoda. Zumindest bis man an der Kasse steht. Denn der Tarif des RS, der deutlich über dem VW ID.5 GTX liegt, überrascht. Gleichwohl wirkt der Skoda mit seinem schicken Innenraum und den guten Sitzen aber auch deutlich hochwertiger als der Wolfsburger.

Die Fahrleistungen des RS mit 220 kW dürften nur minimal über denen des Enyaq 80x (195 kW) liegen. Mit Tieferlegung und Designdetails muss der RS also aufpassen, dass er nicht nur zur Ausstattungsvariante verkommt. Ist das teure Coupé also mehr Paradiesvogel als ein solides Familienauto? Von beidem etwas. Aber trotzdem noch ein echter Skoda mit vielen praktischen Talenten.

Technische Daten

Skoda Enyaq Coupé RS iV

Antrieb Allradantrieb
Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW 80 kW (109 PS)
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW 150 kW (204 PS)
Systemleistung: kW / PS 220 kW (299 PS), 460 Nm
Batterie 77 kWh (82 kWh brutto), Lithium-Ionen
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC) 135 kW
Beschleuningung 0-100 km/h 6,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 14,0 kWh
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 22,2 kWh (lt. Bordcomputer)
Leergewicht 2.255 kg
Länge / Breite / Höhe 4.653 / 1.879 / 1.622 mm
Grundpreis 57.700 Euro
Testwagenpreis 64.910 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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