Skoda Enyaq iV 80 Tradition und Moderne

Der neue Skoda Enyaq iV im ersten Fahrbericht mit Video-Review.

Eine neue Skoda-Generation mit Heckantrieb. Also so richtig: Motor hinten, Antrieb hinten. Alles schon mal dagewesen? Das stimmt. 1964 kam der Skoda 1000 MB mit eben jenem Antriebslayout auf den Markt und legte den Grundstein für eine langjährige Tradition der Marke. Vornehmlich in Mittel- und Osteuropa, aber auch bei uns (importiert durch Semex) machten Heckmotor-Skodas Familien mobil. Zuletzt als 105 / 120 / 135, ganz verwegene Individualisten bestellten das Coupé Rapid.

Der Enyaq im Video

Ein neuer Skoda im Jahr 2021 sieht ganz anders aus. Er folgt vor allem dem Zeitgeist. Heißt: Hohe Sitzposition, SUV-Stil. Wobei der neue Skoda Enyaq nicht unbedingt als reines SUV durchgehen mag. Er ist vielmehr ein Crossover aus Kombi und SUV, will vor allem mit Platz punkten.
Als erstes Modell der Marke nutzt der Elektro-Skoda den MEB (Modularer Elektro-Baukasten) des Volkswagen-Konzerns. Eine Besonderheit nimmt sich die tschechische Tochter in der Wahl der Produktionsstäte heraus. Während VW ID.3 und ID.4 sowie der Audi Q4 e-tron in Zwickau gebaut werden, rollt der Skoda Enyaq in Mladá Boleslav vom Band.

Kürzer als der Octavia

Skoda Enyaq iV 80 Test Fahrbericht Video Review 2021

4,65 Meter ist der Fünftürer lang, damit etwas kürzer als der Octavia Combi. Die Benchmark in Sachen automobiler Familienunterhaltung toppt der innen mit einem luftigen Raumgefühl, vor allem bedingt durch den höheren Aufbau. Große Menschen müssen im Fond aber die Beine über Gebühr anwinkeln. Eine Verbeugung vor dem Batteriepaket im Fahrzeugboden.

Gewohnt gut sind die Materialauswahl sowie die Verarbeitung im Interieur. Nicht nur deswegen reiht sich der Enyaq ins aktuelle Modellprogramm ein. Wer mit der Bedienung im aktuellen Octavia vertraut ist, muss sich im Elektrobruder kaum neu orientieren.

Das Display es Infotainmentdisplays wächst auf 13 Zoll in der Diagonale, die Menüführung folgt dem bekannten Muster. Auch der nachts unbeleuchtete Slider, bei Skoda gottseidank mit reduziertem Funktionsumfang, und die Direktwahltasten für Fahrmodi, Parkassistenten und Scheibenheizung sind da, wo man sie erwartet.

Augmented Reality im Head-up Display

Das Display hinter dem Lenkrad fällt mit 5,3 Zoll sehr klein aus und hält nur die wichtigsten Informationen für den Fahrer vor. Wer mehr sehen will, der soll doch bitte in das optionale Head-up Display investieren. Neben einer „Statusleiste“ spiegelt das System, Informationen als Augmented-Reality-Inhalte ins Blickfeld. Ein vor dem Auto fliegender Pfeil zeigt genau an, wo man abbiegen soll. Auch Fahrassistenten wie der Spurhalteassistent nutzen die Projektion.

Drei Akkugrößen stehen für den Enyaq zur Wahl und sorgen für die Modelbezeichnungen: Der Enyaq iV 50 hat 55 kWh, der iV 60 62 kWh Speicherkapazität (jeweils Bruttoangaben). Für die ersten Testfahrten stand das aktuelle Topmodell in Form des Enyaq iV 80 bereit. Seine Lithium-Ionen-Batterie speichert 82 kWh (77 kWh netto) Strom, der E-Motor an der Hinterachse leistet maximal 150 kW (204 PS).

Damit ist der immerhin über zwei Tonnen schwere Tscheche angemessen motorisiert. Den berüchtigten Tritt in den Rücken vermeidet er aber, und das ist gut so. Denn als alltagstaugliches Familienauto ohne „Überraschungen“ soll er unabhängig von der Antriebsart punkten.

Das optionale DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern glättet im Komfortmodus die Straße, trotz der großen 21-Zoll-Felgen am Testwagen kommen nur selten Stöße oder Querfugen durch. Auch die Abroll- und Windgeräusche wurden von den Ingenieuren gut im Zaum gehalten. Selbst auf der Autobahn kann man sich bei Höchstgeschwindigkeit (160 km/h, laut Tacho 164) ohne erhobene Stimme unterhalten.

Laden mit 125 kW nur optional

Skoda Enyaq iV 80 Test Fahrbericht Video Review 2021

Trotz des eiligen Schnellstraßenanteils klettert die Bordcomputeranzeige während des Testtages nicht über 23 kWh Strom je 100 Kilometer. Damit ist der große Skoda relativ sparsam. 125 kW Ladeleistung am Schnelllader gibt es leider, wie auch eine Wärmepumpe und andere sinnvolle Dinge, nur gegen Aufpreis. Serienmäßig müssen 50 kW reichen. Damit es mal getestet ist, rollen auch wir mit dem Enyaq an eine EnBW-Ladesäule an der Autobahn.

Der Ladezustand des Akkus liegt bei knapp über 50 Prozent. Zu viel, um eine hohe Ladeleistung zu erzielen. Aber immerhin klettert die Anzeige auf 59,4 kWh. Die Anzeige im Auto verrät, dass pro Minute Strom für vier Kilometer Fahrstrecke gezapft werden.

Das kostet der Enyaq

Skoda Enyaq iV 80 Test Fahrbericht Video Review 2021

Der Skoda Enyaq iV 80 steht mit 43.950 Euro in der Preisliste, davon kann man bis zu 9.570 Euro Umweltprämie (mit Mehrwertsteuer auf den Herstelleranteil) abziehen. Der Testwagen in der „Design Selection Suite“ mit Head-up-Display, Matrix-LED-Licht, DCC und vielen anderen Optionspaketen (Einzelextras sind kaum zu haben) kratzt bald an der 60.000-Euro-Marke.

Viel Geld für ein Familienauto. Aber im Wettbewerbsumfeld, auch konzernintern im Vergleich zu VW ID.4 und Audi Q4 e-tron, ist der Skoda Enyaq verhältnismäßig günstig. Ein Skoda Kodiaq mit ähnlicher Ausstattung und 190-PS-Benziner (mit Allradantrieb) ist unter Berücksichtigung der Elektroauto-Umweltprämie am Ende knapp teurer.

Der 1000 MB löste übrigens im Jahr 1964 den Octavia ab. Mal sehen, ob auch die Heckmotor-Skodas der Neuzeit gleiches tun werden. Weitere Modelle sollen folgen, auch in Größe des Octavia. Außerdem wird der Enyaq iV 80 nicht das Ende der Fahnenstange bleiben. Versionen mit zweitem Elektromotor vorne für Allradantrieb, darunter auch ein sportlicher RS mit 220 kW, folgen in Kürze.

Fazit

Skoda Enyaq iV 80 Test Fahrbericht Video Review 2021

Das erste von vornherein als Elektroauto konzipierte Modell von Skoda knüpft nahtlos an die Markenwerte an. Der Enyaq bietet eine hohe Qualität und viel Platz zu einem – verhältnismäßig – fairen Preis. So feiert man gerne die Renaissance der Heckmotor-Ära.

Technische Daten

Skoda Enyaq iV 80

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 150 kW (204 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 310 Nm
Batterie 77 kWh (netto), Lithium Ionen
Beschleuningung 0-100 km/h 8,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 16,0 kWh
Leergewicht 2.090 kg
Anhängelast (gebremst) 1.000 kg
Länge / Breite / Höhe 4.649 / 1.879 / 1.616 mm
Grundpreis 43.950 Euro (Design Selection Suite)
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad
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