Der neue Suzuki e Vitara startet zu Preisen ab 29.990 Euro. Wir starten zur Ausfahrt!
Runder Geburtstag: Suzuki feiert 50-jähriges Jubiläum in Deutschland. Anfang 1976 nahm erstmals eine deutsche Vertriebsorganisation der japanischen Marke ihre Arbeit auf, im ersten Schritt für Motorräder und Marine-Motoren (Außenborder). Auf der IAA 1979 zeigte Suzuki mit dem kleinen Geländewagen LJ80 erstmals auch ein Auto in unseren Breitengraden, 1980 startete der Verkauf.
Bis heute zählen kleine und kompakte Autos, darunter auch geländegängige Modelle, zur Kernkompetenz der Japaner. Ein kleiner Hersteller ist Suzuki dabei aber nicht, auch wenn man die Marke hierzulande eher als Nischenanbieter wahrnimmt. 22.369 Suzuki wurden im Jahr 2025, der offiziellen Statistik des KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) zufolge, erstmals zugelassen – damit liegt die Marke knapp vor Mitsubishi. Bestseller ist der Kleinwagen Suzuki Swift mit 11.612 Zulassungen, gefolgt vom Vitara mit 7.062 Exemplaren.
Elektro-Suzuki aus Indien
Wenn man den globalen Automarkt betrachtet, wendet sich das Blatt. Mit 3,24 Autos im Fiskaljahr 2024/2025 zählt Suzuki zu den zehn größten Herstellern der Welt – obwohl die Marke in den USA und in China nicht aktiv ist. Zuhause in Japan ist Suzuki hinter Toyota die Nummer Zwei, bei den Kei Cars findet man Suzuki an der Top-Position. In Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, hat Maruti-Suzuki seit vielen Jahren die Krone des unangefochtenen Marktführers auf. Rund zwei Millionen Autos mit dem „S“ im Logo im Jahr werden dort abgesetzt.
Aus dem Maruti-Suzuki-Werk in Indien kommt jetzt das erste Elektroauto des Konzerns zu uns. Der e Vitara nutzt eine neue Plattform und entstand in Kooperation mit Toyota. Ein sehr ähnliches Modell wird vom Partner als Urban Cruiser verkauft.
Mit einer Länge von 4,28 Metern streckt sich der Elektro-Kompakte um elf Zentimeter mehr als der weiterhin angebotene Vitara mit Verbrennungsmotor. Unter der 1,80 Meter breiten und 1,64 Meter hohen SUV-Fließheck-Karosserie bietet der e Vitara eine Bodenfreiheit von 18 Zentimetern. Genug für Fahrten über Feld- und Waldwege oder Ausflüge in leichtes Gelände. Dafür hält die Marke eine Variante mit Allradantrieb bereit. Hier wird der 128 kW (174 PS) starke Frontmotor von einer zweiten E-Maschine an der Hinterachse mit 48 kW (65 PS) unterstützt. Die Software verteilt die Kraft von bis zu 307 Newtonmetern bedarfsgerecht zwischen den Achsen, dabei bleibt der Allradler stets leicht frontlastig. Im Fahrzeugboden steckt ein 61 kWh großer LFP-Akku, der für eine Reichweite von 396 Kilometern sorgen soll. Die Kombination aus diesem Batteriepaket mit Frontantrieb kommt, Angaben des Herstellers zufolge, bis zu 426 Kilometer weit. Das Basismodell hat eine mit 49 kWh Speicherkapazität kleinere Batterie für 345 Kilometer Radius und einen Motor mit 106 kW (144 PS) Leistung.
Wohin mit dem Kabel?
Überschaubar fällt das Kofferraumvolumen aus. 238 bis 310 Liter passen ins Heck, je nach Stellung der serienmäßig um 16 Zentimeter verschiebbaren Rücksitzbank. Deren Lehne lässt dich dreigeteilt nach vorne umklappen.
Das Ladekabel passt, nach einigem Gefrickel, in die Ablage unter dem doppelten Ladeboden. Bei kaltem Wetter mit klammen Händen sowie Nässe und Schmutz will man sich aber nicht ewig mit dem Herumstopfen des Kabels aufhalten, also liegt es im kleinen Kofferraum. Schade, dass bei der Entwicklung eines neuen Elektroautos auf einer dezidierten E-Plattform kein extra Stauraum geschaffen wurden. Ein „Frunk“ als vorderes Staufach gibt es nicht.
Auch beim Platzangebot im Fond kann der kompakte Suzuki e Vitara keine Wunder vollbringen. Im Fond klagen große Mitfahrer über knappen Knieraum und eine flach über dem Boden platzierte Bank. Trotzdem fällt auch die Kopffreiheit gering aus. Besser passt es vorne. Beim Topmodell Comfort+ ist der Fahrersitz elektrisch einstellbar. Leider verzichtet Suzuki beim manuellen Beifahrersitz auf eine Höhenverstellung.
Der e Vitara im Video
Auf der Mittelkonsole thront ein 10,1 Zoll großes Display, über das alle Infotainment-Funktionen vom serienmäßigen Navigationssystem über die kabellose Smartphone-Integration (Apple CarPlay und Android Auto) bis hin zur Klimaanlage gesteuert werden. Leider lässt sich der Touchscreen manchmal (zu) lange Zeit, um aus dem Befehl der Fingerkuppe eine Funktion abzuleiten, dazu kommen teils verschachtelte Menüs. Die Aktivierung der Sitzheizung dauert zu lange, hier wären Tasten die bessere Wahl.
Im EV-Menü kann man die Rekuperation des Antriebs in drei Stufen einstellen. Um hier einzugreifen, muss das Auto aber stillstehen. Es ist also nicht möglich, die Intensität der Energie-Rückgewinnung während der Fahrt zu ändern, beispielsweise im Stopp-and-Go-Verkehr oder bei einer Ortseinfahrt. Unterwegs kann man aber die Batterieheizung aktivieren, um die Leistung am Schnelllader zu maximieren.
Ein Ladekönig wird aus dem Suzuki e Vitara aber auch dann nicht. Trotz des mit 61 kWh vergleichsweise kleinen Akkus vergehen rund 45 Minuten für einen Hub auf 80 Prozent. Die maximale Ladeleistung wird ein Wert von 68 kW genannt (sogar nur 55 kW beim Basismodell mit kleiner Batterie). Über den Typ-2-Stecker fließt Strom dreiphasig mit 11 kW. Der Suzuki e Vitara eignet sich also vor allem für Heimlader, die kein Langstreckenauto suchen. Und so findet er auch seine Zielgruppe, unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr vom Hybrid-Bruder oder dem etwas größere Suzuki S-Cross. Termingeplagte Außendienstler mit Verbrennern auf der Einkaufsliste dürften auch diese beiden SUV nicht im Fokus haben.
Der e Vitara im Fahrbericht
Bereits im April 2025 hatten wir die Gelegenheit, Vorserien-Exemplare des Suzuki e Vitara zu fahren. Zum Marktstart steht jetzt ein Exemplar für Testfahrten auf öffentlichen Straßen bereit. Am frühen Morgen klettert das Thermometer nicht über -5 Grad. Wahrlich keine idealen Bedingungen für ein Elektroauto. Die Anzeige im Cockpit meldet trotz fast vollem Akku nur 305 Kilometer Reichweite, einen validen Verbrauchs- und Ladetest holen wir später nach. Das Wetter bietet schon jetzt aber eine gute Gelegenheit, den Allradantrieb des elektrischen Suzuki auf leicht rutschigen Nebenstrecken auszuprobieren. Der Grip-Vorteil ist beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren zu spüren. Sanft drückt die hintere Maschine mit und nimmt etwas Druck aus den Vorderrädern, deren Winterreifen-Profil sich erfolgreich mit dem kalten Asphalt verzahnen kann.
Weiche Dämpfer bügeln einen Großteil der Verwerfungen im ausgebesserten Asphalt aus, bedingen aber bei Wellen auch ein leichtes Nachschwingen des Aufbaus. Das kann man komfortabel finden, oder als Mensch mit empfindlichem Magen auch als störend.
Bei einem kurzen Ausflug ins (extra dafür vorgesehene) Gelände zeigt der e Vitara Allgrip seine Offroad-Kompetenz. Das sofort anliegende Drehmoment der E-Achsen hilft beim Anfahren und Kraxeln. Auch das kompakte Format des Autos ist ein Vorteil auf schmalen Waldwegen und in engen Kurven. Die o.g. Bodenfreiheit von 18 Zentimetern reicht in den meisten Fällen aus. Unlackierte Kunststoffflächen an Stoßfängern und Seitenschwellern nehmen Ästen und Co. ihren Schrecken.
Preise ab 29.990 Euro
Die Preise für den Suzuki e- Vitara starten bei 29.990 Euro für die Basis-Variante Club mit 49 kWh großem Akku. Nach der jüngsten Preiserhöhung beim Schwestermodell liegt der Suzuki 2.000 Euro unter dem Toyota Urban Cruiser. Die Serienausstattung umfasst 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Navigationssystem, Rückfahrkamera, die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und eine Wärmepumpe.
Über dem Club-Modell rangieren die Varianten Comfort und Comfort+. Die Comfort-Linie bringt zusätzlich Sitz- und Lenkradheizung sowie eine heizbare Windschutzscheibe an Bord. Das Upgrade zum Comfort+ bringt dann 19-Zoll-Felgen, ein Glasdach, Kunstleder-/Stoff-Bezüge, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, 360-Grad-Kamerarundumsicht, einen adaptiven Fernlichtassistenten, Nebelscheinwerfer und ein Infinity-Soundsystem mit acht Lautsprechern und Subwoofer in der Kofferraumverkleidung mit. 36.490 Euro kostet der Suzuki e Vitara Comfort mit Frontantrieb, mit Allradantrieb steigt das Preisschild auf 39.490 Euro. Der Comfort+ steht ab 40.490 Euro in Konfigurator und Preisliste, das entsprechende Allradmodell kostet 42.990 Euro.
Fazit
Der Suzuki e Vitara kommt jetzt als erstes Elektroauto der japanischen Marke zu den Händlern in Deutschland. Dort wird er parallel zum weiterhin angebotenen Vitara mit Verbrennungsmotor angeboten. In den Autohäusern wird man nicht nur die Neueinführung feiern, sondern auch einen runden Geburtstag. Vor 50 Jahren begannen die Vertriebsaktivitäten von Suzuki in Deutschland mit Motorrädern und Bootsmotoren, ab 1980 wurden auch Autos verkauft.
Technische Daten
Suzuki e Vitara eAxle Allgrip-e Comfort+
- Antriebsart
- Elektro
- Antrieb
- Allradantrieb
- Getriebe
- Eingang-Reduktionsgetriebe
- Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW
- 128 kW (174 PS)
- Elektromotor vorn: Nennleistung KW
- 64 kW (87 PS)
- Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW
- 48 kW (65 PS)
- Systemleistung: kW / PS
- 135 kW (184 PS)
- Batterie
- 61 kWh
- Batterie: Typ
- LFP (Lithium-Eisenphosphat)
- Ladeleistung Gleichstrom (DC) im Test
- kein offizieller Wert (Angabe: 10-80% in 45 Minuten)
- Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
- 11 kW (dreiphasig)
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 7,4 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 150 km/h
- Norm-Verbrauch kWh / 100 km
- 16,6 kWh
- Reichweite nach Norm
- 395 km
- Kofferraumvolumen
- 238 - 1.052 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Continental Winter Contact TS860 S 225/50 R19
- Leergewicht
- 1.935 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 750 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.275 / 1.800 / 1.635 mm
- Basispreis Baureihe
- 29.990 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 42.990 Euro