VW Arteon Shooting Brake (2021) Der hat noch gefehlt

Der VW Arteon Shooting Brake im Alltagstest mit Video-Review? Eine Alternative, nicht nur zum Passat Variant?

Kleiner hatten sie es nicht? Dann irgendwann doch. Auch wenn die Oberklasseambitionen der Marke VW mit dem Phaeton eher weniger erfolgreich waren, hielt und hält die Kernmarke des großen Autokonzerns an einem edleren Modell über dem Passat fest.

Der VW Arteon bekam im vergangenen Herbst ein Facelift, mit er durch eine LED-Lichtleiste am Heck und neues Make-up ein Stück weiter nach oben positioniert werden soll. Weiter weg vom Passat. Und dennoch folgt er dem Rat des Bruders: Eine große Klappe allein reicht nicht (die hat der Arteon schon immer), etwas steiler sollte sie ein. Noch ein Variant? Mitnichten.

Der Arteon im Video

Die Modellplaner setzten das um, was dem Arteon in der ersten Hälfte seines Lebens gefehlt hatte. Als Shooting Brake wird er plötzlich cool(er). Endlich wirkt er auf dem Firmenparkplatz nicht wie ein Bonus-Passat, sondern ist eine ernstgemeinte Alternative zu Premiumkombis und auch zu SUV-Coupés.

Arteon Shooting Brake statt Audi A6? Warum nicht – solange man aufgrund der CO2-Flottenvorgaben des Arbeitgebers oder des Managementlevels beim Vierzylinder bleibt. Dann kann man aus zwei Benzinern, einem Plug-in Hybriden und weiterhin aus Dieselvarianten wählen.

Den 240 PS starken, doppelt aufgeladenen TDI gibt es nicht mehr. Den Bauraum des zweiten Turboladers beansprucht, salopp gesagt, mittlerweile der zusätzliche SCR-Katalysator der Twindosing genannten doppelten Abgasreinigung.

Diesel mit maximal 200 PS

VW Arteon Shooting Brake Test Video R Line

Sauber soll er also sein, der große VW. Aber auch flott? Der zwei Liter große TDI leistet in der stärkeren Ausbaustufe 147 kW / 200 PS. Ein 7-Gang-DSG ist serienmäßig und bemüht sich darum, die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment zu bändigen.

Das klappt alles gut und harmonisch. Aber mehr als zügig will der VW Arteon Shooting Brake damit nicht sein. Ein Außendienst-Racer ist er auf den ersten Blick nicht. Was aber auch daran liegt, dass er nicht viel Aufsehen um das Vorankommen macht. Mit Allradantrieb und gut gefüllter Ausstattungsliste des Testwagens wiegt der 4,87 Meter lange Kombi natürlich so einiges.

Trotzdem überrascht der gemächliche Antritt, zum Beispiel beim Anfahren oder nach Kurven. Besser als bei manchen Audis, aber schon arg prüfstandsoptimiert. Auf der Autobahn geht es gut voran. Die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h erreicht der VW zwar erst nach längerem Anlauf, aber im für den Alltag wichtigen Bereich von 100 bis 160 km/h wirkt er wach.

Der Dieselverbrauch pendelt sich im Alltag bei gemischten Fahrbetrieb bei 7,8 Litern je 100 Kilometer ein. Das wirkt auf den ersten Blick nicht wirklich sparsam. Vor allem beim Kilometersammeln zeigt der Selbstzünder aber seine Daseinsberechtigung. Denn auch bei schnellen Langstreckenetappen steigt der Durst kaum über 10 Liter, während Benziner (und Elektroautos) eine steilere Kurve nach oben aufweisen.

565 Liter Kofferraumvolumen

Das optionale DCC hält allzu deutliche Informationen von der Fahrbahnoberfläche gekonnt von Fahrer und Passagieren fern. Die räkeln sich im geräumigen Innenraum, der auch auf allen Plätzen ausreichend Kopffreiheit bereithält. Mit 565 Litern ist auch der Kofferraum ausreichend groß. Klar, der Passat kann mit aufgestellter Fondlehne fast 100 Liter mehr einladen (650 Liter), aber fürs Urlaubsgepäck reicht der Shooting Brake voll und ganz aus.

Die Bedienung im Cockpit wurde mit dem Facelift weiter digitalisiert. Touch-Flächen an Klimaautomatik und Multifunktionslenkrad sehen zwar schick aus, bieten aber keinen wirklichen Mehrwert. Die digitalen Instrumente und das Infotainmentsystem sind aus vielen anderen Konzernmodellen hinreichen bekannt.

Schade: Während der VW Golf 8 ein vollwertiges Head-up-Display bietet, müssen Arteon und Passat weiterhin mit einer kleinen Kunststoffscheibe für die Informationen Vorlieb nehmen. Eine verzichtbare Option.

885 Euro Aufpreis kostet der Arteon Shoting Brake im Vergleich zur flachen Fließheck-Version. Schick sind beide, der Shooting Brake aber nochmals schicker und damit für viele Kunden seinen Aufpreis wert. Ein VW Passat Variant ist zwar 2.500 Euro günstiger, verliert einen Großteil dieses Preisvorteils aber durch eine leicht bessere Ausstattung des Arteon. Damit würde der Arteon Shooting Brake nach Meinung des Autors das markeninterne Rennen für sich entscheiden.

Preis-Vergleich mit Passat und Superb

VW Arteon Shooting Brake Test Video R Line

Wer auch trotz der hohen Preise – der Arteon Testwagen kostet laut Liste stolze 69.080 Euro, der R-Line TDI mit 200 PS und Allradantrieb ohne Extras ab 54.615 Euro – Geld sparen will, der sollte sich eher den Skoda Superb Combi ansehen. In der Sportline-Ausstattung wirkt auch er premiös und lässt sich ähnlich üppig ausstraffieren. Einige Tech-Extras wie das Head-up-Display fehlen dann zwar, dafür ist der Skoda mit 58.260 Euro über 10.000 Euro günstiger.

Fazit

VW Arteon Shooting Brake Test Video R Line

Der VW Arteon Shooting Brake ist eine schicke Bereicherung der Modellpalette. Mit dem neuem Heckabschluss dürfte der Passat-Bruder vor allem bei Premium-Kombis und auch bei SUV-Coupés wildern. Ob er es aber schafft, für eine größere Verbreitung der Baureihe zu sorgen, muss abgewartet werden. Auf jeden Fall schwimmt ein schöner Neuzugang mit vielen Talenten im Haifischbecken herum.

Technische Daten

VW Arteon Shooting Brake R-Line 2.0 TDI 4Motion

Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM
Hubraum 1.968 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 147 kW / 200 PS
Max. Drehmoment 400 Nm bei 1.750 - 3.500 U/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Tankinhalt 66 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 7,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 4,9 Liter
Verbrauch real auf 100km 7,8 Liter
Leergewicht 1.726 kg
Anhängelast (gebremst) 2.200 kg, Stützlast 90 kg
Länge / Breite / Höhe 4.866 / 1.871 / 1.462 mm
Grundpreis 54.615 Euro
Testwagenpreis 69.080 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad