VW ID.4 GTX Sportler oder Blender?

Der neue VW ID.4 GTX im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Wer sich bei Volkswagen künftig nach den Topmodellen unter den Elektromobilen umsieht, sollte sich die Buchstaben „G-T-X“ merken. Was einst der GTI für Benziner, GTD für Diesel oder GTE für Plug-In Hybride war – und zumindest eine Zeit lang auch noch bleiben wird - , ist nun der GTX für vollelektrische Fahrzeuge aus dem Hause Volkswagen. Kurz gesagt, die neuen GTX Modelle stehen für Sportlichkeit, Fahrspaß und Emotionen. Das erste Modell, welches dieses Kürzel tragen darf, ist der neue VW ID.4 GTX.

Der ID.4 GTX im Video

Optisch unterscheidet sich der ID.4 GTX von seinen schwächeren Brüdern durch modifizierte Anbauteile an Front, Seite und Heck. Die Front trägt nun ein LED Lichtband mit 6 rautenförmigen LEDs, die Seitenlinie wurde vom unlackiertem Kunststoff befreit und am Heck deutet sich ein Diffusor in der neu modellierten Heckschürze dezent an. Serienmäßig steht der VW ID.4 GTX bereits ab Werk auf großen 20 Zoll Leichtmetallrädern mit Mischbereifung, welche optional durch - die am Testwagen verbauten – 21 Zoll Räder ersetzt werden können.

Neue Farbwelt im Innenraum

Der Innenraum spielt mit der Historie, und so kommen sowohl rote (GTI/GTD), als auch blaue Dekorelemente (GTE) in den Türen und auf dem Armaturenträger zur Verwendung. Ob die blaue Einlage jedermanns Geschmack trifft, bleibt allerdings fraglich. Abbestellbar ist es derzeit jedoch (leider) nicht. Die Materialien sind sauber zusammengefügt, haptisch könnte Volkswagen hier wie da durchaus noch etwas nachlegen und vielleicht auch gerne auf den hochglänzenden Lack verzichten.

Besonders positiv ist allerdings das Platzangebot im ID.4 GTX hervorzuheben. Dies entspricht natürlich dem der zahmeren Brüder und ist damit als voll familientauglich zu bezeichnen. Der Kofferraum bietet mit 543 bis 1.575 Litern ausreichend Stauraum, die Passagiere in der zweiten Reihe freuen sich über großzügige Kopf- und Kniefreiheit. Der Nachwuchs kann sicher Reisen mit Hilfe von ISOFIX auf den Außenpositionen und dem Beifahrersitz. Auch die Stromversorgung für das Unterhaltungsprogramm ist mit zwei USB-C Anschlüssen abgedeckt. Einzig Sonnenschutzrollos würden der vollkommenden Familienzufriedenheit fehlen.

Im Testwagen waren optional erhältlichen „Top-Sportsitze“ montiert, welche neben einer elektrischen Einstellbarkeit über einen besseren Seitenhalt und eine in die Lehne integrierte Kopfstütze verfügen. Zudem sind diese mit dem Gütesiegel „Aktion Gesunder Rücken“ versehen und bieten einen hervorragenden Langstreckenkomfort.

Zweiter E-Motor für Allradantrieb

Die Innenraumgestaltung entspricht sonst ohne weitere Änderungen den bekannten ID.4-Modellen. Ein fünf Zoll großes Zoll Display, das fest mit der Lenksäule verbunden ist, stellt die nötigsten Informationen zu Fahrdaten, Assistenz und Navigation zur Verfügung. Weitere Anzeigemöglichkeiten bietet das optionale Augmented-Reality-Head-Up Display. Der freistehende Bildschirm in der Mittelkonsole ist standardmäßig zehn Zoll groß oder durch das aufpreispflichtige Infotainmentpaket auf 12 Zoll erweiterbar. Allen Systemen gleich ist die gewöhnungsbedürftige Bedienung via Touch- und Wischeingaben. Die nicht beleuchtete Touchbar bleibt einer der Hauptkritikpunkte an der Bedienung, da hier eine nächtliche Nutzung nur eingeschränkt oder unter Ablenkung vom Verkehrsgeschehen erfolgt.

Nun wollen wir uns lieber auf das Wesentliche konzentrieren, was den GTX eben zum GTX machen soll – der Antrieb. Hier setzt Volkswagen einfach noch einen drauf. Also einen weiteren Elektromotor. Diese zusätzliche Asynchronmaschine (80kW – 162Nm) sitzt an der Vorderachse und wartet quasi nur darauf, dass der Fahrer am Fahrpedal entsprechende Zusatzleistung abruft. Die Hauptarbeit verrichtet weiterhin die permanent erregte Synchronmaschine (150kW – 310Nm) an der Hinterachse. So wird erst beim Abrufen der vollen Leistung aus dem ID.4 ein GTX und zugleich ein Allradler. Will der Kunde dennoch einmal kurzzeitig einen richtigen Allradantrieb, kann dieser zum Anfahren auf rutschigem Untergrund über die MODE-Taste unter „Traction“ aktiviert werden. Ist das Anfahren überwunden, schaltet der ID.4 GTX ab etwa 20km/h wieder zurück auf den Heckantrieb.

220 kW für 30 Sekunden

VW ID.4 GTX Fahbericht Test Video Review 2021

So verrichtet den Großteil der Arbeit weiterhin der Elektromotor an der Hinterachse. Die maximale Leistung von 220kW (299PS) kann nur für etwa 30 Sekunden dauerhaft abgerufen werden, was jedoch in den meisten Fällen ausreichen sollte.

Ruft man nun also die maximale Peak-Leistung ab, dann ist es möglich, den knapp über zwei Tonnen schweren Koloss in nur 6,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen. Dies ist dann sogar ein Zehntel schneller als ein VW Golf GTI! Die Höchstgeschwindigkeit wird – wie bei den anderen Elektrofahrzeugen auch – elektronisch begrenzt. Im Falle des ID.4 GTX sind dies aber 180 km/h anstatt 160 km/h wie bei den schwächeren Brüdern.

Auf der Straße merkt man von der zusätzlichen Leistung erst dann etwas, wenn es auf eine kurvige Landstraße - wie bei unseren Testfahrten im Harz – geht. Denn hier kann der ID.4 GTX mit seiner Peak-Leistung richtig schön spielen. Aus der engen Kehre feuert der GTX dann nämlich richtig gut heraus. Beim Fahrwerk haben sie in Wolfsburg auch ein wenig Hand angelegt und ein Sportfahrwerk, adaptive Dämpfer und die Progressivlenkung draufgepackt. Damit liegt der ID.4 GTX wunderbar neutral auf der Straße und schafft es dank hervorragender Traktion sehr frühzeitig aus dem Kurvenscheitel heraus zu beschleunigen. Besondere Vollendung dieser Dynamikleistung findet der Fahrer, wenn die nur im GTX erhältlichen ESC-Taste auf dem Touchscreen gedrückt wird. Dadurch wird die Traktionskontrolle in ihrer Funktion etwas eingeschränkt und der ID.4 GTX ist in der Lage kontrolliert mit dem Heck einen gewissen Schwimmwinkel zu zulassen. Fast schon wie im klassischen GTI giert der GTX nach der nächsten Kurve und dem Fahrer steigt ein stetig wachsendes Grinsen in die Mundwinkel. Spätestens jetzt ist das hohe Leergewicht vergessen, doch eine Sorge bleibt dann schnell bestehen: die Reichweite.

Schnellladen mit 125 kW

VW ID.4 GTX Fahbericht Test Video Review 2021

Denn wer die volle Leistung allzu oft abruft, der kann zwar einen Teil dieser Energie durch Rekuperation vor der nächsten Kehre zurückgewinnen, dennoch wird mehr Energie in Fahrspaß umgewandelt als wieder in die Batterie zurückgeführt. So kommt der ID.4 GTX bei ruhiger Fahrweise zwar nach WLTP zwischen 340 und 480 km weit, in der Praxis sollte man aber durchschnittlich nach gut 300 Kilometern eine Ladesäule ansteuern. Für Langstreckenfahrer sollte dies am besten ein Hypercharger sein, denn der ID.4 GTX kann mit maximal 125kW Ladeleistung versorgt werden. So ist der Akku dann auch nach 38min wieder zu 80% gefüllt und man kann weitere rund 250km absolvieren.

Das kostet der ID.4 GTX

VW ID.4 GTX Fahbericht Test Video Review 2021

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist sich das etwas „mehr“ zu gönnen oder die neuen Buchstaben auch mal im Besitz gehabt haben möchte, der muss mindestens 50.415 Euro gemäß Listenpreis berappen. Das es aber nicht bei dieser Summe bleibt, zeigt unser Testwagen mit einem Listenpreis von 63.750 Euro. Darin enthalten sind dann u.a. eine Wärmepumpe, die tollen Sportsitze, eine Anhängerkupplung (maximal 1.200kg Zuglast bzw. 75kg Stützlast) oder aber das vollumfängliche Infotainment- und Assistenzpaket. Wie bei Volkswagen gewohnt kostet eben doch leider vieles was schön und wertvoll ist noch einmal Extra. Da hilft es zumindest ein wenig, dass der VW ID.4 GTX zumindest noch förderfähig ist mit einen Gesamtbonus von 7.975 Euro.

Fazit

VW ID.4 GTX Fahbericht Test Video Review 2021

Der ID.4 GTX beantwortet die Frage nach einem sportlichen Topmodell der Elektro-Baureihe mit einem zweiten Motor für den kurzfristigen Leistungsboost und einer dynamischen Abstimmung. Ob einem dafür der heftige Aufpreis im Vergleich zum ID.4 Pro nicht zu hoch ist, darf jeder für sich entscheiden.

Technische Daten

VW ID.4 GTX

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW 80 kW
Elektromotor vorn: Maximales Drehmoment 162 Nm
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW 150 kW
Elektromotor hinten: Maximales Drehmoment 310 Nm
Systemleistung: kW / PS 220 kW / 299 PS
Batterie 77 kWh (netto), Lithium Ionen
Beschleuningung 0-100 km/h 6,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 18,2 kWh
Leergewicht 2.224 kg
Anhängelast (gebremst) 1.200 kg, Stützlast 75 kg
Länge / Breite / Höhe 4.582 / 1.852 / 1.637 mm
Grundpreis 50.415 Euro
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Text: Matthias Gill
Bilder: Matthias Gill
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