VW T-Roc R Alltagstest Evolutionsgeschichte

Der Golf R macht gerade Pause, dewegen hält der T-Roc R die Markenfahne bei den Hot Hatches nach oben. Alltagstest des SUV mit 300 PS.

Die Evolution strebt nach oben. So wie der Mensch erst den aufrechten Gang erlernte (und im Moment vor den Laptops, Tablets und Smartphones wohl wieder verlernt) und dann immer größer wurde und wird, ist es auch bei Autos. Da wurden GTI und Co. regelmäßig stärker und schneller, bis dann noch eine Spielart oben draufgesetzt wurde. Die der nochmals heißeren Hot Hatches in Form von Audi S3 oder dem VW Golf R.

Wie allgemein bekannt trug es sich zu, dass der Neuwagenkäufer plötzlich viel lieber Crossover und SUV kaufte und gar nicht mehr so sehr dem kompakten Fünftürer hinterherlief. Also gibt es von den Herstellern mittlerweile auch hier eine große Auswahl – auch wenn die Grenzen mittlerweile verschwimmen. Und wenn dann jetzt noch die Umsteiger von M135i, Golf R oder Mégane R.S. den Aufstieg wagen?

Sportzutaten aus dem Baukasten

Kein Wunder, dass unter anderem der Volkswagen-Konzern hier bestens vorbereitet ist. Und das gleich dreifach. Lassen wir aber Audi SQ2 und Cupra Ateca mal gedanklich in der Boxengasse stehen und kümmern uns um den VW T-Roc R. Die Granatenversion war aufgrund des großen Verkaufserfolgs des kompakten SUV auf Basis des MQB (Modularer Querbaukasten) absehbar, zudem die Teile komplett im Regal liegen. Und weil der VW Golf R modellwechselbedingt gerade Pause macht, hält der T-Roc die Sportfahne der Wolfsburger hoch.

Optisch macht er das gekonnt. Der VW T-Roc R trägt breitere Schürzen an Front und Heck, eine eigene LED-Signatur im vorderen Stoßfänger und 18-Zoll-Felgen. Die wurden am Testwagen gegen optionale 19-Zöller getauscht. Auch die Abgasanlage verlangt nach Zuzahlung. 3.800 Euro kostet das Upgrade auf die vier Endrohre mit Akrapovic-Logo, die dann vor allem im Race-Modus ziemlich Radau machen und eine fast natürlich wirkende, aber per Software eingestreute, Klappensteuerung zum Besten geben.

Adaptive Dämpfer gegen Aufpreis

VW T-Roc R 2020 Test Fahrbericht Erfahrung Kaufberatung

Die Wollmilchsau in Form des 2.0 TSI im Bug legt keine Eier, sondern lässt bis zu 300 PS von der Leine. 400 Nm maximales Drehmoment hangeln sich durch die sieben Übersetzungen des serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebes. Das schaltet, man gewöhnt sich daran, stets im richtigen Augenblick und macht die Schaltwippen ebenso obsolet wie den durch hohe Drehzahlen auf Dauer nervigen S-Modus. Noch immer stört aber die leichte Verzögerung des Vortriebs beim Anfahren – Rangieren dauert damit etwas länger als vorgesehen.

Viel lieber donnergrummelt der Anabolika-T-Roc aber über verwinkelte Landstraßen. Die rückmeldungsstarke Lenkung sorgt für einen sauberen Zirkelstrich, der Allradantrieb hält Front und Heck auf Linie. Dazu passen die haltstarken Sportsitze, die auch stets daran erinnern, die Freizeit lieber im Fitnessstudio oder auf der Laufrunde anstelle vor dem Chipsregal im Supermarkt zu verbringen.

1.045 Euro Aufpreis in das adaptive DCC-Fahrwerk sind gut angelegt. Dann federt der T-Roc R nicht nur das 19-Zoll-Leichtmetall gut weg, sondern lädt Spielfreunde auch zu nochmals mehr Drehund-Drück-Übungen ein. Neben den Fahrmodi über den Drehregler auf der Mittelkonsole lassen sich dann noch diverse Fahrprofile bis hin zu einem frei konfigurierbaren Individualmodus aufrufen und programmieren. Des Autors Wahl bei „Individual“: Antrieb und Lenkung auf die schärfste Stufe, das Fahrwerk aber in den Komfortmodus setzen. Spätestens dann klebt der T-Roc auf der Straße wie Pattex Forte.

Billige Kunststoffe im Innenraum

Verschnaufpausen gibt es dann öfter mal an der Zapfsäule. Wer es ordentlich krachen lässt, muss en 55 Liter-Tank nach knapp über 400 Kilometern wieder auffüllen. Im Testzeitraum hat sich mit zehn Litern Super auf 100 Kilometer aber ein für die Leistung angemessener Verbrauch eingependelt.

Alltag kann der VW T-Roc R übrigens auch. Das Platzangebot passt für vier Personen mit kompaktem Gepäck, denn das 4Motion-System reduziert den Laderaum auf 392 Liter. Die Ergonomie im Cockpit ist über jeden Zweifel erhaben und dient vielleicht als Gegenargument für die doch arg billig wirkende Kunststofftristesse. Mitbewerber wie der Kia XCeed zeigen aktuell deutlich mehr Materialfinesse als der T-Roc.

Fazit zum VW T-Roc R

VW T-Roc R 2020 Test Fahrbericht Erfahrung Kaufberatung

VW kann sportliche Kompakte bauen. Das gilt auch für den zeitgeistigen T-Roc R. Trotz der höheren Karosserie und der entsprechenden Sitzposition gefällt, wie flink und präzise das SUV sich dirigieren lässt. Die Bremsen packen ordentlich zu und auf Wunsch orchestriert die Akrapovic-Anlage einen besseren Soundtrack als das mau klingende Beats-Soundsystem. Ein teurer Spaß ist der 300 PS-Knaller aber. Bei 43.995 Euro geht es los, der Testwagen steht mit über 56.000 Euro in der Preisliste.

Übrigens – wer mag, kann sich auch künftig wieder bücken. Denn ein neuer Golf R steht selbstredend in den Startlöchern. Trotz niedrigerer Karosserie dürfte es auch bei ihm wieder höher hinauf gehen. Sie wissen schon, die Evolution…

Technische Daten

VW T-Roc R

Abgasnorm Euro 6d-Temp
Hubraum 1.984
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 221 kW / 300 PS
Max. Drehmoment 400 Nm bei 2.000 - 5.200 U/min
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung
Beschleuningung 0-100 km/h 4,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 7,7 Liter
Verbrauch real auf 100km 10,0 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens Pirelli Winter Sottozero 235/40 R19
Leergewicht 1.575 kg
Anhängelast (gebremst) 1.700 kg
Länge / Breite / Höhe 4.234 / 1.819 / 1.573 mm
Grundpreis 43.995 Euro
Testwagenpreis 56.325 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad