Nach Ebro wird mit Santana eine zweite spanische Marke für den Vertrieb von Autos aus China wiederbelebt.
Spanien wird verstärkt zum Türöffner für chinesische Autohersteller auf dem Weg nach Europa. Leerstehende oder unausgelastete Werke, verhältnismäßig überschaubare Lohnkosten und ausgebildete Fachkräfte stellen die Grundlage für eine lokale (End-) Montage von Autos.
In einem ehemaligen Nissan-Werk, aus dem früher der Pick-up Navara kam, werden SUV von Chery produziert. Die Modelle werden unter der ehemaligen spanischen Nutzfahrzeugmarke Ebro vermarktet, zusätzlich zu den importierten Baureihen von Omoda und Jaecoo.
Lange Santana-Tradition
Eine weitere spanische Marke, die aus den Geschichtsbüchern in die Neuzeit zurückkommen soll, ist Santana. Das 1956 gegründete Unternehmen Metalúrgica de Santa Ana (kurz: Santana) begann in den 1960er-Jahren mit der Lizenzproduktion des britischen Land Rover, von dem später eigene Modelle abgeleitet wurden. Auch die kleinen Geländewagen Suzuki SJ410/413 und später die Cabrio-Variante des Nachfolgers Jimny wurden von Santana in Spanien produziert. Mit dem Einstieg des italienischen Nutzfahrzeugherstellers Iveco kam der Geländewagen Santana PS-10 als Iveco Massif international in den Verkauf. Die Stückzahlen blieben gering, 2011 gingen die Spanier insolvent.
Jetzt feiert die Marke ein Comeback, unterstützt von der Regionalregierung Andalusiens und von Industriepartnern. Eine strategische Kooperation mit dem chinesischen Staatskonzern BAIC soll ab diesem Jahr die Einführung von SUV und Geländewagen ermöglichen. Dabei handelt es sich um chinesische BAIC-Modelle, die bei Santana in leicht modifizierter Form endmontiert werden. Dabei spricht man von einer SKD-Fertigung (Semi-Knocked-Down, teilzerlegte Autos).
Pick-up als Diesel und PHEV
Ob es sich dabei um Derivate bestehender BAIC-Baureihen wie BJ30, BJ40 und BJ60 handelt, die über den privaten Importeur Indimo Automotive bei uns vermarktet werden, ist noch nicht bekannt. Eine Ko-Existenz erscheint möglich, da Santana aktuell von einem Vertriebsnetz in Spanien, Portugal, Andorra, Gibraltar und Italien spricht. Eher dürfte man sich mit dem italienischen Unternehmen DR Automobiles ins Gehege kommen, die unter eigenen Marken (Evo, Ich-X, Tiger, Sportequipe) SUV und Geländewagen aus China-Basis in Italien endmontieren und international vermarkten, darunter auch Fahrzeuge von BAIC.
Als erstes Modell der wieder erwachten Marke Santana läuft im modernisierten südpanischen Werk ein Pick-up aus der Kooperation mit ZNA vom Band. Zhengzhou Nissan (ZNA) ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Nissan und Dongfeng. In China wurde 2025 der Nissan Frontier Pro als Plug-in Hybrid vorgestellt, zu uns kommt der Pick-up über Indimo Automotive als DFM Rich 9 mit Dieselmotor.
Beide Antriebskonzepte stehen im Santana 400 zur Wahl. Optisch unterscheidet sich der Pseudo-Spanier, bis auf Schriftzüge und einen anderen Kühlergrill, nicht vom Rich 9. Die Karosserie ist 5,52 Meter lang, 1,96 Meter breit und 1,95 Meter hoch. Hinter der Doppelkabine steht eine 1,52 Meter und knapp unter 1,60 Meter (nachgemessen beim DFM Rich 9) große Ladefläche bereit.
Im Cockpit konzentriert sich die Bedienung auf einen zentralen Touchscreen. Smartphone-Inhalte mit Apple CarPlay und Android Auto kommen im Santana 400 nur über den Umweg der Carbit-App ins Auto. Sitzheizung- und Lüftung ist in der höheren von zwei Ausstattungslinien enthalten.
Der Santana 400 D hat einen 2,3 Liter großen Vierzylinder-Dieselmotor mit 140 kW / 190 PS unter der Haube, der – in Verbindung mit einer Achtgang-Automatik - ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern bereitstellt. Die Version mit manuellem Schaltgetriebe kommt auf 450 Newtonmeter. 815 Kilogramm Zuladung sollen möglich sein.
Der Plug-in Hybrid kombiniert einen 105 kW / 143 PS starken Benziner mit 210 kW (286 PS) Elektro-Power. Die Systemleistung liegt bei 315 kW / 428 PS, das Drehmoment bei üppigen 800 Newtonmetern. Die elektrische Reichweite des Pick-ups wird mit bis zu 120 Kilometern angegeben. Dank 60 kW Leistung über den CCS-Anschluss lässt sich der 32-kWh-Akku in einer halben Stunde von 20 auf 80 Prozent seiner Kapazität laden. An der Wallbox oder einer öffentlichen Ladesäule braucht man mehr Geduld, hier sind maximal 6,6 kW möglich. Die Nutzlast des PHEV fällt mit 765 Kilogramm etwas geringer aus als beim Diesel. Unabhängig vom Antriebskonzept gibt Santana die Anhängelast für den 400 mit 3,2 Tonnen an. Der Allradantrieb kann über einen Schalter im Cockpit zugeschaltet werden, auch eine feste Übersetzung mittels Längssperre ist möglich.
Preise für den spanischen Markt nennt Santana noch nicht. Berichten zufolge soll der 400 D als Handschalter ab 29.000 Euro ohne Mehrwertsteuer kosten, mit dem deutschen Satz von 19% also etwa 34.500 Euro. Der Plug-in Hybrid liegt in Spanien bei etwa 44.700 Euro, was brutto aus deutscher Sicht einen Preis von rund 53.200 Euro bedeutet.
Der weitestgehend baugleiche DFM Rich 9 wird in Deutschland ab Frühjahr 2026 mit 162 kW / 220 PS starkem Dieselmotor und Automatik-Getriebe für 39.995 Euro zu haben sein. Eine eigene Geschichte mit Video zu diesem Pick-up folgt in Kürze.
Fazit
Chinesische Autohersteller nutzen freie Kapazitäten in Spanien für eine Fahrzeugproduktion in Europa. Ein, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, verhältnismäßig niedriges Lohnniveau und mutmaßlich förderfreudige Regionalregierungen unterstützen die Ansiedlung.
Chery nutzt ein ehemaliges Nissan-Werk, die dort montierten SUV werden in Spanien unter der lokalen Marke Ebro verkauft. Auch das insolvente Unternehmen Santana wird wiederbelebt. Erster neuer Santana ist ein Pick-up auf Dongfeng-Nissan-Basis. Eine Kooperation mit BAIC soll eine Reihe von SUV und Geländewagen bringen, die im Süden der iberischen Halbinsel endmontiert werden.
China-Pick-up im Video: DFM Rich 6 Offroad