BAIC Senova X55 2020 Riding a BAIC

Erste Fahrt im BAIC Senova X55, einem kompakten SUV made in China.



Was auffällt? Das eigentlich gar nichts auffällt. Hätten sie dem Testwagen nicht große Schriftzüge an die Flanken geklebt, würde man komplett unbehelligt im Verkehr mitschwimmen. Das Design des BAIC Senova X55 entspricht dem Massengeschmack. Kritiker könnten ihm beliebige Asia-Linien vorwerfen – man kann es aber auch Massentauglichkeit nennen.

Der BAIC X55 im Video-Review

BAIC? Nie gehört? Das Unternehmen ist einer der großen chinesischen Autokonzerne und dort auch Joint-Venture-Partner von Daimler. Der Importeur Indimo Automotive bringt die Autos aus China nach Deutschland. Und genau damit ist der X55 eine Art Pionier – denn während viele Fachleute mehr oder weniger neugierig auf die ersten Exportbemühungen der chinesischen Elektroauto-Start-ups warten, kommen schon Autos per Schiff und Zug aus dem Reich der Mitte nach Thüringen.

Dort werden Flüssigkeiten aufgefüllt und Inspektionen durchgeführt, bevor der BAIC Senova X55 und andere Modelle (bald mehr dazu) zu immerhin 166 Händlern in ganz Deutschland transportiert werden.

Preise starten unter 20.000 Euro

Die können ihren Kunden dann in Form des X55 ein kompaktes SUV im Tiguan-Format zu Listenpreisen ab 19.990 Euro anbieten. Je nach Ausstattung liegt der Preisvorteil im Vergleich zu einem ähnlich großen Kia Sportage und anderen Kompakt-SUV bei 4.000 bis 5.000 Euro.

Der X55-Testwagen stand mit dem Luxus-Paket bereit und kostet 23.940 Euro. Mit Panoramaglasdach, (Kunst-)Ledersitzen, LED-Scheinwerfern, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und Metalliclackierung ist dann alles drin, was das Werk so hergibt. Außerdem ist eine stufenlose CVT-Automatik mit im Paket enthalten.

Vierzylinder mit 136 PS

BAIC Senova X55 2020

Sie verwaltet das nicht gerade sportliche Leistungspotenzial eines 1,5 Liter großen Vierzylinder-Turbomotors auf Basis einer Mitsubishi-Lizenz. Er leistet 100 kW / 136 PS und erlaubt einen entspannten Fahrstil. Dazu trägt auch das Getriebe bei. Bauartbedingt werden Vollgasambitionen mit einer hochschnellenden Drehzahl quittiert, erst dann folgt die Tachonadel langsam, aber sicher dem Befehl des rechten Fußes.

190 km/h soll der BAIC Senova X55 maximal fahren können. Auf den ersten Probefahrten über Landstraßen und durch Ortschaften konnte das nicht nachgeprüft werden. Der Haupteinsatzzweck eines aus rationalen Gründen gekauften Autos dürfte aber auch weniger die Langstrecke sein.

Im Alltag dürfte das ausreichende Platzangebot gefallen, weniger aber die fehlende Längsverstellung für das Lenkrad. Zumindest große Menschen, die den elektrisch verstellbaren Fahrersitz entsprechen weit nach hinten fahren, müssen die Arme unergonomisch weit ausstrecken.

Cockpit mit bekannter Designsprache

BAIC Senova X55 2020

Auch haptisch ist das Lenkrad etwas weit weg, zumindest vom Rest des Cockpits. Denn beim Rundumblick im Innenraum fällt nicht nur die große Verbeugung der Designer an Mercedes-Benz auf. Das freistehende Infotainmentdisplay mit silbernem Rahmen, die sauber rastenden Schalter mit glitzernden Oberflächen und die runden Lüftungsdüsen erinnern stark an C-Klasse und auch den Vorgänger der A-Klasse.

Die Haptik der verwendeten Kunststoffe ist für die Preisklasse absolut okay, auch die Verarbeitung passt. Während der Fahrt quietschte nur die Mittelarmlehne leicht. Gut möglich, dass ein paar geschickt platzierte Tropfen WD-40 oder andere Mittel Abhilfe schaffen.

Kompromissbereitschaft erfordert die Wahl des China-SUV in Sachen Infotainment. Das schöne Display hält zwar ein Navigationssystem bereit, das funktioniert aber nicht. Ebenso wie Baidu CarLife (Baidu ist die große chinesische Suchmaschine) ist es außerhalb Chinas funktionslos. Es bleibt also die Bluetooth-Verbindung und Radioempfang für Entertainmentinhalte.

Kein Sportler

BAIC Senova X55 2020

Entspanntes Cruisen ist die Lieblingsdisziplin des Senova X55. Mit hastigen Kurvenfahrten hat er nicht so sehr, die Lenkung gibt vor allem um die Mittellage sehr wenig Rückmeldung. Außerdem kommt der Fronttriebler schnell ins Untersteuern. Welchen Anteil daran die am Werk montierten Giti-Reifen haben, müsste man nach einem Rädertausch vergleichen.

Zwei Jahre Garantie gewährt der Importeur auf die Autos auch China. Auch die Ersatzteilversorgung bis hin zu Karosserieteilen und Scheiben soll sichergestellt sein. Ein gut gefülltes Teilelager konnte in Augenschein genommen werden, fehlendes Material wird in China beschafft und zur Not per Luftfracht geholt.

Fazit zum BAIC Senova X55

BAIC Senova X55 2020

Während viele auf den großen Import-Aufschlag warten, sind Autos aus China doch schon längst da. Ohne große Marketingaktionen wurden Händler akquiriert und 2019 gut 1.200 Autos in Deutschland verkauft.

Die Facelift-Version des BAIC Senova X55, die seit Anfang 2020 zu haben ist, dürfte unter preissensiblen Käufern ohne Markenvorliebe und ohne große Ansprüche an die Fahrdynamik durchaus eine Alternative sein. Das nur teilweise brauchbare Infotainmentsystem und der zähe Antrieb hinterlassen aber einen Nachgeschmack, der nicht jedem gefällt.

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Technische Daten

BAIC Senova X55

Abgasnorm Euro 6d
Hubraum 1.499 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 100 kW / 136 PS
Max. Drehmoment 210 Nm
Getriebe stufenlose Automatik
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 7,1 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens Giti GitiComfort 225/50 R18
Leergewicht 1.435 kg
Anhängelast (gebremst) 1.500 kg
Länge / Breite / Höhe 4.480 / 1.837 / 1.680 mm
Grundpreis 19.990 Euro (inkl. 19% MwSt.)
Testwagenpreis 23.940 Euro (inkl. 19% MwSt.)
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad