Citroen C3 Aircross vs. C4 Kompakte zur Wahl

Doppeltest mit Video-Review: Citroën C3 Aircross und C4 mit jeweils 130 PS starkem Benziner und Automatik-Getriebe.



Die französische Marke Citroën spielt im großen Geflecht der Stellantis-Konzernmarken eine klar definierte Rolle. Hinter dem Doppelwinkel findet man relativ preiswerte Autos, die mit teils eigenwilligen Ideen nicht nur Mainstream-Ansprüche erfüllen wollen. So ein bisschen wie Skoda ohne zusammengebissene Zähne.

Der Vergleich im Video

Die Strategie geht auf, zumindest in der kleinen Klasse. Mit über 900.000 verkauften Autos ist der aktuelle Citroën C3 international einer der erfolgreichsten Kleinwagen. Neben dem Fünftürer gibt es auch eine SUV-Crossoverversion namens Citroën C3 Aircross. Sie wildert auch im Segment der Kompakten. Hier haben die Franzosen Anfang 2021 Mut zum Anderssein bewiesen. Anstelle eines erneuten „Wir-machen-sowas-wie-den-Golf“-Anlaufs konnten sich die Designer austoben. Der C4 ist ein auffälliges Crossover-Coupé, das trotz aller Extravaganzen auch den Praxisnutzen nicht aus dem Blick verliert.

Welcher der kompakten Citroëns ist also die bessere Wahl? Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede? Um das herauszufinden, traten beide Autos zum Vergleich an.

Citroën C3 Aircross

Citroen C3 Aircross C4 Vergleich Test Preis Kaufberatung Video Review

Das kleine SUV misst 4,16 Meter, ist damit parkplatz- und garagenfreundlich. Vom Fahrersitz aus wirkt der C3 Aircross viel größer. Ermöglicht wird das großzügige Raumgefühl durch eine weit vorne platzierte Windschutzscheibe. Ein wenig Van-Gefühl also, das auch Kunde des einstigen C3 Picasso mit abholen soll.

Die Instrumente sind klar ablesbar, einzig der Infotainmentbildschirm in der Mittelkonsole sitzt etwas tief. Über den, teils träge reagierenden, Touchscreen manövriert man sich durch das bekannte Menü der französischen Stellantis-Marken (ex-PSA). Neben einem Drehregler für das Audiosystem bietet eine Leiste unter dem Bildschirm auch physische Tasten für die Scheibenheizung und den Defroster sowie zur Anwahl der Klimafunktionen.
Etwas antiquert wirken die Sitzheizungsregler mit Drehrad. Sie sind am Sitzrahmen so positioniert, dass man sie nur ertasten, aber nicht sehen kann. Außerdem schaltet sich damit die Heizung nicht automatisch ab, wenn man das Auto verlässt.

Gut verarbeiteter Innenraum

Der Materialmix mit Stoffeinlagen auch am Armaturenbrett und Kunstlederelementen an den Sitzen wirkt gefällig, die Verarbeitung ist gut. In der höchsten Ausstattungslinie Shine Pack, mit der Citroën den C3 Aircross zum Test schickte, sind die „Advanced Comfort“-Sitze eingebaut. Ihre dicke Polsterung sorgt für tollen Sitzkomfort wie auf einem Sessel. Die Kehrseite der Medaille: Seitenhalt in Kurven ist so gut wie nicht vorhanden.
Im Fond des Citroën C3 Aircross geht es recht eng zu, auch wenn die längsverschiebbare Rücksitzbank in ihrer hintersten Position arretiert wird. Beim Umklappen der geteilten Lehne senken sich die Sitzflächen leicht ab, was für eine weniger steile Rampe im vergrößerten Laderaum sorgt.

Das Motorenprogramm des C3 Aircross besteht aus einem 1,2 Liter großen Benziner mit drei Zylindern und einem Vierzylinder-Diesel. Beide gibt es in zwei Leistungsstufen. Im Testwagen arbeitet der PureTech-Benziner mit 130 PS. Mit knurrigem Geräusch macht er vor allem nach dem Kaltstart und beim Ausdrehen in höhere Drehzahlregionen akustisch auf sich aufmerksam.

Diese Leistungsstufe wird serienmäßig mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe angeboten. Die Box reagiert manchmal leicht verzögert auf spontane Kickdownbefehle, erzieht so um entspannten Gleiten. Der Testverbrauch ist nicht wirklich niedrig: 8,2 Liter genehmigte sich der Citroën C3 Aircross im Testdurchschnitt.

Citroën C4

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Der gleiche Motor steckt im Citroën C4. Er nutzt die neuere CMF-Plattform des Konzerns, die auch die Kleinwagen Opel Corsa und Peugeot 208 trägt. Mit dieser Ausgangsbasis schafft es Citroën, sich preislich von Opel Astra und Peugeot 308 abzugrenzen. Außerdem gab es den C4 gleich zum Marktstart auch als Elektroauto mit dem bekannten 100-kW-Motor und 50 kWh großem Akku.

Hier aber fährt der Citroën C4 wie gesagt als Dreizylinder-Verbrenner vor. Ihn gibt es hier in drei Leistungsstufen von 101 bis 155 PS, außerdem den Diesel. Zur optimalen Vergleichbarkeit wählten wir den PureTech 130 mit optionaler Automatik.

Sparsamer als der C3 Aircross

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Im Gegensatz zum C3 Aircross nutzt der C4 eine Achtgang-Automatik mit Shift-by-Wire-Knubbel. Die beiden zusätzlichen Übersetzungen spielen ihre Vorteile vor allem beim Verbrauch aus. Mit sieben Litern je 100 Kilometer ist der Kompakte spürbar sparsamer als sein Bruder. Zudem schaltet das Getriebe weicher und bei Bedarf auch fixer.

Mehr Dämmmaterial scheint auch im C4 zu stecken, in seinem Innenraum ist der Motor weniger deutlich zu hören. Die „Advanced-Comfort“-Sitze gibt es in allen C4-Ausstattungsvarianten. Auch hier bieten sie viel Bequemlichkeit und nur rudimentären Seitenhalt. Immerhin freuen sich die Passagiere im Fond über mehr Knieraum, am Kopf wird es unter der abfallenden Dachlinie aber eng.

Die hohe Gürtellinie des Citroën C4 sorgt für ein eher eingemauertes Gefühl. Dazu trägt auch das höhere Cockpit bei. Dessen Architektur ist aber moderner als die im C3 Aircoss. Der zehn Zoll große Touchscreen ist höher positioniert und damit besser ablesbar. Weiter unten bietet der C4 eine eigene Einheit für die Klimafunktionen, die sich so schneller bedienen lassen.

Die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad versammeln sich auf einem recht kleinen Display, das nachts indirekt beleuchtet wird. Ein nettes Detail. Das Head-up-Display ist wie im C3 Aircross eine kleine, ausfahrbare Kunststoffscheibe. Im Gegensatz zu vergleichbaren Lösungen in teils deutlich teureren Autos eines deutschen Herstellers sind die Informationen hier aber in beiden Citroën-Modellen erstaunlich gut ablesbar.
Für Extravaganz im Innenraum des Citroën C4 sorgt ein Tablet-Halter vor dem Beifahrersitz, der in den beiden höchsten Ausstattungslinien C-Series und Shine (Testwagen) serienmäßig ist. Je nach Tablet gibt es verschiedene Hüllen, deren Beschichtung auch dafür sorgt, dass der Fahrer die Inhalte nicht erkennen kann.

Tablet-Halterung im C4

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Wer jemanden kennt, der das Tablet zum Entertainment des Beifahrers im kompakten C4 regelmäßig nutzt, kann sich gerne bei AUTONOTIZEN melden. Alle anderen freuen sich über eine Schublade als zweites Handschuhfach. Auch im C4 sind Materialen und Verarbeitung ordentlich.

Einen deutlichen Vorteil bei den Fahreigenschaften verbucht der C4 mit seinem „Advanced Comfort“ – Fahrwerk. Das bekommen alle C4-Versionen mit Ausnahme der Basislinie Live. Hydraulische Anschläge an den Stoßdämpfern erhöhen den Komfort spürbar. Weitere Pluspunkte sammelt der C4 mit seinen LED-Scheinwerfern und der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage im Topmodell Shine. Beides ist für den C3 Aircross nicht lieferbar.

Der Preis-Vergleich

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Im Format sind sich die beiden Franzosen sehr ähnlich. Das gilt auch für den Preis. Als 101 PS starke Basis ist der 20 Zentimeter längere C4 1.150 Euro teurer als der C3 Aircross Live mit 110 PS. Die beiden Testwagen als Shine Pack (C3) bzw. Shine (C4) mit einigen Extras liegen dichter beieinander. Der Citroën C3 Aircross ist hier mit einem Listenpreis von 29.750 Euro nur 40 Euro günstiger als der C4 (29.750 Euro).

Der große Bruder hat dann auch eine 360-Grad-Kameraansicht und die erwähnte modernere Assistenz und LED-Licht an Bord. Auf der Habenseite des C3 Aircross steht die 250-Euro-Option Grip Control mit Bergabfahrkontrolle. Sie bietet zusätzliche Fahrmodi für leichte Wald- und Wieseneinsätze des Fronttrieblers.

Welchen Citroën kaufen?

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Beide Baureihen haben ihren festen Platz im Modellprogramm. Der C4 ist das klar modernere Auto. Das ist beim Verbrauch und dem enger gestuften Getriebe ebenso spürbar wie bei den teils aufpreispflichtigen Technik-Details. Das Fahrwerk sorgt für deutlich mehr Komfort und erfüllt damit das traditionelle Citroën-Markenversprechen.

Zudem bietet er mehr Platz im Fond, aber mit 380 Litern einen um 30 Liter kleinen Kofferraum als der C3 Aircross. Die kleinen Scheiben lassen aber subjektiv eher ein Gefühl der Enge aufkommen.

Im SUV-Bruder sitzt man vorne luftiger und genießt eine bessere Übersicht. Das ist vor allem dann, wenn man mit dem Auto oft im urbanen Raum unterwegs ist, ein wichtiger Vorteil. Wer den Platz im Fond nicht braucht, könnte eigentlich ruhigen Gewissens zum C3 Aircross greifen. Der deutlich höhere Verbrauch sorgt aber dafür, dass rein objektiv am Ende der C4 die Empfehlung dieser Gegenüberstellung ist.

Fazit

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Beide kompakten Citroën-Modelle spielen ihre Vorteile auf unterschiedliche Weise aus. Das Komfortversprechen, das auch durch die Wohnzimmersessel unterstrichen wird, erfüllt der C4 mit „Advanced Comfort“-Fahrwerk, der Achtgang-Automatik und dem besser gedämmten Motor besser als der C3 Aircross.

Wer sich also vom exzentrischen Karosseriedesign nicht abschrecken lässt, findet hier eine interessante Alternative zum Standard-Repertoire in der Kompaktklasse.

Technische Daten

Citroën C3 Aricross PureTech 130 Shine Pack // Citroën C4 PureTech 130 Shine

Antrieb Frontantrieb
Hubraum 1.199 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 3 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 96 kW / 131 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment 230 Nm bei 1.750 U/min
Getriebe Sechsgang-Automatik // Achtgang-Automatik
Tankinhalt 45 // 50 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 10,3 // 10,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 195 // 200 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 6,1 - 6,3 // 5,8 - 5,9 Liter
Verbrauch real auf 100km 8,2 // 7,0 Liter
Leergewicht 1.459 // 1.446 kg
Anhängelast (gebremst) 840 // 1.200 kg
Länge / Breite / Höhe 4.154 / 1.756 / 1.637 mm // 4.355 / 1.800 / 1.525 mm
Grundpreis 27.440 // 28.940 Euro
Testwagenpreis 29.750 // 29.790 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad
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