Dacia Spring Electric 2021 Erste Fahrt im Elektro-Dacia

Der Dacia Spring Electric im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Wie jetzt? Nimmt Renault den elektrischen Twingo, stülpt ihm eine andere Karosserie im modischen City-SUV-Crossover-Stil über und verkauft ihn als Dacia? Mais non!

Was ab Herbst 2021 bei uns als Dacia Spring Electric ausgeliefert wird, ist ein anderes Auto als der Twingo. Der entstammt einer Kooperation mit Smart und nutzt wie der Forfour eine Architektur für Heckmotoren als Verbrenner und mit Elektroantrieb. Smart wandert ja bekanntermaßen nach China aus. Und von dort kommt der Spring Electric.

Der Dacia im Video

CMF-A heißt die Plattform der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz für kleine Autos. Sie trägt unter anderem den Renault Kwid, der in Indien für den dortigen Markt gebaut wird. Er wird mit Verbrenner verkauft. In der chinesischen Stadt Wuhan baut Renault als Joint-Venture-Partner von Dongfeng den Renault KZ-E. Er ist auf gleicher Basis und mit fast gleicher Optik ein Elektroauto, das außerdem als Dongfeng Aeolus EX1 und als Venuica e30 angeboten wird. Von dort schicken die das 3,73 Meter kleine Autochen auch nach Europa. Dann mit Dacia-Logo.

200 km reale Reichweite

Dacia Spring Electric Test 2021

Ein echtes Weltauto also, der Stadthüpfer. Für diesen Einsatzzweck ist der Dacia Spring Electric auch konzipiert. Mit einer Batterie-Speicherkapazität von 27,4 kWh (brutto) sind laut WLTP-Norm bis zu 230 Kilometer Reichweite machbar, in der winterlichen Realität der ersten Testfahrten waren gut 200 Kilometer drin.

Dann muss der Spring Electric ans Kabel, wo er Wechselstrom einphasig mit maximal 6,6 kW nuckelt. In der höheren Ausstattungslinie Comfort+ wird es gegen 600 Euro Aufpreis auch einen CCS-Anschluss geben. Dann kann Gleichstrom mit einer Leistung von 30 kW geladen werden, womit der Akku in einer Stunde wieder voll ist.

Am Schnelllader dürfte man, außerhalb des Betriebshofs eines Flottenbetreibers, aber eher selten auf einen Dacia Spring Electric stoßen. Denn für Kilometersammler und Freunde der Fernschnellstraßen ist er das falsche Auto.

Das liegt nicht an der Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Vielmehr ist die kaum mitteilsame Lenkung in der Verbindung mit dem mäßigen Geradeauslauf und der weichen Federung der Spielverderber auf Autobahn und Landstraße. Spätestens bei Seitenwind und Nässe artet das schnell in Stress aus. Im urbanen Umfeld ist der Dacia Spring Electric eher zuhause. Hie reichen die maximal 33 kW (44 PS) und 125 Newtonmeter Drehmoment des vorne montierten Elektromotors mehr als aus. Bei nassen Straßen reichen Leistung und Kraft, die Vorderräder an ihre Traktionsgrenzen zu bringen.

Ungünstige Sitzposition

Die Sitze für Fahrer und Beifahrer sind durchaus bequem, aber zu hoch montiert. Eine Höhenverstellung gibt es nicht, auch das Lenkrad steht starr im Raum. Die froschartige Sitzposition hilft großen Piloten zumindest, unter dem tiefen Rahmen der Windschutzscheibe hindurch auf Ampeln zu linsen. Im Fond geht es, der Fahrzeuglänge entsprechend, eng zu.

Die Lehne der Rücksitzbank ist einteilig nach vorne klappbar, was das Volumen des Kofferraums von 290 auf 1.100 Liter vergrößert. Die hohe Stufe im Laderaum dürften Kunden des Budget-Elektroautos ebenso hinnehmen wie die einfachen, aber pflegeleichten Kunststoffe im Interieur.

Aus dem Duster bekannt ist das Infotainmentsystem mit einem sieben Zoll großen Monitor, dass sie in den Dacia Spring Electric Comfort+ einbauen. Dann sind auch Rückfahrkamera und ein Navigationssystem an Bord. Der Touchscreen reagiert zuverlässig und schnell auf Fingertipps. Über einen USB-Anschluss an der Vorderseite des Geräts kann ein Smartphon integriert werden.

Neben einem großen Handschuhfach in Ablagetaschen in den vorderen Türen muss ein Fach in der Mittelkonsole genügen, um Kleinkram aufzunehmen. Gespart wurde aber auch an anderer Stelle. Eine „P“-Position am Drehrad für das Eingang-Reduktionsgetriebe gibt es nicht. Zum Parken stellt man das Getriebe auf die Neutral-Stellung und sollte dann die Handbremse anziehen.

Einen wirklichen Verzicht stellt da fehlende „P“ beim Kauf eines Spring Electric aber nicht da. Vielmehr dürfte man sich auf ein Auto ohne unnötiges Chichi freuen, das vom Wochenendeinkauf bis hin zum Bauschutt alles schleppt, was ansteht. Wobei die Ladung nicht allzu schwer sein sollte. 255 Kilogramm Zuladung sind schnell erreicht.

Das kostet der Elektro-Dacia

Dacia Spring Electric Test 2021

In Deutschland wird es den Dacia Spring Electric ab 20.490 Euro geben. Nach Abzug der Umweltprämie in Höhe von 9.570 Euro bleibt ein Preis von 10.920 Euro. Die Ausstattungslinie Comfort+, die u.a. das Navigationssystem und die Rückfahrkamera mitbringt, steht mit 21.790 (12.220) Euro in der Preisliste.

Damit ist der Dacia Spring Electric eine günstige Alternative, nicht nur zu anderen Elektroautos. Verbunden mit den geringen Betriebskosten (je nach Stromtarif) wird er damit vor allem für gewerbliche Abnehmer zum interessanten Flottenfahrzeug.

Fazit

Dacia Spring Electric Test 2021

Man kann dem Dacia Spring Electric vieles vorwerfen: Die fehlende Verstellmöglichkeit für Sitzhöhe und das Lenkrad. Die schwammige Federung. Die indirekte Lenkung. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Aber man kann es auch so sehen: Mit ihm wiederholt die Marke im Elektrosegment das, womit sie damals in Form des Logan startete. Dacia bietet ein günstiges Auto an, das Grundbedürfnisse befriedigt und mit hohen Ansprüchen gar nicht erst umzugehen versucht. Die Sache mit dem Lifestyle überlässt er dem Twingo.

Technische Daten

Dacia Spring Electric

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 33 kW (45 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 125 Nm
Batterie 27,4 kWh Lithium-Ionen
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 125 km/h
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 13,9 kWh
Leergewicht 1.045 kg
Länge / Breite / Höhe 3.734 / 1.770 / 1.516 mm
Grundpreis 20.490 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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