Ford Mustang Mach-E GT Stolz und Vorurteil

Der neue Ford Mustang Mach-E GT im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Achtung, dieser Text ist nichts für schwache Nerven. Zum Beispiel dann, wenn man sich gleich am Anfang aufregt! Darüber, dass ich hier Kurvenspaß mit einem 2,3 Tonnen schweren Trumm Auto beschreibe. Das noch dazu, in den Augen vieler Fans des klassischen V8, zu Unrecht den Namen Mustang durch die Gegend wuchtet.

Der Mustang Mach-E GT im Video

Über Sinn und Unsinn des Namens ist bereits viel diskutiert worden. Unbestreitbar bleibt, dass Ford mit diesem Schachzug das neue Elektroauto öfter ins Rampenlicht von Stammtischgesprächen und Medienberichten hieven kann, als wenn man es nur Mach-E genannt hätte.

Jetzt setzt die Marke der neuen Baureihe das Topmodell auf. Und greift auch dabei in die bekannte Nomenklatura-Kiste. Ford Mustang Mach-E GT heißt der Sportler, der mit speziellen Stoßfängern, 20-Zoll-Felgen und einer schwarz abgesetzten Frontmaske schon optisch auf sich aufmerksam macht.
Hinter den 20-Zoll-Felgen schimmern die roten Zangen der Brembo-Bremsanlage durch. Innen umschließen haltstarke Sportsitze Fahrer und Beifahrer. Für Sound sorgt neben der bekannten künstlichen Motorklangkulisse (abschalt- bzw. anschaltbar) auch ein serienmäßiges B&O-Soundsystem mit 560 Watt Ausgangsleistung.

Crossover oder Sportwagen? Beides

Ein Klacks im Vergleich zum Antriebsstrang des Allradlers. Die Systemleistung der beiden Elektromotoren wurde im Vergleich zum „Extended Range AWD“-Modells um 100 auf jetzt 358 kW oder, nach alter Währung, 487 PS gesteigert. Der Unterschied beim maximalen Drehmoment liest sich nochmals dramatischer. Statt 580 sind es jetzt bei Overboost bis zu 860 Newtonmeter. Jedes einzelne davon erzählt Dir bei voll durchgetretenem Fahrpedal die Geschichte davon, dass man langsam auch bei bauartbedingt antrittsstarken Elektroautos langsam die Unterschiede der einzelnen Leistungsstufen auch im normalen Straßenverkehr spürt.

Spätestens mit dem GT-Logo am Heckdeckel dürfte der Mustang Mach-E auch Sportwagenfans, die vielleicht den V8 als Coupé oder Cabrio in der Garage haben, für sich begeistern. Dabei muss es gar nicht der zusätzliche Fahrmodus „Temperamentvoll Plus“ sein, der sich nach kurzem Spaßgewitter zu Schonung der Batterie länger nicht aktivieren lässt. „Temperamentvoll“ reicht völlig.

Vollstrom im Kurvenausgang: Nur kurz drängt das mächtige Heck nach außen, dann drücken schon die Gummiwalzen quer. Nur einen kurzen Moment, bevor das ESP eingreift. Aber lang genug, um Endorphine auszuschütten. Auch in allen anderen Fahrzuständen zeigt sich der Mustang Mach-E GT sehr heckbetont. Kein Wunder, die permanenterregte Maschine an der Hinterachse soll nur 0,5 Sekunden benötigen, um ihre volle Leistung auf die Pirelli P Zero loszulassen. Auch beim schweren Tritt auf das Fahrpedal in Geradeausstellung wird das Auto vorne spürbar leicht, während der Tritt von hinten den Horizont verschiebt.

(Zu) straffes Fahrwerk

Ford Mustang Mach-E GT Test Fahrbericht Video Review

In nur 3,7 Sekunden soll es laut Werksangabe (rollender Start) auf 100 km/h gehen. Im Gegensatz zu den zivileren Mach-E-Modellen fährt der GT 200 statt 180 km/h schnell. Das war während der ersten Testfahrten auf kroatischen Landstraßen und Autobahnen nicht drin. Dafür aber haufenweise Kehren und Kurven. Und jedes Mal ein neuer Spaß. Der nur leicht von einer Lenkung geschmälert wird, die – aller Sportlichkeit zum Trotz – etwas weniger schwergängig sein könnte.

Das serienmäßige MagneRide-Fahrwerk mit adaptiver Dämpfung hält je nach gewähltem Fahrmodus unterschiedliche Abstimmungen bereit. Was nichts daran ändert, dass der Mustang Mach-E GT derart straff abgestimmt ist, dass längere Strecken zu Belastungsprobe vor allem für die Passagiere im Fond werden.

150 kW Ladeleistung

Ford Mustang Mach-E GT Test Fahrbericht Video Review

Da trifft es sich gut, dass man ja zum Laden anhalten muss. Legt man den Normverbrauch von 22 kWh je 100 Kilometer und den netto 88 kWh großen Akku zugrunde, sollen laut Prospekt bis zu 500 Kilometer Reichweite drin sein. Ohne Vollgaseskapaden zeigte der Bordcomputer des Testwagens überraschend niedrige 22 kWh / 100 km an, bei vollem Akku versprach das Display hinter dem Lenkrad einen Radius von 425 Kilometern. Am Schnelllader kann der Ami Gleichstrom mit 150 kW Leistung ziehen. Innerhalb von 45 Minuten soll sich die Batterie von zehn auf 80 Prozent Ladezustand bringen lassen.

Für das Laden an Wechelstrom-Ladesäulen oder der heimischen Wallbox, an der man mit dem 11 kW-Onboard-Charger für dreiphasiges Laden knapp über sieben Stunden parkt, kann man das Kabel griffbereit im vorderen Kofferraum („Frunk“, Front-Trunk) verstauen. Der wurde durch den Verzicht auf einen Raumteiler von 81 auf 100 Liter vergrößert, dazu kommen 402 Liter im Heck.

Fahrer und Passagiere genießen ein großzügiges Raumangebot, lediglich die Kopffreiheit im Fond ist für große Menschen leicht eingeschränkt. Das 15,5 Zoll große Display, das hochkant im Raum steht, ist zentrale Anlaufstelle für alle Infotainmentfunktionen und Fahrzeugeinstellungen. Menüführung und Anzeigen sind logisch, der helle Bildschirm blendet aber auf Dauer etwas zu sehr.

Das kostet der Mustang Mach-E GT

Ford Mustang Mach-E GT Test Fahrbericht Video Review

72.900 Euro kostet das neue Elektro-Topmodell vor Abzug der Umweltprämie. Sie beträgt beim Mustang Mach-E GT 7.975 Euro (inklusive Mehrwertsteuer auf den Herstelleranteil), nachdem das Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) als zuständige Behörde der Möglichkeit, die stärkeren Varianten als Option zum Basismodell auszuweisen, einen Riegel vorgeschoben hat.

Der Aufpreis zum 258 kW starken Allrad-Mustang-Mach-E mit 98,7 kWh-Batterie, der 63.700 Euro kostet, beträgt also 9.200 Euro. Dier erweiterte Serienausstattung mit MagneRide-Fahrwerk, Sportsitzen, 360-Grad-Kamerasystem und Soundsystem fängt das aber zum Teil wieder auf.
Ein Blick zur Konkurrenz sei für den Preis-Vergleich erlaubt: Das Tesla Model Y Performance mit 490 PS kostet aktuell ab 63.990 Euro.

Fazit

Ford Mustang Mach-E GT Test Fahrbericht Video Review

Der neue Ford Mustang Mach-E GT ist ein stolzes Topmodell. Die Ingenieure haben nicht einfach mehr Leistung in den Elektroantrieb programmiert, sondern auch Hand an Fahrwerk und Bremsen angelegt. Die Abstimmung gefällt, selten war ein derart großes Auto auch auf engen Straßen handlicher. Nur das zu harte Fahrwerk verdient Kritik.

Mit einem Vorurteil räumt er nebenbei auch auf: Er zeigt, das auch ein Elektroauto mit feinen Details beim Set-Up große Emotionen wecken kann. Der Preis ist ebenso selbstbewusst wie das Gesamtpaket.

Technische Daten

Ford Mustang Mach-E GT

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Systemleistung: kW / PS 358 kW (487 PS), 860 Nm
Batterie 98,7 kWh brutto / 88 kWh netto, Lithium Ionen
Beschleuningung 0-100 km/h 3,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 20,0 kWh
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 22,0 kWh (lt. Bordcomputer)
Leergewicht 2.273 kg
Anhängelast (gebremst) 750 kg
Länge / Breite / Höhe 4.743 / 2.097 / 1.613 mm
Grundpreis 72.900 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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