Lynk & Co 01 Plug-in Hybrid Der Senkrechtstarter

Der Lynk & Co 01 im ersten Fahrbericht mit Video-Review. Was kann der Plug-in Hybrid aus China?



Eine Probefahrt im Stadtverkehr ist stets ein guter Gradmesser. Auf den ersten Kilometern im Lynk & Co 01 kann man klar attestieren: Das Design des SUV kommt an. Obwohl die Designer auf Exzentrik verzichtet haben, sorgt die wohlproportionierte Mischung eigener Details und ausgewogener Proportionen für verdrehte Köpfe und anerkennende Blicke.

Der Lynk & Co 01 im Video

Beim Fotostopp kommen Fragen: „Was ist das für ein Auto, welche Marke ist das?“ Lynk & Co. „Nie gehört“. Dieses „nie gehört“ dürfte sich auch fortsetzen, wenn Marke und Modell, es handelt sich hier um den schlicht 01 genannten Erstaufschlag, sich durchsetzen. Denn als Plug-in Hybrid ist der Chinese mit globalen Ambitionen, fleißiges Laden vorausgesetzt, flüsterleise unterwegs.

Unter dem 4,54 Meter langen SUV steckt die CMA-Plattform (Compact Modular Architecture) des chinesischen Geely-Konzerns. Sie wird u.a. auch vom Polestar 2 und dem XC40 der Marke Volvo genutzt. Mit dem schwedischen Bruder teilt sich der Lynk & Co 01 auch den Antriebsstrang. Unter der Motorhaube steckt ein 1,5 Liter großer Dreizylinder-Benziner mit 132 kW / 180 PS. Er arbeitet im Team mit einem Elektromotor, der maximal 60 kW (82 PS) leistet. Die kombinierte Leistung wird mit 192 kW / 261 PS angegeben.

Kompetenter Hybridantrieb

Lynk Co 01 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video 2021

Die Lithium-Ionen-Batterie im Lynk & Co 01 hat eine Brutto-Speicherkapazität von 14,1 kWh (17,6 kWh brutto), ist also größer als die des Volvo XC40 Recharge (9,7 kWh). Mit dem darin gespeicherten Strom soll eine Reichweite von 69 Kilometern, im WLTP-City-Zyklus gar 81 Kilometer, möglich sein.Geht der Strom zur Neige oder wird durch einen schweren Fuß des Fahrers mehr Leistung abgerufen, meldet sich zusätzlich der Benziner zum Dienst. Aber auch dann gilt in vielen Fällen „noch nie gehört“, zumindest im Innenraum.

Der Wechsel zwischen den Antriebsarten gelingt ohne Ruck und ohne unnötige Geräuschentwicklung. Der geschliffene Umgangston passt gut zum Rest des 01. Denn nicht nur beim Karosseriedesign, sondern auch im Innenraum macht das SUV vieles richtig.

Fahrer und Passagiere haben viel Platz in alle Richtungen, auch im Fond kann man als großer Mensch bequem lümmeln. Verarbeitung und Materialien erfreuen Auge und Fingerkuppen. Die Verwendung von Recycling-Material ist aber an einigen Stellen wie der Oberseite des Armaturenbretts unschwer zu erkennen. Stört das? Nein, es passt zum Zeitgeist. Lediglich die straffe Polsterung der Sitze könnte nochmal überdacht werden.

Die großen Displays sind harmonisch ins Cockpit integriert. Hinter dem Lenkrad lässt sich das digitale Kombiinstrument in drei verschiedenen Designs konfigurieren, alle nötigen Informationen sind gut ablesbar.

Eigene Infotainment-Services

Eigene Wege geht Lynk & Co beim Infotainment, das in einem 12,7 Zoll großen Monitor in der Mittelkonsole zusammengefasst ist. Wie bei Polestar und Volvo wird auch hier Googles Android Automotive als Betriebssystem genutzt. Darüber liegt aber eine eigene Benutzeroberfläche. Außerdem verzichtet Lynk & Co auf die Google-Services. Der positive Effekt: Apple CarPlay ist nutzbar. Bei der Sprachbedienung wünscht man sich aber den Google Assistant ins Auto. Das Lynk-System mit seiner gepitchten Stimme ist noch etwas begriffsstutzig.

Genug gequatscht, konzentrieren wir uns wieder auf das Fahrerlebnis. Der Lynk & Co 01 steht und rollt als Plug-in Hybrid serienmäßig auf 20-Zoll-Leichtmetallfelgen. Trotz der großen Räder bietet er einen guten Fahrkomfort, auch auf schlechten Straßen und fiesen Querfugen. Die Lenkung gibt ausreichend Rückmeldung und wirkt ebenso ausgereift wie die gute Verarbeitung im Innenraum. Nichts knarzt oder klappert.

Der Fahrer kann aus drei verschiedenen Modi das optimale Programm wählen: „Pure“ ermöglicht möglichst nur elektrisches Fahren, „Hybrid“ nutzt die beiden Antriebsmotoren im effizientesten Sinne. „Power“ soll schließlich für die maximale Leistung sorgen. In acht Sekunden soll der 01 auf 100 km/h beschleunigen. Und im Gegensatz zu Volvos freiwilligem 180 km/h-Limit soll der chinesische Bruder eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h erreichen. Langsamer geht das Laden der Lithium-Ionen-Batterie: Der Onboard-Charger belässt es bei maximal 3,6 kW Ladeleistung.

Das kostet der Lynk & Co 01

Lynk Co 01 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video 2021

Damit sind wir mittendrin in den Zahlen und der Frage „was kostet das?“. Die beantwortet Lynk & Co am liebsten mit der Zahl 500. Denn der 01 soll vornehmlich im Abo an Mann und Frau gehen. Zu dieser Monatsrate soll man das Auto nutzen können, alle Kosten für Wartung, Versicherung und Steuer übernimmt der Hersteller. Wer mag, kann „seinen“ Lynk & Co 01 zum Carsharing freigeben und somit die Monatsrate drücken.

Aber auch ein klassischer Kauf soll möglich sein. Der 01 Plug-in Hybrid kostet 42.000 Euro. Der ebenfalls angebotene Vollhybrid mit gleichem Benzinmotor und 40 kW E-Maschine ist für 35.000 Euro zu haben.

Angesichts der Ausstattung darf das fast als Schnäppchen gelten. Denn Lynk & Co lässt seinen Kunden nur die Wahl zwischen dem Grad der Elektrifizierung und der Außenfarbe: Blau oder Schwarz.

Immer mit Vollausstattung

Lynk Co 01 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video 2021

Sonst ist alles an Bord, das glücklich macht. Vom Panorama-Schiebedach über das große Infotainmentdisplay mit Navigationssystem, Infitinty-Soundanlage, elektrisch einstellbarem Fahrersitz und LED-Scheinwerfern wird Vollausstattung serviert. Der Plug-in Hybrid hat besagte 20-Zoll-Felgen in den Reifen stecken, beim Vollhybriden misst der Felgendurchmesser 18 Zoll.

Erste „Clubs“, die als Kontaktmöglichkeit mit Lynk & Co dienen sollen, warten in Amsterdam und Göteborg auf ihre Eröffnung nach dem Lockdown. In Deutschland dürfte es in Berlin und Hamburg losgehen. Bestellt wird das Auto aber nicht dort, sondern online – mit Lieferung vor die Haustür. Den Service sollen Volvo-Werkstätten übernehmen, die mit der Technik ohnehin vertraut sind.

Fazit

Lynk Co 01 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video 2021

Der erste Aufschlag sitzt. Mit guter Qualität, viel Platz und einem ansprechenden Design setzt sich der Lynk & Co 01 gewiss auf die Wunschliste vieler potenzieller Kunden. Das Image des fragwürdigen China-Autos gehört allerspätestens mit ihm ins Geschichtsbuch. Die von Volvo bekannte Technik weckt Vertrauen, die umfangreiche Ausstattung macht den 01 preiswert.

Ob das Vertriebssystem mit Fokus auf das Auto-Abo aufgeht, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon sollten die SUV-Konkurrenten der asiatischen, aber auch die der europäischen Marken, diesen neuen Mitbewerber nicht unterschätzen.

Technische Daten

Lynk & Co 01 Plug-in Hybrid

Hubraum 1.477 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 3 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 132 kW / 180 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment 265 Nm bei 1.500 - 4.000 U/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 60 kW (82 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 160 Nm
Systemleistung: kW / PS 192 kW / 261 PS (kombiniert)
Batterie 17,1 kWh (netto 14,1 kWh) Lithium-Ionen
Tankinhalt 42 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 8,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 1,2 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens 235/45 R20
Leergewicht 1.879 kg
Anhängelast (gebremst) 1.800 kg
Länge / Breite / Höhe 4.541 / 1.857 / 1.694 mm
Grundpreis 42.000 Euro
Testwagenpreis 42.000 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad