Nissan Ariya 87 kWh Schick, sparsam, teuer

Der Nissan Ariya im Alltagstest. Was kann der Japaner mit großem Akku?



Spät ist Nissan nicht dran mit Elektroautos, im Gegenteil. Schon 2009 brachten die Japaner mit dem ersten Nissan Leaf einen der ersten – für damalige Verhältnisse – halbwegs alltagstauglichen Stromer auf den Markt. Seitdem ist viel passiert, nicht nur mit dem Modellwechsel beim Leaf.

Der Nissan Ariya im Video

Etablierte Autohersteller und neue Anbieter haben eine Vielzahl von E-Modellen auf den Markt gebracht, die Zulassungszahlen der lokal emissionsfreien Autos steigen rasant. Gekauft wird dieser Tage meist ein SUV-Crossover im gerade noch parkplatzfreundlichen Format, Beispiele sind das Telsa Model Y, VW ID.4/5 und Skoda Enyaq. Genau in diesem Segment parkt ab sofort auch der Nissan Ariya (gesprochen mit langem „i“ und langem „y“) ein. Ein Nachahmer? Mitnichten. Schon 2019 präsentierte der Hersteller den Ariya als fast serienreifes Concept Car auf der Tokyo Motor Show. Verzögerungen, die auch durch die Coronavirus-Pandamie versucht wurden, haben den Marktstart auf 2022 verschoben.

Variables Gepäckabteil

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Die neue E-Plattform teilt sich der Nissan Ariya mit dem Renault Megane E-Tech, ist aber deutlich größer als der kompakte Franzose. In seiner 4,60 Meter langen Karosserie, die mit einem klaren und unaufgeregten Design zu gefallen weiß, bietet der Ariya sehr ordentliche Platzverhältnisse für Fahrer und Passagiere. 468 Liter misst der Kofferraum hinter der elektrisch betätigen Heckklappe. Wenn die im Verhältnis 1:3 zu 2:3 geteilten Rücksitzlehnen umgeklappt werden, entsteht ein Laderaum mit fast ebenem Boden.

Viel Platz, schickes Interieur

In der zweiten Reihe freut man sich auch als großer Passagier über viel Knieraum und eine ausreichende Kopffreiheit. Durch den Akku im Fahrzeugboden müssen aber, das ist bei vielen Elektroautos so, die Beine etwas stärker angewinkelt werden als gewohnt.

Die verwendeten Materialien gefallen auch auf den zweiten Blick und die dritte Berührung, ebenso die Verarbeitung. Der Lounge-Charakter im Innenraum wird nicht nur durch einen ebenen Boden und die luftige Mittelkonsole vorne unterstrichen. Geschickt eingesetztes Ambientelicht sorgt ebenso für Wohlbefinden wie Bedienelemente, die durch eine Illumination der Dekorleisten hervortreten.

Zwei Displays hinter einer gebogenen Abdeckung versorgen den Fahrer mit allen für ihn wichtigen Informationen und alle Insassen mit Infotainmentinhalten. Der Touchscreen ist reaktionsschnell, was aber nicht über die teilweise vertrackte Bedienung hinwegtäuschen kann. Für die Aktivierung von Lenkrad- oder Sitzheizung muss man arg kleine Icons treffen und im Untermenü herumklicken. Zudem bleibt die Sitzheizung auch bei erneutem Motorstart aktiviert. Das kostet unnötig Energie, wenn beispielsweise kein Beifahrer mehr mit an Bord ist.

Das Navi kennt Ladesäulen

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Die Sprachsteuerung, wahlweise mit Unterstützung von Amazons Alexa, ist hellwach, benötigt aber für die Eingabe von Navigationszielen eine exakte Abfolge von Stadt und Adresse. Ladepunkte mit Ladezeiten entlang der Route werden mit berechnet und als Wegepunkte angezeigt.

130 kW werden vom Hersteller als maximale Leistung am Schnelllader angegeben, bei Wechselstrom sind es in Verbindung mit dem großen 87-kWh-Akku 22 kW. Die maximale CCS-Ladeleistung wurde vom Testalltag nicht erreicht. Trotzdem gefällt das Ladeverhalten des Nissan. Zwar gipfelt die Anzeige bei rund 100 kW. Dieser Wert wird aber konstant bis über 80 Prozent Ladezustand gehalten, fällt erst dann langsam ab.

Effizienter Elektroantrieb

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Unser Testwagen ist ein Nissan Ariya mit dem großen Akku (die Basis hat 63 kWh) und Frontantrieb, die maximale Motorleistung beträgt in dieser Konfiguration 178 kW (242 PS). 300 Newtonmeter Drehmoment entwickelt die E-Maschine, die den Japaner ausreichend kräftig vom Fleck schieben. Im Alltag kommt kaum der Wunsch nach mehr Leistung auf (es gibt auch ein Allradmodell mit zweitem Elektromotor und 225 kW (306 PS)). In 7,6 Sekunden beschleunigt der Ariya laut Datenblatt auf 100 km/h. Ohne nachlassenden Vortrieb geht es auf der Autobahn weiter, bis er bei „Tacho 169“ und realen 160 km/h sanft in den Begrenzer fährt.

Um den Testverbrauch zu ermitteln, haben wir den Nissan Ariya aber nur kurz derart über die Fernschnellstraße gescheucht, waren vielmehr im Landstraßen- und Stadtrandverkehr unterwegs. Das aktivierbare „e-Pedal“ für One-Pedal-Drive hilft dabei beim Stromsparen. Auch unabhängig davon erweist sich der Elektroantrieb im Ariya als sehr effizient. Der Testverbrauch von 16,5 kWh pro 100 Kilometer liegt deutlich unter dem WLTP-Wert von 18,4 kWh. In Verbindung mit dem in dieser Klasse konkurrenzlos großen Akku sind somit locker Reichweiten von über 500 Kilometern möglich.

Die spult der Nissan Ariya auch dank Doppelverglasung in den vorderen Seitenscheiben in herrischer Ruhe ab. Lediglich das straffe Fahrwerk, das vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten kaum zur Ruhe kommt, stört das Komfortempfinden. Dabei sei angemerkt: Der Testwagen rollte auf 19-Zoll-Rädern. Aktuell ist das große Akkupaket nur mit der Ausstattungslinie „Evolve Pack“ zu bekommen, deren 20-Zöller noch ein Stück weniger Komfort bieten dürften.

Sauber abgestimmt zeigt sich dagegen die Fahrassistenz, bei Nissan unter dem Begriff ProPilot zusammengefasst. Die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage verkneift sich harsche Manöver, der Spurhalteassistent hält das Fahrzeug sauber in der Mitte des Fahrstreifens. Schade: Adaptives LED-Licht bietet Nissan nicht an, es bleibt bei einem arg nervösen Fernlichtassistenten, der schlicht und einfach (und ständig) auf- und abblendet.

Das kostet der Nissan Ariya

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Das Basismodell mit kleinem Akku und 7,4-kW-Onboard-Charger startet bei 47.490 Euro. Deutlich teurer wird der Nissan Ariya mit mehr Ausstattung und großer Batterie. Als Evolve Pack mit 87 kWh Stromspeicher kostet der Japaner stolze 63.490 Euro.

Annähernd ausstattungsgleich, jedoch mit 10 kWh weniger Akku-Kapatzität ist die Konkurrenz teils deutlich günstiger. Ein VW ID.5 mit 150 kW (204 PS) und 77 kWh-Batterie kostet mit einigen Extras, die ihn auf das Nissan-Niveau bringen, rund 10.000 Euro weniger. Das gleiche gilt für den Hyundai Ioniq 5 mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Batterie.

Seinen Preisaufschlag versucht der Nissan Ariya neben der höheren Real-Reichweite durch den effizienten Antrieb samt großem Akku auch durch die feine Anmutung im Innenraum zu argumentieren. Auch die Wärmepumpe und eine aktivierbare Batterieheizung sind serienmäßig. Ob das Kunden überzeugen kann?

Fazit

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Der Nissan Ariya ist ein sehr gut gemachtes Auto. In der dezent gestalteten Karosserie findet man großzügige Platzverhältnisse und eine gute Verarbeitung vor. Der Elektroantrieb gefällt durch seine Leistungsentfaltung ebenso wie durch seine Effizienz. In Verbindung mit dem großen 87-kWh-Akku können im Alltag Reichweiten von über 500 Kilometer erzielt werden. Neben der nicht mehr aktuellen LED-Licht-Ausstattung ist vor allem der hohe Preis größter Kritikpunkt am Japaner.

Technische Daten

Nissan Ariya 87 kWh

Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 178 kW (242 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 300 Nm
Batterie 87 kWh Lithium-Ionen
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC) 130 kW
Ladeleistung Gleichstrom (DC) im Test 100 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 22 kW
Beschleuningung 0-100 km/h 7,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 18,1 - 18,4 kWh
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km 16,5 kWh
Reifenmarke und –format des Testwagens Dunlop SportMaxx 235/55 R19
Leergewicht ca. 2.000 kg
Länge / Breite / Höhe 4.595 / 1.850 / 1.660 mm
Grundpreis 63.490 Euro (inkl. Evolve Pack)
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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