Nissan Juke Hybrid Gut und sparsam?

Japaner aus Großbritannien mit französischem Antrieb: Der Nissan Juke Hybrid im Alltagstest mit Video-Review.

Den gibt es ja auch noch! Im steten Fluss der neuen City-SUV und Crossover wirkt der Nissan Juke, in aktueller Generation seit knapp vier Jahren auf dem Markt, mittlerweile wie ein Fels in der Brandung.

Der Modellwechsel im Jahr 2019 sorgte für etwas weniger Exzentrik. Rundungen im Karosseriekörper wichen geraden Kanten. Während der Juke sein SUV-Coupé-Konzept behielt, ist er seitdem schneller als kleiner Bruder des Nissan Qashqai auszumachen.

Der Juke Hybrid im Video

Als Alternative zum Einliter-Dreizylinder-Benziner gibt es seit 2022 auch einen Hybridantrieb für den Juke. Der elektrifizierte Antrieb stammt, wie die CMF-B-Plattform, aus der gemeinsamen Entwicklung mit Allianzpartner Renault. Das Dreimotoren-Konzept bekommt man auch im Renault Captur sowie dem Mitsubishi ASX Hybrid .

Einige hundert Meter kommt man, sofern im Schubbetrieb oder beim Bremsen genug Energie im 1,3 kWh kleinen Akku gespeichert werden konnte, allein mit der Kraft des 36 kW (49 PS) starken Elektromotors voran, bevor sich der 1,6-Liter-Saugbenziner mit 69 kW / 94 PS zum Dienst meldet. Dr Übergang gelingt ohne spürbares Rucken. Dritter im Bunde ist ein Startergenerator mit 15 kW (20 PS), die Systemleistung des nicht extern aufladbaren Juke Hybrid liegt bei 105 kW / 143 PS. Ein aufwendiges Multi-Mode-Getriebe hält zwei Übersetzungen für das elektrische Fahren und vier für den Verbrenner bereit. Aufgrund unterschiedlicher Kombinationen stehen insgesamt 15 Zahnradpaarungen bereit.

Lieber entspannt

Das klingt nach viel Leistung im kleinen Auto. In der Tat geht es im Juke flott voran, auch wenn es subjektiv nicht den Anschein hat. Dem Benziner mit DCT (Doppelkupplungsgetriebe) nimmt der Hybrid beim Spurt von null auf 100 km/h fast zwei Sekunden (10,1 statt 11,8) ab. Hohe Drehzahlen des Benziners ergeben ein recht lautes Geräusch, was schnell zur entspannten Fahrweise erzieht.

Dazu passen der ordentliche Federungskomfort des in Großbritannien gebauten Juke, ebenso die bequemen Vordersitze. Die hohe Mittelkonsole erinnert, wie im Vorgänger, an den Tank eines Motorrads. Anstelle eines Schalthebels sitzt hier der Wählhebel des Multi-Mode-Getriebes. Im Gegensatz zu Captur und ASX kann man keine B-Stufe für eine verstärkte Energie-Rekuperation wählen.

Wie in anderen Nissan-Hybriden und Elektroautos gibt es aber die E-Pedal-Taste. Wird sie gedrückt, steuert die Software Bremse und Rekuperation auf einem maximalen Level. Bis zum Stillstand bremst das Auto dann zwar nicht ab, das Joystick-statt-Fahrpedal-Gefühl im Stadtverkehr stellt sich trotzdem ein.

Hier fühlt sich der Juke Hybrid wohler als auf der Autobahn. Dort wird die Höchstgeschwindigkeit von 166 km/h nach langem Anlauf nur dann erreicht, wenn ausreichend Elektronen im Akku vorgehalten werden. Bei leerer Batterie wird das Auto spürbar lahmer.

Gut sortiertes Cockpit

Nissan Juke Hybrid Test Video N-Connecta

Die hohe Gürtellinie des Nissan Juke lässt eine schlechte Rundumsicht erwarten. Die ist aber besser als gedacht, wenngleich die breite C-Säule und die flache Heckscheibe kein Kreuzungs-Panorama bieten. Eingemauert fühlt man sich aber auch im Fond nicht.

Analoge Instrumente, große Tasten am Multifunktionslenkrad und Drehregler für die Klimaautomatik erleichtern die Bedienung. Das acht Zoll große Infotainment-Display ist ein Touchscreen. Audiolautstärke und weitere Funktionen lassen sich aber mit Knöpfen und zwei weiteren Drehreglern steuern.
Ein Navigationssystem gibt es nur optional, im Testwagen ist es nicht enthalten. Das macht aber nichts, via Apple CarPlay oder Android Auto kommen Navi-Apps mit Schwarmdaten ins Auto und auf das Display. Eine kabellose Anbindung ist nicht möglich, zudem fehlt eine Ablage mit induktiver Ladefunktion.

5,9 Liter Testverbrauch

Nissan Juke Hybrid Test Video N-Connecta

„Weniger Laden“ ist auch das Motto weiter hinten. Die Hybrid-Batterie benötigt Bauraum, der das Kofferraumvolumen reduziert. 354 Liter fasst der Juke Hybrid bei aufrechter Lehne der Rücksitzbank, 422 Liter sind es beim reinen Verbrenner.

Unverändert bleibt der 46 Liter große Tank. Ihn muss man als Fahrer der Hybrid-Version nicht allzu oft füllen. Im Testalltag ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern für 100 Kilometer. Damit liegt der Nissan knapp einen Liter über dem Norm-Wert (4,9 – 5,0 Liter), darf aber als durchaus sparsam gelten. Im reinen Stadtverkehr mit e-Pedal und ohne starke Beschleunigung an der grünen Ampel sind auch Werte um fünf Liter machbar.

Das kostet der Juke Hybrid

Nissan Juke Hybrid Test Video N-Connecta

Im Vergleich zum Juke Benziner mit DCT-Getriebe spart der Hybrid nach WLTP-Norm (den Benziner mit Doppelkupplungs-Box konnte AUTONOTIZEN noch nicht im gleichen Umfang testen) 1,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Bei angenommenen 1,90 Euro je Liter E10 beträgt die Ersparnis auf dieser Strecke also 2,47 Euro.

Zuvor muss dem Nissan-Händler aber ein Betrag von mindestens 29.990 Euro (Listenpreis für den Juke Hybrid N-Connecta) überwiesen werden. Das bedeutet einen Aufpreis von 3.200 Euro im Vergleich zum DCT-Benziner mit gleicher Ausstattung (26.790 Euro). Betrachtet man die Spritkosten isoliert (unabhängig von Kfz-Versicherung, Steuer etc.), rechnet sich der Mehrpreis erst nach fast 130.000 Kilometern.

Im Vergleich zu seinen Allianz-Schwestermodellen Renault Captur und Mitsubishi ASX ist der Juke Hybrid je nach Ausstattungslinie teil ein paar Euro günstiger, bietet dann aber auch weniger Ausstattung. Eine Sitzheizung, bei Mitsubishi ab dem Ausstattungsniveau „Plus“ dabei, gibt es erst für den Juke Tekna.

Er wurde günstiger

Nissan Juke Hybrid Test Video N-Connecta

Anfang 2023 wurde der Nissan Juke nicht teurer wie so viele andere Modelle, sondern günstiger. Der Importeur senkte die Preise für den Benziner um 700 Euro, die Basis Visia kostet ab 20.790 Euro. Sogar 1.100 Euro billiger wurde der Hybrid.

Der hier gezeigte Testwagen hat neben der Metalliclackierung in „Magnetic Blue“ auch ein Ausstattungspaket mit dem ProPilot-System für Stauassistenz und Spurführung, Totwinkelwarner mit Querverkehrsüberwachung und 360-Grad-Kamerarundumsicht an Bord. Der Listenpreis laut Konfigurator: 31.780 Euro.

Fazit

Nissan Juke Hybrid Test Video N-Connecta

Der Nissan Juke ist ein angenehmer Charakterkopf. Trotz eigenwilligem Design auch innen muss man in Sachen Bedienung und Platzangebot kaum Abstriche machen. Als Hybrid geht der Kompakte einigermaßen sparsam mit dem fossilen Brennstoff um. Der heftige Aufpreis im Vergleich zum Benziner konterkariert den Spargedanken jedoch.

Technische Daten

Nissan Juke Hybrid N-Connecta

Antrieb Frontantrieb
Hubraum 1.598 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 69 kW / 94 PS
Max. Drehmoment 148 Nm bei 3.600 U/min
Getriebe Multimode-Getriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 36 kW (49 PS) + 15 kW (20 PS)
Systemleistung: kW / PS 105 kW / 143 PS
Batterie 1,3 kWh
Beschleuningung 0-100 km/h 10,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 166 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 4,9 - 5,0 Liter
Verbrauch real auf 100km 5,9 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens 215/60 R17
Leergewicht 1.446 kg
Länge / Breite / Höhe 4.210 / 1.800 / 1.593 mm
Grundpreis 29.990 Euro
Testwagenpreis 31.780 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad