Opel Astra GSe (2023) Wie sportlich ist der Hybrid?

Der neue Opel Astra GSe im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Sportliche Ableitungen etablierter Modelle haben bei Opel eine lange Tradition. Das Kürzel GSe, als Vorbote von GT/E, GSI und OPC ein populäres Buchstaben-Trio, feiert jetzt sein Comeback. Im Zeitalter der Elektrifizierung wird aus "Grand Sport Einspritzung“ jetzt „Grand Sport Electric“.

Neu an den Start rollt der Opel Astra GSe, der die Linie sportlicher Kompakter aus Rüsselsheim, sogenannter Hot Hatches, weiterzeichnen will. Dabei greifen die Modellplaner, den strikten Vorgaben der Mutter folgend, ins Konzernregal und haben gleichzeitig den CO2-Flottenausstoß im Kopf. Das bedeutet: Anstelle eines leistungsstarken Verbrenners kommt im Opel Astra GSe ein Plug-in Hybrid zum Einsatz.

Der Opel Astra GSe im Video

Der Antriebsstrang ist bekannt, nicht nur, weil er im Prinzip dem im bekannten Astra Hybrid mit 180 PS Systemleistung gleicht. Die im GSe genutzte Ausbaustufe mit maximal 165 kW / 225 PS kann man in einer Vielzahl von Stellantis-Modellen – u.a. Citroën C5 Aircross und C5 X, Peugeot 308 und 3008, Opel Grandland – auswählen. Der 1,6 Liter große Benziner leistet 132 kW / 180 PS und damit 30 Pferdestärken mehr als beim „kleineren“ Hybrid-Astra. Unverändert bleiben der 81 kW (110 PS) starke Elektromotor und der 12,4 kWh große Lithium-Ionen-Akku.

Zum Sportmodell wird der neue Opel Astra GSe dank der Feinarbeit in der Entwicklungsabteilung. Die Hessen belassen es nicht bei speziell geformten Stoßfängern und 18-Zoll-Felgen oder der schwarzen Kontrastfarbe für Dach und Außenspiegel. Auch nicht bei den mit Alcantara bezogenen Sportsitzen, deren integrierte Kopfstützen für große Fahrer etwas zu kurz sind.

FSD-Fahrwerk für Sport und Komfort

Unter den Insassen schrauben die Bandarbeiter im Stammwerk Rüsselsheim ein Fahrwerk mit frequenzselektiven Dämpfern ins Auto. Diese von Koni entwickelte und unter Lizenz genutzte Technologie steuert über Ventile, die auf den Einfluss der Räder auf die Stoßdämpfer reagieren, den Ölkreislauf in eben diesem Bauteil. Damit können Zug- und Druckstufe in Millisekunden verändert werden, ohne dass man ein aufwendiges Regelsystem mit aktiver Dämpferregelung benötigt. Innerhalb des weit verzweigten Stellantis-Konzerns kommt die FSD-Technologie auch bei den sportlichen Kleinwagen von Abarth zum Einsatz.

Wie fühlt sich das an? Das zeigt die erste Probefahrt im Opel Astra GSe. Mit vollem Akku stromern wir los. Bis zu 135 km/h kann man im EV-Modus rein elektrisch und damit lokal emissionsfrei unterwegs sein. Dann fällt die Reichweite freilich geringer aus die die nach WLTP-Norm angegebenen 64 Kilometer. Wir sind heute im Süden Spaniens unterwegs, nutzen zum Ausloten der Fahrdynamik den Hybrid- und den Sport-Modus. Ein Effizienztest kann zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Schon auf den ersten Kilometern fällt die gekonnte Abstimmung des Opel Astra GSe positiv auf. Die neu kalibrierte Lenkung bietet gutes Feedback und bindet den Fahrer mit leicht erhöhten Rückstellkräften ein. Das FSD-Fahrwerk zeigt eine straffe Grundnote. Wellige Asphaltdecken oder Fräskanten stecken die Dämpfer dank ihrer oben erwähnten Technologie sehr gut weg. Trotz der Tieferlegung um 10 Millimeter im Vergleich zu den regulären Astra-Modellen, was einen kürzeren Federweg mit sich bringt, kommt auch dann keine Unruhe ins Auto.

Damit qualifiziert sich der Opel Astra GSe fahrwerksseitig nicht nur zum Kurvenräubern, sondern auch als bequemes Reiseauto für die Familie. Das gilt vor allem für den Sports Tourer genannten Kombi. Der versucht, dank einem längeren Radstand etwas mehr Raum im auch dann noch knappen Fond anzubieten. Im langen Heck stellt er zudem den mit 516 Litern größeren Kofferraum (Hatchback 352 Liter) bereit. Der längere hintere Überhang des Sports Tourer und das rund 40 Kilogramm höhere Leergewicht fallen im Straßenverkehr nicht auf, hier muss man beim Kombi also keine Abstriche machen.

Hatckback oder Kombi?

Opel Astra GSe Hot Hatch Hybrid Sports Tourer Test Video Review 2023

Ist der Opel Astra GSe also ein durch und durch sportlicher Kompakter? Nicht wirklich. Wer früher GSI und dann OPC fuhr, der muss sich umstellen. Der elektrifizierte Antrieb hat keinen Racing-Charakter. 360 Newtonmeter maximales Drehmoment klingen gut, sie stehen aber nur bei ausreichend vollem Akku im Sport-Modus an.

Beim Wechselspiel des Benziners und der Elektromaschine, das mit geschliffenen Übergängen sehr gut funktioniert, ist der Astra GSe zügig unterwegs, ohne dir den Atem zu rauben. Die Fahrleistungen sind minimal besser als beim 180-PS-Modell (0-100 km/h in 7,5 statt 7,6 Sekunden beim kompakten Fünftürer, Höchstgeschwindigkeit 235 statt 225 km/h).

Die theoretischen Werte spiegeln sich auch beim Fahren wider. Mit Sportlabel ist der kompakte Opel nicht für mehr Längsdynamik ausgelegt. Da freut es umso mehr, dass die Entwickler so viel Arbeit in Fahrwerk und Lenkung gesteckt haben.

Bekanntes Interieur

Opel Astra GSe Hot Hatch Hybrid Sports Tourer Test Video Review 2023

Mehr Budget gab es dann wohl nicht mehr, denn bis auf Bezüge, Sportsitze und Dekore bliebt der Innenraum unangetastet. Weder ein Sportlenkrad noch eigene Layouts der Displays trägt der GSe im Cockpit. Die bekannte Konzernware hinter dem Lenkrad und auf der Mittelkonsole erlaubt eine gute Übersicht. Direktwahltasten erlauben die Ansteuerung wichtiger Menüpunkte. Auch einen Drehregler für die Lautstärke des Audio-System gibt es.
Leichte Abstriche muss der Astra-Kunden bei der Oberflächenqualität einiger Bauteile (Jalousien über Cupholder und Smartphone-Ablage) und einigen leicht schief eingepassten Tasten hinnehmen.

Das kostet der Opel Astra GSe

Opel Astra GSe Hot Hatch Hybrid Sports Tourer Test Video Review 2023

Zum Marktstart bietet Opel den Astra GSe als Fünftürer für 45.510 Euro an. Der Sports Tourer kommt etwas später zu den Händlern und dürfte dann 1.100 Euro teurer sein. Im genannten Listenpreis, von dem man seit Anfang 2023 keine Förderung mehr abziehen kann, ist neben 18-Zöllern, FSD-Fahrwerk und Alcantara-Ausstattung auch ein Navigationssystem Teil der Serienausstattung. Matrix-LED-Scheinwerfer kosten 1.300 Euro Aufpreis.

Und die Konkurrenz?

Opel Astra GSe Hot Hatch Hybrid Sports Tourer Test Video Review 2023

Damit ist der Opel Astra auch als GSe selbstbewusst eingepreist. Den Mitbewerber Cupra Leon e-Hybrid, den es in zwei Leistungsstufen gibt, bieten die Spanier mit 245 PS ab 41.540 Euro an. Der nicht mehr bestellbare VW Golf GTE war zuletzt knapp unter 42.000 Euro zu haben. Peugeot bietet den 308 GT Hybrid 225 ab 45.500 Euro an.

Fazit

Opel Astra GSe Hot Hatch Hybrid Sports Tourer Test Video Review 2023

Neue Rolle für den Plug-in Hybriden. Nach Ende der staatlichen Förderung arbeitet der elektrifizierte Antrieb im Opel Astra jetzt auch im sportlichen Topmodell der Baureihe. 225 PS Systemleistung und 360 Newtonmeter Drehmoment klingen dramatischer, als es die Realität auf der Straße zeigt. Zudem liegt die volle Leistung nur bei vollem Stromspeicher an, man sollte also (nicht nur wegen der Leistung) regelmäßig laden.

Zum Sportler wird der Astra als GSe aber dennoch. Lenkung und Fahrwerk sorgen für Fahrspaß im kompakten Hessen, der vor allem als Sports Tourer zum lecker angerichteten Menü wird. Das muss man sich aber leisten wollen.

Technische Daten

Opel Astra GSe Fünftürer // Sports Tourer

Antrieb Frontantrieb
Hubraum 1.598 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 132 kW / 180 PS bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.750 Nm
Getriebe Achtgang-Automatik
Elektromotor: Maximale Leistung kW 81 kW (110 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 320 Nm
Systemleistung: kW / PS 165 kW / 225 PS, 360 Nm
Batterie 12,4 kWh Lithium-Ionen, elektrische Reichweite (WLTP) 63 - 64 km
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 3,7 kW (Serie), 7,4 kW (optional), einphasig
Tankinhalt 42 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 7,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 135 km/h
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 15,0 - 15,3 kWh // n.n.
Norm-Verbrauch auf 100km 1,1 - 1,2 Liter // n.n.
Reifenmarke und –format des Testwagens Michelin Primacy 225/40 R18
Leergewicht 1,703 // n.n.
Anhängelast (gebremst) 1.450 kg // 1.400 kg
Länge / Breite / Höhe 4.374 / 1.860 / 1.472 mm // 4.642 / 1.860 / 1.481 mm
Grundpreis 45.510 Euro / n.n. (mutmaßlich 46.610 Euro)
Testwagenpreis 48.470 Euro // n.n.
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Text: Bernd Conrad
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