Opel Grandland GSe Wie neu ist das SUV-Topmodell?

Der neue Opel Grandland GSe im ersten Fahrtbericht mit Video-Review.



Bekannte Ware unter neuer Flagge: Macht es sich Opel mit dem Grandland GSe so einfach? Klären wir das gleich zu Beginn: Nein, machen sie nicht. Obwohl der Opel Grandland als Plug-in Hybrid mit drei Motoren und 300 PS Systemleistung ein guter alter Bekannter ist. Besser: war. Denn den bisher angebotenen Opel Grandland Hybrid 4 gibt es nicht mehr.

Der Opel Grandland GSe im Video

Neuzugang ist der Grandland GSe. Gemeinsam mit dem Opel Astra GSe bringt er ein traditionelles Sport-Label der deutschen Stellantis-Marke zurück, wenngleich in abgewandelter Form. Das „e“ steht künftig für den elektrifizierten oder elektrischen Antrieb, dürfte also auch bei reinen Elektroautos zum Einsatz kommen.

Wenn man verklärt an Klassiker wie den Opel Monza GSE denkt, erkennt eine Gemeinsamkeit mit dem Neuling. Genau 40 Jahre später fährt auch der Grandland GSe mit Hinterradantrieb vor. Zumindest temporär, dann sogar mit echtem Heckantrieb. Heißt: Der an der Hinterachse montierte Elektromotor treibt dort die Räder an.

Die maximal 83 kW (113 PS) starke Maschine ist im EV-Modus primär für den Antrieb verantwortlich. Bei höherem Tempo oder mehr Leistungsabruf schalten sich im Hybrid- oder Sportmodus der 1,6 Liter große Benziner mit 200 PS und der vordere Elektromotor, der es auf bis zu 81 kW (110 PS) bringt, hinzu. Über den 4WD-Modus ist auch ein rein elektrischer Allradantrieb möglich.

Was ist neu beim GSe?

Bis zu 135 km/h kann der Opel Grandland GSe lokal emissionsfrei fahren, solang genug Energie im leicht auf 14,2 kWh vergrößerten Akku steckt. Geladen wird serienmäßig nur mit bis zu 3,7 kW, ein optionaler 7,4-kW-Lader (für einphasiges Laden) kostet 500 Euro extra. Über das Touchscreen-Menü lässt sich zudem das e-Save-Programm aufrufen. Hier kann man Strom für 10 oder 20 Kilometer Wegstrecke „speichern“, um am Ziel heranzustromern, oder sogar den Akku während der Fahrt laden. Das ist aber die klar ineffizienteste Form, den Stromspeicher zu füllen.

295 Wörter sind geschrieben (und gelesen, danke dafür!). Wann gibt es News? Jetzt. Denn die Probefahrt im neuen Opel Grandland GSe bringt die Änderungen des kompakten Sport-SUV auf den ersten Kilometern zu Tage.

Das Fahrwerk wurde überarbeitet, jetzt kommen frequenzselektive Dämpfer zum Einsatz. Je nach Fahrbahnbeschaffenheit, werden – angeregt durch die Erschütterungen im Dämpfer, Ventile für den Ölfluss geöffnet. Zug- und Druckstufe verändern sich, das Auto geht komfortabler mit Unebenheiten um.
Das bedeutet aber nicht, dass der Opel Grandland GSe eine komfortable Sänfte ist, im Gegenteil. Die Grundabstimmung ist recht straff. Dazu tragen auch die serienmäßigen 19-Zoll-Räder ihre Teil bei. Wer nicht unbedingt einen Hot Hatch im Hochparterre sucht, empfindet das Fahrwerk vielleicht also zu sportlich. Eine ausführliche Probefahrt ist anzuraten. Auch die mit Alcantara bezogenen Sportsitze, im Gegensatz zu denen im Astra GSe mit höhenverstellbaren Kopfstützen, tragen zur straffen Note bei. Gegen Aufpreis gibt es die „normalen“ Grandland-Sitze in Verbindung mit Lederbezügen.

Angeschärfte Optik

Opel Grandland GSe 2023 Test Video Review

Neu abgestimmt wurde auch die Lenkung. Sie muss etwas kräftiger angepackt werden als bisher, bietet dabei eine detailgetreue Rückmeldung. Schade, dass man das nicht optisch mit einem speziellen GSe-Lenkrad garniert. Man blickt auf das bekannte Standardbauteil. Auch das Cockpit bleibt, bis auf ein spezielles Dekor vor dem Beifahrer, unverändert. Das Navigationssystem fährt im Sportmodell serienmäßig mit.

Äußerlich hebt sich der Grandland GSe deutlicher von den anderen Ausstattungslinien ab. Neben den 19-Zoll-Leichtmetallfelgen im Design „Monza“ bringt er eine neue Frontschürze, eine Diffusoroptik am Heck sowie schwarzen Kontrastlack an Dach und Außenspiegeln mit. Auf Wunsch wird auch die Motorhaube schwarz lackiert. Dieses Stilmittel zitiert klassische Renn- und Sportwagen. Mit dunklem Mattlack auf der Haube wurden störende Sonnenlichtreflexionen, die den Fahrer blenden können, minimiert.

Das kostet der Opel Grandland GSe

Opel Grandland GSe 2023 Test Video Review

Der Grandland GSe ist mit einer Nullhundert-Beschleunigung in 6,1 Sekunden nicht nur der schnellste Opel im aktuellen Modellprogramm, sondern auch der teuerste – zumindest diesseits des Elektro-Kleinbusses Zafira-e Life. 57.600 Euro werden aufgerufen. Die Serienausstattung ist aber inklusive Matrix-LED namens „IntelliLux“, Navigationssystem, Sportsitzen und schlüssellosem Zugang ziemlich komplett.

Ein annähernd vergleichbar ausgestatteter Opel Grandland Plug-in Hybrid mit Vorderradantrieb und 225 PS Systemleistung in der Ausstattungslinie GS kommt laut Konfigurator auf 51.825 Euro. 5.775 Euro Aufpreis kostet also das Upgrade mit Allradantrieb, höherer Leistung, Sportsitzen und dem FSD-Fahrwerk (alle Preise Stand Januar 2023).

Fazit

Opel Grandland GSe 2023 Test Video Review

Reisen bildet. Das gilt auch für die Ausfahrt im Opel Grandland GSe. Die zeigt, dass es sich beim neuen Topmodell für Modellreihe und Marke um mehr handelt als nur einen umbenannten Grandland Hybrid4. Das Fahrwerk und die neu kalibrierte Lenkung sorgen für Dynamik, untermalt von den Sportsitzen. Dieses Trio macht den GSe aber auch deutlich straffer als andere Grandlands.

Der Preis ist happig – aber man bekommt für sein Geld ein geräumiges, gut ausgestattetes Auto mit eigenem Charakter.

Technische Daten

Opel Grandland GSe

Antrieb elektrischer Allradantrieb
Hubraum 1.598 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 147 kW / 200 PS bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 300 Nm bei 3.000 U/min
Getriebe Achtgang-Automatik
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW 81 kW (110 PS)
Elektromotor vorn: Maximales Drehmoment 320 Nm
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW 83 kW (113 PS)
Elektromotor hinten: Maximales Drehmoment 166 Nm
Systemleistung: kW / PS 221 kW / 300 PS, 520 Nm
Batterie 14,2 kWh Lithium-Ionen
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 3,7 kW (Serie), 7,4 kW (optional), einphasig
Tankinhalt 43 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 6,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 135 km/h
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 16,2 kWh
Norm-Verbrauch auf 100km 1,2 Liter
Verbrauch real auf 100km 6,9 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens Michelin e-Primacy 225/50 R19
Leergewicht 1.867 kg
Anhängelast (gebremst) 1.250 kg
Länge / Breite / Höhe 4.477 / 1.906 / 1.630 mm
Grundpreis 57.600 Euro
Testwagenpreis 58.250 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Dani Heyne (8), A. Hof, B. Conrad
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