Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Bestseller mit Stecker

Erste Faht im neuen Toyota RAV4 Plug-in Hybrid.



Wenn Toyota die Rolle des Pioniers einnimmt, kommt dabei meistens ein langanhaltender Trend heraus. 1994 stellten die Japaner das „Recreational Active Vehicle 4-Wheel-Drive“ (Aktives Freizeitfahrzeug mit Allradantrieb) vor, besser bekannt unter der Abkürzung RAV4. Die Baureihe, zu Beginn vom Marketing als „Fun Cruiser“ beworben, gilt als Urvater der modernen Kompakt-SUV.

Drei Jahre später kam mit Prius das erste Hybridmodell auf den Markt. Diese Antriebstechnik bildet heute den Kern des Toyota-Modellprogramms. Auch bei der Brennstoffzellentechnik spielt Toyota weit vorne mit. Reine Batterie-Elektroautos und Plug-in Hybride standen anfangs aber nicht auf der Agenda des Konzerns. Das wird nun aber im großen Stil nachgeholt.

Das Video zum RAV4

Der Toyota Prius ist aktuell nur noch als Plug-in Hybrid erhältlich, bleibt aber nicht länger das einzige Modell mit der doppelten Antriebstechnik im Modellprogramm. Die vierte Generation des mit 4,60 Meter gar nicht mehr so kompakten RAV4 kommt jetzt auch als Plug-in Hybrid.

Bei der neuen Elektrifizierungsstufe nutzt Toyota seinen Baukasten geschickt aus. Der Vierzylinder-Benziner im neuen RAV4 Plug-in Hybrid ist der aus den Hybrid-Modellen bekannte 2,5-Liter-Sauger mit 136 kW / 185 PS. Der Elektromotor an der Hinterachse, maximal 40 kW (54 PS) stark, wird ebenfalls aus dem Regal des RAV4 AWD geholt. Neu ist der stärkere E-Motor an der Vorderachse, der jetzt 134 kW (182 PS) leistet.

75 km elektrische Reichweite

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video Review

Die Systemleistung des neuen RAV4 Plug-in Hybrid liegt bei 225 kW / 306 PS. Auch die Traktionsbatterie wurde selbstredend größer. Dabei nutzt Toyota den Bauraum im SUV gut aus und baut einen, im Vergleich zu Mitbewerbern wie dem kommenden VW Tiguan PHEV, überraschend großen Stromspeicher ein. 18,1 kWh Speicherkapazität sollen wir bis zu 75 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP-Norm sorgen.

Auf den ersten Probefahrten zeigt sich, dass dieser Wert nicht allzu realitätsfremd ist. Im realen Fahrbetrieb, der keine langen Autobahnetappen beinhaltet, sollten 60 bis 70 Kilometer machbar sein. Damit gibt sich der RAV4 als alltagstauglicher Plug-in Hybrid mit ausreichender E-Reichweite für Pendler und nicht nur als Papiertiger.

Das SUV startet, einen ausreichenden Ladezustand der Batterie vorausgesetzt, stets im EV-Modus. Rein elektrisch kann man dann bis zu einer Geschwindigkeit von 135 km/h unterwegs sein. Selbst bei vollständig durchgetretenem Fahrpedal kümmert sich dann einzig der Elektroantrieb ums Vorankommen.

Die maximale Systemleistung von 306 PS erreicht der RAV4 im automatischen Fahrmodus, wenn sich also die Software um die Kraftverteilung kümmert. Auch das macht ihn aber nicht zum Sportler. Der Toyota RAV4 bleibt seinem Charakter als geräumiger Reisewagen für Familie und Freizeit treu. Beinahe zumindest.

Hartes Fahrwerk

Das harte Fahrwerk, dessen Austeilfreude durch die am Testwagen montierten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen noch verstärkt wird, passt leider nicht so ganz zum entspannten Charakter des Japaners. Vor allem bei Stadttempo wird man ordentlich durchgeschüttelt – also im für einen Plug-in Hybriden oft gewählten Fahrradius. Nach der Ortsausfahrt wird es etwas besser – längere Autobahnetappen bei Richtgeschwindigkeit machen aber vor allem auf den Rücksitzen im geräumigen Fond nicht wirklich Spaß.

Gewohnt gut funktioniert das Zusammenspiel der Motorenbausteine. Auch die Akustikverglasung und zusätzliches Dämmmaterial sorgen dafür, dass der Verbrenner meist leise und unbemerkt arbeitet. Lediglich bei höheren Drehzahlen oder im Batterielademodus wird es dröhnig.

Der Energiefluss lässt sich auf dem jetzt neun Zoll großen Infotainmentbildschirm ablesen. Das System wurde mit der Integration von Apple CarPlay und Android Auto modernisiert. Als Teil eines Optionspakets fährt auch ein hochwertiges Head-up-Display mit, dass die Informationen für den Fahrer direkt auf die Windschutzscheibe spiegelt.

Materialauswahl und Verarbeitung wissen zu gefallen, mit dem aufpreispflichtigen Style-Paket zieht eine Lederausstattung mit roten Kontrastnähten ein. Der Kofferraum ist mit pflegeleichtem Teppich ausgekleidet. Zur Serienausstattung der für den deutschen Markt bestimmten Modelle gehört eine abwaschbare Matte.

7,5 Stunden an der Steckdose

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video Review

Der Laderaum ist wegen der größeren Batterie unter der Rücksitzbank etwas flacher, womit das Volumen im Vergleich zum RAV4 Hybrid leicht sinkt: Von 580 auf 520 Liter. Unter dem aufklappbaren Boden liegt ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose bereit.

Der Onboard-Lader im Toyota RAV4 Plug-in Hybrid ermöglicht einphasiges Laden bis maximal 6,6 kW Leistung. Dieser Wert wird im deutschen Stromnetz aber nicht erreicht, weswegen das SUV gerne über Nacht an der Steckdose parkt. 7,5 Stunden dauert eine vollständige Ladung des 18,1 kWh-Akkus.
Ein Typ-2-Kabel und eine Wallbox von Webasto gibt es im Zubehör. Ohne Aufpreis kann man den RAV4 Plug-in Hybrid also nicht an einer Ladesäule, zum Beispiel beim Shopping in der Stadt, laden.

8.500 Euro teurer als der Hybrid

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video Review

Toyota will im Jahr 2021 3.000 Exemplare des RAV4 PHEV verkaufen, die meisten davon mit Vollausstattung in Form von zwei Optionspaketen. 58.830 Euro kostet so ein SUV dann immerhin, auch der Testwagen verkörpert diesen Listenpreis.

Das Basismodell startet bei 46.292,77 Euro. Den gelernten Ausstattungslinien folgt der RAV4 Plug-in Hybrid nicht. Am ehesten kann man ihn mit dem RAV4 Hybrid AWD „Team Deutschland“ vergleichen. 8.500 Euro kostet der PHEV ausstattungsbereinigt mehr.

Der stolze Mehrpreis wird aktuell durch die Förderung von Plug-in Hybriden im Rahmen der Umweltprämie abgemildert. 7.110 Euro (inkl. 16% MwSt.-Aneil auf den Herstelleranteil) lassen sich somit vom Listenpreis abziehen. Dazu profitieren Firmenwagenfahrer vom auf 0,5 Prozent reduzierten Steuersatz für den geldwerten Vorteil.

Gewerbliche Zulassungen sieht Toyota daher auch im Zielfokus für den Plug-in Hybriden. Privatkunden dürften mit dem Vollhybrid nicht weniger sparsam fahren. Während des Testtages zeigte der Bordcomputer des neuen Plug-in Hybrid, inklusive Autobahnanteil, Werte von 5,9 Litern Benzin und 21 kWh Strom auf 100 Kilometer Fahrstrecke an.

Fazit

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Test Fahrbericht Video Review

Der Toyota RAV4 Plug-in Hybrid ist Toyotas Alternative für Firmenwagenfahrer und gewerbliche Kunden. Der hohe Preis wird durch Umweltprämie und ermäßigten Steuersatz verträglicher.

Mit seiner großen Batterie und entsprechender Reichweite ist der RAV4 Plug-in Hybrid für elektrischen Pendeln besser geeignet als viele Konkurrenten. Das harte Fahrwerk trübt den Spaß am Fahren aber, vor allem im Stadtverkehr.

Technische Daten

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid

Hubraum 2.487 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 136 kW / 185 PS
Max. Drehmoment 221 Nm bei 3.600 - 5.200 U/min
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW 134 kW (182 PS)
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW 40 kW (54 PS)
Systemleistung: kW / PS 225 kW / 306 PS
Batterie 18,1 kWh Lithium-Ionen
Beschleuningung 0-100 km/h 6,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 135 km/h
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 16,6 kWh
Norm-Verbrauch auf 100km 1,2 Liter
Verbrauch real auf 100km 5,9 Liter (lt. Bordcomputer)
Reifenmarke und –format des Testwagens Bridgestone Alenza 235/55 R19
Anhängelast (gebremst) 1.500 kg
Länge / Breite / Höhe 4.600 / 1.855 / 1.685 mm
Grundpreis 46.292,77 Euro
Testwagenpreis 58.830 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad
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