VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht Es lebe die Evolution!

Update für den VW Golf, auch unter der Haube: Was kann der neue 1.5 TSI?

Der VW Golf auf diesen Fotos fällt auf. Was an der Lackfarbe liegt: In Kurkumagelb Metallic geistert das Faceliftmodell von VWs Bestseller durch sämtliche Medien, so auch hier.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Das Paradiesvogel-Kleid gefällt, zumindest beim frisch gewaschenen Auto in mediterraner Umgebung. Hier lässt auch der Bankkaufmann aus der Filiale die Straße runter gerne mal Fünfe gerade sein. Im bundesdeutschen Alltag dann wieder dunkelblauer Anzug, weißes Hemd. Uniformiert wie das Heer der grauen Golf.

Dabei lohnt sich, lassen wir den Herren Sparratenrechner und Bausparverkäufer mal beiseite, zumindest beim VW Golf ein genauerer Blick hinter die Kulisse. Trotz der Modellüberarbeitung gibt er sich äußerlich nämlich unaufgeregt wie zuvor. Die neu gestalteten Stoßfänger, LED-Scheinwerfer als Ersatz für Xenonlampen (Serie ab Highline) und die LED-Rückleuchten (Serie in allen Versionen) fallen nur Kennern auf. Dass der Golf sogar neue Kotflügel bekommen hat, nicht mal denen.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Für die erste Ausfahrt stellt sich der Golf Highline als 1.5 TSI zur Verfügung. Dieser Motor mit 110 kW / 150 PS wird in einigen Wochen den aktuell noch angebotenen, gleich starken 1.4 TSI ablösen. Rightsizing statt Downsizing also. Auch der neue Motor schaltet im Teillastbetrieb zwei Zylinder in den Ruhemodus und soll durch höheren Einspritzdruck nochmals spritsparender sein. Was zuerst auffällt: Es ist nach wie vor perfekter Motor für den VW Golf. Unauffällig wie das ganze Auto. Der Vierzylinder dreht homogen durch Drehzahlband, bleibt dabei angenehm leise – außer man prügelt ihn die Drehzahlmesseranzeige hinauf. 7,1 Liter Durchschnittsverbrauch zeigt der Bordcomputer für 100 Kilometer an, ein fairer Wert. Eine eigene Messung durch Nachtanken muss ich Euch nach dem Tagesausflug mit dem Golf leider schuldig bleiben.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Das Sechsgang-Schaltgetriebe rastet sauber ein, nur die Schaltwege empfinde ich nach wie vor als zu lang. Optional gibt es für den Golf 1.5 TSI ein neues 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit im Ölbad laufenden Kupplungen. Das ist durchaus eine Überlegung wert. Die Blogger-Kollegen von motoreport.de konnten den neuen Motor in Verbindung mit dem DSG fahren und loben vor allem die "knackigen Schaltimpulse".

Wenn noch Budget übrig bleibt, denn die Preisliste des VW Golf hält im Jahr 2017 viele neue Leckerlies parat. Das virtuelle Cockpit namens Active Info Display gibt es für 510 Euro jetzt auch im Golf. Seinen Vorteil sehe ich vor allem in der umfangreichen und gestochen scharfen Navigationskarte zwischen den Anzeigen für Geschwindigkeit und Drehzahl. Das lenkt den Blick nur minimal von der Straße ab. Und falls doch: bis 60 km/h kann der Golf mit optionalem Stauassistenten teilautonom fahren, die Notbremsfunktion für Stadtgeschwindigkeiten kommt hinzu. Die ganze Armee an Assistenten will aber bezahlt werden: 1.770 Euro kostet das Paket inklusive adaptiver LED-Scheinwerfer, Fernlichtassistent, Regensensor und weiterer Bestandteile.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Teuer? Es geht noch mehr. Womit wir zum Betrag von 2.385 Euro kommen und zur meistbeachtesten Neuerung im VW Golf: Dem großen Navigationsmodul namens Discover Pro. Das steckt jetzt komplett hinter Glas und hat keinen einzigen Knopf mehr. Nicht mal einen Drehregler für die Lautstärke. Was leider nicht unbedingt ein Fortschritt ist. Ansonsten würde man auch als digital Native gerne vor dem Gerät niederknien, wenn die Platzverhältnisse in einem Auto es zuließen.

Die Auflösung der Anzeigen auf dem Bildschirm: top! Die Reaktionsfähigkeit auf Fingerspreizer zum Zoomen der Navigationskarte: 1A! Der selbst zusammenstellbare Home-Bildschirm: erste Sahne. Der zeigt auf dem größten Teil des jetzt 9,2 Zoll großen Displays stets die Navigationskarte an, zwei Felder rechts daneben kann sich der Golf-Fahrer aussuchen. Ich würde Apple Car Play und Fahrdaten aussuchen.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Dass VW für das System eine mit dem Start-up DoorBird entwickelte App anbietet, mit deren Hilfe man vom Auto aus per Freisprecheinrichtung mit Menschen sprechen kann, die vor der eigenen Haustüre stehen und diese sogar per Befehl aus der Ferne hereinlassen kann, sei nur am Rande erwähnt. Das wirkt nicht nur im sonst so entschlossen ernsthaften Golf leicht übertrieben.

So wie für viele eben auch die Lackierung in Kurkumagelb. Soll der Golf ruhig weiterhin aussehen wie Stangenware. Sein neues, digitales Ich offenbart er innen. Wie der freundliche Berater in der Bankfiliale. Der einem auch plötzlich das kostenlose Online-Konto mit App zur TAN-Generierung präsentiert. Aber nachdem er in diesen Zeiten keine Zinsen auf das Ersparte anbieten kann, denkt man vielleicht noch eine Runde mehr darüber nach, ob man in seinen neuen Golf neben dem Active Info-Display, dem schönen großen Infotainment und dem Fahrassistenz-Paket auch noch das 7-Gang-DSG hinein konfiguriert. Und das famos klingende Dynaudio-Soundsystem.

VW Golf 1.5 TSI Evo im Fahrbericht

Was der Spaß dann kostet, kann ich Euch leider nicht sagen. Für den Golf 1.5 TSI hat VW noch keine Preise genannt. Er wird etwas teurer werden als der aktuell angebotene 1.4 TSI. Er kostet als Golf Highline ab 25.850 Euro.

Neben dem Golf Fünftürer konnte ich auch den Variant mit der gleichen Antriebskombination testen. Meinen Bericht dazu gibt es hier bei mein-auto-blog .

Im Blog ubi-testet gibt es ebenfalls einen Eindruck zum VW Golf Variant zu lesen.

Technische Daten

VW Golf Highline 1.5 TSI

Hubraum 1.598 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 110 / 150 bei 5.000 - 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 - 3.500 U/Min
Getriebe Sechsgang-Schaltgetriebe
Beschleuningung 0-100 km/h 8,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 5,1-5,2 Liter
Verbrauch real auf 100km 7,1 Liter (laut Bordcomputer)
Leergewicht 1.294 kg
Länge / Breite / Höhe 4.258 / 1.799 / 1.492 mm
Grundpreis noch nicht bekannt
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad