Abarth 500e Lautsprecher statt Auspuff

Der elektrische Abarth 500e im ersten Fahrbericht mit Video-Review.

Abarth wird elektrisch. 2024 sollen die aktuellen Verbrenner-Modelle 595 und 695 auslaufen, dann übernimmt alleinig der 500e mit festem Dach und als Cabrio die Herrschaft über das Skorpion-Logo. Für kaum eine andere Marke diesseits der Supersportwagen-Hersteller dürfte der Gegensatz größer sein. Wie kann das rotzfreche Image der röhrenden Kleinrenner elektrisch funktionieren?

Test und Soundcheck im Video

Dafür haben sie sich in Italien etwas überlegt, wie wir heute mehrfach lautstark erfahren. Zu ersten Testfahrten darf man sich als Berichterstatter am Stellantis-Testgelände im italienischen Balocco, nordwestlich von Mailand, einfinden. Wo die Prototypen künftiger Modelle sonst unter sich sind, mischen wir uns mit einer Gruppe von Abarths unter.

Im weitläufigen Hof einer Gebäudeansammlung dröhnt es regelmäßig. Und zwar dann, wenn jemand den künstlich erzeugten Ton eines elektrischen Abarth 500e aktiviert. Der soll, so sagen es die Entwickler, dem Geräusch der „Record Monza“-Abgasanlage des Verbrenner-Modells nachempfunden sein. Wir haben einen aktuellen Abarth 695 Competizione mit den vier übereinanderliegenden Endrohren dabei.

Roar....

Und ein direkter Hörvergleich bestätigt erste Vermutungen. Im Leerlauf ist der neue, elektrische Abarth sogar lauter! Unter dem Heck sitzt ein tellergroßer, wasserfester Lautsprecher. Er ist bei der höheren Ausstattungslinie Turismo serienmäßig. Über ein Untermenü im digitalen Cockpit – etwas wirr über die Display-Einstellungen erreichbar – kann man den bassigen Grundton aktivieren. Dafür muss das Auto stehen, wohl aus gutem Grund. Lautloses „Anschleichen“ an Radfahrer und Fußgänger, um diese dann mit dem lauten Ton zu erschrecken, ist nicht.

Beim Losfahren wird ein zweiter Ton aktiviert, der sich mit zunehmendem Tempo ändert. Der Grundton bleibt immer gleich, was ungewohnt klingt. Nicht nur außen, sondern auch innen geht es im Elektro-Abarth dann recht laut zu (im Video zu hören). Schon bei Landstraßentempo klingt das Auto, als ob man vergessen hat, einen höheren Gang einzulegen.

Was, vor allem aufgrund des Neuheiteneffekts, auf den ersten Kilometern spaßig ist, wird dann schnell fad. Also: Anhalten, Einstellungen suchen, Ton deaktivieren. Was für eine Ruhe… Jetzt ist Zeit, sich mit dem Abarth 500e an sich zu beschäftigen.

Auf kurvigen Landstraßen mittelguter Ausbau-Güte wieselt der 3,67 Meter lange Floh auf seinen 205 Millimeter breiten Bridgestones freudig von einem Bremspunkt zum nächsten. Spur und Radstand wurden im Vergleich zum Vorgänger vergrößert, was der Straßenlage zugutekommt. Auch die herrlich direkte Lenkung gefällt, während sich die mit Alcantara bezogenen Sportsitze um genügend Seitenhalt kümmern.

Abarth 500e Elektro Cabrio Turismo Acid Green Test Sound Video Review 2023

Am Tag der Testfahrten regnet es ergiebig. Das Cabrio-Verdeck bleibt also zu. Und der Abarth zeigt: Die bis zu 235 Newtonmeter Drehmoment zerren derart ungestüm an den Vorderrädern, dass diese nach Abbiegemanövern und auch beim starken Beschleunigen auf der Geraden kurz um Grip winseln, bevor die Traktionskontrolle eingreift.

Hoher Stromverbrauch

Abarth 500e Elektro Cabrio Turismo Acid Green Test Sound Video Review 2023

Über den Fahrmodus-Schalter in der Mittelkonsole kann man von einem der beiden „Scorpion“-Modi (Track und Road) in das Fahrprogramm Turismo wechseln. Dann wird die Leistung der permanenterregten Synchronmaschine von 115 auf 100 kW (136 PS) reduziert. Im normalen Fahralltag ist das kaum spürbar, die Effizienz dürfte gewinnen.

Damit hat es der Abarth 500e gar nicht so mit dem Stromsparen. Als Cabrio im Turismo-Trim, zu dem auch die größeren Räder gehören, hat er nach WLTP-Norm einen Verbrauch von 18,8 kWh je 100 Kilometer. Da die kompakte Karosserie nur begrenzten Platz für einen Akku im Boden bietet, müssen 42,2 kWh Speicherkapazität genügen, von denen 37,8 kWh netto nutzbar sind. Die Folge: Nur 242 Kilometer Reichweite werden im Prospekt angegeben. Das Fiat 500 Cabrio mit Elektroantrieb um 87 kW (118 PS) schafft immerhin 310 Kilometer.

Klappt ein Tagestrip in die Berge?

Abarth 500e Elektro Cabrio Turismo Acid Green Test Sound Video Review 2023

Wir schaffen es in den Stunden, die für diesen ersten Fahrbericht zur Verfügung stehen nicht, den Akku leerzufahren. Genaue Informationen zur realen Reichweite und dem Ladeverhalten wird also ein späterer Test klären. Am Schnelllader kann Gleichstrom mit bis zu 85 kW gesogen werden, Wechselstrom lädt der Italiener dreiphasig mit 11 kW.

Die geringe Reichweite in Verbindung mit der Kurvenlust des 500e wirft jedoch Fragen auf. Angenommen, man wohnt in München und vor der Tür steht der Abarth. Es ist früher Sonntagmorgen, Auto und Fahrer haben Lust auf kurvige Straßen rund um Walchensee und Co. Auch für diesen (Halb-)Tagesausflug muss man also Ladepausen einplanen und auch entsprechende Schnellladestationen kennen.

Auf dem Weg in Bergland wird der Elektro-Abarth maximal 155 km/h schnell, ist also deutlich langsamer als die Verbrenner mit bis zu 225 km/h (je nach Leistungsstufe des 1,4 Liter Turbomotors). Wer einmal eine längere Strecke mit einem Abarth 595 oder 695 gefahren ist weiß aber: Für fixes Autobahnröhren ist der Zwerg mit seiner straffen Federung und dem kurzen Radstand keineswegs gemacht.

Der Abstand zum Schwestermodell Fiat 500 ist bei der neuen Generation von Abarth geringer als bisher. Den höheren Komfort kann man also auf die Habenseite des 500e schreiben. Wahre Fans der „alten“ Modelle dürften aber genau diese Kompromisslosigkeit vermissen.

Das kostet der Elektro-Abarth

Abarth 500e Elektro Cabrio Turismo Acid Green Test Sound Video Review 2023

Relativ nah bleiben sich auch die Preise. Damit ist nicht der Abstand zwischen 595 und 500e gemeint. Denn beim Grundpreis trennen beide stolze 9.500 Euro (Abarth 595 ab 28.490 Euro, Abarth 500e ab 37.990 Euro). Fast genau der Betrag, der früher von der noch höheren Elektroauto-Förderung kompensiert wurde.

Im Vergleich zum elektrischen Fiat 500 beträgt der Aufpreis 3.000 Euro. Objektiv betrachtet nicht zu viel für Sportsitze, andere Stoßfänger und weitere Umfänge. Ein Sportpaket würde wohl kaum weniger kosten. Was die Frage auswirft, ob der Abarth 500e nicht mehr als eben das ist?

Unser Testwagen ist ein Cabrio in der Tursimo-Ausstattung. Die bringt beispielsweise 18-Zöller, den Sound-Generator, induktives Laden für das Smartphone, die feine Alcantara-Innenausstattung und beheizbare Sitze vorne mit. Damit klettert der Preis auf stolze 45.990 Euro. Die Lackierung in Acid Green kommt mit 700 Euro hinzu.

Fazit

Abarth 500e Elektro Cabrio Turismo Acid Green Test Sound Video Review 2023

Der elektrische Abarth 500e tritt angriffslustig auf und lädt zum Kurvenräubern ein. Zumindest so lange, bis Verbrauch und Akkukapazität zur Mäßigung auf dem Weg zur nächsten Ladesäule mahnen. Der Abstand zum Fiat-Gegenstück wirkt, zumindest nach dem ersten Testtag, geringer als bei den Verbrennern. Vielleicht ist auch dies ein Grund, warum die Ingenieure einen lauten Pseudo-Auspuffsound programmieren ließen.

Technische Daten

Abarth 500e Cabrio Turismo

Antrieb Frontantrieb
Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 114 kW (155 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 235 Nm
Batterie 42,2 kWh (netto nutzbar 37,8 kWh) Lithium-Ionen, WLTP-Reichweite 242 km
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC) 85 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 11 kW (dreiphasig)
Beschleuningung 0-100 km/h 7,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 18,8 kWh
Reifenmarke und –format des Testwagens Bridgestone Potenza Sport 205/40 R18
Leergewicht 1.435 kg
Länge / Breite / Höhe 3.673 / 1.682 / 1.518 mm
Grundpreis 45.990 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad