VW Golf VIII Sitzprobe 5 Gründe für den neuen Golf

Erstkontakt mit Sitzprobe im neuen VW Golf der achten Generation

Die achte Generation des VW Golf hat es vor Ihrer Premiere nicht unbedingt leicht gehabt. In der Diskussion um die Mobilität der Zukunft und im Halligalli im die konzernweite Elektrostrategie, die auf der IAA mit dem VW ID.3 und dem Porsche Taycan ordentlich Fahrt aufnahm, musste die Neuauflage des ewigen Bestsellers zurückstecken. Und mit ihm auch die längst fertigen Verwandten in Form von Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia.
Der neue VW Golf bekommt seine eigene Bühne. Am Stammsitz Wolfsburg zeigt der Hersteller die Neuauflage. Die basiert auf einer weiterentwickelten Plattform des Vorgängers und teilt sich mit diesem den MQB (Modularer Querbaukasten).

Fünf Gründe für den neuen Golf

AUTONOTIZEN durfte sich den neuen Golf schon vorab ansehen und findet fünf Gründe, die aus Sicht potenzieller Käufer für den Golf sprechen:

Grund 1: Das Format

Der neue VW Golf VIII Bilder Infos Motoren

Über die Jahre wurden die Autos immer größer, auch die von VW. Ein aktueller Polo entspricht in den Abmessungen der vierten Golf-Generation. Was leider nicht mitwächst: Parkplätze, Normgaragen und der Verkehrsraum. Deswegen ist es durchaus erwähnenswert, dass der VW Golf VIII seinen Vorgänger nicht spürbar überragt. Knapp drei Zentimeter ist der Golf länger geworden. Zur Erinnerung: Der Golf VII ist fast sechs Zentimeter länger als die sechste Generation.

Hier die Abmessungen des neuen VW Golf: Länge: 4.284 mm, Breite (ohne Außenspiegel) 1.789 mm, Höhe 1.456 mm.

Im Innenraum ist auch der neue Golf ein geräumiger Kompakter mit viel Bewegungsfreiheit auf beiden Reihen. Das gerade nach hinten verlaufende Dach mit dem steilen Heckabschluss sorgt auch für eine ausreichende Kopffreiheit im Fond.

Grund 2: Das Design

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Man wird es dieser Tage wieder überall lesen können: So ein neuer Golf ist keine Revolution, VW traut sich nichts und so weiter. Fakt ist: Als größter gemeinsamer Nenner auf dem deutschen Automarkt muss und will es der Golf natürlich möglichst vielen Käufern recht machen.
Dass jede Golf-Generation immer gleich aussah, stimmt übrigens nicht. Der große Bruch, der auch heute noch die Form der Gölfe bestimmt, kam 1991 mit der dritten Generation. Die übernahm von den Vorgängern zwar die breite C-Säule, trug aber erstmals breite Scheinwerfer und einen zusammengekniffenen Kühlergrill.

Zurück ins Jahr 2019: Die Verantwortlichen bei VW betonen gerne, dass der Golf VIII ein neues Detail in Formen einer durch die erwähnte C-Säule laufende Blechfalz hat. Das stimmt teilweise. Es unterscheidet ihn von den direkten Vorgängern. Aber auch der Golf Nummer drei hatte hier Konturen im Blech.

Neben dem jetzt zentral platzierten Heckschriftzug fällt vor allem die Front der neuen Generation auf. Die Nase ist weiter heruntergezogen, die breiten LED-Scheinwerfer haben eine markante Lichtleiste, die sich weit in die Kotflügel zieht. Unter dem schmalen Kühlergrill lagt der Stoßfänger keck hervor.

Grund 1: Digitalisierung

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Nachdem das Karosseriedesign neugierige Betrachter also je nach Einstellung beruhigt oder langweilt, dürfte es nach dem Öffnen der Türen für große Augen und viel „Aha“ geben. Auch beim Golf bemüht VW, sofern man fleißig Aufpreis zahlt, die mit dem Touareg eingeführte Vokabel „Innovision Cockpit“.

Hinter dem Lenkrad blickt man auf ein serienmäßiges digitales Kombiinstrument, dass es in zwei Ausführungen geben wird. Sie unterscheiden sich von der Vielfältigkeit der möglichen Anzeigen, die Bildschirmdiagonal beträgt immer 10,25 Zoll. Rechts daneben – endlich auf Blickhöhe – montiert VW ein bis zu zehn Zoll großes Infotainmentdisplay. Ohne Navigationssystem sind es in der Basis 8,25 Zoll.

Auf physische Tasten verzichtet der Golf weitgehend. Links vom Kombiinstrument liegt die „Licht-Sicht-Insel“ mit berührungsempfindlichen Feldern für die Steuerung der Scheinwerfer. Klingt komplizierter als der bekannte Drehschalter? Nein, ist es nicht, alles ist logisch aufgebaut, außerdem überlässt man doch eh meistens der Lichtautomatik die Regie.

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Als mechanische Taste hat der Warnblinkschalter überlebt, das will der Gesetzgeber so. Drumherum versammeln sich Felder zur direkten Ansteuerung wichtiger Menüebenen. Außerdem hört auch beim Golf die erweiterte Sprachsteuerung nach dem Intro „Hallo, Volkswagen“ auf frei gesprochene Befehle. Dabei merkt das System über die verbauten Mikrofone auch, wer gerade spricht. Sagt also der Beifahrer „mir ist kalt“, wird die Temperatur auf seiner Seite erhöht. Mit etwas Zeitverzug zieht auch Amazons Alexa ein.

Überraschend ist die Bedienstruktur auf dem Touchscreen. Hier schimmern viele Stunden in Kundenkliniken durch die Bits und Bytes. Man kann direkt Kapitel wie „Hände wärmen“ anwählen. Ein Druck genügt und die optionale Lenkradheizung wird aktiviert, außerdem die Temperatur der Lüftung erhöht und der Luftstrom in Richtung der Hände am Lenkrad gelenkt. Mehrstufiges Einstellen aller Parameter entfällt also.

Das optionale Head-up-Display spiegelt die Informationen direkt in die Windschutzscheibe, sie schweben also scheinbar vor dem Auto auf der Straße.
Das und alles andere funktioniert intuitiv und dürfte auch ältere Semester unter den Kunden weder abschrecken noch überfordern. Mit seinem Bedienkonzept dürfte der Golf auch letzte Zweifler vom digitalen Innenraum überzeugen.

Grund 3: Connectivity

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Mit der Digitalisierung geht die Konnektivität Hand in Hand. Über eine eSIM ist das Auto immer online, man wird später auch Funktionen bis hin zur Navigation online bestellen und uploaden können, auch für bestimmte Zeiträume. Auch die erwähnte Sprachsteuerung funktioniert mit Internetzugang am besten, zum Beispiel beim Heraussuchen von Restaurants in der Nähe.

Außerdem ist der neue VW Golf für die Car-to-X-Kommunikation vorbereitet. In einem Umkreis von 800 Metern kann er mit anderen Autos kommunizieren, damit warnen sich Fahrzeuge gegenseitig vor einem Stauende hinter Kurven oder können Informationen über freie Parkplätze vermitteln. Das funktioniert über WLANp, die Mobilfunkverbindung des Fahrerhandys wird nicht benötigt.

Grund 4: Elektrifizierung

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Nein, einen rein elektrischen e-Golf bietet VW in der achten Generation nicht mehr an. Das batterieelektrische Auto dieser Klasse heißt ID.3. Trotzdem lohnt beim neuen Golf ein Blick auf die Motorenpalette.

Hier alle Motoren des Golf im Überblick:

Benziner:
Neue TSI-Dreizylinder mit einem Liter Hubraum und 66 kW / 90 PS oder 81 kW / 110 PS bilden die Basis. Sie basieren auf dem darüber rangierenden der 1.5 TSI-Vierzylinder. Ihn gibt es mit 96 kW / 130 PS oder 110 kW / 150 PS, beide haben weiterhin die ACT genannte Zylinderabschaltung an Bord.

Diesel:
Der E288 Evo genannte 2.0 TDI-Motor kommt im Golf in zwei Leistungsstufen mit 85 kW / 115 PS und 110 kW / 150 PS. Beide haben das Twindosing genannte Abgasreinigungssystem mit zwei SCR-Katalysatoren. AdBlue wird direkt vor die beiden in Reihe geschalteten Katalysatoren eingespritzt, was die Stickstoff-Emissionen deutlich reduzieren soll.

Warum heißt Grund 4 nun Elektrifizierung? Dazu kommen wird jetzt.

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Mit der Bezeichnung eTSI ziehen Mildhybride mit 48V-Bordnetz auf breiter Basis ein. Der 110 PS starke Dreizylinder und die beiden 1.5 TSI mit 130 und 150 PS sind optional mit 7-Gang-DSG lieferbar. Dann ist automatisch das Mildhybridsystem Teil des Antriebsstrangs.

Gleich zwei Nachfolger bekommt der Golf GTE. Der Plug-in-Hybrid läuft bei VW ab sofort unter der Bezeichnung eHybrid. Hier haben Kunden die Wahl zwischen einer mehr auf Effizienz ausgelegten Variante mit 150 kW / 204 Systemleistung oder einem sportlicheren Modell mit 180 kW / 245 PS.
Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Speicherkapazität von 13 kWh – deutlich mehr als die 8,7 kWh des Golf GTE in der siebten Generation.

Vor allem für Fahrer von Firmenwagen dürfte der neue Golf eHybrid eine interessante Alternative werden, da für ihn nur der halbierte Satz bei der Versteuerung anfällt. Gleichzeitig tritt der eHybrid dezenter auf als der GTE. Diese Bezeichnung wird der Plug-in-Hybrid mit 245 PS Systemleistung weiterhin tragen.

Grund 5: Vielfalt

Wenn 2020 die beiden eHybride leicht zeitversetzt zu den Benzinern und Dieselmodellen auf den Markt kommt, ist das Golf-Programm noch nicht komplett. Trotz überschaubarer Zahlen setzt VW weiterhin auf den Erdgasantrieb. Der Golf TGI wird den bekannten 1,5-Liter-Vierzylinder mit 96 kW 7 130 PS unter der Motorhaube haben. CNG (Compressed Natural Gas) soll als primärer Treibstoff diesen, ein nur noch kleiner Benzintank gilt als Reichweitenverlängerer.

Auch die Sport-Golf-Gruppe ist gesetzt. Auch den achten Golf wird es wieder als GTI und GTD geben. Der Golf R wird von den Wolfsburger mit „mehr als 300 PS“ in Aussicht gestellt. Er kommt wieder serienmäßig mit Allradantrieb. Auch den 150 PS-TDI wird als optional als 4Motion-Golf geben.
Neben dem fünftürigen Kompaktmodell steht auch ein neuer Golf Variant in den Startlöchern. Vor allem als eHybrid dürfte er neue Kundengruppen erschließen, womit wir auch hier wieder bei den Nutzern von Firmenwagen ankommen.

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Die Ausstattungslinien werden mit dem Modellwechsel neu sortiert. Das Basismodell des Golf hat keinen Zusatznamen. Darüber rangiert der Golf Life. Dann trennt sich die Linie. Wer mehr Komfort und Noblesse sucht, der greift zum Golf Style. Einen sportlichen Charakter mit entsprechenden Details innen und außen findet man beim Golf R-Line.

Zum Jahreswechsel 2019 / 2020 kommt der neue VW Golf auf den Markt. Er ist dann übrigens das erste Modell, mit dem das zur IAA 2019 eingeführte neue Markenlogo ins Straßenbild kommt. Das unterscheidet sich aber nur leicht vom bisherigen. Also „ganz der Golf“, könnte man sagen.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller