Bestune aus dem FAW-Konzern kommt mit Benziner-Modellen zu Preisen ab 26.995 Euro.
Eine Welle mit Automarken und -modellen aus China ist es nicht mehr, schon eher ein beständiger Fluss oder eine Flut. Sie spült jetzt auch Bestune zu uns nach Deutschland. Wie Hongqi ist Bestune Teil des Staatskonzern FAW (First Automotive Group). Das 1953 gegründete Unternehmen war der erste Autohersteller Chinas und ist, neben SAIC, einer der beiden großen Joint-Venture-Partner des Volkswagen-Konzerns.
Jetzt rollt, nach ersten Versuchen vor fünf Jahren (siehe unten) die Marke Bestune bei uns an den Start. Drei Modelle werden vom auf Fahrzeuge aus China spezialisierten Importeur Indimo Automotive über das bestehende Händlernetz mit rund 200 Standorten vertrieben. Unter der Haube den Hauben stecken Benzinmotoren ohne Elektrifizierung.
Bestune B70
Der Bestune B70 ist eine 4,86 Meter lange, 1,84 Meter breite und 1,46 Meter hohe Fließheck-Limousine. Nicht nur auf den ersten Blick könnten manche Betrachter den Chinesen mit einem Toyota Camry verwechseln, das Design wirkt asiatisch-gefällig und verzichtet auf Extravaganzen. An der Front mit LED-Leiste prangt das illuminierte Logo in einer horizontalen Ausrichtung.
Einen Knopf zum Öffnen der Heckklappe sucht man am Auto vergeblich, sie schwingt nur nach Druck auf die Taste am Schlüssel oder das Pendant im Cockpit nach oben. Das Volumen des Kofferraums ist noch nicht bekannt, dürfte nach subjektiver Einschätzung aber bei rund 500 Litern liegen. Auch die Seitenwände sind mit Auslegeware verkleidet, auf der linken Seite kann man eine Einkaufstasche an einem Haken befestigen. Die Lehne der Rücksitzbank ist zweigeteilt nach vorne klappbar.
Bei der ersten Sitzprobe gefällt das gute Platzangebot für die Beine großer Menschen im Fond. Ein Vorteil des langen Radstands von 2,80 Metern. Auch die Sitzbank ist bequem, das abfallende Dach und die Scharniere der Heckklappe drücken aber von oben auf die Frisur. Auch vorne hat man viel Raum in alle Richtungen, trotz des serienmäßigen Schiebedachs auch nach oben. Nur der Fahrersitz ist elektrisch einstellbar. Der manuelle Beifahrersitz verzichtet auf eine Höheneinstellung.
Das Cockpit mit zwei großen Displays unter einer gemeinsamen, leicht in Richtung Fahrer geneigten, Abdeckung wirkt zeitgeistig. Bei der Infotainment-Ausstattung muss man im Bestune B70 jedoch Abstriche machen. DAB-Radio gibt es nicht, das System setzt auf FM und AM. Die Integration von Smartphone-Inhalten gelingt über den Umweg der Carbit-App im Fahrzeug. Mit einem Dongle kann man die automatische Verbindung dann im täglichen Gebrauch einrichten. Die Fahrassistenz umfasst eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Spurverlassenswarner, Spurhaltefunktion und Totwinkelüberwachung. Da die Bestune-Modelle mit Einzelzulassung auf den Markt kommen, ist aktuell keine Verkehrszeichenerkennung mit Warnton an Bord.
Verarbeitung und Materialien sind auf den ersten Blick weitestgehend in Ordnung. Details wie die arg billig wirkende Tastenleiste in der Mittelkonsole lassen aber Raum für mehr Wertigkeit. Zur Serienausstattung des B70 gehören eine (nur über den Touchscreen einstellbare) Einzonen-Klimaanlage, 360-Grad-Kamera-Rundumsicht, Parksensoren am Heck und das erwähnte Schiebedach mit Verdunkelungsrollo.
Unter der Haube des B70 steckt ein zwei Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 195 kW / 265 PS, der ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmetern entwickelt. Ein Automatikgetriebe ist serienmäßig. Den Herstellerangaben zufolge erreicht die Limousine erst bei 230 km/h ihre Höchstgeschwindigkeit, der WLTP-Normverbrauch soll bei 7,5 l/100 km liegen. Angesichts der vielen durstigen Verbrenner aus China, die wir bereits (er)fahren konnten, rechnen wir mit einem deutlich höheren Alltagsverbrauch. Der Preis der großen Fließhecklimousine, die mit einer Neuwagengarantie für den Zeitraum von drei Jahren ohne Kilometerbegrenzung ausgeliefert wird, liegt bei 29.995 Euro.
Bestune B70S
Als SUV-Crossover mit Fließheck im Stil des Cupra Formentor tritt der Bestune B70S an. Er teilt sich den Zweiliter-Benziner mit der Limousine und soll damit bis zu 200 km/h schnell werden.
Die Karosserie ist mit 4,56 Metern 30 Zentimeter kürzer, die Höhe wächst um sechs Zentimeter auf 1,52 Meter. Einen anderen Weg schlägt das Design ein. Die Front steht steiler im Fahrwind, das Markenlogo ist aufrecht im Grill platziert. Scheinbare Lufteinlässe an der Fuge zur Motorhaube entpuppen sich leider schon auf den ersten Blick als Fake-Kunststoffblenden. Die Scheinwerfer tragen eine prägnante LED-Tagfahrlicht-Signatur. Auch der voluminöse Dachspoiler am Heck trägt dick auf.
Hinter der elektrischen Heckklappe, die auch hier nur per Tastendruck im Auto oder am Schlüssel zu öffnen ist, wartet ein 360 Liter großer Kofferraum auf Gepäck. Davor wird es im Fond etwas enger als im B70, was vor allem am um fünf Zentimeter geringeren Radstand des Crossover-Modells liegt. Vor allem der Knieraum ist deutlich eingeschränkt.
Das Cockpit hat eine andere Verkleidung der Displays mit einer zusätzlichen Dekorfläche vor dem Beifahrer. Große Kacheln in zwei Ebenen lassen die Menüführung auf dem zentralen Touchscreen moderner erscheinen. Die Ausstattung entspricht aber der des B70. Auch im B70S lassen sich also Apple CarPlay und Android Auto nur über den App-Umweg anzeigen. Der Bestune B70S wird zum Listenpreis von 31.995 Euro bei den Händlern stehen.
Bestune T77
Der dritte neue Bestune ist ein alter Bekannter, zumindest für treue AUTONOTIZEN-Leser. Schon vor fünf Jahren (!), im Januar 2021, konnten wir mit dem kompakten Crossover-Modell zum
ersten Fahrbericht
starten. Konzernpolitische Entscheidungswege haben damals den geplanten Marktstart verhindert, jetzt wird er nachgeholt.
Der T77 hat sich seitdem scheinbar nicht verändert. Im schnelllebigen chinesischen Automarkt mit steten Überarbeitungen und Facelifts ist das eine Überraschung. Auch 2026 bietet der 4,51 Meter lange, 1,84 Meter breite und 1,62 Meter hohe T77 viel Platz in beiden Reihen.
Das Cockpit mit zwei Displays unter Hutzen als Schutz vor Blendung ist gut bedien- und ablesbar, wobei auch hier der Touchscreen manchmal verzögert auf Berührungen reagiert. Wieder gilt: Über eine App können Inhalte des eigenen Smartphones Einzug halten. Elektrisch einstellbare Vordersitze mit Heizung, ein Panorama-Glasschiebedach und Klimaautomatik sind serienmäßig an Bord.
Für Vortrieb sorgt ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 118 kW / 160 PS und 258 Newtonmetern Drehmoment. Die Kraft wird über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder geschickt. Mit einem Preis von 26.995 Euro ist der T77 das Einstiegsmodell in das Bestune-Trio auf dem deutschen Markt.
Fazit
Mit Bestune bringt Importeur Indimo eine weitere chinesische Marke bei uns an den Start. Schon vor fünf Jahren sollten erste Modelle unter dem Label des Staatskonzerns FAW, der auch lokaler Partner von Volkswagen ist, bei uns starten – jetzt ist es so weit.
Der T77 soll zum Preis von 26.995 Euro in der Kompakt-SUV-Klasse um Skoda Karoq und Nissan Qashqai auf Kundenfang gehen. Darüber positionieren sich die adrette Fließheck-Limousine B70 für 29.995 Euro und das SUV-Coupé B70S im Format eines Cupra Formentor für 31.995 Euro. Beide haben einen zwei Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 265 PS unter der Haube.
Im Video: Bestune T77 Fahrbericht 2021