Der neue Hyundai Tucson im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video-Review.
Der Hyundai Tucson ist der Bestseller im Programm der südkoreanischen Marke. Mit über 19.000 Exemplaren von Januar bis einschließlich August 2026 ist die SUV-Baureihe auch in Deutschland, das meistverkaufte Hyundai-Modell. Trotz der Wichtigkeit des Tucson halten die Designer bei Modellwechseln sichtbar wenig davon, bestehende Rezepte nur evolutionär weiterzuentwickeln.
Neues Tucson-Design
Bei seiner Premiere 2019 (Verkaufsstart in Europa 2020) sorgte auch die jetzt abzulösende Generation für staunende Gesichter. Auf ein zurückhaltend gezeichnetes Kompakt-SUV folgte der damals neue Tucson im futuristischen Design mit vielen Kanten, in den Grill integrierten Leuchten und neuer Cockpit-Architektur. Im Frühjahr 2027 rollt die fünfte Tucson-Auflage zu den Händlern. Erneut bricht sie mit Traditionen. Einzig die Seitenpartie zwischen den weit ausgestellten Radhäusern erinnert mit ihren teils diagonalen Linien an den Vorgänger. Im Stil der aktuellen Hyundai-Designsprache „Art of Steel“ zeigt der Neuling schmale LED-Streifen an Front und Heck und betonte Kanten. Die optionalen Pixel-LED-Scheinwerfer nutzen 25.600 einzeln ansteuerbare Mikro-LED für eine adaptive Lichtverteilung.
Die Länge wächst auf 4,56 Meter, die Breite auf 1,90 Meter. Außerdem legen die Höhe des Tucson auf jetzt 1,67 Meter und der Radstand auf 2,72 Meter zu. Das größere Format soll auch für mehr Platz im Kofferraum sorgen. Dessen Volumen wird beim reinen Verbrenner mit üppigen 695 Litern angegeben. Unter dem doppelten Ladeboden hält der Tucson nicht nur Ablagefächer bereit, sondern auch eine gewohnt praktische Arretierungsmöglichkeit für das Laderaum-Rollo. Die Lehne der Rücksitzbank ist, im Verhältnis 40:20:20, dreigeteilt nach vorne umklappbar.
Der Hyundai Tucson im Video
Auf den ersten Blick dürften Betrachter den neuen Tucson für ein Elektroauto halten (und, soviel Subjektivität sei zwischen den Klammern erlaubt: er hat gewisse Ähnlichkeiten mit den aktuellen EV-Modellen von Konzernschwester Kia). Unter dem neuen Blechkleid nutzt der Tucson aber die bekannte Plattform in überarbeiteter Form und setzt auf den bekannten Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Litern Hubraum in verschiedenen Elektrifizierungs-Stufen.
Im Basismodell leistet der aufgeladene Vierzylinder 110 kW / 150 PS. Er ist an ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt und treibt die Vorderräder an. Gegen Aufpreis ist dieser Benziner als 48V-Mildhybrid mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) zu haben. Die Anhängelast liegt in beiden Fällen bei 1.700 Kilogramm.
Wer den Hyundai Tucson mit Allradantrieb fahren möchte, der greift zu einem der beiden stärker elektrifizierten Hybride, die wahlweise mit zwei oder vier angetriebenen Rädern zu Wahl stehen werden und mit einer Sechsstufen-Automatik ausgestattet sind. Die Vollhybrid-Version ohne Stecker (Akku-Kapazität: 1,49 kWh) hat mit der Kombination aus Benziner und Elektromotor eine leicht auf 180 kW / 245 PS gesteigerte Systemleistung. In 8,3 Sekunden beschleunigt der Tucson HEV (Hybrid Electric Vehicle) aus dem Stand auf 100 km/h – 1,7 Sekunden schneller als der 1.6 T-GDI mit DCT-Automatik. Die Anhängelast steigt auf 1.910 Kilogramm.
Beim neuen Hyundai Tucson Plug-in Hybrid steigt die Kapazität des extern per Kabel aufladbaren Akkus auf 17,1 kWh. Damit dürfte die elektrische Reichweite (bisher mit 13,8 kWh 63 Kilometer) deutlich steigen. Vor der Homologation des Modells liegt dieser Wert aber noch nicht vor. Auf schnelles Laden über CCS verzichtet der Hyundai Tucson PHEV, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, auch in neuer Generation. Über den Typ-2-Anschluss kann Strom auch weiterhin nur einphasig mit maximal 7,2 kW geladen werden. An einer 11-kW-Wallbox sind also rund 3,6 kW zu erzielen, ein vollständiger Ladehub dürfte knapp über fünf Stunden dauern.
Die Systemleistung des Plug-in Hybriden liegt, unabhängig von der Zahl der Antriebsräder bei 215 kW / 292 PS. In 7,9 Sekunden geht es für die Allrad-Version auf Landstraßentempo. Der Stecker-Tucson soll bis zu 1.810 Kilogramm an den Haken nehmen können. Einen Diesel wird es in der neuen Tucson-Generation nicht mehr geben.
Die Sitzprobe
Bei der ersten Sitzprobe zeigt auch der neue Hyundai Tucson, dass er die Ansprüche an ein Familienauto voll erfüllt. Im Fond geht es geräumig zu, die Lehnenneigung ist manuell einstellbar. Große Menschen freuen sich über eine angenehm hohe Sitzposition, man muss die Beine also nicht zu stark anwinkeln. Zusätzlich zur herausklappbaren Mittelarmlehne gibt es weitere Becherhalter in der Türverkleidung, je nach Ausstattung zudem versenkbare Sonnenschutz-Rollos für die Seitenscheiben. Die USB-C-Steckplätze sind, das ist bereits aus den meisten Modellen des koreanischen Konzerns bekannt, in den Verschalungen der Vordersitzlehnen. In der Mittelkonsole lassen sich die Richtung des Luftstroms und die Temperatur der optionalen Dreizonen-Klimaautomatik steuern.
Nicht nur Eltern kleiner Kinder, die Isofix-Sitze ins Auto bugsieren müssen, freuen sich über weit öffnende Fond-Türen mit 83 Grad maximalem Winkel. Auch die Vordertüren sorgen für ein Aha-Erlebnis. Nach Rolls-Royce und Skoda zeigt sich hier auch Hyundai „simply clever“, und zwar in Form von zwei Regenschirmen – einer für den Fahrer und einer für den Beifahrer. Sie stecken in der Türverkleidung, die innen Elemente in der Farbe der Innenausstattung und Teile der Ambiente-Beleuchtung trägt. In den höheren Ausstattungslinien lassen sich beide Vordersitze elektrisch verstellen. Man sitzt aufrecht mit guter Übersicht und viel Platz, optional wird es „Ergo Motion“-Sitze mit Massage geben. Die Mittelkonsole beherbergt zwei Becherhalter, ein Ablagefach unter der Armlehne und zwei induktive Ladeablagen für Smartphones mit jeweils 15 Watt Leistung, eine davon tiefer im Kellergeschoss. Bei den Versionen mit Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik wird die Fahrstufe über einen Hebel an der Lenksäule eingelegt. Wie die Mittelkonsole im Basismodell mit Handschaltung aufgeteilt ist, konnten wir noch nicht sehen.
Cockpit und Infotainment
Neue Wege geht der Hyundai Tucson mit dem Modellwechsel bei der Gestaltung des Cockpits. Hinter dem Multifunktionslenkrad, das wie bei den elektrischen Ioniq-Modellen der Marke auf dem Pralltopf vier Leuchtdioden anstelle des Markenlogos zeigt, blickt man auf Kunststoff. Die für den Fahrer relevanten Informationen sind weiter oben auf einer schmalen Display-Leiste unter der Windschutzscheibe versammelt. Für bessere Sicht ist der Kanz des Lenkrads abgeflacht. Trotz des hohen Displays wird es, abhängig von der gewählten Ausstattung bzw. Konfiguration, auch ein Head-up-Display geben, das seine Anzeigen direkt auf die Windschutzscheibe projiziert.
Je nach Ausstattung hat der zentrale Infotainment-Touchscreen eine Bildschirm-Diagonale von 12,9 oder 17 Zoll. Die „Pleos“ genannte Software nutzt Android als Betriebssystem. Darauf setzen die Programmierer von Hyundai ihre eigene Navigationslösung mit großer Kartenansicht. Die sehr vielschichten Menüs zur Einstellung vielfältiger Fahr- und Komfortfunktionen wird vor dem Start mit dem neuen Auto vielen Kunden etwas Einarbeitung abverlangen. Am unteren Rand des Bildschirms erlaubt eine feststehende Leiste den direkten Zugang zu wichtigen Menüpunkten. Die Icons sind aber etwas klein geraten. Gut, dass unter dem Modul wichtige Klimafunktionen bis hin zur Sitzheizung und -lüftung über solide Kippschalter steuerbar sind. Es gibt auch Drehregler für die Audiolautstärke und die Änderung des Radiosenders oder Musikstücks bzw. zur Änderung des Navigationskarten-Maßstabs. Alternativ zur serienmäßigen Lautsprecheranlage wird man ein Soundsystem mit 12 Lautsprechern der Marke Bang & Olufsen bestellen können.
Marktstart und Preis
Die Europa-Variante des neuen Hyundai Tucson, die wieder in Tschechien gebaut wird, feiert im Rahmen der Paris Motor Show ihre Publikumspremiere. Im Frühjahr 2027 rollen die ersten Exemplare des Kompakt-SUV zu den Händlern. Preise werden aktuell noch nicht verraten. Der Vorgänger startet aktuell in der Basis-Ausstattungslinie Select mit 150 PS starkem Benziner und manuellem Getriebe bei 36.490 Euro. Der Nachfolger dürfte etwas teurer werden, aber dennoch sichtbar unter der 40.000-Euro-Marke bleiben.
Fazit
Beim Design geht der Hyundai Tucson (mal wieder) neue Wege, technisch bleibt er sich weitestgehend treu. Auch in Zukunft fährt der SUV-Bestseller in Europa als Benziner, Hybrid und Plug-in Hybrid vor und soll damit eine Alternative zu den vollelektrischen Ioniq-Modellen der Marke darstellen. Im Gegensatz zur Gestaltung von Exterieur und Interieur fehlen bei den Antrieben zu Modellwechsel große Sprünge. Wir sind auf erste Testfahrten und auch auf die Effizienz des neuen Tucson gespannt. Antworten werden wir wohl im kommenden Jahr liefern können.