Kia bringt ein kleines Elektroauto im SUV-Format. Der EV2 im ersten Check mit Sitzprobe, auch im Video.
Kia zieht im Rahmen der Brüssel Motor Show das Tuch vom kleinsten Elektroauto der Marke. Der EV2 feiert seine Weltpremiere, schon im Februar startet die Produktion im slowakischen Zilina. Nach dem kompakten EV4 mit Steilheck ist der EV2 das zweite Elektroauto, das Kia in Europa fertigt. Als SUV im Kleinwagensegment tritt der Kia EV2 gegen den Renault 4 und BYD Atto 2, aber auch gegen Opel Mokka und den kommenden VW ID. Cross an. Konzernintern darf auch der Hyundai Inster zum Kreis der Mitbewerber zählen, wenngleich er etwas kleiner ist.
Stimmiges Design-Konzept
4,06 Meter lang ist die Karosserie des Kia EV2, außerdem 1,58 Meter hoch und 1,80 Meter breit. Der Radstand beträgt 2,57 Meter. Das kleine SUV folgt der aktuellen Designlinie des Hauses mit dem Namen „Opposites United“ (vereinte Gegensätze) und ist sofort als Verwandter des großen SUV EV9 zu erkennen. Auch Sicht des Autors dieser Zeilen wird die Kia-Formensprache beim EV2 am besten umgesetzt. Die Proportionen passen, das Auto hat eine gute Präsenz, ohne wuchtig zu wirken.
Als technische Basis nutzt der EV2 die E-GMP-Plattform in der Ausprägung für Frontantrieb und 400-Volt-Technologie. Die Vorderräder werden von einem rund 108 kW (147 PS) starken Elektromotor angetrieben, die finalen Leistungsdaten liegen zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Zwei Akkuvarianten werden angeboten.
Das Standard-Range-Modell mit 42,2 kWh großem LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) bietet eine WLTP-Normreichweite von 317 Kilometern. Außerdem kann man den Kai EV2 Long Range mit einem NMC-Akku (Nickel Mangan Kobalt) bestellen, der mit 61 kWh Batteriekapazität auf eine Reichweite von bis zu 448 Kilometern kommen soll. Diese Variante beschleunigt in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, der etwas leichtere EV2 Standard Range ist in 8,7 Sekunden auf Landstraßentempo. Die Höchstgeschwindigkeit liegt in beiden Fällen bei 160 km/h.
Der Kia EV2 im Video
Erstmals bietet Kia, als Alternative zum serienmäßigen 11-kW-Lader die Option von dreiphasigem Laden mit 22 kW an. Gerade bei einem Auto, das vornehmlich im urbanen Alltag und im Pendelverkehr bewegt wird, ist das ein deutlicher Komfortgewinn. An einer öffentlichen 22-kW-Ladesäule ist die Batterie nach gut zweieinhalb (Standard Range) bzw. drei Stunden (Long Range) vollständig geladen, beispielsweise bei der Rückkehr von einem Einkaufsbummel oder Termin. Blockier-Gebühren, die meist nach vier Stunden anfallen, fallen nicht an (sofern man die Uhr im Auge hat). Mit dem 11-kW-Lader ist der EV2 nach etwas mehr als vier (Standard Range) bzw. fünfeinhalb Stunden (Long Range) wieder vollgeladen. Wer also meist zuhause oder am Arbeitsplatz sein Elektroauto mit Strom versorgt, ist auch damit gut bedient. Über den CCS-Anschluss wird der Kia am Schnelllader angeschlossen, in einer halben Stunde kann man den Füllstand von zehn auf 80 Prozent der maximalen Akku-Kapazität bringen. Die Anschlüsse sind im rechten vorderen Kotflügel zumindest für Straßenrand-Parker sinnvoll platziert.
Eine Wärmepumpe, die auch im Winter die Reichweiten einigermaßen stabil hält, wird es als Option geben. Sofern der EV2 mit dem, ebenfalls aufpreisfplichtigen, Werks-Navigationssystem ausgestattet ist, lassen sich am Smartphone geplante Zielführungen mit Ladestopps ans Auto schicken. Unterwegs wird der Akku vor der Pause am Schnelllader vorkonditioniert. Diese Heizfunktion kann man im Infotainment-System alternativ manuell einstellen – auch dann, wenn kein Navi an Bord ist.
Die Sitzprobe
Serienmäßig kommen alle EV2 mit zwei 12,3 Zoll großen Displays für Fahrdaten und Infotainment. Die kabellose Smartphone-Integration mit Apple CarPlay und Android Auto ist ab Werk dabei. Die Software lässt sich „over the air“ updaten. Alle Anzeigen und die Menüstruktur sind aus anderen Kia-Baureihen bekannt und gewohnt intuitiv, der zentrale Touchscreen reagiert schnell auf Befehle. Bekannt ist auch das kleine Mitteldisplay für wichtige Klimafunktionen. Diese Anzeige ist vom Fahrer größtenteils nicht einsehbar, da Lenkradkranz und rechte Hand die Sicht versperren.
Für die Änderung von Temperatur und Luftstrom-Intensität gibt es praktische Kippschalter im Cockpit, außerdem eine gut erreichbare Walze zum Einstellen der Audio-Lautstärke und eine Leiste mit Tastfeldern zur Ansteuerung wichtiger Menüebenen. Auch im Lenkrad vertraut der EV2 auf einzelne Knöpfe, was die Bedienung erleichtert.
Mit Textilflächen wirkt das Armaturenbrett wohnlich, Ambientelicht in der Mittelkonsole und auch in den Türverkleidungen lockern das Ambiente auf. Je nach Ausstattungslinie wird es unterschiedliche Bezüge für die Sitze geben, außerdem stehen verschiedene Fond-Varianten zur Wahl. Die Vordersitze sind großzügig geschnitten und haben bequeme Netz-Kopfstützen. In der Topausstattung lässt sich der Fahrersitz elektrisch einstellen, zwei Positionen kann man abspeichern. Neben einer Sitzheizung ist sogar eine Lüftung lieferbar.
Der Fünfsitzer bietet in der zweiten Reihe klassenübliche Platzverhältnisse für Knie und Füße. Also wird es für große Menschen schon mal eng. Über jeden Zweifel erhaben ist dagegen die Kopffreiheit unter dem hohen Dach. Es gibt Haltegriffe im Dachhimmel und Haken für Jacken, in den Verkleidungen der Vordersitze sind gut erreichbare USB-C-Anschlüsse mit jeweils 100 Watt Leistung zu finden. Das Kofferraumvolumen des Kia EV2 in fünfsitziger Konfiguration beträgt 362 Liter.
Optional ist das kleiner SUV als Viersitzer zu haben. Mit den beiden in der Länge verschiebbaren Einzelsitzen wird die Variabilität deutlich erhöht. In hinterster Position bieten sie üppigen Fußraum für alle Staturen. Auch der Abstand zwischen Sitzfläche und Boden ist ausreichend bemessen (die Achilles-Ferse auch in vielen größeren Elektroautos mit Akku unter dem Passagierraum). In dieser Einstellung wird das Kofferraumvolumen deutlich verkleinert, bei ganz weit nach vorne gefahrenen Sitzen steigt es auf 403 Liter. Die Abhilfe für vierköpfige Reisegruppen im EV2 könnte eine Gepäckbox sein. Sie lässt sich auf der optionalen Anhängerkupplung montieren. 750 Kilogramm Nutzlast sind ausreichend für Grünschnitt und Möbelhausbesuche, in den meisten Fällen dürfte man hier aber eher Fahrradträger oder eben eine entsprechende Kiste zur Laderaumerweiterung montieren. Kleinere Dinge finden zudem im 15 Liter großen Staufach unter der vorderen Haube ihren Platz. Die flache Ablage reicht aber, dem ersten Anschein nach, eher für Eiskratzer und Schneebesen als für ein Ladekabel.
Extras aus höheren Klassen
Wie gewohnt wird auch diesen Kia in unterschiedlichen Ausstattungslinien bis hin zur GT-Line mit einem sportlicheren optischen Auftritt geben. 16-Zoll-Felgen sind in der Basis serienmäßig, 18-Zöller ausstattungsabhängig erhältlich. Der Kia EV2 GT-Line steht auf 19-Zoll-Leichtmetallfelgen.
Alle Varianten zeigen mit unlackierten Kunststoffelementen an Font, Heck und Radläufen einen hohen Alltagsnutzen. Die tiefliegenden Rückleuchten sind weit genug eingerückt, um nicht bei jedem kleinen Parkrempler zu zerbersten (eine Annahme, deren Realitätsnähe wir aber nicht testen wollen). Bei den Komfortextras kommen Technologien der größeren Modelle auch im EV2 zum Einsatz. Man kann den Highway Driving Assist 2.0 mit assistiertem Spurwechsel wählen und das Auto auf Wunsch mit dem Schlüssel fernbedient ein- oder ausparken. Die Geschwindigkeitsregelanlage übernimmt Informationen der Verkehrszeichenerkennung, eine 360-Grad-Kamerarundumsich hilft beim Rangieren.
Fans von Entertainment-Marken profitieren zudem von einem Lizenzvertrag zwischen Disney und Kia. Auch im EV2 kann man die Grafiken im Infotainment-Menü mit Charakteren von Star Wars, Marvel, Pixar oder National Geographic individualisieren.
Marktstart und Preis
Nach dem Produktionsstart im Februar dürften im April die ersten Exemplare des Kia EV2 Standard Range zu den Händlern kommen. Im Juni beginnt in der Slowakei die Fertigung der Versionen mit großem Akku und der GT-Line.
Preise wurden zur Premiere des EV2 noch nicht verraten. Wir gehen von rund 27.000 Euro für das Basismodell aus. Damit unterbietet der Kia EV2 Wettbewerber wie den Renault 4 (ab 29.500 Euro mit 40 kWh großem Akku) deutlich, liegt aber über dem kleineren Hyundai Inster – er kostet in der Basis 23.900 Euro. VW hat die Basis des kommenden ID.Polo mit knapp unter 25.000 angekündigt, der darauf basierende ID.Cross dürfte wohl ab rund 27.500 Euro kosten.
Fazit
Der kleinste Elektro-Kia hat das Zeug, ein großer Erfolg zu werden. Weder beim Platzangebot, noch bei den Komfortextras und dem Infotainment muss man im 4,06 Meter langen SUV Abstriche machen. Das geometrische Design passt gut zum kompakten Format es Autos. Wir warten gespannt auf die Preise und den ersten Fahreindruck.