Die Skateboard-Plattform des elektrischen Transporters erlaubt flexible Aufbauten.
Renault nutzt die Messe IAA Transportation (15. – 20. September 2026 in Hannover) für den ersten öffentlichen Auftritt seiner neuen Elektro-Transporter-Generation. Der Trafic E-Tech kommt zusätzlich zum bekannten Verbrenner-Modell auf den Markt.
Oben Kasten, unten Skateboard
Damit soll die lange Historie der Baureihe in die Neuzeit übertragen werden. Seit dem Start im Jahr 1980 wurden, über drei Modellgenerationen, mehr als 2,5 Millionen Trafic produziert. Der elektrische Bruder läuft im gleichen Werk im französischen Sandouville vom Band. Entwickelt wurde die neue Nutzfahrzeug-Generation gemeinsam mit Volvo (dem Lkw-Hersteller) und dem Logistik-Unternehmen CMA CGM. Zwischenzeitlich hat Renault das geplante Gemeinschaftsunternehmen Flexis übernommen und setzt das Projekt unter eigener Flagge fort.
Der neue Renault Trafic E-Tech nutzt eine Skateboard-Plattform mit Heckmotor. Diese Basis erlaubt flexible Aufbauten für unterschiedliche Branchen und Transportaufgaben. Auch Camper und Wohnmobile mit Elektroantrieb sind denkbar. Die Anordnung der Antriebsmaschine an der Hinterachse ermöglicht einen Wendekreis, der mit 10,3 Metern auf dem Niveau von Kleinwagen wie dem Renault Clio liegen soll.
Zwei Akku-Varianten
Der Elektromotor leistet 150 kW (204 PS) und bringt ein Drehmoment von 345 Newtonmetern. Je nach Ausstattung und Aufbau beträgt die Nutzlast beim Kastenwagen bis zu 1,25 Tonnen, die Anhängelast bis zu zwei Tonnen. Erstmals setzt Renault beim Trafic E-Tech auf eine 800-Volt-Architektur, die schnelles Laden über CCS mit bis zu 240 kW Leistung im Peak ermöglicht. Der Hub von 15 auf 80 Prozent, oder nach Herstellerangaben das Nachladen von Strom für eine Strecke von rund 260 Kilometern, lassen sich in 20 Minuten erledigen. An einer Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule zieht das Fahrzeug Energie über drei Phasen mit 11 kW. Über die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) können externe Verbraucher, beispielsweise Arbeitsgeräte, mit Strom versorgt werden.
Zum Marktstart steckt ein NMC-Akku (Nickel-Mangan-Kobalt) mit 81 kWh Speicherkapazität im Fahrzeugboden, der beim Kastenwagen für bis zu 450 Kilometer Reichweite sorgen soll. Für den Einsatz im urbanen Raum wird es auch einen LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit 60 kWh für 350 Kilometer Reichweite geben.
Der Renault Trafic E-Tech ist als SDV (Software Defined Vehicle) konzipiert. Als Grundlage für das Infotainment-System, das über einen 12 Zoll großen Touchscreen im Cockpit bedient wird, nutzen die Franzosen Googles Android Software. Bekannte Programme wie Google Maps für die Navigation (unter Berücksichtigung der Fahrzeugabmessungen) und der Play Store zum Download von Apps sind ab Werk dabei, ebenso die KI-Sprachsteuerung Google Gemini. Die Softwareplattform erlaubt zudem die Integration von branchenspezifischen Softwareprogrammen. Kurier- und Lieferfahrer haben dann die Möglichkeit, Routen direkt im Fahrzeug zu planen und an eine Zentrale zu übermitteln. Updates kommen „over the air“ ins Auto. Renault spricht bei dieser fortlaufenden Aktualisierung von einem „Anti-Falten-Effekt“. Der gilt aber nicht für die Karosserie.
Zwei Karosserievarianten des Kastenwagens wird es geben. Beide sind 1,92 Meter breit und 1,90 Meter hoch, was die Einfahrt in Tiefgaragen und Parkhäuser ermöglicht. Der Renault Trafic E-Tech L1 ist 4,87 Meter lang und bietet 5,1 Kubikmeter Laderaum. Beim L2 wurde der Radstand um 40 Zentimeter verlängert, die Karosserie wächst auf eine Lände von 5,27 Metern und der Laderaum auf ein Volumen von 5,8 Kubikmeter.
Unter dem Namen Estafette wird es ein Trafic-Derivat mit Hochdach geben, das vor allem bei Kurierdiensten auf Interesse stoßen wird. Außerdem wird es Pritschenwagen mit und ohne Kipp-Funktion und verschiedene Fahrgestelle für Aufbauten geben.
Fazit
Der Renault Trafic E-Tech soll als „Software Defined Vehicle“ die passende Nutzfahrzeug-Alternative auf die Anforderungen unterschiedlicher Branchen sein. Sein Elektroantrieb und der Akku sind in einer Skateboard-Plattform integriert. Das ermöglicht unterschiedliche Aufbauten. Auch die Wohnmobil-Branche dürfte sich den elektrischen Trafic näher ansehen.